Der Saturn, 8.- 15. Kapitel

Quellentext (unbearbeitet) – Leseprobe bzw. historischer Einführungstext.

8. Kapitel – Die Schiffs-Pflanze „Chaiaba“. Deren Frucht – ein Schiff.

[Sa.01_008,01] Da wir uns schon über die Pflanzen dieses Landes unterhalten und dessen mannigfaltige Baum- und Gesträuchgewächse betrachtet haben, so wird es, bevor wir zu den Flüssen und Seen übergehen, nötig sein, noch eine Uferpflanze kennenzulernen, welche allenthalben an den Flüssen und Seen, wie bei euch ungefähr das Schilfrohr und andere Wasserpflanzen, häufig vorkommt. Es ist das die sogenannte Schiff-Pflanze, Chaiaba genannt.
[Sa.01_008,02] Diese Pflanze gehört dort zu dem Geschlecht der Windgewächse und somit auch zu dem Geschlecht der Kürbisse – nur mit dem Unterschied, daß, so oft ihr über die Erdoberfläche fortlaufender Stiel einen gliederartigen Abschnitt bildet, sich an einer solchen Stelle eine Menge weißlicher Wurzeln in die Erde schieben und so derselben neue Säfte und Kräfte entsaugen, um sich auf diese Weise desto lebenskräftiger und desto weiter und weiter nach allen Richtungen, besonders längs der Ufer über der Erde dieses Planeten auszubreiten.
[Sa.01_008,03] Wie sieht dieses Gewächs denn aus, was bringt es für Früchte und wozu werden dieselben verwendet? – Dieses Gewächs macht, wenn es aus der Erde zum Vorschein kommt, zuerst einen hochmächtigen Aufschuß, fast in der Art wie euer Schilfrohr, welches ihr zum Bau eurer gemauerten Häuser und namentlich für die sogenannte Stukkatur verwendet. Der Stamm wird nicht selten fünfzehn bis zwanzig Klafter hoch, wächst ohne irgendein Blatt gleich einer grüngoldnen Stange in die Höhe. Nur am Ende hat es anfänglich einen blauen Knopf, welcher nach und nach in eine eigentümliche Art Blüte aufbricht, welche genau das Aussehen hat, als wenn ihr auf einem runden Obesliken in einem Kreis zehn Kriegsfahnen von weißer und hellroter Farbe ausstecken möchtet.
[Sa.01_008,04] Diese Fahnen rollen sich von zwei Klafter langen, weißlichgelben, geraden Stielen auseinander und hängen dann in der Vollreife vier bis fünf Klafter von denselben flatternd herab. Diese Blüte, von diesem langen Stiele ausgehend, ist so beschaffen, daß sie an und für sich schon die eine Gattung Frucht dieser Pflanze ausmacht, welche darum auch nicht leichtlich mehr verwelkt, sondern jahrelang solid und beständig verbleibt.
[Sa.01_008,05] Die Stange selbst oder eigentlich vielmehr der Stamm, der an der Erde nicht selten einen Durchmesser von ein, zwei bis drei Ellen hat, ist inwendig hohl, aber dessenungeachtet von einer metallischen Festigkeit. Wenn diese Stange einmal zur halben Reife gediehen ist, schießen alsbald an der Wurzel Auswüchse hervor, die sich behende und üppig an der Erde fortzuschlängeln anfangen, und zwar ebenfalls auch in einem nur etwas blasseren Goldgrün. Aus dem fortschlängelnden runden Stamm schießen an jeder Gliederung an hohen Stielen große und breite Blätter hervor. Der Stiel dieser Blätter ist grünlichblau, rund und hohl, in einer Länge von nicht selten ein, zwei bis drei Klaftern. Das Blatt ist stumpf eiförmig und hat der Länge nach eine Ausdehnung von fünf und der Breite nach von drei Klaftern. Seine Farbe ist so rot wie eure schönsten Rosen; nur der Rand des Blattes ist bei zwei Ellen breit so gefärbt wie bei euch ein schöner, heller Regenbogen aussieht. Die Oberfläche dieses Blattes glänzt wie spiegelblank poliertes Gold, und besonders erglänzen in majestätischer Pracht dessen Ränder. Die untere Seite oder Unterfläche ist ganz dunkelblau und behängt von spannenlangen, wie die schönste Seide aussehenden Härchen, welche in der Farbe eurem allerreinsten Indigo gleichen, nur sind sie etwas heller als diese Farbe bei euch. Der Stiel dieses Blattes sieht ebenfalls grüngolden aus, d.h. so, wie wenn ihr poliertes Gold mit einer dünnen grünen Farbe überziehen möchtet – und ist ganz glatt und hat an dem Stamm nicht selten einen Durchmesser von ein bis zwei Ellen. Da aber, wo er aus dem Stamm hervorragt, umgibt ihn eine Art Spitzenkrone, etwa auf die Art, wie ihr bei euch eine sogenannte eiserne Krone formet; nur sind dieser auslaufenden Spitzen mehrere und alle von vollkommener Runde und von blendend weißer Farbe. Ungefähr beim dritten Absatz bricht dann auf einem langen und starken Stiel eine merkwürdige Blüte hervor. Diese Blüte gleicht ganz einer großen Turmglocke bei euch, die am breiten Rand einen Durchmesser von vier bis fünf Klaftern und zuunterst (das ist an dem dünneren, geschlossenen Teil) etwa von ein bis eineinhalb Klaftern hätte.
[Sa.01_008,06] Diese Blume wächst so vollkommen rund in allen ihren Teilen, wie wenn sie der beste Drechsler gedrechselt hätte. Nur darin unterscheidet sie sich von einer Glocke, daß ihr breiter Rand nach aufwärts von regelmäßig aneinandergereihten ellenlangen Spitzen kammartig besetzt ist. Die Blüte ist von hellgelber Farbe, die Spitzen aber sind hochrot.
[Sa.01_008,07] Aus der Mitte dieses Glockenkelches läuft eine blendendweiße Säule, zweimal so hoch wie die Glockenblume samt den Spitzen, über den Rand hinaus. Diese Säule ist der männliche Staubfaden, und die Spitzen am Rand sind eigentlich die weiblichen Fäden an dieser Blume. Wenn der männliche Staubfaden seine vollkommene Ausbildung erreicht hat, fängt er an, leuchtende Sternchen auszustreuen, welche dann von diesen Randspitzen gleich elektrischen Funken angezogen werden. Und dieser Akt ist die eigentliche Befruchtung dieses Gewächses.
[Sa.01_008,08] Wenn nun die Befruchtung hinreichend vor sich gegangen ist, welkt diese massive Blume und fällt ohne Veränderung der Form von dem Blütenstiele herab und wird dann auch häufig gesammelt; denn da sie eine Polsterweiche besitzt, wird sie zu allerlei Sitz- und Liegeeinrichtungen benützt. Die Spitzen aber werden ihr abgelöst und ihrer Festigkeit wegen als Nägel benützt.
[Sa.01_008,09] Was kommt denn da wohl für eine Frucht zum Vorschein? – Ich sage euch, die merkwürdigste von der Welt. Denn so albern es euch auch immer dünken möchte, so ist es aber doch so, daß diese Pflanze am Ende ein förmliches Schiff zum Vorschein bringt. Doch müßt ihr es euch nicht so denken wie etwa eure Schiffe, welche untergehen können mit Mann und Ware. Bei diesen gewachsenen Schiffen ist dies eine reine Unmöglichkeit, was ihr bald ersehen werdet, so euch die Beschaffenheit der Frucht näher dargetan wird. – Nach dem Abfall der Blüte, welche so wie bei euren Kürbissen eigentlich schon über der ersichtlichen Frucht steht, fängt die Frucht an, sich sehr schnell und großartig zu entwickeln, und zwar so, als wenn ihr euch ein großes Ei aus feinerem Blech machen ließet und es dann von obenher eindrückt, nicht aber etwa einen Pol in den andern, sondern einen Gürtel in den andern – jedoch so, daß die eingedrückte Wand die untere nicht berührt, sondern zwischen beiden noch ein verhältnismäßig leerer Raum bleibt.
[Sa.01_008,10] Nun übertraget diese Form auf unsere Frucht, welche eben auch in dieser eingedrückten Eiform fortwächst und bei voller Reife nicht selten eine Länge von dreißig bis vierzig Klaftern und eine Breite von fünfzehn bis zwanzig Klaftern erreicht. Der Raum zwischen der eingedrückten oberen und unteren Wand beträgt gewöhnlich ein, zwei bis zweieinhalb Klafter. Wenn die Frucht vollkommen reif geworden ist, haben diese Wände jede für sich einen Durchmesser von zwei bis drei Ellen und eine mehr denn metallische Festigkeit. In der Reife lösen sie sich dann vom Stiele los, in welchem der eigentliche Same dieser Frucht kreisförmig steckt. In der Frucht selbst ist gar nichts darin als eine sehr feine Luftgattung, darum ist eine solche große Frucht auch so leicht zu heben, daß dieselbe ein Kind mit geringer Mühe von der Stelle zu schaffen vermag. Der Rand dieser Frucht ist mit einem eigens gearbeiteten Gesimse umgeben, welches sich nicht selten bis zwei Klafter über die eigentliche Frucht hin ausbreitet und ungefähr das Aussehen hat wie bei euch die Flossen eines Fisches; nur ist es auf allen Seiten gleich strahlenförmig und elastisch fest, so daß da niemand leichtlich vom selben etwas abzubrechen vermag.
[Sa.01_008,11] Nun seht, diese Frucht, wie sie ist, wird dann ins Wasser gesetzt und als nicht leicht zerstörbares Schiff verwendet. Damit die Saturnbewohner dieses Schiff aber nach Belieben auf der Oberfläche der Gewässer nach allen Richtungen lenken können, benützen sie dazu die schon vorerwähnte Mittelstange, vermöge welcher sie das Schiff so lenken wie ungefähr ihr eure Flußkähne. Nur hat diese Stange den Vorteil, daß sie sehr leicht ist, und weil sie hohl ist, ist es gar nicht nötig, mit derselben auf den Boden zu stoßen, sondern das Wasser wird selbst zum gegenwirkenden Grund, denn der kubische Wasserinhalt wird bald schwerer als der hohle Raum der Stange. Und so widersteht das Wasser selbst dem Stoße mit einer solchen Stange. – Von dieser werden zuvor die schon erwähnten Fähnlein abgesägt, welche die Bewohner dann auf eine zierliche Weise um den Rand dieser Naturschiffe anzubringen wissen.
[Sa.01_008,12] Eine andere Art der Fortbewegung besteht darin: Die Saturnbewohner nehmen die schon früher erwähnten schönen Blätter dieser Pflanze und bilden daraus Segel, bei welcher Gelegenheit sie nichts anderes zu tun haben, als daß sie ein solches Blatt samt dem Stiel und der unten befindlichen Spitzkrone absägen und es mit einem klebrigen Saft einer anderen Pflanze zwischen den aufgestellten Fähnlein am Rand des Schiffes so fest ankleben, daß selbst ein Orkan eures Planeten dasselbe nicht abzubrechen imstande wäre. Auf diese Weise ist das Schiff fertig und imstande zehn, im höchsten Notfalle bis zwanzig Saturnmenschen zu tragen.
[Sa.01_008,13] Allein die Saturnmenschen verbinden künstlichermaßen auch mehrere solche Schiffe miteinander und machen dann ein großes, zusammengesetztes Schiff daraus, im Vergleich zu dem eure Linienschiffe ein reines Kinderspielzeug wären; denn auf breiteren Strömen, Seen und Meeren werden nicht selten tausende von solchen Schiffen miteinander verbunden. Über diesen Schiffen werden dann leichte, wahrhaft wunderbar schöne Gebäude errichtet, so daß ein solches schwimmendes Schiff eher einer bedeutenden Stadt gleichsieht als einem eigentlichen Schiff.
[Sa.01_008,14] Nun habt ihr alles von dieser merkwürdigen Frucht! – Erwecket auch hier ein wenig Phantasie und ihr werdet dabei sicher auf das angenehmste überrascht werden. Das einzige ist noch beizufügen, nämlich die Farbe dieser Frucht. Diese allein ist das Unansehnlichste; denn diese Frucht sieht geschuppt aus wie die Haut eines Hechtfisches und ist auch von gleicher Farbe. – Und somit für heute Amen.

9. Kapitel – Noch einiges von der Schiff-Pflanze. Die Ströme des Saturn und deren gleichmäßiger Fall. Vom Kugelschalenbau des Saturn und aller andern Weltkörper. Formenreichtum der Schöpfung. Die vier Hauptströme des Saturn.

