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Das große Evangelium Johannes, 8.- 15. Kapitel

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8. Kapitel

Ev.Joh.1,38. Jesus aber wandte Sich um, sah die beiden nachfolgen und sprach zu ihnen: „Was suchet ihr?“ Sie aber sprachen zu Ihm: „Rabbi (d. i. verdolmetscht: Meister), wo bist Du zur Herberge?“
[GEJ.01_008,01] Auch dieser Text erscheint als eine Folge der vorhergehenden und ist mehr historisch als geistig; denn damit beginnt vorderhand die bekannte, in ihrer Art noch ganz materielle Aufnahme der Apostel, und zwar in derselben Gegend, wo Johannes sein Wesen hatte, und zwar zu Bethabara, einem allerarmseligsten Flecken, den arme Fischer bewohnten, aus welchem Grunde sich die beiden Jünger auch alsobald nach der Herberge erkundigen und gewisserart fragen, welche Hütte Ich bewohne.
[GEJ.01_008,02] Denn da Ich Mich Selbst vor der Taufe bei vierzig Tage in dieser Gegend aufgehalten hatte und Mein menschliches Wesen durch Fasten und sonstige Übungen für das beginnende Lehramt vorbereitete, so ist es historisch auch klar und gewiß, daß Ich zu dem Behufe in diesem Flecken irgend eine Herberge haben mußte, die in ebenderselben wüsten und höchst unwirtlichen Gegend lag, die Ich für Mein Vorhaben als die tauglichste erkannte.
[GEJ.01_008,03] Die beiden Jünger wußten das wohl, daß Ich schon einige Zeit in dieser Gegend zu Hause war; denn sie mochten Mich wohl schon etliche Male allda gesehen haben, ohne jedoch eine Ahnung zu haben, wer Ich sei; daher erkundigten sie sich auch alsbald nicht nach Meiner eigentlichen Geburtsheimat, sondern nur nach der Herberge im Orte zu Bethabara, der zumeist aus den allerdürftigsten Fischerhütten bestand, die aus Lehm und Schilf erbaut waren und oft kaum die Höhe hatten, daß ein Mann darin aufrecht stehen konnte.
[GEJ.01_008,04] Und eine ähnliche Hütte, ziemlich tief in der Wüste, bewohnte denn auch Ich, die ein Werk Meiner Hände war. Von daher datieren sich noch heutzutage die fast in allen christlichen Landen vorkommenden Eremitagen. 
Ev.Joh.1,39. Er sprach zu ihnen: „Kommet und sehet es!“ Sie gingen mit Ihm und sahen es und blieben denselben Tag bei Ihm. Es war um die zehnte Stunde.
[GEJ.01_008,05] Es war solche Herberge sonach nicht ferne von dem Orte, wo Johannes sein Wesen trieb; daher sagte Ich denn auch zu den beiden Jüngern: „Kommet und sehet!“, worauf die beiden Mir auch unbedingt folgten, mit Mir bald Meine Herberge erreichten und sich allda nicht wenig wunderten, daß der Gesalbte Gottes beinahe die allerunansehnlichste Hütte bewohne, die dazu noch in einer allerunwirtlichsten Gegend dieser Wüste sich befinde!
[GEJ.01_008,06] Es geschah aber dies nicht etwa in der Zeit, innerhalb der in der Gegenwart die christlichen Gemeinden gewöhnlich die 40tägigen Fasten halten, sondern um zwei Monde später, und nach des Tages Zeit, als wir die Herberge erreichten, war es um die zehnte Stunde, also nach gegenwärtiger Zeitrechnung ungefähr um die dritte Stunde nachmittags; denn damals bestimmte der Aufgang der Sonne die erste Stunde des Tages. Da aber dieser nicht stets um die gleiche Zeit erfolgt, so können die damals angegebenen Tagzeiten, Stunden genannt, mit der gegenwärtigen Tageszeiteneinteilung in keine genaue, sondern nur in eine ungefähre Übereinstimmung gebracht werden; darum Ich denn auch oben sagte: Es war ungefähr um die dritte Stunde nachmittags, als Ich mit den beiden Jüngern die Herberge erreichte. – Da diese beiden Jünger diesen Tag bis zum Sonnenuntergang bei Mir zubrachten, so wird gewiß in eines jeden forschenden Lesers Gemüte die Frage entstehen, was wir drei in und bei Meiner Herberge in der Zeit von drei bis gegen acht Uhr gemacht haben. Denn geschrieben steht davon nirgends etwas. Diese Sache läßt sich ganz einfach sozusagen schon von selbst verstehen: daß Ich diese beiden von ihrer künftigen Bestimmung unterwies und ihnen auch zeigte, wie und wo Ich Mein Lehramt zuerst beginnen und wie Ich in dieser Gegend noch mehrere ihres Geistes und Willens zu Meinen Jüngern auf- und annehmen werde. Zugleich erteilte Ich ihnen auch den Auftrag, daß sie sich unter ihren Kollegen, die zumeist auch Fischer waren, erkundigen und beraten sollten, ob nicht welche geneigt wären, sich Mir anzuschließen. Das war diese Zeit hindurch unsere Unterhaltung. Als aber der Abend kam, entließ Ich die beiden, und sie begaben sich, zum Teil sehr heiter, zum Teil aber auch sehr nachdenkend, zu den Ihrigen zurück; denn sie hatten Weiber und Kinder und wußten nicht, was sie mit denselben machen sollten.
Ev.Joh.1,40. Einer aus den zweien, die von Johannes (über Jesum) also reden hörten und darauf Jesus nachfolgten, war Andreas, ein Bruder Simon Petri.
[GEJ.01_008,07] Einer aus den zweien mit Namen Andreas ist mit seinem Entschlusse bald fertig und will Mir um jeden Preis folgen; er sucht daher auch sogleich seinen Bruder Simon, der irgendwo noch mit seinen Fischnetzen zu tun hatte.
Ev.Joh.1,41. Derselbe findet am ersten eben diesen Bruder Simon und sagt zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden!“ (Messias heißt soviel als: der Gesalbte.)
[GEJ.01_008,08] Als er ihn nach einigem Suchen findet, so hat er nichts Wichtigeres zu tun, als dem Simon über Hals und Kopf zu erzählen anzufangen, daß er den verheißenen Messias gefunden habe mit noch einem Jünger, dessen Entschluß kein so fester war, Mir zu folgen.
Ev.Joh.1,42. (Simon wünscht Jesum zu sehen,) und Andreas führt in zu Jesus. Da ihn Jesus sah, sprach Er: „Du bist Simon, des Jonas Sohn; von nun an aber sollst du Kephas heißen (d.h. verdolmetscht: ein Fels)!“
[GEJ.01_008,09] Als Simon von Mir also reden hört, äußert er lebhaft den Wunsch, Mich sobald als möglich zu sehen; denn er war bei der Taufe nicht zugegen gewesen. Andreas spricht: „Heute kann es nicht füglich mehr geschehen, aber morgen sollst du bei Tagesanbruch bei Ihm sein!“
[GEJ.01_008,10] Spricht darauf Simon, der stets bei allem Tun vom Messias phantasierte und der Meinung war, daß der Messias der Armut helfen und die hartherzigen Reichen völlig vertilgen werde: „Bruder, da ist kein Augenblick zu verlieren; ich verlasse augenblicklich alles und folge Ihm bis ans Ende der Welt, so Er es verlangt. Führe mich daher nur sogleich zu Ihm hin; denn mich drängt es gewaltig, und ich muß Ihn heute noch sehen und sprechen. Die Nacht ist hell, und weit ist es bis zu Dessen Hütte nicht; daher machen wir uns nur sogleich auf den Weg zu Ihm hin! – Wer weiß es denn, ob wir Ihn morgen noch träfen?!“
[GEJ.01_008,11] Auf solches Drängen führt ihn Andreas zu Mir hin. Als sich aber beide schon ziemlich spät in der Nacht Meiner Herberge nahen, bleibt Petrus vor süßer Entzückung bei dreißig Schritt vor derselben stehen und sagt zum Andreas: „Es wird mir sonderbar zumute! Mich ergreift ein erhaben süßes Bangen; kaum getraue ich mir noch einen Schritt fürbaß zu tun, und doch ist in mir, Ihn zu sehen, ein so heißes Verlangen!“
[GEJ.01_008,12] Hier komme Ich aus Meiner Hütte den beiden Brüdern entgegen, was damit gesagt und gezeigt ist, daß Ich ihn sah; – es versteht sich von selbst, daß unter dem Von-Mir-Gesehen-Werden Mein Entgegenkommen bezeichnet ist, so jemand wie Simon vorzüglich im Herzen zu Mir kommt. Er wird deshalb von Mir auch sogleich erkannt, das heißt, angenommen, und ein neuer Name ist der erste Anteil für ihn an Meinem Reiche. Simon bekommt hier auch sogleich den Namen Kephas oder ein Fels im Glauben an Mich; denn Ich sah es schon lange, von welch einem Geiste Petrus belebt ist und war.
[GEJ.01_008,13] Dem Petrus oder Simon war diese Meine Anrede ein hinreichender Beweis, daß Ich unfehlbar der verheißene Messias sei; er gab hinfort auch keinem Zweifel über Mich in seinem Herzen mehr Raum und fragte Mich auch mit keiner Silbe je, ob Ich wohl der Rechte wäre, denn sein Herz war ihm der allein sichere und gültige Bürge. – Beide blieben nun bis zum Morgen bei Mir und verließen Mich nachher nicht mehr.

