Peter Eppich

 
Jakob Lorber
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Von der Hölle bis zum Himmel, 4. - 7. Kapitel

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4. Kapitel – Notschrei zu Gott – Berufung auf Jesus.

[RB.01_004,01] Nach diesen Worten verhält er sich eine ziemlich lange Weile ganz ruhig und reibt sich bloß manchmal die Augen, um eine allfällige narkotische Trübung los zu werden. Aber da es trotz aller Geduld nicht heller werden will, beginnt er an der Wiedergewinnung des Augenlichts zu zweifeln und wird darum immer erboster. Als aber auch trotz seines stets größeren Zornes das Licht sich nicht einstellen will, ruft er stark aus:
[RB.01_004,02] „Was ist denn mit mir geschehen? Was ist das für ein verfluchter Zustand? Gibt es denn keinen Gott mehr, der mächtig wäre und gerechter als die Machthaber der Erde von Seiner Gnaden!
[RB.01_004,03] Gott! – so Du Einer bist, recke aus Deinen Arm! Sühne mich, der ich die gute Sache Deiner Kinder zu jenem Ziel führen wollte, das einst schon der erhabene, unverstandene Völkerlehrer Jesus erreichen wollte. Aber von gemeinen Häschern aufgegriffen wurde auch er aus Dank für seine großen Mühen und Opfer zum Besten der gesamten Menschheit, an den Pfahl zur größten Schmach der Menschheit gehängt!
[RB.01_004,04] Wie er, bin auch ich ein Sohn von und aus Dir, so Du Einer bist! Bist Du aber nicht und nirgends außer im Bewußtsein der Menschen selbst? Ist Deine Kraft nur jene, deren sich auch der Mensch bewußt ist, dann freilich rede ich nur fruchtlose Worte und bin um mein ganzes Wesen für ewig betrogen! Warum aber mußte ich ein lebendes, selbstbewußtes Wesen werden? Warum mußte irgendeine im endlosen Raum sich selbst ergreifende, plumpe Idee in mir zum klarsten Ausdruck des Seins werden? Verfluchter Zufall, der mich je in ein so elendes Dasein versetzte! Wenn es arge und böse Teufel gäbe, so sollen sie doch jene Kraft, die mich werden machte, für ewig zerstören!
[RB.01_004,05] O Menschen! Ihr betrogenen armen Menschen, hört auf, euch fortzupflanzen! Menschen, die ihr nun noch lebt, ermordet eure Kinder und euch, auf daß die verfluchte Erde leer werde! O erwürgt ihr Machthaber alle Menschen und teilt dann die verfluchte Erde unter euch auf, auf daß ihr an ihr allein zur Genüge haben sollt! – Aber umsonst ist mein Eifer; ein ewiger Sklave! Was kann ein Tropfen gegen des wogenden Meeres Allgewalt? Darum verstumme, du eitle Sprache! Nur ihr Hände, versuchet diesem elendsten Dasein ein Ende zu machen!“
[RB.01_004,06] Nach diesen Worten machte er sich an Erdrosselungsversuche: einige tüchtige Eingriffe in seine Kehle, aber natürlich ohne alle Wirkung. Denn er greift sich gewisserart alle Male durch und durch, ohne auch nur eine leiseste Spur irgendeiner Erstickung zu verspüren. Das macht ihn stutzen, und er wird über diesen Zustand stets begriffsverwirrter. Da es mit dem Erdrosseln nicht geht, beschließt er, sich gerade vorwärts zu bewegen. „Denn“, spricht er bei sich ganz erbost, „finsterer und grundloser als hier kann es wohl im ganzen endlosen Raum nirgendmehr sein. Daher habe ich auch keinen Abgrund und noch weniger irgendein geheimes Gericht mehr zu befürchten. Darum also nur vorwärts! Vielleicht komme ich doch irgendwo zu einem Lichtschimmer oder zum erwünschten Tod!
[RB.01_004,07] O wie glücklich muß der Zustand eines vollkommenen Todes sein! Wie glücklich muß ich gewesen sein, als ich kein Dasein fühlte und kein freies Bewußtsein! Wenn ich doch nur wieder völlig vernichtet werden könnte! Aber sei es nun, wie es will, – so mir der vollkommene Tod ein Labsal ist, gibt es auch nichts mehr, wovor ich mich fürchten sollte. Darum also nur vorwärts!“

5. Kapitel – Gehversuche im leeren Raum. Selbstgespräche vom Nichts und vom Fortleben. Fluch gegen Gott, den Leidensbereiter.