[Sa.01_009,01] Da wir nun letztens die merkwürdige Schiff-Pflanze dieses Planeten kennengelernt haben, bleibt uns nachträglich nur noch das Wenige zu erwähnen übrig, wie häufig sie vorkommt und wieviel solcher (Schiff-) Früchte eine solche Pflanze zum Vorschein bringt.
[Sa.01_009,02] Diese Pflanze kommt an den Flüssen, Seen und hauptsächlich an den weitgedehnten Ufern des Meeres außerordentlich häufig vor. Und eine solche Pflanze bringt in einem Saturnjahr zweimal Frucht, und das eine jede für sich bei vier- bis fünfhundert Stück an der Zahl. Aber niemand hat auf diesem Planeten oder vielmehr in diesem Land ein verwaltendes Eigentumsrecht auf sie, sondern hier heißt es, wie bei euch ein alter Rechtsspruch lautet: Primo occupanti jus! Wer also eine solche Pflanze oder mehrere benötigt, geht hin und erntet. Und soviel er geerntet hat, ist sein Eigentum. Niemand macht ihm dasselbe streitig, und zwar aus dem höchst moralischen Grunde, weil sich dort jeder für den Geringsten und Kleinsten hält, was noch ferner bei der Darstellung der Menschen näher auseinandergesetzt wird.
[Sa.01_009,03] Und so wollen wir nun einen Blick auf die Gewässer dieses Planeten und besonders dieses Landes werfen.
[Sa.01_009,04] Es gibt in diesem Land einige tausend sehr große und breite Ströme, welche fast ohne Ausnahme in der Mitte des Landes von dem schon besprochenen höchsten Berg ihren gemeinschaftlichen Ursprung nehmen. Um solche Möglichkeit aber einzusehen, müßt ihr euch den Fuß dieses Berges nicht etwa so klein denken wie den eines Berges auf eurer Erde; sondern der Fuß dieses Berges bedeckt nach allen Richtungen beinahe einen größeren Fleck als euer ganzes Europa. Nun möget ihr allenfalls wohl begreifen, wieviel Quellen ein Riese von einem solchen Berge in sich fassen möchte.
[Sa.01_009,05] Da dieser Berg bei aller seiner Höhe und Ausdehnung beinahe einen vollkommenen Kegel bildet, der nur von den euch schon bekanntgegebenen hie und da hervorragenden Felsen und auch von manchen durch die reichlichen Quellen gebildeten Gräben verändert wird, so ist es wohl begreiflich, daß von einem solchen Berg die entspringenden Quellen nach allen möglichen Richtungen ihren Lauf nehmen, und wenn sie die Tiefe erreicht haben und von den zuströmenden bedeutenden Quellen anderer Berge vergrößert werden, dann ruhig dem Weltmeere zuströmen. Der Unterschied zwischen den Flüssen der Erde und denen dieses Planeten besteht darin, daß sie alle einen gleich schnellen Fluß oder eigentlich Fall haben, weil es dort nirgends ein sogenanntes Hochland gibt; sondern nur Berge, mehr oder weniger breite Täler und auch weitgedehnte Ebenen, welche alle ohne Ausnahme über den Meeresspiegel fast ganz gleich hoch erhoben sind. Und da die Steigung der Länder vom Meer angefangen bis zum Mittelberg hin überall gleich nur tausend Klafter ausmacht, so müssen vermöge dieser sanften Erhebung auch alle Flüsse einen gleich schnellen Fall haben.
[Sa.01_009,06] Von all den vielen Flüssen und Strömen will Ich euch bloß auf vier aufmerksam machen, weil diese die größten von allen sind und ihren Lauf bis zum Meere hin so gerade fortführen, wie wenn ihnen das Bett nach der Schnur gezogen worden wäre.
[Sa.01_009,07] Da, wo sie entspringen, sind sie schon breiter denn eure Donau, wo diese ins Meer mündet. Und dem entsprechend nehmen sie an Breite ebenso beständig zu. Wenn sie dann zum Meer gelangen, ist ein jeder dieser Flüsse etwa zweihundert eurer Meilen breit. Nur darin unterscheiden sie sich von euren Flüssen und Strömen, daß ihr Bett durchaus eine gleiche Tiefe hat; darum ein solcher Strom nirgends tiefer oder auch seichter ist als gleich in seinem ersten Anfang, das heißt da, wo er den Fuß des Berges verläßt. Denn wenn er hernach auch mehrere andere Quellen aufnimmt, so wird er dafür nur breiter, aber nie tiefer.
[Sa.01_009,08] Ihr denket euch jetzt freilich, wie ist das wohl möglich? – Und Ich sage, es gibt keine leichtere Möglichkeit als diese. Denn wenn die Unterlage ein überall durchaus gleich fortlaufender, unversehrter Steinboden ist, über welchem eine gleich hohe Erdschicht gelagert ist, welche das Wasser nach und nach hinwegräumt, wie soll denn bei solchen gleichartigen Verhältnissen irgendeine Ungleichheit in der Tiefe des Strombettes entstehen?
[Sa.01_009,09] Damit ihr dieses euch jetzt noch unverständliche Verhältnis (betreffend die gleiche Tiefe der Flüsse) desto aufmerksamer beachtet und gründlicher versteht, ist es nötig, euch eine kurze Erwähnung von dem zu machen, daß dieser Planet bei der allgemeinen euch bekanntgegebenen Weltenzerstörung, welche ihr bei dem Falle Adams kennengelernt habt, insoweit, d.h. hinsichtlich dessen, was von ihm noch übrig ist, in seiner Urbeschaffenheit unversehrt geblieben ist – nur daß er vor dieser Zeit um vieles größer war.
[Sa.01_009,10] Wie groß er aber war, zeigt noch sein gegenwärtiger Ring. Denn des äußeren Ringes Oberfläche war zuvor die Oberfläche dieses Planeten. Allein in jener Zeit ist er gewisserart links und rechts (oder südlich und nördlich) so abgeschnitten worden, daß durch solche Abschneidung die nördliche und südliche Kappe gleich zwei großen Hohlschalen in den unermeßlichen Weltenraum hinausgeschleudert worden sind, weil auf diesen beiden Teilen die arge Schlange eine reichliche böse Brut ausgesetzt hatte. Nur der heiße Mittelstrich war noch rein geblieben, darum er auch erhalten wurde zu einem immerwährenden Denkzeichen, daß der große Weltenbaumeister einen Weltkörper auch erhalten kann, wenn derselbe nicht mehr in seiner ersten planetarischen Vollkommenheit dasteht.
[Sa.01_009,11] Ihr möchtet nun wohl wissen, woher der gegenwärtige, viel kleinere Erdkörper innerhalb des Ringes entstanden ist? – Und Ich sage euch, machet eure Augen und Ohren weit auf, und ihr werdet dadurch einen starken Blick nicht allein auf den eben zu besprechenden Planeten, sondern auf alle Weltkörper werfen können. Dieser gegenwärtige Erdkörper im Ring war schon vor der Abkappung vorhanden, wie es auch bei eurer Erde, wenn diese so abgekappt werden möchte, ein und derselbe Fall wäre. Denn auch in eurer Erde steckt noch eine kleinere, und in dieser kleinen wieder eine noch kleinere, welche miteinander nur durch Luft, Wasser oder Feuer in Verbindung stehen. Dieser Planet Saturn ist eigentlich schon die dritte Kugel, weil der Ring schon zwei (Kugeln) darstellt, da er in zwei sich nicht berührende Teile vollkommen gespalten ist.
[Sa.01_009,12] Und so habt ihr bei dem Saturn also gewisserart die Gelegenheit, einen Weltkörper anzuschauen, beinahe wie einen Apfel, den ihr in der Mitte auseinandergeschnitten hättet. Die daselbst ersichtlichen Teile zeigen euch die innere, mechanische Konstruktion eines Weltkörpers. Nur was den gegenwärtigen Planeten selbst anlangt, so ist dieser freilich nicht sichtbar bis in sein Zentrum. Aber es bleibt immer ein und dasselbe Verhältnis. Denn auch dieser sichtbare Planet ist seinem Inwendigen nach ferner so gebildet, und zwar in denselben Verhältnissen, wie sie ersichtlich sind von der Oberfläche des äußersten Ringes bis zum gegenwärtig ersichtlichen Planeten selbst. So derselbe wieder abgekappt würde, käme auf diese Art wieder ein noch kleinerer Ring unter dem größeren zum Vorschein, innerhalb dessen sich dann wieder ein vollkommen runder Erdkörper also frei schwebend befinden würde wie der jetzige im großen Ring.
[Sa.01_009,13] Wenn ihr ein wenig nur eure Verstandes- und Gefühlskräfte erhöht, wird euch solches mehr und mehr einleuchtend werden. Zugleich aber werdet ihr daraus auch erkennen, wie leicht es Meiner Macht ist, einen solchen Weltkörper, wenn es nötig ist, entweder zu verkleinern oder auch zu vergrößern.
[Sa.01_009,14] Könntet ihr all die Weltkörper in dem unendlichen Schöpfungsraume besehen, wahrlich ihr würdet da auf Formen gelangen, welche euer Geist im vollsten Licht aufzufassen nicht fähig wäre. Denn wenn schon ihr Menschen mit euren beschränkten Geisteskräften euren mühsamen Schöpfungen eine bedeutende Mannigfaltigkeit zu geben vermöget, so werde solches wohl Ich in Meinen großen Schöpfungsräumen auch zu tun imstande sein. Und Meine große Phantasie wird doch in dieser Hinsicht wohl sicherlich nicht, wie einige Gelehrte bei euch meinen, vonnöten haben, zu euch in die Schule zu gehen und etwa gar einen sogenannten ästhetischen Lehrkursus mitzumachen für notwendig finden.
[Sa.01_009,15] Wie phantasiereich aber euer Schöpfer ist – dafür mögen euch schon all die Pflanzen, Tiere und Mineralien auf eurer Erde den freilich nur allerkleinsten, geringfügigsten und magersten Beweis liefern. Auf unserem Saturn werdet ihr schon etwas Mannigfaltigeres entdecken, und Ich sage, bei weitem mehr noch in einer Sonne! Denn sind euch die Dinge im Saturn schon überaus wunderbar, was werdet ihr erst sagen und was für Augen machen, so Ich euch einmal einen Blick in die Sonne zu machen gestatten möchte! Jedoch jetzt sind wir noch auf dem Saturn, und da ist noch sehr viel zu schauen.
[Sa.01_009,16] Denn wohlgemerkt, wir haben beim Saturn bei Nummer eins angefangen, und ihr wißt, daß Ich immer wieder den besseren Wein zuletzt auftische; nicht wie die schlechten Wirte bei euch, die mit dem ersten Glas die Phantasie der durstigen Gäste berauschen und ihnen dann zuletzt, statt eines besseren Weines, stark gewässerten Essig auftischen. Daher begreifet wohl, was das von Mir aus bedeuten will, so Ich sage: Wir haben da bei Nummer eins angefangen! – So wir mit unserem Weltkörper fertig sein werden, wird es in eurer Phantasie und besseren Vorstellung sich wohl zeigen müssen, ob sie noch eines höheren Schwunges fähig ist. Denn bei Mir nimmt das Höhere und immer Höhere bis ins Unendliche kein Ende. Und es gibt da nirgends eine dritte Vergleichungsstufe, sondern überall nur die zweite; das heißt, es steht immer eines über dem andern und ist das eine herrlicher als das andere. – Und nirgends gibt es ein Allerherrlichstes, welches nimmerdar übertroffen werden könnte von etwas noch Herrlicherem; denn das unerreichbar Allerhöchste bin nur Ich selbst. Wenn ihr aber schon so manche Herrlichkeiten der Weltkörper werdet betrachtet haben, dann erst wird euch ein allerschwächster Blick in den Himmel gegönnt werden. Und dieser Blick wird trotz seiner Schnelle die Herrlichkeiten, die euch auf den Erdkörpern gezeigt wurden, gänzlich vergessen machen. Denn wenn Meine Werke schon von unendlicher Erhabenheit sind in der toten, fixierten Materie, wie werden sie erst sein im Geiste, da alles Licht und Leben ist!
[Sa.01_009,17] Jedoch für jetzt kehren wir wieder zu unserem Weltkörper zurück und messen dort die Tiefe der Flüsse und Seen und auch die Tiefe der Meere. Und wir werden mit einer und derselben Meßschnur, welche eine Länge von fünfhundert eurer Klafter hat, überall zur Genüge auskommen. – Denn sehet, das Meer ist dort beinahe überall bei fünfhundert Klafter tief, nur wird es regelmäßig gegen das Land zu etwas seichter und seichter. Was aber die Flüsse betrifft, so ist ihr Mittelbett überall gleich zehn Klafter tief und wird natürlichermaßen gegen das Land zu seichter. Nur an den Mündungen fallen die Bette nach und nach so, daß sie sich allmählich mit dem allgemeinen Bett des Meeres ausgleichen.
[Sa.01_009,18] Zufolge der Gleichförmigkeit und Tiefe der Bette der Flüsse und Ströme geschieht es dann auch, daß ein jeder Fluß und Strom beinahe eine ganz glatte Spiegelfläche dem erstaunten Auge darbietet, auf welcher sich die benachbarten Gegenden, wie bei euch in einem sehr ruhigen See, auf das Herrlichste abspiegeln, was besonders zur Nachtzeit einen überaus prachtvollen Anblick gewährt, wenn all die nächtlichen Lichter aus solchen Flüssen einen beinahe ungeschwächten Schein widerspiegeln.
[Sa.01_009,19] Was die vier genannten Hauptströme noch ferner betrifft, so teilen sie dieses große Land von dem Mittelberge aus in vier Teile, so daß, wenn jemand sich auf der Spitze dieses Berges befindet, er nach dem Lauf dieser vier Hauptströme auch zugleich die Enden dieses großen Landes erschauen kann. Freilich, ihr mit euren Augen würdet solches nicht vermögen. Aber die Saturnmenschen können solches gar wohl, da ihr Auge an und für sich schon besser sieht, als ihr durch eure allerbesten Fernrohre. – Dies ist bei ihnen auch notwendig, denn so da jemand seinen Grund übersehen will, bedarf er tüchtiger Augen, welche ungefähr imstande wären, von einem hohen Berg auf eurer Erde bei allerreinster Luft euer ganzes Land mit Leichtigkeit zu überschauen. Diese Saturn-Menschen haben ihre größte Sinnen-Stärke im Auge, ungefähr in dem Verhältnis, wie sie bei euch ein Adler hat, welcher auch von der bedeutendsten Höhe noch jedes Kleintier mit Leichtigkeit erschauen kann.
[Sa.01_009,20] Was die fernere Beschaffenheit dieser Flüsse und Seen wie auch der Meere anbelangt, für ein nächstes Mal! Und somit für heute Amen.

10. Kapitel – Der Morgenstrom und seine Anwohner. Baumwohnungen der Saturnmenschen. Deren naturbeherrschende Willenskraft und ihr Verkehr mit der geistigen Welt. Unnütze Mission von Erdengeistern auf dem Saturn.