9. Kapitel

Ev.Joh.1,43. Des anderen Tages wollte Jesus wieder nach Galiläa ziehen, und findet Philippus und sagt zu ihm: „Folge Mir nach!“
[GEJ.01_009,01] Am Morgen sage Ich zu den beiden: „Meine Zeit in dieser Wüste ist zu Ende; Ich werde nach Galiläa ziehen, von wo Ich hierher kam. Wollet ihr mitziehen? Ich stelle es euch frei; denn Ich weiß es, daß ihr Weib und Kind habt und diese nicht leicht verlasset. Doch niemand, der Meinetwegen etwas verläßt, wird das Verlassene verlieren, sondern es nur vielfach wieder gewinnen.“
[GEJ.01_009,02] Spricht darauf Petrus: „Herr! Dir zuliebe verlasse ich mein Leben, geschweige denn mein Weib und Kind! – Die werden leben auch ohne mich; denn ich bin ein Bettler und kann ihnen wenig Brotes schaffen; unsere Fischerei trägt kaum für den halben Mund eines Menschen, geschweige für eine Familie eine ersprießliche Nahrung! Mein Bruder Andreas ist mir ein guter Zeuge. Zu Bethsaida sind wir wohl geboren; aber die Nahrung mußten wir hier an diesen wüsten, aber dennoch ziemlich fischreichen Ufern des Jordans suchen, allwo wir nun auch vom Johannes getauft wurden. Unser Vater Jonas aber ist wohl bei Kräften und unsere Weiber und Schwestern auch; dazu den Segen von oben, und sie werden sich schon durchbringen!“ – Ich belobe darum beide, und wir machen uns auf den Weg.
Ev.Joh.1,44. Philippus aber war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.
[GEJ.01_009,03] Auf dem Wege, der sich eine Zeitlang noch an den Ufern des Jordans hinzog, treffen wir Philippus, der, ebenfalls aus Bethsaida gebürtig, sich mit einem schlechten Netze schon in aller Frühe in den Wellen des Jordans ein Frühstück suchte. – Petrus machte Mich auf ihn aufmerksam und sprach: „O Herr! Dieser Mann leidet viel und ist sehr arm, aber dabei der ehrlichste und redlichste Mensch, voll wahrer Gottesfurcht in seinem Herzen! Wie wäre es denn, so Du ihn auch mitziehen ließest?“
[GEJ.01_009,04] Auf solch lieblichen Antrag Petri aber sage Ich nichts als: „Philippus, folge Mir nach!“ Dieser läßt sich die Sache nicht zweimal sagen, wirft sein Netzwerk vor sich hin und folgt Mir, ohne zu fragen wohin. Am Wege erst sagt zu ihm Petrus: „Dem wir folgen, ist – der Messias!“ Philippus aber sagt: „Das hat mir schon mein Herz gesagt in dem Augenblick, als Er mich allerliebreichst berufen hat.“
[GEJ.01_009,05] Philippus aber war ledig und bei den armen Fischern ein Lehrer, da er sich auf die Schrift so ziemlich verstand, und war mit Joseph von Nazareth persönlich bekannt, kannte somit auch Mich und wußte so manches, das sich bei Meiner Geburt und in Meiner Jugend zugetragen hatte. Er war auch einer von den wenigen, die in Meiner Person heimlich den Messias erhofften; aber da Ich von Meinem zwölften Jahre an nichts Wunderbares mehr verrichtete, sondern also lebte und arbeitete wie ein jeder andere ganz gewöhnliche Mensch, so verlor sich auch bei gar vielen Menschen der erste wunderbare Eindruck, den Meine Geburt bewirkte, ganz und gar; selbst die damals am meisten Erregten sagten, Meine Geburt sei bloß durch ein an sich selbst merkwürdiges Zusammentreffen aller möglichen Umstände und Erscheinungen also wunderlich berühmt geworden, mit denen aber Meine Geburt sicher in keinem Verbande stehe; auch habe sich das geniale Wesen Meiner Jugend derart gänzlich verloren, daß von selbem in Meinen männlicheren Jahren keine Spur irgend mehr anzutreffen sei! – Aber Philippus und noch einige wenige hielten bei sich eine gewisse Hoffnung auf Mich fest; denn sie wußten um die Weissagung Simeons und der Anna, die bei Meiner Beschneidung im Tempel geschah, und hielten darauf große Stücke.
Ev.Joh.1,45. Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: „Wir haben Den gefunden, von Welchem Moses im Gesetze und die Propheten geschrieben haben; es ist Jesus, Josephs Sohn von Nazareth.“
[GEJ.01_009,06] Als nun Philippus, der Mir folgte, auf dem Wege eigens suchend den Nathanael antrifft, als dieser unter einem Feigenbaume sitzend sein Fischergerät ausbessert, sagt er voll Inbrunst zu ihm: „Bruder, ich habe dich mit meinen Augen längs des schon ziemlich gestreckten Weges gesucht und bin nun von ganzem Herzen froh, dich gefunden zu haben; denn sieh', wir haben Den gefunden, von welchem Moses im Gesetze und die Propheten geschrieben haben; es ist dennoch Jesus, Josephs Sohn von Nazareth!“
Ev.Joh.1,46. Und Nathanael sprach zu ihm: „Was kann von Nazareth Gutes kommen?!“ Spricht darauf Philippus: „Komm und schau es selbst!“
[GEJ.01_009,07] Nathanael wird darauf fast ein wenig unwillig und sagt: „Wer kennt das schlechte Nest Nazareth nicht?! – Was Gutes kann wohl von diesem Neste kommen?! – Und (gewisserart von selbst verständlich) der Messias schon am allerwenigsten!“ Philippus aber sagt: „Ich weiß wohl, daß du in dieser Hinsicht stets mein Gegner warst, obschon ich dir meine Gründe dafür hundertmal vorgestellt habe. Aber komme nun und überzeuge dich selbst, und du wirst es selbst sagen, daß ich vollends recht gehabt habe!“
[GEJ.01_009,08] Nathanael erhebt sich nachdenkend und sagt: „Bruder, das wäre ein Wunder der Wunder! Denn das Gesindel von Nazareth ist doch sicher das schlechteste von der ganzen Welt! Kann man mit einem Stücke römischen Blechs aus einem Nazaräer nicht alles machen, was man nur will?! In diesem Neste ist ja lange schon kein Glaube mehr, weder an Moses noch an die Propheten! Kurz, aus einem Nazaräer kannst du machen, was du willst, und es ist ja schon zu einem alten Sprichwort geworden, daß man sagt: Dieser oder jener ist noch schlechter als ein Nazaräer! Und du sagst, von dort ist der Messias, zu Dem du mich führen willst, daß ich Ihn sähe?! – Nun, nun, bei Gott ist wohl kein Ding unmöglich! Wir wollen es sehen!“
Ev.Joh.1,47. Als Jesus den Nathanael zu Ihm kommen sieht, spricht Er laut zu ihm: „Sieh', ein rechter Israelite, in welchem kein Falsch ist!“
[GEJ.01_009,09] Mit diesen Worten begibt sich Nathanael mit Philippus zu Jesus hin, Der unterdessen bei hundert Schritte dem Orte entlang ein wenig Ruhe genommen hatte. Als aber beide sich schon in der Nähe Jesu befinden, sagt Dieser laut: „Sehet, ein rechter Israelite, in welchem kein Falsch ist!“
Ev.Joh.1,48. Nathanael spricht zu Ihm: „Woher kennst du mich denn?“ – Jesus antwortet und spricht zu ihm: „Ehe dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaume warst sah Ich dich.“
[GEJ.01_009,10] Nathanael verwundert sich höchlichst über diese höchst wahre Zumutung, die ihm aus Meinem Munde laut entgegenkommt, und fragt sogleich: „Woher kennst du mich denn, daß du solches von mir aussagen kannst? Denn mein Inneres kann nur Gott und ich allein kennen; ich aber war niemals ein Prahler und ein offener Lobredner meiner Tugenden. Woher alsonach weißt du denn, wie ich beschaffen bin?“ – Ich aber sehe ihn an und sage: „Eher, als dich Philippus rief, da du unter dem Feigenbaume warst, sah Ich dich!“
Ev.Joh.1,49. Nathanael antwortet und spricht zu Jesus: „Rabbi! – Du bist wahrhaft Gottes Sohn! Du bist der König von Israel!“
[GEJ.01_009,11] Diese Meine Aussage über ihn setzt den Nathanael ins höchste Erstaunen, und alsogleich sagt er, durch und durch erregt in seinem Herzen: „Meister! Ganz abgesehen von dem, daß Du ein Nazaräer bist, bist Du dennoch wahrhaftig Gottes Sohn! Ja, Du bist unfehlbar der lange sehnsüchtigst erwartete König Israels, Der Sein Volk aus den Klauen der Feinde befreien wird! O Nazareth, o Nazareth, wie klein warst du, und wie groß wirst du nun! Die Letzte wird zur Ersten erhoben werden! O Herr! Wie schnell gabst Du mir den Glauben! – Wie ist das nun, daß aus mir jeder Zweifel wich und ich nun glaube in der Fülle, daß Du der verheißene Messias bist!“
Ev.Joh.1,50. Jesus antwortet und spricht zu Nathanael: „Du glaubst, weil Ich dir gesagt habe: unter dem Feigenbaume (eher als dich Philippus rief) sah Ich dich. (Ich aber sage dir), du wirst noch Größeres denn das sehen!“
[GEJ.01_009,12] Auf diese Frage Nathanaels antworte Ich erst also, wie es der vorliegende 50. Vers angibt, und zeige dadurch dem Nathanael, daß er zwar nun wohl glaubt, daß Ich der verheißene Messias bin; aber zu solchem Glauben ist er nun genötigt durch die in Mir entdeckte Allwissenheit, die nur in Gott sein kann, bemerke aber zu dem noch hinzu, wie er in der Folge noch Größeres sehen werde, womit Ich ihm aber soviel sagen will als: Du glaubst nun durch ein Wunder, in der Folge aber wirst du frei glauben!
Ev.Joh.1,51. Und Jesus spricht weiter zu ihm: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage es euch, – von nun an werdet ihr die Himmel offen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren sehen auf des Menschen Sohn!“
[GEJ.01_009,13] Und wahrlich, wahrlich, Ich sage es euch: Von nun an werdet ihr alle die Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren auf des Menschen Sohn, – was alles soviel sagen will als: In der Folge, so ihr aus Mir die Wiedergeburt eures Geistes werdet erlangen, dann werden die Pforten des Lebens aufgetan werden, und ihr werdet dann, als selbst Engel, eben die durch Mich in der Wiedergeburt zu Engeln und somit auch in diesen Engeln zu „Kindern Gottes“ gemachten Menschen vom Tode zum ewigen Leben (hinauf-)wandeln sehen, im Gegensatze auch viele urgeschaffene Engelsgeister aus allen Himmeln herab zu Mir, dem Herrn alles Lebens, fahren sehen und allda treten in Meine, in des Menschensohnes Fußstapfen, – folgend Meinem Beispiel und Zeugnis.
[GEJ.01_009,14] Das ist demnach nun ein rechtes Verständnis des ersten Kapitels; aber darnach glaube ja niemand, als sei das Verständnis, das hier gegeben ist, ein schon alles erschöpfendes! Oh, das ist es nicht; wohl aber ist diese Gabe ein praktischer Wegweiser, nach dem ein jeder, der eines guten Willens ist, in allerlei Tiefen der göttlichen Weisheit eingeführt werden und allda ersehen und erkennen kann allerlei Lebenssinn in jedem einzelnen Verse. Zu allem dem aber ist, wie gesagt, diese Gabe eine wahre Hauptrichtschnur, nach der alles bemessen und gerichtet werden kann.