[RB.01_005,01] Hier macht unser Mann mit den Füßen gewöhnliche Gehbewegungen. Aber da er unter seinen Füßen keine Boden wahrnimmt, scheinen sie ihm bloß nutzlose Pendelbewegungen zu machen, die kein Weiterkommen bewirken. Er sinnt daher auf eine andere Art der Weiterbewegung und spricht:
[RB.01_005,02] „Ich muß mit Händen und Füßen durch diese lichtlose Luft auf eine eigene Art zu schwimmen anfangen! Um mit den Beinen weiterzukommen, muß man eine feste Unterlage haben. Aber wenn diese fehlt, da heißt es entweder schwimmen oder fliegen! Zum Fliegen aber gehören Flügel, diese haben wir nackten Zweibeinler nicht. Was läßt sich da anderes tun, als die noch innewohnenden Kräfte möglichst zweckmäßig zu gebrauchen. Also, es werde geschwommen!“
[RB.01_005,03] Hier fängt er an, Schwimmbewegungen mit Händen und Füßen zu machen, verspürt jedoch keinen Fortgang durch irgendeinen Luftzug. Aber das beirrt ihn nicht und er setzt seine Schwimmversuche fort. Je mehr er arbeitet, desto mehr verspürt er, daß all sein Mühen vergeblich ist. Er merkt, daß ihn diese schwarze Luft nicht den geringsten Widerstand verspüren läßt, und er stellt daher seine Bewegungen wieder ein. Er spricht:
[RB.01_005,04] „Ich Esel und Narr, was mühe ich mich denn vergeblich ab? Ich bin nun im barsten Nichts; was will ich das Nichts weiter verfolgen?! Auch ich will in die Ruhe des Nichts eingehen, um in ihr auch zu nichts zu werden! Ja, das ist der Weg zur völligen Vernichtung! Wenn ich nur wüßte, daß ich wirklich erschossen worden bin? Freilich müßte ich da vollkommen tot sein, was bei mir doch nicht der Fall ist? Auch verspüre ich nichts von irgendeiner Zerrüttung!
[RB.01_005,05] Oder sollte es nach dem Tode wirklich ein Fortleben der Seele geben? Ich aber bin ja noch mit Haut und Haaren und sogar mit meiner Kleidung da! Hat denn die Seele auch Beine, Haut, Haar und Kleidung? Wenn so, da muß also der Rock eine Seele haben? Nein! So etwas anzunehmen, müßte doch die ganze Unendlichkeit laut aufzulachen veranlassen! Hahaha! Die Unsterblichkeit eines Rockes wäre noch bei weitem ärger als die Wunderkraft des Leibrockes Christi zu Trier! Und doch, wenn ich Seele bin, ist der Rock mit mir hierher gewandert! – ?
[RB.01_005,06] Nein und tausendmal nein! Ich bin keine Seele, ich bin Robert Blum, der Reichstagsdeputierte in Frankfurt! Ich habe es hier in Wien kennengelernt, was Österreich will. Ich weiß es, daß alles Trachten dieses Staates dahin gerichtet ist, den alten Absolutismus wieder von neuem aufzurichten. Ich kämpfte wie ein Riese dagegen. Aber da die Kanonen des Gegners stärker waren als mein guter Wille, mußte ich samt meiner gerechten Sache dennoch abziehen und mich am Ende sogar totschießen lassen! Ein schöner Lohn für ein dem Vaterlande treu ergebenes Herz! O du verfluchtes Leben!
[RB.01_005,07] So es irgendeinen Gott gibt – welche Freude kann es Ihm denn wohl sein, wenn sich Menschen wegen eines Thrones und wegen Meinungsverschiedenheiten grausam totschlagen? Weil aber allezeit so Arges geschieht auf der Erde und solches doch von einem Gott nicht ausgehen kann, der logisch und physisch nichts als nur die reinste Liebe sein kann, – so gibt es gar keinen Gott. Oder, wenn es einen Gott gibt, so ist er nur ein fluchwürdiges Fatum, das die Wesen als ein Spielzeug seiner Launen betrachtet. Darum noch einmal Fluch jedem Wesen, das Menschen schafft fürs leidigste Verderben!
[RB.01_005,08] Aber jetzt nur Ruhe. Denn wenn ich in diesem Nichts die erwünschte gänzliche Vernichtung finden will, aber stets mit mir selbst rede, so erwecke ich mich dadurch aus der Vernichtung und werde wieder lebend durch die neu erregten Lebenskräfte. Daher also strenge Ruhe, damit die Vernichtung kommt!“