[Sa.01_010,01] Der eine der vier Hauptströme, der seine Fallrichtung genau gegen den Morgen hat, ist der breiteste und am meisten bevölkerte. Ihr müßt aber hier nicht etwa denken, daß an dessen Ufern so wie an euren Flüssen, Städte und Festungen erbaut sind; denn auf dem ganzen Planeten ist dergleichen nirgends anzutreffen.
[Sa.01_010,02] Die vorzüglichste Behausung der Saturnbewohner besteht in dem euch schon bekannten Baum, unter dessen vielen Ästen und Stämmen eine ganze Familie wohnt. Es leben aber die Bewohner ebenfalls geteilt, fast so wie bei euch, da ein Teil in den Ebenen und vorzugsweise an den Ufern der Ströme wohnt; ein anderer Teil aber wieder nur die Gebirge bewohnt. – So sind auch die Ufer dieses Morgenstromes links und rechts ganz besonders häufig mit solchen Bäumen besetzt, unter denen die Familien ihre bleibende Wohnung haben. Ich sage darum „ihre bleibende Wohnung“, weil ein solcher Baum dort nicht so schnell ausstirbt, sondern fort und fort wächst und sich vergrößert, so daß unter manchem dieser Bäume eine Familie lebt, welche durch sich verzweigende Verwandtschaften nicht selten zehn- bis zwanzigtausend Köpfe stark ist.
[Sa.01_010,03] Die Flüsse, besonders aber dieser Morgenfluß, erfüllen dortigen Bewohnern ein vielfaches Bedürfnis, und zwar nach folgender Stufenordnung: Fürs erste sind Saturnbewohner große Freunde vom Waschen. Nicht selten wäscht sich einer am Tage sieben Mal. – Fürs zweite dient ihnen das Schwimmen zu einer besonders stärkenden Belustigung; denn sie sind in diesem Fach allesamt große Künstler auf dem Wasser, indem sie auf der Oberfläche nicht nur umherschwimmen, sondern gar leicht auch umhergehen können. Darum sind sie auch imstande, alle andern Schwimmkünste auszuführen – z.B. daß sie sich auf der Oberfläche des Wassers ganz flach hinlegen, auf der Oberfläche sitzen oder sich auch nach Belieben darauf herumdrehen können.
[Sa.01_010,04] Wollen sie untertauchen, so können sie solches auch; aber es geht ihnen nicht viel leichter als den Gänsen bei euch, weil sie im Verhältnis zu dem Saturnwasser um vierzig Prozent leichter sind als ihr im Verhältnis zu euren Gewässern. Dieses Verhältnis könnt ihr schon daraus ersehen, daß, wie schon einmal bemerkt wurde, sich diese Saturnbewohner auch mit Leichtigkeit in der Luft frei erhalten können, besonders die jungen. Aber selbst die Alten können von der größten Höhe ohne Beschädigung ihres Leibes herabspringen; doch tun sie dieses nicht allzu gerne, weil sie nach solchen Luftpartien gewöhnlich von einem unbehaglichen Schwindel ergriffen werden.
[Sa.01_010,05] Fürs dritte wohnen die Saturnmenschen auch darum gerne bei den Wassern, weil dieselben, wie schon gesagt wurde, einen besonders herrlichen Lichtschimmer zur Nachtzeit von sich geben. Und fürs vierte atmen die dortigen Flüsse eine besonders angenehm kühlende Luft aus, wovon die Saturnbewohner außerordentlich große Freunde sind. Und fürs fünfte wohnen sie wegen ihrer Haustiere, die wir erst später kennenlernen werden, an den Ufern der Ströme, damit dieselben leichter getränkt werden können. Auf den Bergen können die größeren Haustiere oft kaum gehalten werden wegen Mangel an ausreichendem Wasser, da die Quellen solcher Flüsse sich mehr in den unteren Teilen der Berge befinden und die höheren sich dann begnügen müssen mit dem Regenbaum und jener euch schon bekannten bewässernden Frucht. Das größte Haustier aber braucht oft an einem Tag, nach eurem Maß gerechnet, nicht selten bei tausend Startinen Wasser zu seiner Durstlöschung, was euch etwas rätselhaft klingen dürfte. Allein diese Hauskuh übertrifft eure Elefanten so sehr an Größe, daß diese auf ihrem Rücken gar leicht als Schmarotzertierchen herumsteigen könnten. Wegen der außerordentlichen Nützlichkeit dieses Tieres aber bewohnen die Saturnmenschen gerne die Ufer der Ströme, Flüsse und Seen, damit dieses nützliche Haustier keinen Schaden leidet; denn es hat das Eigentümliche, daß es fünfmal mehr trinkt als es frißt; was alles später, wenn wir erst eigentlich zu den Tieren kommen werden, genau erörtert wird.
[Sa.01_010,06] Obschon diese Menschen hier keine Städte und ebenso keine Häuser bauen, so wissen sie doch ihren euch schon bekannten Wandbaum so zierlich und kunstvoll anzubauen, daß, so ihr einen solchen Wohnort ansehen möchtet, er euch unaussprechlich schöner vorkäme als die größte Stadt bei euch, da ihr meinen würdet, diese Bewohner führen ihre Mauern von blankem, poliertem Gold auf.
[Sa.01_010,07] Und fürs sechste wohnen die Saturnmenschen noch ihrer überaus beliebten Schiffahrt wegen gerne an den Ufern der Ströme; denn sie betreiben ihre Schiffahrt nicht so sehr des Eigennutzes, sondern vielmehr des Vergnügens und der Gesundheit wegen. Auch wenn einige unter ihnen andere benachbarte, weitliegende Inseln und Länder besuchen wollen, brauchen sie natürlicherweise ihre überaus beliebte Schiffahrt.
[Sa.01_010,08] Ihr werdet euch fragen, wozu denn den Saturnbewohnern die Schiffahrt dient, so sie ohnehin auf der Oberfläche des Wassers einhergehen können? Da ist eine lösende Antwort nicht schwer. Die Saturnmenschen können wohl unbelastet auf der Oberfläche des Wassers gehen; aber so sie nur etwas belastet sind, sinken sie alsbald unter, da das Tragverhältnis des Wassers zum Menschen gewissermaßen auf ein Haar berechnet ist. Und wenn sie auch auf dem Wasser wandeln können, so ist solches Wandeln doch nur ein sehr langsames und eigentlich auch behutsames und ist mit bedeutender Übung verbunden, viel mehr noch als bei euch der Kunstlauf auf dem Eise. Dagegen können die Saturnbewohner auf ihren vereinigten Schiffen ungemein schnell über die Oberfläche des Wassers gleiten, so daß sie in einer eurer Stunden gar leicht einen Weg von dreißig bis fünfzig Meilen zurücklegen. Und doch haben sie nirgends einen Dampfkessel, keine Schaufel und auch kein Schaufelrad zur Hand, sondern die bewegende Kraft liegt allein in ihrem festen Willen und unerschütterlichen Glauben, aus welcher Ursache sie denn auch die Ränder ihrer Schiffe mit den schon bekannten Pflanzenspitzen belegen, welche durch ihren Willen gleichsam magnetisiert werden und demzufolge auch in jener Richtung das Fahrzeug hinziehen, wohin der Wille der Schiffahrer den zum Ziel gesteckten Willenspol gesetzt hat.
[Sa.01_010,09] Seht, eine solche Triebkraft ist unfehlbar besser als die eurer schauerlichen Dampfapparate, durch welche allzeit das natürliche Leben des Menschen in einer immerwährenden Gefahr steht; und würde Ich durch schützende Engel nicht Sorge tragen, fürwahr es würden durch die aufgelösten Wasserdämpfe der Unglücke noch mehr geschehen als bis jetzt. Denn es ist nichts törichter, als daß die Menschen sich der Naturkräfte bedienen, die sie nicht im geringsten kennen. Denn da ist nicht genug, lediglich durch Erfahrung zu wissen, daß die aufgelösten Wasserdämpfe eine große Druckkraft besitzen, sondern man muß auch wissen, was hinter den aufgelösten Wasserdämpfen steckt und was eigentlich diese große Druckkraft bewirkt.
[Sa.01_010,10] Tote Kräfte sind keine Kräfte; Kräfte aber, die wirken, sind entbunden lebendig. Wer aber weiß es, wieviel Kraft die entbundenen Geister in den Wasserdämpfen besitzen? Fürwahr, wenn sie von den besagten Engeln nicht möchten im Zaume gehalten werden, da würden sich die sich viel einbildenden Dampfmaschinisten gar bald überzeugen, auf was für hohlem Grund alle ihre Berechnung ruht. Denn entbundene Geister von auch nur einer Maß Wasser könnten im ungezügelten Zustand in einem Augenblick ganze Gebirgsketten in Staub und Asche verwandeln; woraus ihr gar leicht ersehen könnt, wie viel himmlischen Schutzes es da immerwährend vonnöten hat, daß die Menschen bei ihren törichten Unternehmungen nicht allzumal verunglückend zugrunde gehen.
[Sa.01_010,11] Von solchen Narrheiten wissen die Saturnbewohner nichts und sind dessenungeachtet ums Unvergleichliche weiser als alle die übergelehrten Dampfbrüder und Meeresbezwinger auf eurem Erdkörper. Sie haben neben den vielen Vorteilen auch noch diesen unschätzbaren, daß sie zu öfteren Malen in ihrem Leben mit Mir persönlichen Umgang pflegen können, und so auch mit den Engeln des Himmels, wodurch sie in ihrer Weisheit und Erkenntnissphäre auch nur in einer kurzen Unterredung mehr gewinnen, als ihr durch all das oft mehr als überdumme Gelehrtengeschwätz.
[Sa.01_010,12] Bei dieser Gelegenheit erwähne Ich euch auch im Vorübergehen, daß nicht selten Geister von eurer Erde zu den Bewohnern des Saturns kommen, was ihnen auch allezeit gestattet wird, besonders wenn es sie danach gelüstet. Da geschieht dann, daß die Saturnmenschen diese gelehrt sein wollenden Geister gar weidlich auslachen und ihnen ihren außerordentlich schlechten Glauben vorhalten, vermöge welchem sie nicht einmal wissen, daß der Herr als Schöpfer des Himmels und aller Weltkörper vollkommen ein Mensch ist. Denn solches wissen wohl die wenigsten Menschen und auch die wenigsten Christen auf der Erde und machen sich von Mir die allerlächerlichsten und unsinnigsten Vorstellungen, weshalb Ich bei einigen sogar allerlei Gestalten annehmen muß.
[Sa.01_010,13] Bei den einen muß Ich angetan sein wie ein Hierarch, bei andern wieder fast nackt auf einer Wolke sitzend und das Kreuz in der Hand haltend, gewöhnlich zur rechten Hand des Hierarchen. Wieder andere stellen Mich in der Gestalt einer fliegenden Taube dar, wobei Ich dann immer über den zwei untern Personen, nämlich über dem Hierarchen und über dem nackten, kreuztragenden Christus schweben muß. – Wieder andere versetzen Mich in alle drei zugleich, wodurch Ich dann zu einem mathematischen Unsinn werde, da Ich in drei Personen dargestellt werde, von denen nur zwei mit einer menschlichen Gestalt begabt sind, die dritte nur mit einer tierischen; und wieder müssen diese drei ungleichartigen Personen nur eine einzige göttliche darstellen, bestehend aus einem Hierarchen, einem nackten Christus und einer Taube.
[Sa.01_010,14] Auf dem ganzen Saturn dagegen existiert nicht ein Mensch, der von Mir irgendeine andere Vorstellung hätte als die, daß Ich ganz vollkommen ein Mensch bin, wie ein anderer Mensch, nur mit dem Unterschied, daß Ich der allervollkommenste Mensch bin, das heißt, ein Mensch, in dem die Fülle der Gottheit wohnt leibhaftig (oder körperlich). Doch, so ihr solches nicht verstehen möchtet, wendet euch nur zur Materie, die wird es euch sagen, woher sie ist und was sie ist, und hat es euch schon gesagt. Daher wird euch nicht so schwer werden zu verstehen, zu erfassen, was es heißt, daß in Mir, als in dem vollkommensten Menschen, wohnet die Fülle der Gottheit leibhaftig (oder körperlich).
[Sa.01_010,15] Seht, wenn dann die Bewohner des Saturn manchen aufgeblasenen Geistern von dieser Erde mit so etwas kommen, werden diese ganz ärgerlich und zornig und wollen sich rächend über die Saturnbewohner herstürzen und ihnen mit Gewalt einen andern Glauben beibringen. Allein die Bewohner des Saturn bezeigen sich dann alsbald so überaus demütig, dabei aber doch überaus fest in ihrem Glauben, daß darüber den Geistern von dieser Erde vermöge ihres Hochmutes ganz elend zumute wird, daß sie es nicht mehr aushalten können in der Sphäre der Saturnbewohner und sich bald freiwillig entfernen.
[Sa.01_010,16] Solche Szenen auf diesem Weltkörper werde Ich euch erst dann recht anschaulich vorführen, wenn wir die Schnee- und Eisregionen desselben bereisen werden, wo sich die Geister der verstorbenen Saturnmenschen hauptsächlich aufzuhalten und zu wirken pflegen. Denn solches müßt ihr wissen, daß die Geister eines jeden Erdkörpers, besonders wenn sie noch nicht völlig geläutert sind, sich noch zuallermeist auf dem Gebiet ihres früher im Leibe bewohnten Planeten aufhalten.
[Sa.01_010,17] Jedoch für jetzt wollen wir davon nichts weiter sprechen, sondern uns zu unseren Strömen zurückwenden.