10. Kapitel – Im Elternhaus zu Nazareth. Die Hochzeit zu Kana. Reise nach Jerusalem zum Osterfest. (Kap.10-12)

Ev.Joh.2,1. Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa gehalten, und die Mutter Jesu war dabei.
[GEJ.01_010,01] Durch das hier gleich im Anfange des ersten Verses vom zweiten Kapitel vorkommende „Und“ wird beurkundet, daß die beiden Kapitel ganz untereinander verbunden sind; denn es erhellt dies schon aus dem Umstand, daß diese Hochzeit in einer dem Hause Josephs sehr befreundeten Familie schon am erwähnten dritten Tage stattfindet, und zwar vom Tage an gerechnet, als Ich mit Meinen – bis zu dieser Begebenheit nur vier Jüngern Bethabara verließ und darauf einen vollen Tag in Gesellschaft dieser Meiner vier Jünger im Hause Josephs, der aber nicht mehr lebte, bei der Mutter Meines Leibes zubrachte, die sich mit Meinen andern Brüdern natürlich die größte Mühe und Sorgfalt nahm, uns nach Möglichkeit bestens zu bewirten.
[GEJ.01_010,02] Denn Maria wußte es wohl in ihrem Herzen, daß nun Meine Zeit gekommen sei, als der verheißene Messias aufzutreten und zu wirken anzufangen; aber sie wußte die Art und Weise auch nicht, worin Mein Wirken bestehen werde. Auch sie glaubte vorderhand noch immer an die volle Vertreibung der Römer und an die Herstellung des mächtigen Thrones Davids und dessen darauf ruhenden, unverrückbaren und unbesiegbaren, göttlich herrlichen Ansehens, das von da an nimmer ein Ende nehmen werde.
[GEJ.01_010,03] Die gute Maria und Meine ganze irdische Verwandtschaft stellte sich unter dem Messias auch noch gleichfort einen Besieger der Römer und anderer Feinde des gelobten Landes vor; ja, die Besten hatten von dem verheißenen Messias nahe dieselbe Vorstellung, wie in dieser Zeit viele aus der Zahl sonst ehrenhafter Menschen sich eine ganz verkehrte Vorstellung vom Tausendjährigen Reiche machen. Aber es war noch nicht an der Zeit, ihnen eine andere Vorstellung zu geben.
[GEJ.01_010,04] Da alsonach Mein eigenes Haus, von der Maria angefangen, von solch einer Vorstellung vom künftigen Messias beseelt war, so ist es auch vollrechtlich anzunehmen, daß dann andere befreundete Familien keine bessere haben konnten.
[GEJ.01_010,05] Aus eben dem Grunde aber ward Mir denn auch in vielen Familien die größte Aufmerksamkeit geschenkt, wie natürlich auch allen denen, die Ich als Meine Jünger bezeichnete, und es entschlossen sich daher auch Jakobus und Johannes, Meine Jünger zu werden, um dann mit Mir die Völker der Erde zu beherrschen! Denn sie hatten auch schon so manches vergessen, was Ich ihnen in Meiner Kindheit oft und so ziemlich deutlich vorausgesagt hatte.
Ev.Joh.2,2. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.
[GEJ.01_010,06] Da Ich alsonach als ein bald auftretender Befreier vom römischen Joche in nahe allen besseren Häusern der ganzen Umgebung von Nazareth, ja in nahe ganz Galiläa, in solchem Rufe stand – obschon erst seit etlichen Monden, in denen Ich wieder einige dahin deutende Vorkehrungen zu treffen angefangen hatte, wodurch, wie so manches seit achtzehn Jahren Eingeschlafene und Vergessene, auch an Meiner Person hängende Verheißungen in den befreundeten Häusern wieder ein Leben zu gewinnen begannen, – so wurde Ich auch mit Meinen Jüngern, Meiner Mutter Maria und einer Menge von andern Verwandten und Bekannten sogar nach Kana, einem alten Städtchen in Galiläa, das eben nicht sehr ferne von Nazareth lag, zu einer sehr ansehnlichen Hochzeit geladen, bei der es recht heiter und fröhlich zuging, so daß die vier Jünger aus Bethabara zu Mir die Bemerkung machten:
[GEJ.01_010,07] „Herr! Hier lebt es sich bedeutend besser als in Bethabara! Der arme Johannes wäre vielleicht auch sehr froh, wenn er an Stelle seiner ganz verzweifelt schlechten Kost, die zumeist in etwas überbrühten Heuschrecken und dem Honig wilder Bienen besteht, so ein Mahl einmal in seinem Leben einnehmen könnte?!“ (Es besteht in dieser Gegend wie auch in Arabien eine taubengroße Gattung von Heuschrecken, die so wie hierzulande die Krebse zubereitet und gegessen werden.)
[GEJ.01_010,08] Worauf Ich ihnen antwortete: „Warum Johannes also leben muß, könnet ihr jetzt noch nicht fassen; denn er muß also leben, sonst würde die Schrift nicht erfüllt. Er wird aber bald in ein besseres Leben kommen. Jerusalem wird ihn nicht mehr lange in der Wüste sein Wesen treiben lassen; er wird von nun an abnehmen, damit dafür ein Anderer wachse!
[GEJ.01_010,09] Was aber ist mit dem Jünger, der mit dir, Andreas, zuerst bei Mir war? Wird er nachkommen, oder wird er bleiben zu Bethabara?“ Spricht Andreas: „Siehe, er kommt schon, er hatte noch manches zu ordnen.“ – Sage Ich: „Also ist es gut! Denn wo es einen Kephas gibt, da muß es auch einen Thomas geben.“ Spricht Andreas: „Ja, das ist sein Name! Eine ehrliche Seele, aber dabei stets voll Skrupel und Zweifel; was er aber einmal erfaßt, das läßt er auch nimmer fahren, obschon er von einem allerfreigebigsten Herzen ist. Wegen solcher seiner Freigebigkeit hat er auch diesen Beinamen bekommen. – Er kommt, Herr, soll ich ihn hereinrufen, diesen Zwieling?“ Sage Ich: „Ja, tue das! – Denn wer in Meinem Namen kommt, soll bei der Hochzeit zu Gaste geladen sein!“
Ev.Joh.2,3. Und da es am Weine gebrach, spricht die Maria zu Jesus: „Sie haben keinen Wein!“
[GEJ.01_010,10] Nach der damaligen Sitte sollte ein ankommender neuer Gast mit einem Becher Weines bewillkommnet werden. Maria aber hatte schon einige Zeit bemerkt, daß der Weinvorrat bereits aufgezehrt war, und also auch sah sie, daß man den neuangekommenen Gast nach ordentlicher Sitte gar nicht werde bewillkommnen können; deshalb sagt sie insgeheim zu Mir: „Aber mein lieber Sohn, das wird gewisserart eine schöne Geschichte werden! Sie haben keinen Wein mehr! Du könntest wohl einen schaffen (wenigstens für diesen Neuangekommenen)?“
Ev.Joh.2,4. Jesus spricht zu ihr: „Weib, was hast du mit Mir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
[GEJ.01_010,11] Worauf Ich der Maria eine sehr doppelsinnige Antwort vor allen Gästen, aber freilich in einer sehr sanften Sprache, gebe und ihr der damaligen, besonders um Nazareth üblichen Sitte wegen sage: „Weib (Mutter), was kümmert Mich und dich das?! – Ich als geladener Gast bin noch nicht an der Reihe, für den Wein Sorge zu tragen, Meine Zeit ist noch nicht gekommen!“ – (In dieser Zeit und Gegend mußte nämlich ein jeder geladene männliche Gast der Hochzeit eine freiwillige Gabe von Wein zur Steuer bringen. Es war aber eine gewisse Ordnung darin zu beachten, dernach der ersten Anverwandten Gaben zuerst verzehrt wurden, und waren diese zu Ende, so wurden nach dem Range erst die Gaben der nicht blutsverwandten Geladenen hergenommen.) Maria aber wußte, daß bereits aller Weinvorrat aufgezehrt war; so wandte sie sich denn an Mich, besonders, da nun ein neuer Gast ankäme und zu dessen Bewillkommnung nun kein Tropfen Weines mehr vorrätig sei, und forderte Mich gleichsam auf, diesmal die übliche Ordnung zu überspringen! Denn die Mutter hielt bei solchen Gelegenheiten viel auf die alte übliche gute Sitte. Obschon Ich Mich aber dazu nicht besonders geneigt zeigte, so kannte sie Mich aber dennoch, daß Ich ihr nie etwas unerfüllt gelassen habe, was sie einmal gewünscht hatte.
Ev.Joh.2,5. Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was Er euch sagen wird, das tuet!“
[GEJ.01_010,12] Und so wandte sie sich denn auch an die Tafeldiener in gutem Vertrauen auf Mich und sagte zu ihnen: „Was mein Sohn euch sagen wird, das tuet!“ –
[GEJ.01_010,13] Soweit geht das eigentlich Historische dieser Verse des zweiten Kapitels; innerhalb dieser historischen Begebenheit oder – wie man sagt – über solche Historie hinaus aber erwahrt sich schon ein geistiger und deshalb prophetischer Sinn, der aber bei innerem Denkvermögen sich überaus leicht finden läßt.
[GEJ.01_010,14] Wem kann es entgehen, daß zwischen dieser Hochzeit, die am dritten Tage nach Meiner Rückkunft aus der Wüste Bethabara geschah, und zwischen Meiner Auferstehung, die eben auch am dritten Tage nach Meiner Kreuzigung geschah, eine der auffallendsten Entsprechungen obwaltet?
[GEJ.01_010,15] Es ward alsonach durch diese Hochzeit im prophetischen Geiste angezeigt, was nach drei Jahren sich mit Mir ereignen werde, und eben also auch, im etwas weiteren Sinne, daß Ich nach drei Jahren mit allen Meinen Bekennern und wahren Liebhabern als ein ewiger Bräutigam eine wahre Hochzeit in ihrer Wiedergeburt zum ewigen Leben gewiß und sicher halten werde!
[GEJ.01_010,16] Im allgemeinen praktischen Sinn aber bezeugt diese Hochzeitsgeschichte, die – wohlverstanden – drei Tage nach Meiner Rückkunft aus der Wüste erfolgte, auch die drei Stadien, die ein jeder Mensch durchzumachen hat, um zur Wiedergeburt des Geistes oder zu der ewigen Lebenshochzeit im großen Kana des himmlischen Galiläa zu gelangen.
[GEJ.01_010,17] Die drei Stadien aber sind: zuerst die Bezähmung des Fleisches, dann die Reinigung der Seele durch den lebendigen Glauben, der sich natürlich durch die Werke der Liebe als lebendig erweisen muß, ansonst er tot ist, und endlich die Erweckung des Geistes aus dem Grabe des Gerichtes, wozu in der Erweckung des Lazarus sicher das vollsinnigst entsprechende Bild gegeben ist. Wer über diese Beleuchtung ein wenig nachdenkt, der wird sich in allem folgenden leicht zurechtfinden.
[GEJ.01_010,18] Da wir hier sonach den geistigen Sinn entwickelt haben, und zwar in dem, was diese Hochzeitsgeschichte im allgemeinen besagt, so wollen wir wieder zum weiteren Verlaufe dieser Hochzeit zurückkehren und am Ende dieser Geschichte die sonderheitlichen Entsprechungen durchgehen.