6. Kapitel – Äußere Ruhe, innere Unruhe. Was ist das Leben? Sehnsucht nach Glaubensfrieden lenkt aufs Gebet. Der Gedanke an Weib und Kinder.

[RB.01_006,01] Nach diesen Worten wird Robert ganz stumm und ruhig mit dem Munde, aber desto rühriger in seinem Herzen. Das ärgert ihn schon wieder, da er damit nur desto mehr Leben und umfassenderes Bewußtsein in sich wahrnimmt. Je ruhiger er wird, desto größer wird die innere Regsamkeit. Je mehr er diese unterdrücken will, desto kräftiger tritt sie auf.
[RB.01_006,02] Das treibt ihn wieder in eine neue Art von Verzweiflung und Zornwut. Denn es wird ihm immer einleuchtender, daß er auch auf diese Weise des ihm schon über alles lästigen Lebens nicht loswerden kann. Daher fängt er wieder zu reden an:
[RB.01_006,03] „Nun möchte ich aber in Teufels Namen doch wissen, was denn das schweinsdumme Leben ist, daß man seiner nicht loswerden kann! Ich habe ja doch Tausende sterben gesehen: sie wurden tot und es blieb nicht das leiseste Lebenszeichen mehr übrig! Verwesung war das vollkommene Ende ihres Seins. Diese können doch unmöglich irgendein Bewußtsein mehr haben. Oder sollten sie etwa außer dem Leibe auch noch ein Leben haben gleich meinem?
[RB.01_006,04] Ich kann nicht tot werden. Wer erhält mir denn dieses lästige Leben? – O du, der du mich hast erschießen wollen, du hast mich nicht tot-, sondern nur lebendig schießen lassen! Wenn deine Helfer an allen deinen Feinden solche Effekte wie an mir bewirken werden, dann erspare dir die Mühe. Denn du wolltest mir nehmen, was du mir ewig nicht wiedergeben kannst. Aber wie sehr lache ich dich nun aus! Denn ich, den du totmachen wolltest, lebe. Du aber, der du zu leben wähnst, bist nun um zehnmal toter als ich, dein Opfer!
[RB.01_006,05] Es wäre im Grunde alles recht, wenn ich nur ein kleinstes Schimmerchen von einem Lichte hätte! Aber diese totale Finsternis soll der Teufel holen!
[RB.01_006,06] Wenn ich in dieser Lage etwa ewig verharren soll? O verflucht! Wenn ich etwa doch schon ein Geist bin? Das wäre eine verteufelte Bescherung! Nein, das glaube ich nicht, ein ewiges Leben kann es ja nicht geben. Doch kommt es mir schon hübsch lange vor, seit ich in dieser Finsternis zubringe. Es müssen doch schon einige Jährchen verflossen sein? Nur Licht, Licht, dann ist alles recht!
[RB.01_006,07] Ich muß offen gestehen, daß es mir nun lieber wäre, so ein dummer Kerl zu sein, der an den Gottes-Sohn, an den Himmel, nebenbei freilich auch an den ewigen Tod, an den Teufel und an eine Hölle glaubt und in solchem Wahnglauben mit ruhigem Gewissen stirbt, – als daß ich hier mit meiner Vernunft mich in totalster Lichtlosigkeit befinde! Aber was kann ich dafür? Ich suchte stets die Wahrheit und glaubte, sie auch gefunden zu haben. Aber was nützt sie, wenn es in ihr kein Licht gibt?
[RB.01_006,08] Das Beste bei mir ist und bleibt meine Standhaftigkeit und gänzliche Furchtlosigkeit. Denn wäre ich ein ängstliches Wesen, müßte ich in diesem Zustand in die tiefste Verzweiflung geraten. Aber so ist mir nun schon alles eins!
[RB.01_006,09] Mein Weib und meine Kinder fangen in meinem Herzen freilich nun auch sich ein wenig zu rühren an. Die Armen werden wohl Traurigkeit und großen Kummer um mich haben. Aber was kann ich in dieser Lage für sie tun? Nichts, gar nichts! Beten, das könnte ich freilich, aber zu wem und zu welchem Nutzen? Der beste Wunsch für sie ist ohnehin in meinem Herzen ein wahres Gebet, das ihnen sicher nicht schadet, so es ihnen auch nichts helfen kann. Ein anderes Gebet aber kenne ich nicht, – außer dem wohlbekannten römischen ,Vaterunser‘, ‚Ave Maria‘ und wie noch eine Menge anderer Zungenwetzereien heißen! – Für diese aber würde sich meine gebildete Familie sicher erstaunt bedanken. Doch sie kann es ja unmöglich je erfahren, was ich hier tue!“