11. Kapitel – Herrliche Uferlandschaften der Stromgebiete. Der Nordstrom. Der Abendstrom. Der Mittagstrom.

[Sa.01_011,01] Wenn ihr euch so einen Strom recht vorstellen wollt, dann denkt euch eine unabsehbare, ruhige Wasseroberfläche, welche sich nach einer geraden Linie unermeßlich weit für euer Auge bis zum Meere ausdehnt. Denkt euch dazu einen solchen Fluß noch in einer weitgedehnten Ebene fortfließen, welche nur hie und da von regelmäßigen, euch schon bekannten Gebirgsgruppen unterbrochen wird. Denket euch dazu die größte, üppigste Fruchtbarkeit dieser Ufergegenden! Denkt euch zwischen den Bergen ganze Alleen der sogenannten Pyramidenbäume! Denket euch noch all die schönen Gärten mit den euch schon bekannten Spiegelbaumalleen wie auch ganze unabsehbare Wälder längs den Ufern solcher Ströme von dem Trichterbaum und allen andern üppigsten Baum-, Gesträuch-, Pflanzen-, Kräuter- und Grasarten; ja denkt euch noch die überaus merkwürdige Tierbevölkerung solcher Ströme und all die großen, überaus mannigfaltigen, herrlichen Wasservögel, welche da oft scharenweise über der weiten Oberfläche solcher Ströme nach allen Richtungen umherfliegen und allesamt dem Willen des Menschen untertan sind! Und denket euch in eurer Phantasie auch hinzu, daß sich bei den Familien, besonders denen, die an den Ufern wohnen, nicht selten himmlische Gestalten einfinden, d.h. Engel des Himmels, und mitunter, wie gesagt, auch Ich selbst!
[Sa.01_011,02] Wenn ihr dieses alles zusammenfaßt, könnt ihr euch schon einen annähernden Begriff von der großen Herrlichkeit einer solchen Stromufer-Gegend machen. Dabei ist, wie schon gesagt, vorzugsweise der gegen Morgen fließende Strom mit seinen weiten Ufern zu beachten. Nur müßt ihr euch die Sache nicht etwa, besonders was die Vegetation anlangt, gleichsam „wie Kraut und Rüben“ chaotisch durcheinandergemengt vorstellen, sondern alles in der schönsten, planmäßigen Ordnung. Denn da ist nicht nur für das tierische Bedürfnis durch eine sozusagen hingeworfene Vegetation das Nötige getan, sondern es ist hier auch von Mir aus gar wohl für eine bestens geordnete Zierlichkeit gesorgt, was ihr schon ein wenig von der Beschreibung der Pflanzen und der sämtlichen Vegetation habt abnehmen können.
[Sa.01_011,03] Wie aber dieser „Morgenstrom“ beschaffen ist, so sind auch die übrigen drei Ströme beschaffen; nur haben sie nicht diese Breite, auch sind sie nicht so stark bevölkert. Dessenungeachtet aber ist im Verhältnis die Pracht nicht geringer als die am Morgenstrom.
[Sa.01_011,04] Derjenige Strom, der sich gegen den Norden ergießt, ist an seinen Ufern zuallermeist das, was ihr „romantisch“ nennt. Denn weil sein Tal nicht selten von Bergen beengt wird, zeigt der Anblick auf der ganzen Gebirgsseite eine Unzahl von himmelhohen, blendend weißen Felsentürmen, welche nicht selten mit der schon beschriebenen Heilpflanze geschmückt sind, deren vorzüglicher Standort hier ist, obschon sie auch anderwärts, nur nicht so häufig, vorkommt.
[Sa.01_011,05] Auch hier stellt euch wieder die belebten Ufer wie am Strom des Morgens mit allem dort Besagten vor; nur die sogenannten Pyramidenbaum-Alleen lasset hinweg, weil dieser Baum wegen des etwas steinigeren Bodens hier nicht gut fortkommt – so habt ihr auch von diesem Strom und dessen Ufern ein vollkommenes Bild.
[Sa.01_011,06] Der Strom gegen Abend (Westen) aber ist berühmt seiner vielen harmonisch singenden Vögel wegen. Wenn es euch möglich wäre, einen Abend dort zuzubringen, so dürftet ihr durch ein solches Konzert so verwöhnt werden, daß euch darauf eure Musik nicht anders vorkommen möchte, wie bei euch selbst nach einem herrlichen Konzert oder einer großen Symphonie eines wohlbewährten Tondichters (z.B. eines Händel) ein Gequak von Fröschen in einer Lache.
[Sa.01_011,07] Seht, folglich bin Ich dort sogar ein Musiklehrer der Vögel! Und ihr könnt versichert sein, daß eure besten Sänger, wenn sie nur einmal einen solchen befiederten Sänger dieses Planeten hören könnten, gewiß in ihrem ganzen Leben sich nicht mehr einen Ton zu singen getrauen würden. – (N.B. Die Musik ist auch bei den Bewohnern des Saturn ein ganz vorzügliches Eigentum, nur haben sie überhaupt keine Musik-Instrumente. Aber sie sind desto vortrefflichere Sänger, mit welcher Gabe sie auch bei ihrem Gottesdienst Mich lobpreisen und Mir danken – was alles euch bei der eigentlichen Schilderung der Menschen und ihrer Verhältnisse dargestellt werden wird.)
[Sa.01_011,08] Der Strom gegen Mittag (Süden), ist wieder wegen seines Wasserglanzes überaus berühmt. Denn die Oberfläche des Wassers schimmert hier besonders am Tag beständig wie bei euch große, schöne, wohlgeschnittene Diamanten, was daher rührt, daß dieses Wasser, besonders an der Oberfläche, von ungemeiner Reinheit ist. Es sind zwar alle Gewässer dort reiner als bei euch das Wasser aus der reinsten Quelle; aber das Wasser dieses Stromes ist also rein, daß man jeden Gegenstand auf dem tiefsten Grund desselben wie in ganz ungeschwächtem Licht erschauen kann. Aus diesem Grund schimmert denn auch die Oberfläche besonders bei einer kleinen Wellenbewegung so überaus herrlich, daß ihr euch von dieser großen Pracht durchaus keinen Begriff machen könnt; denn ein Regenbogen bei euch ist dagegen etwas Allereinfachstes.
[Sa.01_011,09] Aber was die Bevölkerung der Ufer dieses Stromes anlangt, so ist sie gewisserart die ärmste, und zwar aus dem Grunde, weil da die Vegetation nicht so gut fortkommt wegen des zu harten Wassers. Obschon das Wasser ungemein rein ist, so ist es aber doch härter als das Wasser der übrigen Ströme, was auch auf eurer Erde der Fall ist, da auch hier, je reiner und kälter irgendeine Quelle ein Wasser zutage fördert, dasselbe auch desto härter und unfruchtbarer ist. Aber deswegen müßt ihr euch nicht denken, daß die Ufer dieses Stromes darum etwa wüste aussehen; sie sind dessenungeachtet noch viel üppiger als die fruchtbarsten auf eurer Erde; nur stehen sie auf diesem Planeten besonders den Ufergegenden am Morgenstrome nach.
[Sa.01_011,10] Und so hätten wir von unserem Mittelberg die vier Hauptströme angeschaut. Doch das sind nicht allein die bewohnten und belebten Gegenden dieses Planeten, sondern es sind die Berge nicht minder bewohnt wie auch die Ufer all der übrigen Flüsse, welche teils in verschiedenen Krümmungen dem Meere zuströmen, größtenteils sich aber auch in die schon obengenannten vier Hauptströme oder in andere Nebenströme ergießen.
[Sa.01_011,11] Nun bleiben uns nur noch die dortigen vielen und großen Landseen zu schildern übrig. Was ihre Zweckmäßigkeit und ihre Pracht anlangt, wie auch die Bewohnbarkeit ihrer weitgedehnten ebenen Ufer – dies bei einer nächsten Gelegenheit! – Für heute Amen.

12. Kapitel – Die Landseen des Saturn. Deren herrliche Landschaften und starke Uferbevölkerung. Verbindungsarme mit Flüssen, Strömen und andern Seen. Steinkegel-Gruppen als Vergnügungsstätten. Schwanenfahrt.