11. Kapitel

Ev.Joh.2,6. Es waren allda sechs steinerne Wasserkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung; es faßte aber ein jeder dieser Krüge 2 bis 3 Maß.
[GEJ.01_011,01] Nachdem die Maria zu den Dienern gesagt hatte: „Was Er euch sagen wird, das tuet!“, so sagte Ich denn auch zu den Dienern, daß sie die sechs steinernen Wasserkrüge, die da zur Reinigung der Juden bestimmt waren, auf die aber eben die Nazaräer und Kanaiter nicht mehr viel hielten, darum diese Krüge hier auch mehr zur Parade als zum bestimmten Gebrauch aufgestellt waren und je 2 bis 3 Maß hielten, mit Wasser voll anfüllen sollten.
Ev.Joh.2,7. Jesus spricht: „Füllet die Krüge mit Wasser!“ – Und sie fülleten sie bis oben an.
[GEJ.01_011,02] Die Diener taten das sogleich, aber mehr in der Meinung, daß sich der neuangekommene Gast nach altem Brauche waschen und reinigen könnte. – Der Gast trat ein und ward zur Tafel gesetzt, ohne sich vorher die Hände gereinigt zu haben. Solches fällt nun den Dienern auf, daß sie sich untereinander fragten: „Warum haben wir denn diese schweren Krüge mit Wasser füllen müssen? Dieser Gast macht keinen Gebrauch davon, und uns hat es eine unnötige Arbeit gemacht!“ – Sage darauf Ich zu ihnen: „Warum fragtet ihr denn früher nicht, daß ihr nun murret ob solcher Arbeit?! Habt ihr denn nicht zuvor gehört, was Maria zu Mir geredet hatte, nämlich, daß die Gäste keinen Wein mehr haben? Obschon aber Meine Zeit, weder nach der Gebrauchsordnung noch geistig völlig da ist, so habe Ich aber doch, um die Herrlichkeit Dessen, von Dem sie sagen, daß Er ihr Gott sei, Ihn aber noch nie erkannt haben, zu offenbaren, das Wasser in den Krügen, nicht etwa durch eine Art Zauberei, sondern lediglich durch die Kraft Gottes, die in Mir ist, in Wein umgestaltet.“
Ev.Joh.2,8. Und Jesus spricht weiter zu den Dienern: „Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister!“ Und die Diener taten dies sogleich.
[GEJ.01_011,03] „Nehmet nun einen Becher voll und traget ihn zuvor zum Speisemeister (Koch) zum Verkosten; er solle darüber sein Urteil abgeben!“ – Die Diener, ganz verblüfft über solche Umwandlung des Wassers, bringen diesen Wein sogleich dem Koche zum Verkosten.
Ev.Joh.2,9. Als der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und also nicht, wie die Diener, es wußte, von wannen er kam, rufet er den Bräutigam.
[GEJ.01_011,04] Der Koch macht große Augen und läßt sogleich den Bräutigam zu sich kommen und sagt zu ihm: „Aber du weißt von der Ordnung wohl noch nichts!?“
Ev.Joh.,10. Und sagt zu ihm: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und so die Gäste trunken geworden sind, alsdann erst den geringeren; du aber hast den guten bisher behalten!“
[GEJ.01_011,05] „Setzet denn nicht jedermann zuerst den guten Wein den Gästen vor und erst, wann sie etwas trunken geworden sind und ihr Gaumen schon mehr abgestumpft ist, einen geringen? – Du aber machst es gerade umgekehrt!“
[GEJ.01_011,06] Der Bräutigam aber erwiderte: „Du redest hier wie ein Blinder von der Farbe! Sieh, dieser Wein ist nie irgendwo auf der Erde gekeltert worden, sondern kam, wie einst das Manna, aus den Himmeln auf unsern Tisch; und deshalb muß er freilich wohl besser sein als jeder irgendwo auf der Erde vorkommende Wein!“
[GEJ.01_011,07] Sagt der Koch: „Hältst du mich für einen Narren, oder bist du selber einer?! Wie kann denn ein Wein aus den Himmeln auf deinen Tisch kommen?! Es müßte Jehova Selbst oder doch Sein Knecht Moses zu Tische sitzen!“
[GEJ.01_011,08] Der Bräutigam aber sprach: „Komm und überzeuge dich von allem selbst!“
[GEJ.01_011,09] Der Koch geht sogleich mit dem Bräutigam in den Speisesaal und beschaut die sechs Krüge, daß sie voll Weines bester Art waren. Als er sich also von dem Wunder überzeugt, spricht er: „Herr, vergib mir meine Sünden! So etwas kann nur Gott tun, und Gott muß hier unter uns sein! Denn so etwas ist keinem Menschen möglich.“
[GEJ.01_011,10] Es wurde aber nun der Wein den Gästen vorgesetzt, und als diese ihn verkosteten, sprachen sie alle: „Solcher Wein wird in unseren Landen nicht gekeltert! – Das ist wahrhaft ein Himmelswein! Ehre dem, welchem Gott solche Macht gegeben hat!“
[GEJ.01_011,11] Darauf tranken sie Mir und dem neuangekommenen Gaste Thomas Glück und Willkommen zu.
[GEJ.01_011,12] Alle aber, die da waren bei dieser Hochzeit, glaubten nun vollends, daß Ich unfehlbar der verheißene Messias bin.
[GEJ.01_011,13] Petrus aber sagte zu Mir insgeheim: „Herr, laß mich wieder von dannen ziehen! – Denn Du bist Jehova Selbst, wie Dein Knecht David von Dir geweissagt hat in seinen Psalmen; ich aber bin ein armer Sünder und Deiner durch und durch unwert!“
[GEJ.01_011,14] Sage Ich zu ihm: „So du dich für unwürdig hältst, an Meiner Seite zu wandeln, wen hältst du dann für würdig? Sieh, Ich bin nicht gekommen zu den Starken, so sie irgendwo seien, sondern nur zu den Schwachen und Kranken kam Ich. So jemand gesund ist, bedarf er des Arztes wohl nicht; nur der Kranke und Schwache bedarf des Arztes. Bleibe du daher nur ganz guten Mutes bei Mir, denn Ich habe dir deine Sünden schon lange vergeben, und so du auch an Meiner Seite sündigen wirst, werde Ich dir es auch vergeben; denn nicht in deiner Stärke, sondern in deiner Schwäche, darum du Mich erkannt hast und nun schon ein Fels im Glauben bist, sollst du vollendet werden durch die alleinige Gnade von oben!“
[GEJ.01_011,15] Auf solche Meine Belehrung kommen Petrus die Tränen, und er sagt mit großer Begeisterung: „Herr, – so Dich alle verlassen sollten, da werde ich Dich dennoch nicht verlassen; denn Deine heiligen Worte sind Wahrheit und Leben!“
[GEJ.01_011,16] Nach diesen Worten erhebt sich Petrus, nimmt den Becher und spricht: „Heil dir, Israel, und dreimal Heil uns! Denn wir sind Zeugen der erfüllten Verheißung. Gott hat Sein Volk heimgesucht. Was schwer zu glauben war, ist nun vor unseren Sinnen erfüllt! Nun dürfen wir nicht mehr schreien aus der Tiefe zur Höhe; denn die Höhe der Höhe ist zu uns in die Tiefe der Tiefe unseres Elends gekommen! – Darum alle Ehre Dem, Der unter uns ist und uns aus Seiner Macht und Gnade diesen Wein gegeben hat, auf daß wir an Ihn glauben und von nun an in Ihm Gott die Ehre geben sollen!“ – Darauf trinkt Petrus, und alle trinken ihm zu und sagen: „Dies ist ein rechter Mann!“
[GEJ.01_011,17] Ich aber sage mehr insgeheim zu Petrus: „Dein Fleisch hat dir das nicht gegeben; sondern der Vater, Der in Mir ist, hat es deinem Geiste geoffenbart. Aber von nun an halte mit deiner Stimme noch zurück; es wird aber eine Zeit kommen, in der du also schreien sollst, daß dich alle Welt vernehmen möge!“ – Darauf trat wieder Ruhe unter die Gäste, und durch diese Tat glaubten nun alle an Mich und sahen in Mir den wahren Messias, Der gekommen sei, um sie von allen Feinden loszumachen.
Ev.Joh.2,11. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, und es also geschehen ist zu Kana in Galiläa, und Er Seine Herrlichkeit offenbarte. Und Seine Jünger glaubten nun fest an Ihn.
[GEJ.01_011,18] Es war dies auch das erste außerordentliche Zeichen, das Ich beim Antritt des großen Erlösungswerkes vor den Augen vieler verrichtet hatte und zeigte in diesem Zeichen, wenn auch verhüllt, das folgende große Werk; aber das begriff von der ganzen Gesellschaft auch nicht einer. – Denn wie Mein Fasten in der Wüste die Verfolgung, die Mir in Jerusalem vom Tempel aus zuteil ward, und die Taufe Johannis Meinen Kreuzestod vorandeutete, also deutete diese Hochzeit Meine Auferstehung an, und das Zeichen ward ein Vorbild der Wiedergeburt des Geistes zum ewigen Leben.
[GEJ.01_011,19] Denn also wie Ich das Wasser in den Wein verkehrte, wird auch des Menschen naturmäßig Sinnliches in den Geist verwandelt werden durch das Wort aus Meinem Munde, so er danach lebet!
[GEJ.01_011,20] Aber es solle auch ein jeder den Rat in seinem Herzen genau befolgen, den Maria den Dienern gab, indem sie sagte: „Was Er sagen wird zu euch, das tuet!“, dann werde Ich auch an einem jeden das tun, was Ich zu Kana in Galiläa getan habe, nämlich ein rechtes Zeichen, an und aus dem nun ein jeder, der nach Meinem Worte lebt, die Wiedergeburt des Geistes in sich selbst leichter erkennen wird.