7. Kapitel – Ehrfurchtsvolles Gedenken an Jesus ruft starkes Blitzen hervor. Schreck und freudige Verwunderung Roberts.

[RB.01_007,01] Robert spricht weiter: „Das sogenannte Vaterunser ist unter allen Gebetsformeln wohl die beste! Denn also hat der weise Lehrer Jesus seine Schüler beten gelehrt. Leider ist dieses Gebet noch nie ganz verstanden worden, da man es meistens blind für alle Fälle und Bedürfnisse vorbrachte. Aber die Römischen legen in diese Gebetsformel statt der Wahrheit nur eine gewisse läppisch magische Kraft und gebrauchen sie als eine sympathische Universalmedizin gegen alle Übel, auch wider die Krankheiten der Tiere! Und das ist mir denn doch unmöglich! – Das Vaterunser an und für sich ist sicher ein sehr würdevolles Gebet; aber freilich nur im rechten Sinne und nur als das, was es ist. Aber in der Art, wie es Römlinge und Protestanten gebrauchen, der barste Unsinn!
[RB.01_007,02] O du guter Lehrer und Meister Jesus! Wenn dein Los etwa auch dem meinen gleicht, so wirst du in solch einem Zustand nach deiner Hinrichtung wohl auch schon oft bereut haben, den argen Menschen so viel Gutes getan zu haben? Beinahe 2000 Jahre in solcher Nacht! O Edelster, das muß sehr hart sein!“
[RB.01_007,03] Als unser Mann den Namen Jesus so teilnehmend und ehrend ausspricht, fährt ein starker Blitz vom Aufgang bis zum Niedergang. Darüber erschrickt unser Freiheitsapostel sehr, empfindet aber eine große Freude, da er dadurch die Überzeugung hat, daß er nicht blind ist.
[RB.01_007,04] Zugleich aber fängt er auch an, nachzudenken, was denn etwa doch die Ursache dieses hellen Blitzes war. Er geht alle ihm bekannten Gründe zur Erweckung der Elektrizität durch, findet aber nichts zur genügenden Erklärung dieser ersten Lichterscheinung in seinem ihm noch immer unbegreiflichen Zustand.
[RB.01_007,05] „Aber jetzt geht mir ein neues Gedankenlicht auf!“ ruft er. „Ja, ja, so ist es! – – O du herrliche Philosophie, du unversiegbarer Born der wahren Weisheit! Du bringst jedem das rechte Licht, der dich, wie ich, mit aller Glut und Liebe ergreift und dich in allen Lebenszuständen als einzigen und verläßlichsten Ratgeber und Wegweiser benützt! Schau, wie geschwind habe ich nun mit deiner Hilfe diesen gordischen Knoten gelöst!
[RB.01_007,06] Wo im Reich des Nichts ein individuelles Sein sich vorfindet, da können sich ja noch eine Menge anderer, entweder gleich- oder anders gearteter Sein vorfinden! Und so können außer diesem meinem Sein sich noch eine Menge allerartiger Wesenheiten hier befinden, die zur Erweckung der Elektrizität tauglich sind, ohne das uns alle umfassende Nichts im geringsten zu beeinträchtigen. So ist's gut! Ich weiß nun, daß es außer mir in dieser Nacht doch noch irgendwie geartete wesenhafte Nachbarn gibt. Ich bin somit durchaus nicht gar so allein hier, wie ich es mir geraume Zeit vorgestellt habe. Oh, das ist gut, das ist sehr gut!