[Sa.01_012,01] Was die schon gestern erwähnten Landseen betrifft, so sind diese ganz verschieden von den Landseen auf eurem Erdkörper, welche bei euch unregelmäßig tiefe, stehende Wasseransammlungen sind. Auch auf dem Saturn sammelt sich in den etwas vertieften Ebenen das Quellwasser, welches von allen Seiten den Bergen entströmt. Allein diese Seen haben immer nur ein viel seichteres Bett als die Flüsse. Selten ist eines Landsees Bett tiefer als höchstens vier, fünf bis sechs Klafter, was auf dem Saturn soviel als sehr seicht heißt, da ein jeder Mensch des Saturn einen solchen See vermöge seiner geringen Tiefe sehr leicht so durchwaten kann, daß ihm das Wasser kaum auf den halben Schenkel über das Knie heraufreicht, manchmal kaum bis ans Knie. Aber dessenungeachtet ist es doch wieder tief genug, um die euch schon bekannten Schiffe vollkommen tragen zu können.
[Sa.01_012,02] Es fragt sich nun, was sind eigentlich die Seen auf diesem Planeten? – Sie sind im Grunde nichts anderes, als was bei euch künstlich angelegte Kanäle sind. Und ein solcher Landsee hat nicht selten bis hundert Ausläufer oder ziemlich breite Abströmungen in verschiedene andere Flüsse, so daß man auf dem Wege solcher Landseen gar bequem zu Wasser in alle die vier Hauptströme gelangen kann, und das auf folgende Art: Wenn z.B. zwischen dem Morgen- und Mittagstrom sich irgendein solcher See befindet, so hat er bestimmt einen oder auch mehrere Ausläufer in den Morgen- und ebenso auch wieder in den Mittagstrom. Ebenso befindet sich dann auch wieder irgendein solcher Landsee zwischen dem Mittag- und Abendstrom und also zwischen dem Abend- und Mitternachtsstrom und zwischen dem Mitternacht- und Morgenstrom. Und so ist die Verbindung zu Wasser nicht nur etwa einmal, sondern hundertmal bewerkstelligt. Wie aber die Verbindung vermittelst solcher Landseen mit den Hauptströmen bewerkstelligt ist, so ist sie auch bestellt zwischen all den kleineren Flüssen und Strömen, so daß kein Fluß und auch beinahe kein See auf diesem ganzen großen Land irgendwo besteht, zu dem man nicht von überall leicht zu Wasser gelangen könnte.
[Sa.01_012,03] Diese Landseen sind nicht selten von bedeutender Ausdehnung, und der geringste ist so groß wie auf eurem Erdkörper der sogenannte Kaspische See in Asien. Es gibt aber noch einige, die von einer viel größeren Ausdehnung sind, so zwar, daß sie es mit der Fläche des Mittelländischen Meeres aufnehmen dürften. Allein solcher sehr großen Seen gibt es nicht gar zu viele, und sie sind vorzugsweise nur auf dem Meere nähergelegenen Gebieten zu finden. Aber kleinere Landseen, besonders gegen des Landes Mittelpunkt hin, gibt es eine große Menge; denn es besteht auf diesem ganzen großen Landgebiet keine nur einigermaßen weitgedehnte Ebene, in deren Mitte sich nicht irgendein bedeutender Landsee befinden möchte, aus welchem Grunde die überaus herrliche Aussicht von irgendeiner Höhe nach eurem Ausdruck so malerisch schön wird, daß ihr euch auf der Erde wohl sehr schwer einen treffenden Begriff machen könnt.
[Sa.01_012,04] Denn gibt es auch hier (auf eurer Erde) Seegegenden, so sind aber doch die Seen unregelmäßiger und gewisserart zufälliger Form, und ebenso ist auch ihre Umgebung, da bald irgendein verwitterter Fels oder ein waldiger Berggrund oder eine schmutzige Ebene und dergleichen andere, nicht vielsagende Dinge unförmlich die Fläche des Wassers beufern. – Aber nicht also ist es auf dem Saturn! Denn da haben die Landseen stets mehr oder weniger eine vollkommene eirunde Form, von welcher sich dann nach allen Seiten noch bedeutend breite Ausmündungen entweder in andere Landseen oder Flüsse und Ströme gleichsam ausstrahlen. Nun denkt euch einmal so eine ruhige Wasserfläche im geringsten Durchschnitt mit einer Oberfläche von wenigstens zehn bis hundert, von hundert bis tausend und tausend bis nahe dreißigtausend Quadratmeilen nach eurem Feldmaß – so möget ihr euch schon einen Begriff von der Majestät eines solchen Landsees machen. Nehmt noch von einem solchen Landsee die vielen breiten Ausströmungen in meistens gerader Richtung, so werdet ihr die Majestät eines solchen Landsees noch deutlicher erkennen, besonders wenn ihr annehmt, daß selbst solche Ausmündungen nicht selten eine, zwei, drei und so fort bis vierzig Meilen breit sind.
[Sa.01_012,05] Aber nicht nur die Ausdehnung allein ist es, was die Majestät solcher Seegegenden erhöht; vorzüglich sind es die Ufer, die um diese Landseen sehr stark bevölkert sind. Denn die Pracht der dortigen Vegetation entwickelt sich nirgends in so großartiger Entfaltung wie eben an den Ufern solcher Seen. Besonders sind da die euch schon bekannten Pyramidenbäume zu Hause, welche nicht selten, wenigstens für euch betrachtet, eine rätselhafte Höhe erlangen und mit ihren Wipfeln oft über ziemlich bedeutende Berge hinausragen.
[Sa.01_012,06] Zur Verschönerung der Ufer wird natürlicherweise von den Bewohnern die bekannte „Schiffspflanze“ sehr häufig angebaut. Hinter den großen Äckern aber, wo die Schiffspflanzen wachsen und gedeihen, werden gerne die sogenannten „Wandbäume“ angebaut und gezogen, die nicht selten zu einer bedeutenden, das schon angegebene Maß überragenden Höhe emporwachsen. Denn an einigen Ufergegenden wird die goldene Wand solcher Bäume oft fünfhundert Klafter hoch. Dieses bewirken die Einwohner dort durch eine Kunstfertigkeit, die in einer Art Pfropfen besteht, und zwar darin, daß sie dann, wenn die Wandbäumchen ungefähr ein paar Klafter aus der Erde gewachsen sind, dieselben abschneiden und in die gemachten Spalten Reiser von denselben Wandbäumchen hineinpfropfen und mit Erde verstreichen, wodurch dann bei fortgesetztem Wachstum der Stamm dieses Baumes schon um die Hälfte verlängert wird. Und solches treiben sie so lange wie nur möglich fort und bringen als herrlichen Schmuck einer Ufergegend einen solchen Baumstamm zu der erstaunlichen, seine gewöhnliche Natur bei weitem überragenden Höhe. Hinter solchen Wänden wird vorzugsweise auch der sogenannte säulenartige „Allerlei-Baum“ gepflanzt, den ihr schon kennet und welcher vermöge seiner außerordentlichen Mannigfaltigkeit nicht wenig zur Ausschmückung der sich immer mehr erhöhenden Ufergegenden beiträgt.
[Sa.01_012,07] Daß es natürlicherweise auch hier beinahe keine anderen Wohnungen gibt als den bekannten ersten Hauptbaum, ist schon bei der Schilderung der Bevölkerung am Morgenstrom hinreichend dargetan worden, wo Ich gezeigt habe, daß es da nirgends eine Stadt noch eine Festung noch andere Wohngebäude gibt als allein diesen Baum. Nur ist von diesem Baum an den Seeufergegenden noch das zu bemerken, daß er an Größe und Ausdehnung die andern seinesgleichen, die an den Flüssen, den Strömen und auch an den Bergen wachsen, um vieles übertrifft und somit auch einer desto zahlreicheren Familie zum Wohnhause dient.
[Sa.01_012,08] Alle die übrigen Bäume, Kräuter, Pflanzen und Gräser werden hier nicht minder in guter Ordnung sorgsam gepflegt. Und so sieht eine solche Uferpartie im eigentlichsten Sinne des Wortes einem vollkommenen Paradiese gleich. Aber ihr müßt euch nicht vorstellen, daß an solchen Ufergegenden alle fingerlang ein solcher Hauptbaum steht, der dort nahezu das alleinige Wohnhaus ist; sondern so ihr von einem solchen „Wohnhause“ bis zum nächsten hinreisen möchtet, da dürfte euch die Zeit ziemlich lang werden. Denn die geringste Entfernung von einem bis zum andern Baum beträgt wenigstens zehn bis zwanzig Meilen, manchmal aber auch fünfzig bis hundert Meilen, da die Gründe, wie schon anfangs erwähnt, dort nicht selten so groß sind wie euer ganzes Land. Und da wachsen auf einem solchen Grund selten mehr als nur ein Baum und höchstenfalls fünf bis zehn solcher Bäume, welche nur dann vermehrt werden, wenn eine Familie unter einem Baum nicht mehr Platz hat. Aus solchem Grund wird dann zur Bewohnung der verwandten überzähligen Familie irgendwo in der Nähe ein weiterer Baum angepflanzt.
[Sa.01_012,09] Durch solche Familienversetzung werden dann auch die Gebirge bewohnt, was zwar die Saturnbewohner nicht gar zu gerne tun. Denn ehe jemand seinen Wohnbaum auf einem Berg anpflanzt, wendet er vorher alles Mögliche an, um irgend an einem Ufer eine Stelle ausfindig zu machen, wo er seinen Wohnbaum hinpflanzen kann. Nur wenn dergleichen gar nicht mehr möglich ist, wird auf die Berge gezogen, wobei dann auch diejenigen Gegenden der Berge aufgesucht werden, die in ihrer Nähe eine oder mehrere Wasserquellen besitzen oder wo wenigstens der Regenbaum und die Bewässerungspflanze gedeihlich fortkommen. Freilich können die Bewohner dort auf den Bergen keine große Kuh mehr halten, die ihnen eine warme Milch gäbe, und müssen sich dafür mit der weniger süßen Milch der dort häufig vorkommenden zahmen Gebirgsziege begnügen.
[Sa.01_012,10] Wenn sie die Milch von einer großen Kuh genießen wollen, bleibt ihnen nichts übrig, als sich in die Ebene zu ihren Anverwandten zu begeben und da entweder durch den Austausch mit heilsamen Gebirgskräutern oder durch irgendeine hilfreiche Arbeit solche kostbare Milch gewissermaßen durch Dienstleistung zu gewinnen. Da füllen sie dann die euch schon bekannten Gefäße und gehen oder fahren damit nach Hause. Ihr werdet euch wohl noch des schon früher erwähnten Wagens erinnern, der auf eine leichte Art verfertigt wird aus der euch schon bekannten Bewässerungsfrucht und welcher bei den Bewohnern der Ebenen auch nicht selten das „Gebirgsschiff“ genannt wird.
[Sa.01_012,11] Obschon aber solche Wohnbäume nach eurem Maß sehr weit voneinander entfernt liegen, so sind sie für den Saturnmenschen nahe genug beisammen, da der Saturnmensch seines Nachbars Wohnbaum trotz der großen Entfernung vermöge seines scharfen Auges noch allezeit sehr gut ausnehmen kann – und ihm seine langen Beine so zu Diensten stehen, daß er eine Entfernung von etwa zehn Meilen mit der größten Leichtigkeit im Zeitraum einer Viertelstunde durchschreiten kann. Und ist irgendein nachbarliches Haus weiter entlegen, da wird zu Schiffe gewandelt. Wie schnell da eine weite Reise zurückgelegt wird, ist schon bei der gestrigen Mitteilung erwähnt worden.
[Sa.01_012,12] Es bleibt jetzt nur noch zu erwähnen übrig, ob das Wasser solcher Landseen steht oder fließt. – Es ist schon gesagt worden, daß das Wasser der Seen kein stehendes, sondern ein fließendes ist. Aber es ist so strömend, daß es nach allen möglichen Richtungen fließt; nur ist die Fallbewegung etwas geringer als auf den Flüssen und Strömen. Jedoch müßt ihr euch das Strömen eines solchen Sees so vorstellen, daß das Wasser von seinem Mittelpunkt aus nach so vielen Richtungen strahlenförmig ausfließt, wie es Arm- oder Seitenkanäle hat, durch welche es sich so mit dem Wasser anderer Landseen, Flüsse oder Ströme verbindet. – Aber auch hier muß wieder ein Unterschied gemacht werden. In jenen Kanälen, vermöge welcher es sich mit andern Landseen verbindet, fließt das Wasser so, daß es z.B. auf dem linken Ufer von dem See A in den See B sich ergießt; dort wie mit einem langgedehnten Wirbel sich mit dem Wasser des Sees B dadurch austauschend, macht es am rechten Ufer wieder eine rückgängige Bewegung, so daß ein Schiffer am linken Ufer von dem See A gegen den Morgen fahren, während ein anderer am rechten Ufer von dem See B in den See A mit der wiederkehrenden Strömung des Wassers gelangen kann. Eine solche Wasserbewegung dürften eure Wasserbaukünstler wohl schwerlich zuwege bringen. – Was jene Ausflüsse anbelangt, die von einem See in einen Fluß oder Strom laufen, so haben diese keine Gegenbewegung, sondern fließen entweder von einem See in einen Fluß hinaus oder aber auch von einem Fluß in einen See hinein. Dies erschwert jedoch die Schiffahrt auf keinen Fall, weil alle Wasserbewegungen dort nur sehr ruhig sind und der schnellste Fall in einer Minute nicht mehr als höchstens zehn Klafter zurücklegt, bei ruhiger Strömung oft nur fünf bis ein Klafter. Auch ist die Bewegung des Wassers nicht der Schiffahrt wegen bewerkstelligt, sondern allein der Bewegung selbst willen, damit die Gewässer nicht faul werden und immerwährend durch solche kleine Bewegung einen wohltätigen Lebensaushauch bewirken.
[Sa.01_012,13] Was die Majestät solcher Seen noch ums bedeutende erhöht, sind die vielen weißen Steinkegel, die besonders in der Mitte solcher Seen häufig vorkommen; das besonders aus dem Grunde, weil das Wasser eines Sees in der Mitte natürlich am ruhigsten ist und daher auch am leichtesten in die Fäulnis übergehen könnte. So ist dafür ganz vortrefflich gesorgt durch diese Steinkegel, an welchen das Wasser immerwährend eine kleine Brandung erregt, sich dadurch reibt und wieder auffrischt durch die Erweckung der ihm innewohnenden Elektrizität. Auch sind diese Kegel nicht selten mit der euch schon bekannten Heilpflanze bewachsen, welche durch ihre außerordentlich wohlduftende, ätherische Lebensaushauchung die Oberfläche eines solchen Sees unendlich erquickend machen, darum auch von den Saturnbewohnern sehr häufig zu solchen Kegeln hingeschifft wird.
[Sa.01_012,14] Besonders herrlich nehmen sich oft ganze Gruppen von Tausenden solcher Kegel aus. Wenn ihr sie sehen könntet, ihr würdet glauben, eine der größten Städte auf dem Wasser zu erblicken, gegen die euer Venedig eine wahre Kinderspielerei wäre; denn ein solcher Steinkegel hat nicht selten einen Umfang von zwei bis drei Meilen und eine Höhe von zwei-, drei- bis viertausend Klafter. Da wäre auf einem abgestumpften Kegel hinreichend Platz, um eine große Stadt darauf zu bauen. Nun denket euch erst eine Gruppe von solchen Kegeln, so könnt ihr euch schon einen Begriff von der Größe einer solchen See-Kegel-Stadt machen.
[Sa.01_012,15] Die Saturnbewohner verwenden auch recht viel Fleiß darauf, den einen oder den andern Kegel durch ihren Meißel bewohnbar zu machen, oder hauen Stufen in denselben bis zur Spitze hinauf und vergnügen sich auf solchen zubereiteten Kegeln oft tagelang. Sehr große Kegel werden oft so ausgemeißelt, daß sie dadurch mehrere Stockwerke bekommen, die bewohnbar sind. Den Aufweg zu den höheren Stockwerken bewerkstelligen die Saturnmenschen durch eine Art nach außen herum ausgehauener Wendeltreppe, über welche sie dann in ein höheres Stockwerk gelangen können. Zu solchen Wohnungen aber bearbeiten sie nur die pflanzenlosen Kegel. Denn einen bepflanzten Kegel halten sie für eine Art Heiligtum und würden der Meinung sein, sich geradezu zu versündigen, so sie den Meißel an einen solchen Kegel ansetzen würden, wenn sie nicht dann und wann von Engelsgeistern darüber belehrt würden, daß es durchaus keine Sünde, wohl aber eine Unklugheit sei, so sie eine solche edle Pflanze durch ihren Meißel verderben würden. Und so lassen dann die Bewohner des Saturn solche bepflanzten Kegel im Wasser aus kluger Bescheidenheit verschont. – Die Spitzen und Kanten der bewohnbar zugerichteten Kegel aber werden auf das geschmackvollste mit allerlei Blättern und den euch schon bekannten Fahnen geziert. Und so sieht eine solche Kegelgruppe in der Mitte eines ruhigen Wasserspiegels selbst für die Saturnbewohner ungemein herrlich aus. Euch würde ein solcher Anblick auf längere Zeit ganz verstummen machen.
[Sa.01_012,16] Was die Schönheit einer solchen Wassergegend oder vielmehr Wasserkegelstadt noch mehr erhöht, sind die vielen Schiffe, die sich hier aufhalten, und dadurch der lebhafte Familienverkehr; ferner aber auch die Menge der verschiedenfarbigen, großen Schwimmvögel, welche, den Schwänen gleich, die Spiegelfläche des Wassers zwischen diesen Steinkegeln beleben und durch ihren mannigfaltigen Gesang weitgedehnte Wasserpartien beleben. Diese Vögel müßt ihr euch nicht etwa von der Größe eurer Schwäne vorstellen, sondern da ist ein solcher Vogel oft so groß wie ein kleines Schiff; darum auch die Saturnbewohner sich nicht selten des Vergnügens wegen auf den Rücken solcher Schwimmvögel setzen und sich so eine Zeitlang nach allen Richtungen schnell herumtragen lassen. – Diese Vögel richten die Saturnbewohner auch nicht selten als Wasserzugtiere ab und spannen sie vor ihre Schiffe. Und es sieht dann eine solche Seereise nach eurem Ausdruck ganz märchenhaft aus, wenn vor einem Schiffe einige hundert solcher Vögel vorausschwimmen und das Schiff nach sich ziehen. Allein eine solche Schiffahrt gehört doch nur zu den Vergnügungen und wird nicht im Geschäftsstile angewendet; denn der Saturnbewohner ist zu mitleidig gegen alle Geschöpfe, als daß er sie zu einem harten Dienst verwenden möchte, da er ohnedies mit der Kraft seines Willens und seines Glauben überall auslangt.
[Sa.01_012,17] Das ist nun alles von den Landseen – bis auf das Tierreich und namentlich auch auf die oft wunderbar gestalteten Wassertiere, davon nächstens angefangen wird. – Erwecket auch hier ein wenig eure Phantasie, und ihr werdet der Wunder hinreichend erblicken. Und daher für heute Amen.

13. Kapitel – Die Meeresufer auf dem Saturn. Gefahr durch Sturmfluten. Monde und Ring als Fluterzeuger. Die untersten Meertiergattungen. Die blaue Riesenmuschel.