12. Kapitel

Ev.Joh.2,12. Danach zog Er hinab gen Kapernaum, und Seine Mutter, Seine Brüder und Seine Jünger zogen mit Ihm, blieben aber nicht lange daselbst.
[GEJ.01_012,01] In sieben Tagen nach dieser Hochzeit verließ Ich Nazareth und zog mit Maria, Meinen fünf Brüdern, von denen zwei zu Meinen Jüngern gehörten, und mit den bis dahin aufgenommenen Jüngern hinab gen Kapernaum, einer damals ziemlich bedeutenden Handelsstadt, die an der Grenze von Zebulon und Naphthalim und also inmitten dieser zwei Provinzen am Galiläischen Meere liegt, und das nicht ferne von dem Orte, wo Johannes am jenseitigen Ufer des Jordans in der Gegend Bethabara taufte, solange dieser oft ganz wasserleere Fluß eine rechte Menge Wassers hatte.
[GEJ.01_012,02] Man würde hier fragen, was Ich denn so ganz eigentlich in dieser schon nahe ganz heidnisch gewordenen Stadt suchte. – Man lese nur den Propheten Jesajas 9,1 usw.; allda wird man finden, wie es also geschrieben stehet: „Das Land Zebulon und das Land Naphthalim am Wege des Meeres, jenseits des Jordans, und das heidnische Galiläa, dies Volk, das in der Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und allen, die da saßen am Orte und im Schatten des Todes, ist ein mächtig Licht aufgegangen.“
[GEJ.01_012,03] Und so man das im Jesajas gefunden hat und weiß, daß Ich die Schrift von A bis Z erfüllen mußte, so wird man auch ganz leicht einsehen, warum Ich Mich von Nazareth gen Kapernaum begeben habe. Zudem waren in dieser Gegend auch noch zwei Jünger, ein Jakobus und ein Johannes, Söhne Zebedäi, aufzunehmen; diese waren auch Fischer und fischten im Galiläischen Meer, nicht ferne von der Mündung des Jordans und auch nicht ferne vom Fischerplatze Petri und Andreä, welche beide auch im Meere zu fischen berechtigt waren.
[GEJ.01_012,04] Als diese Jünger auch aufgenommen waren und Mich erkannt hatten aus Meinen Worten und aus dem gewaltigen Zeugnisse derer, die mit Mir waren, so begann Ich denn auch alsobald ordentlich die Menschen zu lehren und ermahnte sie zur Buße, dieweil das Gottesreich nahe herbeigekommen sei. Ich ging in ihre Synagogen und lehrte darinnen. Mehrere glaubten, aber viele ärgerten sich und wollten ihre Hände an Mich legen und Mich von einem Berge ins Meer stürzen. Ich aber entging ihnen mit allen, die mit Mir waren, und besuchte einige kleine Orte am Galiläischen Meer, verkündigte das Gottesreich und machte viele Kranke gesund, und die Armen und Gemeinen glaubten und nahmen Mich wohlgefällig auf; und mehrere aus ihnen schlossen sich an Mich an und folgten Mir, wie die Lämmer ihrem Hirten, allerorts nach.
[GEJ.01_012,05] In Kapernaum hielt Ich Mich daher nur kurze Zeit auf, indem allda nahe kein Glaube und noch weniger Liebe daheim war; denn diese Stadt war ein Ort des Handels und des Krämertums. Wo aber Handel und Krämerei getrieben wird, da haben Glaube und Liebe den Abschied im Vollmaße erhalten. Wo aber diese beiden verabschiedet sind, da gibt es für Mich wenig oder nichts zu tun.
Ev.Joh.2,13. Und der Juden Ostern war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem.
[GEJ.01_012,06] Es war aber ohnehin das Osterfest der Juden herangekommen, und Ich zog dann mit allen, die bei Mir waren, hinauf nach Jerusalem. Aber man stelle sich das Osterfest der eigentlichen Juden nicht in der Zeit vor, wie sie nun in dieser Zeit in den verschiedenen christlichen Gemeinden für dies ähnliche Fest bestimmt wird, manchmal schon sogar im Monat März, sondern um nahe ein ganzes Vierteljahr später hinaus! Denn bei dem Osterfeste ward für des Jahres erste Fechsung (Ernte), die in Gerste, Korn und Weizen bestand, dem Jehova gedankt, und man aß da schon das neue Brot, das aber nach dem Gesetze ungesäuert war, und niemand in dem Lande durfte in dieser Zeit ein gesäuertes Brot essen.
[GEJ.01_012,07] Es konnte daher dieses Fest der ungesäuerten Brote erst dann stattfinden, wenn das neugeerntete Getreide schon zu Mehl gemacht werden konnte, nicht aber in einer Zeit, in der das Getreide sozusagen erst gesät wird. Es wird zwar das Getreide in Judäa wohl, wenn das Jahr gut dienet, um 14-20 Tage eher reif als hier; aber vor Ende des Monats Mai wird das Korn und der Weizen sogar in Ägypten selten ganz hereingebracht, geschweige in Judäa, allda es schon bedeutend kühler ist als in Ägypten.
[GEJ.01_012,08] Es war aber die Zeit der ungesäuerten Brote alsonach da, und wie oben gezeigt, zog Ich denn mit allen, die bei Mir waren, hinauf nach der Hauptstadt der Juden, die auch „die Stadt Gottes“ hieß; denn Jerusalem heißt eben verdolmetscht soviel als „die Stadt Gottes“.
[GEJ.01_012,09] Da aber in der Zeit stets viel Volkes nach Jerusalem kam, auch viele Heiden, die da kauften und verkauften allerlei Waren, als Gerätschaften, Webereien, Vieh und Früchte aller Art, so hatte dieses Fest in der Zeit das geheiligte Ansehen ganz verloren, und die Gewinnsucht nötigte sogar das Priestertum, die Höfe und Vorhallen des Tempels für diese Zeit an die Kaufleute, ob Juden oder Heiden, um einen ganz bedeutenden Betrag zu vermieten, so daß solch eine Tempelmiete für die Festdauer über tausend Silberlinge ausmachte, was in der Zeit eine ungeheuer große und gewichtige Summe war und gegenüber den Sachen mehr galt, als in der gegenwärtigen Zeit hunderttausend Gulden.
[GEJ.01_012,10] In der letzteren Zeit, unter dem Hohenpriester Kaiphas, zog Ich hinauf nach Jerusalem. – Der verstand es, diese Würde, die natürlich sehr einträglich war, auf mehr als ein Jahr an sich zu bringen; denn die Beachtung des Mosaischen Gesetzes war in der Zeit zu einer allerleersten Zeremonie herabgesunken, und kein Priester hielt in der Wahrheit mehr darauf als auf einen vor hundert Jahren gefallenen Schnee; aber was dafür die eitel leerste Zeremonie betrifft, so war diese, um das arme Volk so recht bergdick breitzuschlagen, auf den höchsten Punkt gediehen.
[GEJ.01_012,11] Er vermietete sogar im innern Teile des Tempels gewisse Plätze an die Taubenkrämer und einige kleine Wechsler. Denn diese kleinen Wechsler hatten kleine Münzen, als Groschen und Stater, und gaben denen, die kleinerer Münzen bedurften, gegen ein gewisses Agio diese für die Silberlinge, für römische Goldstücke und fürs römische Viehgeld (pecunia); denn die Römer hatten, um das Vieh zu kaufen, ein eigenes Geld. Je nachdem ein oder das andere Tier auf einer solchen Münze geprägt war, mußte man dasselbe Tier auch um eine solche Münze zum Kaufe bekommen, vorausgesetzt, daß dem Inhaber das Vieh verkäuflich war. Für solches Viehgeld konnte man bei den großen und kleinen Wechslern aber auch ein anderes Kursgeld bekommen; nur war das Agio stärker als bei anderen Geldsorten.