[RB.01_007,07] Wenn ich mich nur schon früher ernstlich der deutschen Philosophie in die Arme geworfen hätte, da stünde ich sicher schon auf einem andern Boden. Aber ich Dummkopf verlor mich am Ende in eine kleinlich läppische Gebetskritik und in ein nutzloses Bedauern des großen, weisen und edelsten Völkerlehrers Jesus und ver– –!“
[RB.01_007,08] Hier blitzt es wieder und diesmal noch stärker als zuvor. Robert ist außer sich vor Schreck und Verwunderung und kann sich nicht fassen über dieses für ihn unbegreiflich intensive, freilich nur kurz dauernde Licht. – Es kam ihm dabei auch vor, als hätte er in einer weiten Entfernung bestimmte Umrisse von allerlei ihm bekannten Gegenständen gesehen. Aber ihre Beleuchtung dauerte zu kurz, als daß er sie näher hätte bestimmen können.
[RB.01_007,09] Nach einer langen Ruhe konnte er erst wieder seine Gedanken tiefer zu fassen anfangen. Sein erster wieder etwas geordnete Gedanke war folgender: „Aha, nun weiß ich erst, woran ich bin! Dieses Blitzen deutet auf ein starkes Gewitter, das sich nun in der Nacht über Wien hermachen wird! Ich erwache nun nach und nach aus meiner großen Betäubung und kehre wieder ganz ins Leben zurück. Wahrscheinlich hilft diese vom elektrischen Fluidum schwangere Luft mir dazu, und ich werde unter Blitz, Donner und Hagel wieder ins Leben zurückkehren? Donnern höre ich zwar noch nicht, aber das Wetter kann auch noch sehr weit von hier stehen.
[RB.01_007,10] Aber kann es denn nicht sein, daß ich auch taub bin? Meine Gedanken vernehme ich freilich wie Worte; aber das ist noch kein Beweis, daß ich darum im Vollgebrauch meiner Gehörsorgane bin. Vielleicht komme ich bei dieser Gelegenheit auch wieder zu meinem Gehör. Freilich, das sonderbare Gefühl des mich umgebenden Nichts kann ich mir auf natürlichem Wege durchaus nicht erklären. Aber was liegt da daran? Ich bin einmal da und habe nun zweimal blitzen gesehen: Beweis, daß ich nicht blind bin! Wer weiß, ob das nicht alles die Wirkung des drohenden Gewitters ist? Daher lasse ich das Wetter einmal loskrachen und vorüberziehen; da wird es sich dann schon zeigen, ob ich noch so verbleiben werde wie jetzt.
[RB.01_007,11] Freilich dauert dieser Stand schon hübsch lange. Nach meinem Gefühl könnten es auch schon hundert Jahre sein; aber das wird eine bloße Gefühlstäuschung sein. Ja, ja, wenn man in einer gewissen Betäubung dahinschmachtet, muß ja aus einer Minute ein Jahr werden. Ja, so ist es auch! Wenn es nur bald wieder blitzte und nachher auch ein wenig donnerte! Aber die Blitze lassen sich Zeit?“ – –

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Von der Hölle bis zum Himmel, 4. - 7. Kapitel

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