[Sa.01_013,01] Nachdem wir nun das Land so ziemlich kennengelernt haben hinsichtlich alles dessen, was die Bildung des Landes selbst anbelangt und auch die reiche Vegetation und die Gewässer und wie alles dies dienlich ist zu seinem guten Gebrauch – so wollen wir uns nun aus dem Reich der elementarisch-metallischen Vegetabilien- und Wasser-Sphäre, welche die erste Unterlage des Tierreiches ist, zum Reiche der Tiere selbst wenden.
[Sa.01_013,02] Bevor wir uns aber zu den eigentlichen Tieren selbst wenden, wird es noch notwendig sein, ein wenig die Meeresufergegenden, als die Hauptbehausung des allermannigfaltigsten Tierreiches, zu besichtigen. Auf eurer Erde sind die Meeresufergegenden mit seltener Ausnahme diejenigen Teile der Ländereien, welche zumeist bevölkert sind, weil sich über das Wasser und an den Ufern des Wassers leicht Handel und Verkehr treiben läßt, vorausgesetzt, daß die Meeresufer nicht etwa weithin aus lauter Klippen bestehen oder voll Sandes und Schlammes sind. Allein nicht also verhält es sich mit den Meeresufergegenden dieses Planeten, wo nach Erd-Maß vierzig Meilen landeinwärts kein Mensch mehr wohnt, und das aus dem Grund, weil in solcher Niederung des Landes bis auf vierzig Meilen landeinwärts niemand sicher ist vor einer plötzlichen Überflutung. Denn wie das Meer auf eurer Erde einer periodischen Flut und Ebbe unterworfen ist, um so mehr ist solches der Fall bei einem so großen Planeten, da die Flut sich in demselben Verhältnis, ja zuweilen auch höher, erhebt, wie dieser ganze Planet und all die Dinge zu der Erde und allem, was darauf ist, stehen.
[Sa.01_013,03] Daß auf diesem Planeten die Flut nicht allezeit eine gleiche Höhe erreicht, hat folgenden Grund: Weil die sieben Monde (des Saturn) einen bedeutenden Einfluß auf den Planeten selbst haben, so geschieht es in jenen Zeiten, wo alle sieben Monde zufolge ihrer ungleich schnellen Bewegung auf einer und derselben Seite des Planeten stehen, daß dadurch das dortige Meerwasser mehr als gewöhnlich emporgehoben wird. – Wo nur, wie bei euch, ein Mond einen Planeten umkreist, da wäre es freilich wohl unklug, die Flut und Ebbe dem Monde zuzuschreiben, obschon er dessenungeachtet einen unbedeutenden Einfluß schon ausübt. Aber dieser Einfluß beträgt auf der Erde bei sechs Fuß naturgemäßer Steigerung des Meeres kaum einen Zoll als Mithilfe. Aber bei einem Planeten wie der Saturn macht das für die naturgemäße Erhöhung des Meeres einen bedeutenden Ausschlag. Denn nehmet ihr da auch die verhältnismäßigen sieben Zoll (zufolge dessen, daß da ein jeder Mond, gleich dem der Erde, das Wasser um einen Zoll zu erheben hilft) – so müßt ihr aber doch diesen Zoll in eben dem Verhältnis nehmen, in welchem alles Übrige des Saturn zur Erde steht. Und da werdet ihr alsbald zu dem Ergebnis gelangen, daß die sieben Zoll nach Abzug aller anderen ordnungsgemäß wirkenden Ursachen gar leicht einen Ausschlag von siebzig Klaftern geben. Und nehmt ihr dazu noch die gewöhnliche Steigerung des Saturn-Meerwassers zur Zeit der Flut um sechzig Klafter an, so werdet ihr daraus leicht gewahr werden, wie hoch das Wasser des Meeres manchmal an den Ufergegenden zu stehen kommt.
[Sa.01_013,04] Wenn der Ring über dem Meer nicht eine so wohltätige Wirkung über das Gewässer des Meeres ausüben würde, so wäre bei solcher Hochflut des Meeres sogar das innere Flach- und Niederland auf tausend und tausend Meilen weit gefährdet. Allein durch die anziehende Kraft des Ringes ergibt sich hier bei Gelegenheit der Flut die merkwürdige Erscheinung, daß das Meerwasser selten weiter als vierzig Meilen landeinwärts dringt; denn es bildet das Meer bei der Flut unter dem Ringe förmliche Wasserberge. Und so zieht sich das Wasser viel mehr in diese Berge zusammen, als daß es allzuweit in das Land einzudringen vermöchte.
[Sa.01_013,05] Diese Wasserberge haben eine große Ähnlichkeit mit den Wasserhosen bei euch, nur mit dem Unterschied, daß sie eben vermöge der anziehenden Kraft des Ringes nicht selten zu der schauerlichen Höhe von einhundert Meilen emporwachsen, weshalb die hohe Flutzeit dann auch für die Schiffahrt so gut wie vollkommen untauglich ist. Denn wird ein Schiff von einem solchen wachsenden Wasserberg ergriffen, so wird es mit einer unbeschreiblichen Heftigkeit und Schnelligkeit in die Höhe gehoben; und hat es den höchsten Gipfel erreicht, so wird es dann vermöge der Wurfkraft so hinuntergeschleudert, daß von einer glücklichen oder unversehrten Zurückkunft gar schwerlich mehr die Rede ist. – Dann und wann wird auf manchen Stellen die Auftürmung so gewaltig, daß sie beinahe bis an den Ring hinaufreicht. Doch dies geschieht nur äußerst selten.
[Sa.01_013,06] Dessenungeachtet aber sind selbst die unbedeutendsten Auftürmungen des Meeres dort den Schiffern schon sehr gefährlich, weil bei solcher Auftürmung das Wasser des Meeres allezeit einen für euch unbegreiflich schnellen Wirbel oder Dreher macht. Kommt da jemand mit seinem Fahrzeug in den Bereich eines solchen tanzenden Wasserberges, so wird er anfangs, wenn der Wirbel noch langsamer geht, auf die Wasserhöhe hinaufgezogen. Da das Drehen sich immer verstärkt, je höher und höher das Wasser steigt, so geschieht es dann auch, daß irgendein mitgerissenes Fahrzeug mächtig weit hinuntergeschleudert wird, oder es wird auch durch die Gewalt des drehenden Wassers unschwer zertrümmert. Denn der Durchmesser eines solchen Berges, auch nur von mittlerer Größe, beträgt auf der (Grund-)Fläche nicht selten zwanzig bis fünfzig Meilen, in der Mitte oft noch zehn bis zwanzig Meilen und an der Spitze ein bis zwei Meilen. Die Drehung des Wassers aber in der Mitte eines solchen Berges ist schon von solcher Schnelligkeit, daß es den Weg herum in vier bis fünf Minuten zurücklegt und auf der Spitze in ein oder längstens eineinhalb Minuten. Nun könnt ihr euch schon die Wurfkraft eines solchen Berges denken! Wenn das Schiff sich irgendwo auf der Meeresfläche befindet, gerade unter ihm sich die Spitze eines Berges zu bilden anfängt, wird das Schiff in die schauerliche Höhe hinaufgeworfen. Kommt aber das Schiff an den Wirbelfluß eines solchen Berges, so wird es zu einer gewissen Wasserschnelle gehoben und von da alsbald weitmächtig hintangeschleudert.
[Sa.01_013,07] Nun seht, das war vor der Erklärung des Tierreiches notwendig noch zu beachten; denn daraus wird ersichtlich, warum die Ufergegenden des Saturn-Meeres unbewohnbar sind. Dann aber wird hier in diesem großen Naturakt die erste Zeugung (Urzeugung) des Tierreiches gezeigt; denn dadurch geschieht ein großartiger Begattungsakt vermöge dessen die atomischen Äthertierchen ins Wasser aufgenommen werden, darin sie sich dann von Klasse zu Klasse vervielfältigen, bis sie zu jener Stufe gelangen, die ihr auf eurer Erde das Reich der Amphibien nennt. Diese Tierklasse bildet auch auf diesem Weltkörper den ordnungsmäßigen Übergang von den Wassertieren zu den Landtieren. So ist all das Uferland sozusagen die erste Stufe, auf welcher vermöge der stufengerechten Fortbildung die Seetiere vom Wasser an das Land übergesetzt werden. Wenn wir also das Tierreich des Saturn betrachten wollen, müssen wir ordnungsgemäß auch dort anfangen, wo es eigentlich seinen Ursprung nimmt.
[Sa.01_013,08] Das Wasser des Meeres ist demnach die erste Wohnstätte der Tiere. – Welche Tiere erblicken wir aber zuerst auf diesem Weltkörper, und zwar in dessen Meeresgewässern? – Auch dort ist die Ordnung dieselbe wie auf der Erde.
[Sa.01_013,09] Die erste Tierklasse besteht in einer zahllosen Menge von außerordentlich kleinen, weißen Würmchen, welche so klein sind, daß in einem gewöhnlichen Tropfen Millionen derselben hinreichenden Platz haben. – Die zweite Klasse ist eine Art größerer Würmer, die schon mit zwei Armen versehen sind. Diese sind auch dem Auge der Saturnbewohner sichtbar. Ein solches Tierchen der zweiten Stufe verzehrt in einer Sekunde viele tausende der ersten Gattung und assimiliert dadurch deren Leben dem seinigen. – Die dritte Stufe ist eine Art länglicher grauer Würmer, etwa von der Größe wie eure Essig-Aale. Diese Tierklasse ist sehr gefräßig und nährt sich von den beiden unteren Klassen und assimiliert dadurch deren Leben dem seinigen. – Die vierte Klasse ist eine Gattung von Würmern, die zwei Köpfe und schon eine Länge von einer Linie hat und gegen die Mitte dicker wird, so daß ihre Gestalt einem Kipfel gleicht. Dieses Tier verzehrt nur seine Vorgänger. Und die nächste Klasse nach ihm fängt schon an, sich dem Geschlecht nach zu unterscheiden, während bei den vorhergehenden Klassen noch kein Geschlechtsunterschied vorhanden ist. Dieses Tier ist vermöge seiner zwei Köpfe so bestellt, daß es gleichsam das männliche und weibliche Wesen in sich vereinigt, worauf seine zwei Köpfe hindeuten. – Die nächste Klasse besteht schon in einer Art vierarmiger, rötlicher Käferchen. Dieses Tier hat die sichtbare Größe von etwa zwei Linien der Länge und einer halben Linie der Leibesbreite nach und ist ein Vielfraß, denn es frißt alle seine vorhergehenden Klassen in einer Unzahl auf und assimiliert dadurch ihr Leben. – So gehen bei tausend Stufen solcher Lebewesen immer eins in das andere über, bis sie in die Klassen der dortigen Schaltiere aufgenommen werden.
[Sa.01_013,10] Die Klassen der Schaltiere sind ebenso reichhaltig, und es kommt da zuerst die Muschel und dann erst die Schnecke zum Vorschein.
[Sa.01_013,11] Unter den Muscheltieren ist vorzugsweise die große blaue Riesenmuschel zu bemerken, welche nicht selten so groß wird, daß wenn sie sich auf eurer Erde in irgend einem Meere befinden würde, sie mit allem Recht für eine Insel mit einem Flächenraum von ein bis eineinhalb Quadratmeilen gelten könnte. Diese Muschel ist aber auch die letzte Stufe der Muscheln. Den Tod bringen ihr kleine Schnecken, welche, sobald sie dann und wann, um Nahrung zu nehmen, sich in sie hineinbegeben, unsere arme Muschel von allen Seiten zu benagen anfangen. Wenn dann die Muschel auf diese Weise aufgezehrt wurde, wird die Schale nicht selten bei Gelegenheit der Flut und Ebbe auf eine kleinere Insel oder auch an das uns schon bekannte Festlandufer geworfen, wo des öfteren die Bewohner des Saturn herbeikommen und solche für sie sehr kostbare Muscheln sammeln und sie in ihre Gegenden bringen. Diese Muscheln werden dann gewöhnlich so in die Erde hinein befestigt, daß zwischen den beiden Schalen der Muschel mehrere schon bekannte Regenbäume eingepflanzt werden, wo dann in diese weiten Muschel-Basins das Baumregenwasser am allerwirtschaftlichsten angesammelt wird.
[Sa.01_013,12] Die Außenseite einer solchen Riesenmuschel ist nicht besonders schön, sie hat eine dunkelgrüne Farbe; aber desto imposanter ist die Innenseite. Diese sieht geradeso aus, wie wenn ihr blankes Gold möchtet mit einer schönen azurblauen Farbe überziehen. Daher ein solches Muschelwasserbecken, wenn es von den Regenbäumen angefüllt worden ist, sich auch außerordentlich herrlich ausnimmt. In solchem Wasser baden sich die Saturnbewohner besonders gerne, weil dieses Wasser die höchste Reinheit hat, und weil es auch von einem ätherischen Wohlgeruche gesättigt ist, ungefähr wie bei euch das Nardusöl, welches auf eurer Erde zu den wohlriechendsten gehört.
[Sa.01_013,13] Ihr werdet wohl fragen, aber wie bringen die Saturnbewohner eine solche ungeheure Riesenmuschel von der Stelle? – Dieses geschieht auf eine ganz einfache Art. Die Muschel ist nicht so schwer, wie ihr es euch vorstellt, denn unter dem Ring sind überhaupt die Gegenstände nicht so schwer wie auf irgendeinem andern Teil, entweder der südlichen oder der nördlichen Breite dieses Planeten. Und so geschieht es, daß die Bewohner eine solche Muschel, wenn sie irgendeine finden, alsbald mit ihren vielseitig angebrachten Keilen und Hebeln öffnen, sie sorgfältig ausräumen, hierauf wieder zuschließen und am Schlusse rundherum die Öffnungen mit einer besonderen Art Wasserpaste verkleben. Alsdann warten sie mit ihren Schiffen eine kleine Flut ab. Diese hebt die Muschel, welche sie mit einem sehr starken Seil an ihr Schiff befestigen, wonach dann die Fahrt auf irgendeinem Flusse landeinwärts mit einer solchen Schnelligkeit beginnt, von der ihr euch kaum einen richtigen Begriff machen könnt. Denn eben bei solchen Gelegenheiten macht der Saturn-Mensch seine mächtige Willenskraft voll geltend; daher es euch nicht wundern darf, wenn die Saturnbewohner nicht selten Gegenstände von einem Orte zum andern befördern, vor deren Größe und Last euch schaudern würde – was zu seiner Zeit, wie auch bei mancher Gelegenheit, noch deutlicher gezeigt wird.
[Sa.01_013,14] Nächstens wollen wir das Reich der Tiere näher betrachten, und daher für heute Amen.

14. Kapitel – Die Stangenschnecke. Die Pyramidenschnecke. Die wunderbare Scheibenschnecke liefert Mantel, Salbe und Gartenschmuck der Patriarchen auf dem Saturn.