13. Kapitel – Die Tempelreinigung. (Kap.13-16)

Ev.Joh.2,14. Und er fand im Tempel sitzen, die da Ochsen Schafe und Tauben feil hatten, und die Wechsler.
[GEJ.01_013,01] Als Ich sonach bei dieser Meiner Ankunft in Jerusalem die Sache also fand, daß die Menschen sich vor lauter Vieh und deren Verkäufern kaum mehr in den Tempel getrauten, da manchmal ein oder der andere Ochs wild wurde und dabei Menschen und gottgeweihte Sachen beschädigte, und weil fast jeder Mensch, der den Tempel besuchte, oft vor Gestank und Lärm es nicht aushalten konnte, dabei nicht selten um alle seine nötige Habe kam, so mußte solche Schändlichkeit Mich endlich denn doch nahe ordentlich zu verzehren beginnen, und Petrus und Nathanael sagten zu Mir: „Herr, hast Du denn keine Blitze und keine Donner mehr?! Da sieh hin! Die armen Menschen weinen vor dem Tempel; sie kommen weither, um Gott die Ehre zu geben, und können vor lauter Ochsen und Schafen, mit denen der Tempel angestopft ist, gar nicht hineinkommen, und viele klagen, die mit Mühe und Gefahr in den Tempel und wieder aus demselben kamen, daß sie darin völlig ausgeraubt worden und vor Gestank nahe erstickt wären! – Ah, das ist denn doch zu stark arg und schlecht! – Solch einem gar zu argen Unfuge muß um jeden Preis Einhalt gemacht werden; denn das ist ja bei weitem über Sodom und Gomorrha!“
[GEJ.01_013,02] Solche Rede behorcht ein fremder alter Jude, tritt hinzu und spricht: „Liebe Freunde, ihr wißt nicht alles; ich aber war vor drei Jahren selbst ein gemeiner Knecht im Tempel und habe da Dinge erfahren, vor denen mir Haut und Bein erschauderte!“
[GEJ.01_013,03] Sage Ich: „Freund, behalte es bei dir, denn Ich weiß um alles, was da vorgegangen ist. Aber sei versichert, das Maß ist voll geworden, und heute noch sollet ihr Gottes Macht und Zorn durch den Tempel walten sehen. Entfernet euch aber auf eine Weile von den Toren des Tempels, auf daß ihr nicht beschädigt werdet, wenn nun bald Gottes Macht die Frevler aus dem Tempel treiben wird; sie werden nachher solchen Frevel nicht mehr wagen.“
[GEJ.01_013,04] Hierauf entfernte sich dieser Jude und lobte Gott; denn er hielt Mich nach solcher Rede für einen Propheten, ging zu seiner Schar und erzählte ihr das, was er von Mir vernommen hatte; und die Schar, aus etlichen hundert Menschen, jung und alt, bestehend, frohlockte und fing an, laut Gott zu preisen, daß Er wieder einen mächtigen Propheten erweckt habe.
Ev.Joh.2,15. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern ihr Geld und stieß ihre Tische um.
[GEJ.01_013,05] Ich aber sagte zum Petrus: „Gehe hin dort zu dem Seiler, kaufe ihm drei starke Stricke ab und bringe sie hierher!“ – Petrus tat das sogleich und brachte Mir drei starke Stricke, die Ich schnell zusammenflocht und Mir sonach eine starke Geißel anfertigte. Mit dieser Geißel in Meiner Rechten sagte Ich zu allen, die mit Mir waren, und zu Meinen Jüngern: „Kommt nun mit Mir in den Tempel und seid Zeugen; denn es soll sich nun Gottes Macht und Herrlichkeit an Mir abermals vor euren Augen bewähren!“
[GEJ.01_013,06] Nach diesen Worten ging Ich natürlich voran in den Tempel, und wie Ich ging, wich alles zurück, und die Mir folgten, hatten nach Mir einen guten Weg; freilich war der Boden voll Geflades und Unrats.
[GEJ.01_013,07] In der letzten Vorhalle des Tempels angelangt, in der die vorzüglichsten Ochsen- und Schafhändler ihr Vieh zum Verkauf aufgestellt hatten, und zwar auf der linken Seite, während die rechte Seite durch alle drei Hallen die Wechsler im Beschlage hatten, stellte Ich Mich auf die Torstufen und sagte mit einer donnerähnlich starken Stimme: „Es stehet geschrieben: Mein Haus ist ein Bethaus; ihr aber machet es zu einer Mördergrube! – Wer hat euch dazu ein Recht erteilt, den Gottestempel also zu entheiligen!?“
[GEJ.01_013,08] Sie aber schrieen: „Wir haben unser Recht vom Hohenpriester teuer erkauft und stehen unter seinem Schutze und unter dem Schutze Roms.“
[GEJ.01_013,09] Sage Ich: „Unter solchem Schutze stehet ihr wohl; aber Gottes Arm ist wider euch und eure Schutzmeister. Wer wird euch vor Diesem in Schutz nehmen, so Er über euch und eure Schutzmeister ausgestreckt wird?!“
[GEJ.01_013,10] Sagen die Verkäufer und Wechsler: „Im Tempel wohnet Gott, und die Priester sind Gottes; können diese wider Seinen Rat etwas tun? – Wen sie schützen, den schützt auch Gott!“
[GEJ.01_013,11] Sage Ich mit einer sehr lauten Stimme: „Was redet ihr unsinnigen Frevler? Die Priester sitzen wohl noch auf den Stühlen Mosis und Aarons; aber sie dienen nicht mehr Gott, sondern dem Mammon, dem Teufel dienen sie, und ihr Recht und euer Recht ist ein Recht der Teufel und ewig nie ein Gottesrecht! Darum erhebet euch nun augenblicklich und räumet die Hallen, sonst soll es euch übel ergehen!“
[GEJ.01_013,12] Da fingen sie an zu lachen und sagten: „Da seht einmal die Keckheit dieses gemeinsten Nazaräers an! – Werfet ihn doch geschwinde zum Tempel hinaus!“ Darauf erhoben sie sich und wollten Hand an Mich legen.
[GEJ.01_013,13] Hier erhob Ich Meine Rechte mit der Strickgeißel und fing an, sie über ihre Köpfe mit göttlicher Gewalt zu schwingen; wen die Geißel traf, der wurde augenblicklich von heftigsten, nahe unaushaltbaren Schmerzen befallen, und eben also auch das Vieh. Es entstand im Augenblick ein fürchterliches Menschen- und Viehgeheul, und das Vieh floh gewaltig und stieß, was ihm in den Weg trat, nieder, und ebenalso flohen auch die Verkäufer und Käufer unter furchtbarem Schmerzgeschrei; Ich aber stieß alle Wechselbuden um und verschüttete alles Geld, das auf denselben lag, bei welcher Arbeit Mir auch die Jünger behilflich waren.
Ev.Joh.2,16. Und sprach zu denen, die Tauben feil hatten: „Traget das von dannen und machet nicht Meines Vaters Haus zu einem Kaufhaus!“
[GEJ.01_013,14] Ich trat darauf in den Tempel, allwo noch eine Menge Taubenkrämer mit ihren Taubenkäfigen voll Tauben aller Art und Gattung auf die Käufer harrten. Weil diese Krämer gewöhnlich Arme waren und gerade auf keinen Gewinn ausgingen und der Taubenverkauf im Tempel schon eine alte Sache war, freilich in alter Zeit nur im ersten Vorhofe des Tempels üblich, so ermahnte Ich diese Armen bloß und sagte: „Traget das hinaus und machet Meines Vaters Haus nicht zu einem Kaufhause; im äußersten Vorhofe ist der Ort für dergleichen!“ – Diese Armen entfernten sich darauf auch ohne Widerrede und nahmen im äußersten Vorhofe ihren alten Platz ein. – Auf diese Weise war nun der Tempel gereinigt.
Ev.Joh.2,17. Seine Jünger aber gedachten danach daran, daß es geschrieben stehet: „Der Eifer um Dein Haus hat Mich gefressen.“
[GEJ.01_013,15] Aber die Reinigung machte ein großes Aufsehen, und die Jünger befürchteten heimlich, daß nun bald die Priesterschaft uns als Aufwiegler werde durch die römische Wache gefangennehmen lassen und wir der schmählichsten Verantwortung und Züchtigung kaum entgehen dürften; denn es stehe geschrieben: „Der Eifer um Dein Haus hat Mich gefressen.“
[GEJ.01_013,16] Ich aber sagte zu ihnen: „Sorget euch nicht! Sehet hinaus in die Vorhallen, und ihr werdet es erschauen, wie die Diener und Priester allertätigst bemüht sind, das verschüttete viele Geld der Wechsler aufzulesen und in ihre Säckel zu schieben! Sie werden uns der Beschädigten wegen wohl befragen, aus welcher Macht wir das getan haben, aber heimlich wird es ihnen ganz recht sein; denn die Tat trägt ihnen bei 1000 Säckel Goldes und Silbers und eine große Menge anderen Geldes, das sie nimmer den Eigentümern zurückerstatten werden. Sie sind nun auch zu beschäftigt und haben keine Zeit, uns zur Verantwortung zu ziehen; auch werden sie in dieser Sache nicht leichtlich eine Klage anhören, so wie die Beschädigten, durch diese Lektion zu mächtig gewitzigt, auch nicht leichtlich so bald eine Klage wider Mich erheben werden. Seid daher nun nur ganz ruhig.
[GEJ.01_013,17] Der Eifer um Mein Haus wird Mich vor diesen wohl fressen, aber jetzt noch lange nicht! Es werden Mich höchstens einige hier anwesende Juden befragen, wer Ich sei und aus welcher Macht Ich so etwas tat, und werden sich von Mir ein Beglaubigungszeichen erbitten. Ich aber weiß schon, daß es also geschehen muß, und das wird von keiner Gefahr für uns sein. Da sehet nur hin gegen den Vorhang, dort stehen schon einige, die sich den Anwand nehmen, in ihrem höchsteigenen Interesse Mich darüber zu befragen; es soll ihnen aber auch sogleich eine rechte Antwort zuteil werden!“