[Sa.01_014,01] Nach dieser hier beschriebenen und erklärten Riesenmuschel kommen, wie schon gesagt worden ist, die Schnecken, und zwar fürs erste diejenigen, welche in den Gewässern vorkommen, und dann erst jene, dem eigentlichen Leibeswesen nach mehr ausgebildeten, die auf dem Land leben.
[Sa.01_014,02] Es gibt aber in den Wässern tausende Arten der Schnecken, die so nacheinander geordnet sind, daß nach eurem Fachausdruck in biologischer Beziehung die eine aus der andern hervorgeht. Besser wäre zu sagen: in Hinsicht der Lebensvermehrung.
[Sa.01_014,03] Was die vorhergehenden Arten der Schnecken betrifft, so sind diese für euer schaulustiges Auge zu wenig von Interesse, obschon sich über jede Bände von Büchern schreiben ließen. Ihr würdet bei einer auch nur einigermaßen ausführlicher Einzelbeschreibung mit der Menge nicht fertig. Daher wollen wir auch nur die letzten Arten von diesen Schaltieren hervorheben, die für euch von besonders hervorragendem Interesse sein können. So sind die fünf letzten Arten wegen ihrer wunderbaren Gestalt näher zu erörtern.
[Sa.01_014,04] Die erste der fünf letzten Schneckenarten ist die sogenannte Stangenschnecke. Sie ist darum besonders merkwürdig, weil das Gewinde dieser Schnecke einer langgedehnten Schraube ähnelt und aussieht, wie wenn ihr eine zehn Klafter lange Stange zu einer Schraube umwandeln ließet, oder, noch besser beschrieben, wie wenn ihr um diese Stange ein langes Seil so gewunden hättet, daß ein Gewinde sich an das andere von unten bis oben fest anschließen möchte. Nur müßt ihr euch die Stange nicht etwa allzudünn vorstellen, sondern so, daß sie zuunterst an der dicksten Seite einen Durchmesser von fünf Fuß hat und dann gespitzt zuläuft, und auch die Gewinde in diesem Verhältnis immer dünner werden. Auf eurer Erde könntet ihr eine solche Schnecke eher eine Art gewundenen Obelisken nennen. Allein die Benennung Stangenschnecke ist hier darum gegeben, weil dieses Tier von den Saturnbewohnern so benannt wird.
[Sa.01_014,05] Ihre Außenfarbe ist von wahrhaft wunderbarer Schönheit; denn an der dicksten Seite ist sie vollkommen rosenrot, wie wenn ihr fein poliertes Silber mit eben dieser Farbe überziehen möchtet. Gegen die Spitze wird sie immer dunkler rot, mit demselben metallischen Schimmer, so daß sie alle Rosenfärbungen vom blassesten bis zum dunkelsten Rot durchmacht. Aber diese Farbe ist nicht die alleinige Pracht dieser Schnecke, sondern da ist auch noch die Verzierung des Gewindes. Der langgewundene Bauchgürtel dieser Schnecke ist durchgehend in der schönsten Ordnung noch mit immer größeren und größten Perlen verziert. Und der Graben zwischen den Bauchgewinden ist mit einem goldenen Bande geziert, welches noch die schönsten Arabesken-Figurationen (nach eurem Ausdruck) enthält. – Also ist das Haus dieser Schnecke beschaffen!
[Sa.01_014,06] Das innewohnende Tier ist weniger interessant, denn es besteht bloß in einem polypenartigen Wurme, versehen mit vier Freß- oder Saugrüsseln. Seine Nahrung sind kleine Schnecken wie auch kleinere Muscheln, welche dieses Tier mit dem untersten seiner Fangrüssel erhascht, zerdrückt und sodann solche zerquetschte Speise in den sogenannten Freßrüssel steckt. Mit den andern zwei Rüsseln fühlt dieses Tier nur um sich herum, ob es nicht irgend etwas zu fressen gibt und auch ob sich ihm nicht etwa einige feindselig gesinnte Nachbarn nähern. Wenn letzteres der Fall ist, zieht sich dieses Tier alsbald in sein schönes Haus zurück und verschließt den Ausgang mit einer weißlichen Kruste. Jedoch häufig nützt ihm diese Vorsicht nichts; denn seine Feinde bestehen in einer später zu beschreibenden Art Schwertkrebsen, welche diese Kruste bald durchstoßen, als Räuber in das Haus dieses Tieres dringen und das arme Tier nach und nach bis auf den letzten Tropfen aufzehren, welche Krebse aber dann doch wieder selbst ein Raub einer andern, größeren Schnecke werden, von der alsbald die Rede sein wird.
[Sa.01_014,07] Die Bewohner des Saturn sammeln die Schalen dieser Stangenschnecken und verzieren nicht selten damit ihre Gärten. Manchesmal aber benutzen sie solche Schnecken zu Wasserleitungen. Wo das Wasser auf irgendeiner bedeutenden Höhe entspringt, fangen sie mit der Mündung der Schnecke das Wasser auf, schlagen auf dem dünnen Teile die Spitze ab, und so strömt hier das Wasser natürlicherweise mit bedeutender Heftigkeit heraus. Unter dieser Mündung setzen sie wieder eine zweite Schnecke mit der breiten Mündung an und also fort, und leiten auf diese Weise dann nicht selten das Wasser viele Meilen nach Belieben irgendwohin bergabwärts. Daß eine solche Wasserleitung nicht uninteressant anzusehen ist, möget ihr euch wohl vorstellen.
[Sa.01_014,08] Die nächste Schneckenart ist die sogenannte Pyramidenschnecke. Ihre Farbe ist ganz einförmig grasgoldgrün, und der Bauchgürtel ist mit verhältnismäßig großen, schneeweißen, eiförmigen Flächen geziert, deren Rand so verbrämt ist, als ob ihr eine alabasterne Tafel möchtet in einen blank polierten, goldenen Rahmen fassen. Die Schnecke ist sehr groß, und wenn ihr sie hier auf der Erde irgendwo auf der breiten Seite aufstellen möchtet, so dürfte sie mit ihrer Höhe wohl um ein Bedeutendes euren Stadtschloßberg beschämen. Das in diesem Hause wohnende Tier sieht der Farbe nach ganz dunkelgrau aus und hat gleich einem ungeheuer großen Elefanten einen weit um sich greifenden, überaus starken Rüssel, zu dessen beiden Seiten zwei andere, schwächere Rüssel hinausgeschoben werden, auf deren äußersten Enden je ein scharfsehendes Auge sitzt. Zuunterst hängt im Falle einer Bereisung der Meeresfläche diese Schnecke auch ein Paar weißliche, starke Ruder hinaus, vermöge welcher sie auf der Oberfläche des Meeres eine ziemlich schnelle Bewegung zu machen imstande ist. Wenn sie also auf dem Meere fährt, hat sie ihr Haus nach oben gekehrt, so daß eine solche fahrende Schnecke in einiger Entfernung sich ausnimmt wie eine auf der Oberfläche des Meeres schwimmende Pyramide.
[Sa.01_014,09] Diese Schnecke ist ziemlich bösartiger Natur und fällt auch Menschen an, die sie mit ihrem Rüssel umwindet, zerdrückt und alsbald in ihren weiten Rachen steckt. Jedoch die Saturnbewohner kennen ihre Art gar wohl und sind daher allezeit gut gerüstet, wenn sie auf ihren Fang ausgehen. Mit einer Schlinge fangen sie den weit hervorstehenden Rüssel ein, ziehen sie schnell zusammen und die Schnecke ist so gut wie gefangen. Denn da diese Schnecke schon ein atmendes Tier ist und den Atem durch den Rüssel einzieht, so verstirbt sie auch sehr bald, wenn sie nicht mehr zu atmen vermag. Die Bewohner merken ihren vollkommenen Tod dadurch, daß sie aus ihrem Rachen anfängt einen weißlichen Saft zu lassen; denn solcher Saft ist dann schon ein Zeichen der inneren, alsbald begonnenen Verwesung.
[Sa.01_014,10] Die Bewohner des Saturn sammeln diesen Saft sehr emsig seines außerordentlichen Wohlgeruches wegen, welcher ums Unvergleichliche eure Ambra übertrifft. Hat nun eine solche Schnecke aufgehört ihren Saft von sich zu lassen, dann geben sie die tote Schnecke wieder frei. Alsbald findet sich eine Menge Meeresungeziefer, welches eine solche Schnecke in wenigen Tagen ganz verzehrt, d.h. bis auf die harte Schale, welche bei dieser Schnecke sehr fest und massiv ist, und zwar so, daß an der breiten Ausmündung die Schale nicht selten vier bis fünf Klafter dick ist. Wenn nun auf diese Weise die Schale geräumt ist, wird sie von den Saturnbewohnern aus dem Meer herausgeholt, und zwar zur Zeit der Ebbe, der Meeresniederung, und wird dann auf dieselbe Weise wie die große „Riesenmuschel“ an Ort und Stelle geschafft.
[Sa.01_014,11] Diese Schnecke nährt sich vornehmlich von der schon früher erwähnten Art der Schwertkrebse, deren es eine Menge in den verschiedensten Größen gibt. Jedoch größer ist keiner als der sogenannte Meerkrebs bei euch. Aber kleiner wird dieses Tier häufig angetroffen, oft so klein wie bei euch ungefähr eine Heuschrecke. – Wann macht aber diese zweite oder Pyramidenschnecke einen solchen Haupt-Schwertkrebsen-Fang? – Solcher Fang geschieht, wenn diese Krebse oft gerade am unermüdlichsten beschäftigt sind, um eine schon früher bekanntgemachte Stangenschnecke aufzuzehren. Wenn da die Pyramidenschnecke ein mit solchen Krebsen gefülltes Stangenschneckenhaus antrifft, umwindet sie dasselbe mit ihrem Rüssel, begibt sich damit an ein Ufer, und legt das Stangenschneckenhaus mit der breiten Seite aus dem Wasser. Wenn so die Krebse sich außer Wasser befinden, dann fängt einer nach dem andern an, aus der Schnecke zu kriechen, bei welcher Gelegenheit auch einer nach dem andern unfehlbar aufgezehrt wird. Und so sind diese Krebse gleichsam eine lebensammelnde Mittel-Tierklasse, vermöge welcher das Leben einer Schnecke potenziert in das Leben einer andern übergeht. So gibt es zwischen zwei größeren Tierklassen immer eine kleinere, welche gegen die vorhergehende große Klasse sich feindselig verhält, aber von einer nachfolgenden größeren Klasse alsbald wieder als eine wohlschmeckende Speise verzehrt wird.
[Sa.01_014,12] Die dritte Art der hier vorkommenden Meeres-Schnecken ist die sogenannte Scheibenschnecke. Diese Schnecke hat viel Ähnlichkeit mit eurer bekannten Nautiliusschnecke; nur ist natürlicherweise eure Nautiliusschnecke ums unvergleichliche kleiner und im Verhältnis zu ihrer beiderseitigen Plattform viel dicker als diese Scheibenschnecke auf unserem Planeten Saturn zu ihrer Plattform. Die Scheibe dieser Schnecke hat nicht selten einen Durchmesser von hundert bis hundertundzwanzig Klaftern. Ihre Dicke aber beträgt kaum etwas über drei Klafter. Diese Schnecke befindet sich besonders zur Zeit der Flut auf dem Grunde des Meeres, zur Zeit der Ebbe aber schwimmt sie allezeit auf der Oberfläche.
[Sa.01_014,13] Wenn sie auf dem Grunde des Meeres liegt, schiebt sie einen langen Rüssel weit über die Oberfläche des Wassers hinaus, um Atem zu holen. Dadurch wird ihr Stand sehr leicht ermittelt, bei welcher Gelegenheit sie dann auch gewöhnlich gefangen wird – es versteht sich von selbst nur in einer mittleren Flutzeit; denn in einer Sturmflut wagt sich kein Saturnbewohner auf das Meer. Ihr möchtet vielleicht denken, warum diese Schnecke nicht vielmehr zur Zeit der Ebbe, wenn sie auf der Oberfläche des Meeres schwimmt, gefangengenommen wird. Allein da ist dieses Tier durchaus nicht zu fangen, weil es außerordentlich schnell über die Oberfläche des Meeres dahinfährt und somit nicht leichtlich eingeholt werden kann. Und wenn es auch eingeholt werden könnte, so kann niemand diese Scheibe ergreifen, weil die an und für sich sanfte Schnecke bei der leisesten Berührung alle ihre Extremitäten sogleich einzieht und sich vermöge eines ins Wasser hineingehenden Ruders so schnell zu drehen anfängt, daß niemand wagt, dieses große, schnelldrehende Rad anzugreifen.
[Sa.01_014,14] Wie sieht denn eigentlich diese für euch gewiß überaus merkwürdige Schnecke aus? – Fürwahr, Ich sage euch: Ihr möget euch in alle möglichen noch so wunderbare Phantasien versenken, so wird es euch doch nicht gelingen, euch die Schönheit dieser Schnecke recht vorzustellen, aus welchem Grunde die Saturnbewohner auch nicht selten, mit vielen Gefahren kämpfend, sich einer solchen Wunderschnecke zu bemächtigen suchen.
[Sa.01_014,15] Diese Schnecke bildet, was ihr Haus betrifft, einen vollkommenen Kreis; denn die Mündung ist lang angrenzend an die flachen Vorgewinde angebracht, daß sie ungefähr ein Drittel des ganzen Kreises einnimmt. Die Öffnung, bei welcher diese Scheibenschnecke mit ihrem Leib und ihren wunderbaren Extremitäten nach Willkür hinausragt, ist kaum etwas über eine halbe Klafter weit. Und der trichterförmige Rand dieser länglichen Mündung ist überall so gut und fein eingerundet, daß er dem ganzen Hause nicht nur kein zerrüttetes oder unvollständiges, sondern ein überaus prachterhöhendes Aussehen gibt.
[Sa.01_014,16] Wie sieht denn nun dieses Haus aus? Sehet und erstaunet in eurem Innern! Dieses Haus hat dem Äußern nach das wunderbare Aussehen, als hätte dasselbe der allerkunstfertigste Juwelier überaus mannigfaltig wohlgeordnet mit den verschiedensten Sorten der edelsten Steine besetzt. Da läuft eine Reihe herum, als wären es lauter Diamanten von einem Gewicht zu je einem Pfund. Eine andere, an diese sich anschließende Reihe besteht aus lauter Rubinen, von gleichem Gewicht; eine andere wieder aus lauter Smaragden, und so weiter durch alle zwölf Arten der Hauptedelsteine durch. Zwischen einer jeden solchen Stein-Bordüre ist ein freier Raum, der aussieht wie ein breites, goldenes Band. In diesem Band sind in erhabener Form die wunderschönsten Zeichnungen angebracht, welche die ganze vorhergehende Gruppe der Tiergattungen getreulich abbilden, deren Leben in dieser Schnecke vereinigt ist.
[Sa.01_014,17] Das Ende des Schneckenhauses schließt eine aufrechtstehende, aus klafterhohen kleinen Goldsäulen bestehende Galerie, welche aussieht, als hätte um ein solches Rad oder um einen solchen Rundgrund ein geschickter Bildhauer ein Geländer angefertigt, dessen Stäbe künstlerisch gestaltete kleine Stangenschnecken wären, welche zuoberst mit lauter fein gewundenen Bögen verbunden sind. Die Stäbe sind nach der Art goldgefärbt, wie die Stangenschnecke selbst. Die gewundenen Bögen aber sind so gut und, Ich sage hier, besser als blankes, überaus fein poliertes Gold. Über einem jeden Bogen ist noch künstlerisch angebracht die Form einer Pyramidenschnecke in kleiner Gestalt mit der ihr ureigentümlichen Farbe. Das Geländer wird nur an der Stelle der Ausmündung der Schnecke allmählich niedriger und hört dort ganz auf, wo dieses Tier seine Hauptextremitäten von sich hinausschiebt, ungefähr eine Strecke von fünf Klaftern.
[Sa.01_014,18] Also sieht nun einmal die obere Fläche dieser Schnecke aus. – Die Seitenwand, die etwa, wie schon bemerkt wurde, bei drei Klafter dick, breit oder hoch ist, sieht geradeso aus wie eine rundgeführte Kolonnade von Säulen zu zwei Klaftern Länge. Die Säulen sind durchgehend blendend weiß und haben nicht etwa Postamente und Kapitäler, sondern sie gehen gerade von der untern, vorspringenden Fläche zu der obern empor. Der Hintergrund aber hinter den weißen Säulen ist ebenfalls hell gefärbt und gleicht vollkommen einem Regenbogen. Der längliche Kanal oder vielmehr die längliche Mündung der Schnecke ist so vollkommen rot, wie bei euch manchesmal die Wolken im Abendrot, und hat auch zugleich ein eigenes phosphorisches Leuchten, welches besonders zur Nachtzeit sich nicht minder hell ausnimmt wie ein von der späten Sonne beleuchtetes Wölkchen.
[Sa.01_014,19] Wie sehen denn die Extremitäten aus? – Diese Schnecke spannt, einem schönen Pfaufedern-Rade gleich, eine Art rundes Segel aus, welches ihr dazu dient, wenn auf der Meeresfläche Winde wehen, daß sich diese darin wie in einem Segeltuch fangen und dann die Schnecke außerordentlich schnell über die Oberfläche des Wassers hintreiben. Ist aber Windstille, so fächert sie mit diesem großen Radsegeltuch so behende die Luft, daß sie sich dann auf diese Art ebenfalls sehr schnell über die Oberfläche des Meeres bewegen kann, welche Bewegung durch Hilfe der untern, ins Wasser hinabreichenden Extremitäten noch beschleunigt wird.
[Sa.01_014,20] Dieses ausgespannte Rad sieht gar wunderbar schön aus. Seine Farbe ist blaßviolett. Seine Verbrämung ringsherum ist glänzendrot und selbstleuchtend, wie Wölkchen in der Abendröte. Das ganze Rad ist regelmäßig in Fächer abgeteilt, davon ein jeder Fächer mit einer überaus wohlgelungenen Zeichnung einer Stangenschnecke geziert ist, jedoch mit der Spitze nach unten. Auf der rückwärtigen Seite aber ist dieser Fächer ganz ordnungsmäßig vom kleinsten bis zum größten geschmückt mit den schon früher erwähnten Schwertkrebsen, welche da allesamt in der schönsten Goldkarminfarbe aufgetragen sind. Jeder Fächer bildet am Rand einen eigenen Bogen. Dieser Bogen ist nach vorne geziert mit einer getreuen Abzeichnung dieser Scheibenschnecke selbst und nach rückwärts auf einem hellblauen Grunde mit der Pyramidenschnecke. Der äußere Rand ist rückwärts glänzendweiß und hat ebenfalls, wie der nach vorne, ein eigenes, abendwölkchenrotes Leuchten.
[Sa.01_014,21] Der lange Rüssel zum Atemholen ist ebenfalls vollkommen weiß, jedoch umwunden mit einem roten Band, in dessen Mitte kleine, blaßgrüngoldene Sterne angebracht sind. Der Rüssel dient dieser Schnecke auch als ein Arm zum Fang ihrer Nahrung. Sie lebt von einer Art Meergras, welches sehr häufig nahe an den Ufern im Meere vorkommt. Auf diesem Grase kleben eine Menge kleiner Goldwürmchen, welche dieser Schnecke zu einer Mitnahrung dienen. Durch solche Nahrung eignet sie sich dann schon auf eine mehr übernatürliche Weise das Leben aller vorhergehenden Tiergattungen an.
[Sa.01_014,22] Diese Schnecke hat auch schon einen eigenen, starken Instinkt, aus welchem nicht selten so viel Klugheit heraussieht, daß es schon in manchen andern Ländern geschehen ist, daß ihr einige Menschen göttliche Verehrung erwiesen – was besonders daher rührt, weil eben diese Schnecke, wenn sie nicht gereizt oder verfolgt wird, zufällig ins Meer gefallene Gegenstände, seien es Tiere oder Menschen oder was immer, vor dem Untergang rettet. Was sie da hilflos auf der Oberfläche des Wassers findet, ergreift sie alsbald mit ihrem starken Rüssel, setzt es auf seine schöne und geräumige Scheibenfläche, segelt damit an irgendein Ufer und setzt es dort mit ihrem Rüssel ans trockene Land. Aus diesem Grund hat dieses überaus schöne Wassertier von den Saturnbewohnern in den verschiedenen Ländern auch ebenso verschiedene Namen. Einige nennen es den Meereskehrer, weil es nichts Schwimmendes auf der Meeresoberfläche vertragen kann, andere nennen es den Lebensretter, andere wieder die Meeresleuchte, andere wieder das lebendige Schiff oder das Wunderrad – und so hat dieses Tier weiter noch eine Menge verschiedenartiger Benennungen.
[Sa.01_014,23] Dieses Tier hat außer dem Menschen beinahe keine Feinde und stirbt von selbst, wenn es sein gehöriges Alter erreicht hat. Allein wenn es stirbt, verliert das schöne Haus dann viel von seiner Pracht. Daher suchen die Saturnbewohner die Schnecke lebendig zu fangen und zu töten, damit die Pracht des schönen Hauses erhalten bleiben kann. Wenn das Tier getötet ist, schwimmt es alsbald auf der Oberfläche des Meeres, und die Bewohner fahren dann auf ihren Schiffen damit schnell nach irgendeinem Flusse ihrer Heimat zu. Da angelangt, wird das Fleisch der Schnecke auf eine geschickte Art behutsam herausgezogen, so daß der Fächer nicht beschädigt wird. Diesen spannen sie dann, nachdem sie ihn vorher behutsam von dem festen Körper der Schnecke abgelöst haben, sorgfältig aus. Und wenn er genügend ausgetrocknet ist, wird er mit überaus wohlriechenden Ölen eingerieben, da er dadurch wieder sehr sanft und biegsam wird.
[Sa.01_014,24] Aus einem solchen Schneckenfächer machen sie dann eine Art Mantel – welche Mäntel jedoch nur jene Menschen auf diesem Planeten und vorzugsweise in diesem Lande zu tragen pflegen, welche ein gewisses patriarchalisches, d.h. familienväterliches Ansehen genießen. Ein solcher Fächer behält zwar alle seine Farben und Zeichnungen lebendig, nur das Selbstleuchten geht zugrunde.
[Sa.01_014,25] Das übrige Fleisch dieser Schnecke aber wird, da es beinahe aus lauter Fett besteht, ganz ausgesotten. Das Fett wird mit wohlriechenden Kräutern vermengt, woraus diese Saturnmenschen eine außerordentlich köstliche Salbe bereiten, mit welcher sich nur der Patriarch zu salben pflegt.
[Sa.01_014,26] Was geschieht denn aber mit dem schönen Haus? – Dieses wird von den Saturnbewohnern sehr behutsam ans Land gebracht und dort auf einem eigens dazu aufgeworfenen Erdwall auf dessen Oberfläche, wie ihr zu sagen pflegt, horizontal befestigt, vorzugsweise in einem Garten eines oder des andern Familienvaters, wo dann die Menschen sehr gerne darauf schauen oder manchesmal bei außerordentlichen Gelegenheiten sogar auf demselben umhergehen. Das zweite jedoch geschieht, wie schon gesagt, zu äußerst seltenen Zeiten; denn ein solcher Patriarch hält große Stücke auf eine solche Verzierung seines Gartens, da hier der allfällige Reichtum nach nichts als nach der Pracht des Gartens bestimmt wird. Um diese Pracht zu erhöhen, wird gewöhnlich auf einer Seite dieser Scheibenschnecke die schon früher beschriebene Pyramidenschnecke aufgestellt. Und es geschieht da nicht selten, daß ein solcher Stammvater in seinem Garten in einer geraden Linie bis hundert solcher Verzierungen aufzuweisen hat, d. h. von beiden Gattungen gleich viel.
[Sa.01_014,27] Hierzu brauche Ich hernach euch nichts weiteres mehr zu sagen als: Auch hier erweckt wieder ein wenig eure innere Phantasie und macht einen kleinen Spaziergang in einen solchen Garten, und ihr könnt überzeugt sein, daß auf eurer Erde alle Kaiser und Könige zusammen nicht imstande wären, einen solchen Garten also prachtvoll zu verzieren und auszuschmücken. Denn da dürfte schon eine Diamantenreihe, mit welcher die Oberfläche dieses Schneckenhauses geziert ist, teurer zu stehen kommen als bei euch der ganze Kaiserschatz. Die andern Edelsteine und das viele blanke Gold gar nicht gerechnet, wie auch die andern vielen Herrlichkeiten dieser Gärten der Patriarchen auf dem Saturn!
[Sa.01_014,28] Die zwei übrigen Schnecken für das nächste Mal! Und daher für heute Amen.