14. Kapitel

Ev.Joh.2,18. Da sprachen die Juden: „Was zeigest du uns für ein Zeichen, daß du solches tun mögest?“
[GEJ.01_014,01] Als Ich noch also mit den furchtsamen Jüngern solches redete, da traten schon etliche Juden zu Mir hin und sprachen: „Du hast nun eine mächtige Tat verübt, Menschen und Vieh flohen vor deiner Hand wie Spreu im Sturme, und es kam keiner zurück, um sein verstreutes Geld zu holen! Wer bist du, und welch ein Zeichen (vom Kaiser meinten sie) kannst du uns vorzeigen, weshalb du solches tun magst?! – Kennst du denn nicht die eiserne Strenge der Gesetze, die dich darum verderben können?!“
Ev.Joh.2,19. Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Brechet diesen Tempel ab, und am dritten Tage will Ich ihn aufrichten!“
[GEJ.01_014,02] Sage Ich: „So Ich sie nicht kennete und Mich vor ihnen fürchtete, würde Ich das nicht getan haben. – Ihr aber verlanget von Mir ein amtliches Zeichen, und Ich sage es euch, daß Ich ein solches nicht habe; aber brechet ab diesen Tempel, und am dritten Tage soll er wieder vollendet dastehen!“
Ev.Joh.2,20. Da sprachen die Juden: „Zur Erbauung dieses Tempels waren 46 Jahre vonnöten, und du willst das allein in drei Tagen tun!?“
Ev.Joh.2,21. Denn sie wußten nicht, daß Er vom Tempel Seines Leibes redete.
[GEJ.01_014,03] Bei dieser Meiner entschiedenen Aussage machten die Juden ganz sonderbar große Augen und wußten sich nicht gleich zu fassen. Nach einer Weile erst fiel es einem von ihnen ein, daß zum Bau des Tempels volle 46 Jahre nötig waren und er vielen tausend Händen eine unausgesetzte Arbeit gab; daher wendet sich dieser historisch erfahrene Jude zu Mir und sagt: „Junger Mann! Bedachtest du wohl auch, was Dummes du nun geredet hast? Siehe, 46 volle Jahre waren zum Aufbau dieses Tempels erforderlich und gaben vielen tausend Händen vollste Arbeit, und du willst das ganz allein tun ohne Beihilfe anderer Hände in drei Tagen!? Oh, oh, oh, was hast du, und das dazu noch im Tempel, da man doch am meisten vernünftig reden sollte, von dir für ein Zeugnis ausgesprochen?!
[GEJ.01_014,04] Deine frühere Tat hatte uns sehr überrascht, und schon fingen wir an, unter uns als Älteste von Jerusalem zu beraten, aus welcher Macht du diese an sich wirklich sehr lobenswerte Tat verübt hast, ob aus einer weltlichen oder ob aus einer prophetischen. Und wir befragten dich denn auch deshalb. Und hättest du zu uns gesagt in weiser Rede, die wir wohl verstehen, daß du ein von Gott erweckter Prophet seiest und solches durch die Macht Gottes verübest, wir hätten es dir geglaubt; aber so gabst du uns statt einer weisen Rede wider alles Erwarten eine kaum beschreiblich frevelhaft prahlerische dumme Antwort, in der nicht eine wahre Silbe steckt, und wir sehen in dir nun einen Menschen, der allenfalls in irgend einer heidnischen Schule ein wenig das Zaubern erlernt hat und sich damit nun hier in der Stadt Davids ein wenig batzig machen will, entweder im Solde Roms oder geheim im Solde der Pharisäer, Priester und Leviten stehend; denn diese möchten heute die beste Tempelernte zufolge deiner Zaubertat gemacht haben! Es tut uns allen wahrhaft leid, daß wir uns an dir nun gar so verkannt haben.“
[GEJ.01_014,05] Sagte Ich darauf: „Es tut auch Mir von ganzem Herzen leid, daß Ich euch gar so entsetzlich blind und taub antreffen mußte! Denn wer blind ist, der sieht nichts, und wer taub und stumm ist, der vernimmt nichts! Ich tue vor euren Augen ein Zeichen, das vor Mir keiner getan hat, und rede die vollste Wahrheit, und ihr saget, Ich sei entweder ein dummer, in der heidnischen Zauberei bewanderter Prahler und wolle Mich hier vor euch batzig machen, oder Ich sei als Zauberer im Solde Roms oder im schnöden Solde der Tempelpfaffen. O welch ein schmählich Ansinnen! – Da sehet hin, dort steht eine ganz bedeutende Schar, die Mir aus Galiläa hierher gefolgt ist! Sie hat Mich erkannt, obschon ihr saget, daß die Galiläer das glaubensloseste und schlechteste Judenvolk seien. Diese aber erkannten Mich dennoch und folgen Mir; wie ist es denn, daß ihr Mich nicht erkennen möget?“
[GEJ.01_014,06] Sagen die Juden: „Wir wollten dich ja auch erkennen und forschten dich darum aus; denn wir sind weder blind noch taub, wie du meinst. Du aber gabst uns eine Antwort, aus der man natürlichen Verstandes denn doch nichts anderes machen kann, als was wir offen dir ins Gesicht bekannt haben! Wir haben einen guten Willen; warum, so du allenfalls ein Prophet bist, verkennst du diesen? Wir sind Ehrenmänner von Jerusalem und haben viele Güter. So du ein rechter Prophet wärest, da hättest du gut sein in unserer Mitte; du aber erkennst solches nicht und bist daher auch kein Prophet, sondern ein purer Magier, der den Tempel mehr entheiligt als jene, die von dir früher hinausgetrieben worden sind!“
[GEJ.01_014,07] Sage Ich: „Gehet hin und beratet euch mit denen, die mit Mir gekommen sind; diese werden es euch sagen, Wer Ich bin!“
[GEJ.01_014,08] Die Juden gehen nun zu den Jüngern und befragen sie; diese aber sagen, was sie von Mir am Jordan gehört, das Zeugnis Johannis, und was sie an Meiner Seite gesehen und erlebt haben, gestehen aber dabei auch, daß sie das nicht fassen, was Ich zu den Juden gesagt habe.
Ev.Joh.2,22. Da Er auferstanden war von den Toten, gedachten Seine Jünger daran, daß Er dies gesagt hatte, und glaubten der Schrift und der Rede, die Er gesprochen hatte.
[GEJ.01_014,09] Denn sie selbst begriffen das erst nach Meiner, nach drei Jahren, erfolgten allerwunderbarsten Auferstehung und also auch die Schrift, die solches von Mir geweissagt hatte.
[GEJ.01_014,10] Als die Juden alles das erfuhren von den Jüngern, kamen sie abermals zu Mir und sagten: „Nach allem dem, was wir nun von Deiner sehr treuherzigen Schar über Dich in Erfahrung gebracht haben, so wärest Du offenbar der Verheißene! – Das Zeugnis Johannis, den wir kennen, spricht gewaltig für Dich, und Deine Taten nicht minder; aber Deine Rede ist gerade das Gegenteil von all dem andern. – Wie kann der Messias in den Taten ein Gott und in der Rede ein Narr sein! – Erkläre uns das, und wir alle nehmen Dich an und wollen Dich mit allem Möglichen unterstützen!“
[GEJ.01_014,11] Sage Ich: „Was möget ihr Mir geben, das ihr nicht zuvor empfangen hättet von Meinem Vater, Der im Himmel ist? So ihr es aber empfangen habt, wie möget ihr nun also reden, als ob ihr es nicht empfangen hättet?! Was wollt ihr Mir geben, das da nicht Mein wäre?! Denn was des Vaters ist, das ist auch Mein; denn Ich und der Vater sind nicht Zwei, sondern Eins! Ich sage euch: Nichts als der Wille allein ist euer, alles andere aber ist Mein. Gebet ihr Mir euren Willen in der rechten Liebe eures Herzens und glaubet ihr, daß Ich und der Vater vollkommen Eins sind, dann habt ihr Mir alles gegeben, was Ich von euch verlangen kann!“
[GEJ.01_014,12] Sagen die Juden: „So verrichte ein Zeichen, und wir glauben, daß Du der Verheißene bist!“
[GEJ.01_014,13] Sage Ich: „Warum wollt ihr denn Zeichen? O du verkehrte Art! Wisset ihr denn nicht, daß die Zeichen niemanden erwecken, sondern nur richten?! Ich aber kam nicht euch zum Gerichte, sondern auf daß ihr das ewige Leben empfangen sollet, so ihr an Mich glaubet in euren Herzen! Es werden zwar noch viele Zeichen geschehen, und ihr werdet deren etliche sehen; aber diese werden euch nicht beleben, sondern töten auf eine lange Zeit.“