15. Kapitel – Die Siebenschnecke. Praktische Verwendung ihres Gehäuses. Gewichtsverhältnisse auf dem Saturn.

[Sa.01_015,01] Was die vierte Schnecke anlangt, so steht sie in der Pracht der schon bekannten Scheibenschnecke nach. Jedoch was ihre Größe betrifft, ist sie der Scheibenschnecke um vieles voraus. Von den Bewohnern dieses Landes wird sie gewöhnlich die große Siebenschnecke genannt – nicht etwa, als wenn in diesem Gehäuse sich sieben einzelne Schnecken aufhalten möchten, sondern weil das Gehäuse dieser Schnecke aus sieben nach aufwärts gerichteten turmhohen Spitzen besteht, welche von einem eirunden Gehäuse als Auswüchse auslaufen. Das Hauptgehäuse der Schnecke ist vollkommen oval wie ein Ei; davon die spitzigere Seite allzeit nach unten ins Wasser gekehrt ist, die stumpfere nach oben. Das Gewinde dieser Schnecke ist nicht sichtbar und ist nur im Inwendigen des Gehäuses vorhanden. Jedoch bei jedem Gewinde, wenn dasselbe den Kreis vollendet hat, ist ein solcher Turmauswuchs, so daß demnach der obere Teil des Gehäuses mit diesen Türmen so bestellt ist, daß aus der Mitte der höchste emporsteigt und die andern dann in abnehmender Ordnung um denselben herumstehen. Ein jeder dieser Auswüchse gleicht einer großen, euch schon bekannten Stangenschnecke, nur mit dem Unterschied, daß er um vieles länger und zuunterst an der Schale im Durchmesser auch um vieles dicker ist.
[Sa.01_015,02] Die Mündung dieser Schnecke ist vollkommen rund und steht in gutem Verhältnis mit der ganzen riesenhaften Größe dieses Schaltieres. Der Leib füllt natürlicherweise das große Gehäuse so aus, daß die Auswüchse nach Belieben ausgefüllt werden können. Will die Schnecke sich ins Wasser versenken, füllt sie die Auswüchse aus, und will sie sich über dem Wasser erhalten, dann zieht sie sich mit ihren Auswüchsen ins Zentrum zusammen und erhebt sich dadurch über die Fläche des Wassers. – Ihr Leib, den sie auf der Oberfläche des Wassers aus der Mündung hinausschiebt, ist ganz weiß und sieht übrigens einer Schnecke bei euch nicht unähnlich – nur daß auch diese Schnecke vorne zwischen ihren großen vier Fühlarmen ebenfalls mit einem großen und langen Rüssel versehen ist, den sie zum Fang ihrer Nahrung äußerst behende gebrauchen kann.
[Sa.01_015,03] Ihre Nahrung besteht in allerlei Seekräutern, aber auch mitunter in den großen Seepolypen, welche sie aus dem Grunde des Meeres gewaltsam losreißt und dann in ihren Rachen steckt. An den obern zwei Fühlarmen hat sie auch zwei scharfsehende Augen und kann dieselben nach Belieben bald da, bald dorthin richten. Wenn sie nun irgendeine Beute entdeckt, fährt sie pfeilschnell an den Ort hin und fängt sie sogleich, sei es nun ein Seekraut oder irgendein Polyp. Damit sie aber ihre Reise machen kann, hat sie zuunterst der Mündung zwei starke Ruderarme, vermöge welcher sie das Wasser fängt und sich so vorwärtsbewegt.
[Sa.01_015,04] Nun, wie groß ist denn diese Schnecke? – Sie hat einen Durchmesser von fünfhundert Klaftern nach eurem Maß. Der mittlere Auswuchs ist höher als bei euch der höchste Turm. Er hat unten nicht selten einen Durchmesser von zwanzig bis dreißig Klaftern und läuft oben pyramidenartig in eine Spitze zusammen. Die Farbe der Schale ist ein Mittelding zwischen grün und blau. Von dem Mittelauswuchs laufen weißlichblaue Streifen, so daß die Schale auf diese Art ein großartig tigerhaftes Aussehen hat. Weiter hat sie keine Verzierungen. Was aber die Auswüchse anbelangt, so sehen sie, wie schon anfangs bemerkt, geradeso aus wie eine Stangenschnecke, nur die Mündung an der Schnecke ist purpurrot.
[Sa.01_015,05] Auch diese Schnecke wird von den Einwohnern als ein guter Fang betrachtet. Denn wenn das Fleisch aus dieser Schnecke entfernt ist, wird das Gehäuse, wie schon bei den andern Schnecken erwähnt, auf dem Wasser landeinwärts gebracht und da der spitzigere Teil der Schale bis zur Mündung in trockenes Erdreich versenkt, wo dann ein solches Gefäß zu einer Art Magazin für Samenfrüchte verwendet wird.
[Sa.01_015,06] Manchmal werden in einem solchen Schneckenhaus auch an allen Seiten Öffnungen angebracht und im Innern des Gehäuses ein Boden gelegt. Auf diese Art wird dann ein solches Schneckenhaus als eine Prachtwohnung für Kinder verwendet, und zwar besonders darum, weil ein solches Wohnhaus vermöge seiner innern außerordentlichen Glätte am reinlichsten erhalten werden kann. Der Boden besteht in einer Art Aussandung. Es wird vollkommen trockener Sand bis nahe an die Mündung hineingeschüttet. Über den Sand werden in diesem Lande häufig vorkommende weiße Flachsteine gelegt, und zwar allzeit in der schönsten Ordnung. Wenn der Boden gelegt ist, so ist das Gebäude auch fertig und sieht dann einer weitläufigen gewölbten Halle gleich, über welche sich die bekannten Türme erheben. Deren Spitzen werden abgesägt, damit durch dieselben Licht hineinfällt, aber auch, damit die im Innern eines solchen Hauses sich sammelnden Dünste und der Feuerrauch emporsteigen können.
[Sa.01_015,07] Jedoch diese Gattung Schnecken wird dort nicht gar zu häufig angetroffen. Daher haben solche Häuser auch gewöhnlich nur die Patriarchen, die zunächst an den Meeresküsten wohnen. Eine solche Schneckenschale ist selbst für die riesenhaft starken Saturnbewohner wegen ihrer Größe und außergewöhnlichen Massivität zu schwer, um sie weit ins Land hinein verbringen zu können; denn was die Massivität anbelangt, so sind die Wände fast allenthalben vier bis fünf Klafter dick. Wenn ihr das beachtet, könnt ihr euch schon von der Schwere dieser Schnecke einen Begriff machen.
[Sa.01_015,08] Wären auf diesem Planeten die Schwerkraftverhältnisse so wie auf der Erde, dann wäre die Überbringung einer solchen Schnecke wohl eine reine Unmöglichkeit selbst für noch bedeutendere Kräfte als die der Saturnbewohner. Allein was bei euch einen Zentner wiegt, hat dort unter dem Ring oft kaum ein Gewicht von einem Pfund. Und es kann selbst ein solches Gewicht noch verringert werden durch die innern, von den Saturnbewohnern weislich veranstalteten Luftverdünnungen. Dies ist besonders bei Verbringung dieser Schnecke der Fall, wobei die Saturnbewohner dürre Äste vom euch schon bekannten harzreichen Pyramidenbaum anzünden und zur Mündung dieser Schnecke brennend hineinschieben. Durch dieses Verbrennen wird die Luft in einem solchen leeren Gehäuse so verdünnt, daß es dann mit bedeutender Leichtigkeit weitergeschafft werden kann. Denn was die Aerostatik anbelangt, so sind eben darin die Saturnbewohner die vorzüglichsten Meister – was alles noch zu seiner Zeit näher erwähnt wird.
[Sa.01_015,09] Das ist nun alles von dieser Siebenschnecke! – Erwecket auch hier wieder ein wenig eure innere Phantasie und ihr werdet mit großer Verwunderung dieses Tier selbst wie auch die Verwendung seines Hauses von seiten der Bewohner betrachten und werdet darüber um so mehr erstaunen, so Ich euch noch hinzusetze, daß ein solches Gebäude von unzerstörbarer Festigkeit ist. Es werden darunter einige angetroffen, die schon älter sind, als bei euch die Erdbevölkerung; denn ein solches Gebäude wird je älter, desto fester. Und darum werden auch die ältesten in besonderen Ehren gehalten. So ihr euch aber schon darüber wundert, so bedenket dabei doch, daß selbst die riesenhaften Tiergestalten dieses Planeten nur kleine Miniatur-Arbeiten sind gegen manche andere Tiergattungen, welche sowohl in diesem Planeten, größere aber noch im Jupiter und unvergleichlich größere in den Sonnen vorkommen. – Betrachtet dieses heute Gesagte und erwartet fürs nächste das Nachkommende! Und darum für heute Amen.