15. Kapitel

Ev.Joh.2,23. Als er aber zu Jerusalem war in den Ostern auf dem Feste, glaubten viele an Seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die Er tat.
[GEJ.01_015,01] Ich sage es euch: „Es ist nun Ostern, und Ich werde Mich diese Zeit durch hier in Jerusalem aufhalten; gehet dahin, wo Ich sein werde, und ihr werdet der rechten Zeichen sehen in großer Menge! Aber sehet selbst zu, ob euch die Zeichen nicht töten werden!“
[GEJ.01_015,02] Auf diese Rede machten die Juden große Augen; Ich aber verließ sie und ging mit Meinen Jüngern aus dem Tempel ins Freie. Die Juden aber folgten Mir ganz heimlich nach, denn gar zu offenbar getrauten sie sich nicht, Mir nachzufolgen, da Ich vom Töten durch Meine Zeichen geredet hatte. Sie aber verstanden darunter nicht das Töten des geistigen Elements, sondern das Töten des Leibes, und sie waren, wie alle Reichen der Erde, große Freunde des irdischen Lebens.
[GEJ.01_015,03] Einer jedoch ging außerhalb des Tempels zu Mir hin und sagte: „Meister, ich habe Dich erkannt und möchte um Dich sein; wo bist Du zur Herberge?“
Ev.Joh.2,24. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht; denn Er kannte sie alle.
Ev.Joh.2,25. Und bedurfte nicht, daß da jemand Zeugnis gäbe von einem Menschen; denn Er wußte es wohl, was im Menschen war.
[GEJ.01_015,04] Ich aber sah, daß in ihm kein Ernst und seine Absicht, Meine Herberge auszukundschaften, keine redliche war, darum sagte Ich zu ihm, wie hernach noch zu manchen ähnlichen unlauteren Forschern den bekannten Aphorismus: „Die Vögel haben ihre Nester und die Füchse ihre Löcher; aber des Menschen Sohn hat nicht einen Stein, daß er darauf hinlege Sein Haupt, und hier in dieser Stadt schon am allerwenigsten. Gehe aber hin und mache zuvor rein dein Herz; dann komme mit einer redlichen, aber mit keiner verräterischen Absicht und magst dann zusehen, wie du an Meiner Seite bestehen wirst!“
[GEJ.01_015,05] Dieser aber sagte: „Meister, Du irrest Dich an mir und Meinen Freunden; so Du keine Herberge hast, da komme zu uns, und wir wollen Dir und Deinen Jüngern und sonstigen Freunden Herberge schaffen und euch verpflegen, so lange ihr wollt!“
[GEJ.01_015,06] Ich aber sah am besten, daß dieser keines redlichen Sinnes war, und sagte: „Euch können wir uns wohl nicht anvertrauen; denn ihr seid Herodis Freunde und seid samt ihm spektakelsüchtige Menschen, besonders so ihr Spektakel umsonst schauen könnt. Deshalb aber bin Ich nicht nach dieser Stadt gekommen, um die Herodianer durch Komödien zu unterhalten, sondern hier zu verkünden, daß das Gottesreich nahe herbeigekommen ist, und daß ihr deshalb eine wahre Buße tun sollet, auf daß ihr dieses Reiches teilhaftig werden möget! Sieh, das ist der Zweck Meines Hierseins in dieser Zeit, und dazu bedarf es eurer Herberge nicht! Denn wer in einem Hause wohnt, kann nicht aus demselben kommen denn durch die Türe, die mit Schloß und Riegel versehen ist, durch die man einen Gast auch zu einem Gefangenen machen kann. Wer aber in der Freie seine Herberge nimmt, der ist auch frei und kann ziehen, wohin er will!“
[GEJ.01_015,07] Spricht der Jude: „Wie kannst Du uns also beschimpfen! Meinst denn Du, daß wir von der Heiligkeit des Gastrechtes keine Kenntnis mehr haben? So wir Dich zu Gaste laden und Du als Gast in unser Haus einziehest, so bist Du das Heiligste im Hause, und wehe dem, der sich vergriffe an Dir! Und also wird bei uns vor allem das Gastrecht gehalten und geehrt. Wie magst Du dann solche Einrichtung in unseren Häusern verdächtigen?!“
[GEJ.01_015,08] Sage Ich: „Diese Einrichtung eures Hauswesens kenne Ich wohl; aber darum ist Mir die andere nicht fremd: Solange ein Gast in eurem Hause ist, genießt er wohl das Gastrecht; so er aber dann aus dem Hause ziehen will, da harren vor der Türe bestellte Schergen und Lanzenknechte, nehmen den Gast in Empfang und legen ihm Ketten und Fesseln an! Sage, gehört das auch in den Bereich der alten Gastfreundschaft?!“
[GEJ.01_015,09] Spricht der Jude etwas verlegen: „Wer kann das unseren Häusern mit gutem Gewissen nachsagen?“
[GEJ.01_015,10] Sage Ich: „Der, Der es weiß! Ist nicht vor etlichen Tagen also ein Mensch in die Hände des Gerichtes überliefert worden?“
[GEJ.01_015,11] Spricht der Jude noch verlegener: „Meister, wer sagte Dir das? So es geschehen, sage, hat es jener Verbrecher nicht also verdient?“
[GEJ.01_015,12] Sage Ich: „Bei euch aber ist vieles ein Verbrechen, was bei Gott und Mir kein Verbrechen ist; denn vor der Härte eurer Herzen gibt es viele Verbrechen, gegen die Moses kein Gesetz gegeben hat. Das sind eure Satzungen, und die machen vor Mir keinen Menschen zu einem Verbrecher! Denn eure Satzungen sind eine Sünde gegen die Gesetze Mosis; wie ist demnach der ein Verbrecher, so er sich an euren Satzungen versündigt, wenn er Mosis Gesetze hält?! O Ich sage es euch: Ihr alle seid voll Tücke und voll schmählicher Arglist!“
[GEJ.01_015,13] Spricht der Jude: „Wie kann das sein? Moses hat uns ein Recht gegeben, für besondere Fälle Gesetze zu schaffen, und sonach sind unsere wohlberatenen Satzungen so gut wie Mosis Gesetze selbst! Wer sie sonach nicht beachtet, ist der nicht so gut ein Verbrecher als einer, der sich am unmittelbaren Gesetze Mosis versündigt?“
[GEJ.01_015,14] Sage Ich: „Bei euch ja, aber bei Mir nicht! – Moses befahl, daß ihr eure Eltern lieben und ehren sollet; ihr aber saget, und die Priester gebieten es sogar: Wer dafür opfert im Tempel, dem ist es besser, da er sich dafür von diesem Gesetze loskauft. So aber nun ein Mensch zu euch tritt und sagt: Ihr seid Gottesleugner und elende Betrüger, da ihr das Gesetz Mosis infolge eurer Habsucht aufhebt und dafür ein anderes Gesetz gebt und damit die arme Menschheit quälet! – sieh', darin hatte sich auch jener Mensch gegen euch verbrochen, und ihr habt ihn an der Türschwelle dem Gericht überliefert –, sage, hat es dieser würdige Mensch also verdient, oder seid ihr gegen Moses nicht die bei weitem größeren Verbrecher?“
[GEJ.01_015,15] Hier ward der Jude unwillig und ging von dannen zu seinen anderen Genossen, denen er alles erzählte, was er von Mir vernommen hatte. Diese aber schüttelten die Köpfe und sagten: „Sonderbar! Wie kann dieser Mensch das wissen?“ – Ich aber verließ diese Stelle und begab Mich mit den Meinen in eine kleine Herberge außerhalb der Stadt und blieb daselbst etliche Tage.

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