Der Großglockner, 4. - 7. Kapitel

Quellentext (unbearbeitet) – Leseprobe bzw. historischer Einführungstext.

4. Kapitel – Wesen und Ursache des Gletscherlichtes.

[Gr.01_004,01] Warum sind denn noch fürs dritte die Berge von ungleicher Höhe? Dieses bleibt uns hier noch zu beantworten übrig. Dieser dritte Grund hat aber wieder drei Hauptgründe in sich, und zwar folgende: Zuerst müssen dadurch die hohen Gebirgsspitzen auch die obere Luftregion in den Mitschwung um die Erde nötigen. Wären solcher hohen Berge zu viele auf der Erde, so würde das auch mit der Zeit in den Tiefen eine fast immerwährende Luftruhe mit sich ziehen, weil zuviel der oberen Luftregion zur Mitbewegung gezogen würde.
[Gr.01_004,02] Da es aber nur wenige solche Höhen gibt, so wird die obere Luftregion auch nur an wenigen Punkten genötigt, mit der Rotation der Erde sich mitzuschwingen; die von solchen Gebirgsspitzen weiter abstehenden Luftsphären aber werden dadurch nur in eine nach allen Richtungen hin wirbelnde Bewegung gesetzt gleich also, als wenn ihr einen Stock ziemlich behende durch ein Wasser zieht, bei welcher Gelegenheit die vor dem Stocke befindlichen Teile des Wassers zwar mit dem Stocke fortgetrieben werden, zu beiden Seiten aber kann jedermann eine Menge Ringel und Wellchen bemerken, welche sich viel langsamer dem Stocke nachziehen, und deren Zug selbst wieder die nebenangrenzenden Wasserteile in eine Bewegung versetzt.
[Gr.01_004,03] Die Ringel sind lauter Wasserwirbel, welche das Wasser in die Tiefe hinab beunruhigen, und die Wellchen beunruhigen die ganze Oberfläche des Wassers; und so hat mit der Zeit ein solcher Stockzug durch das Wasser nicht selten einen bedeutend großen Teich in eine Bewegung versetzt.
[Gr.01_004,04] Sehet, das ist also ein gar wichtiger Grund, warum nur der viel kleinere Teil der Berge so hoch in die Luft emporragt.
[Gr.01_004,05] Der zweite Grund dieses dritten Hauptgrundes ist folgender:
[Gr.01_004,06] Ihr werdet schon öfter vom sogenannten Gletscherlicht etwas gehört haben. Was soll's denn damit?
[Gr.01_004,07] Einige Naturforscher haben dieses Licht, freilich ziemlich ungeschickt, also erklärt, als rührte es noch von den über den weiten Horizont des Nordens herüberbrechenden Strahlen der Sonne her; allein solches ist ganz grundlos und falsch. Dieses Licht ist ganz rein positiv elektromagnetischer Art und wird erzeugt durch die beständige Reibung solcher Gebirgsspitzen mit der sie umgebenden Luft.
[Gr.01_004,08] „Ja“, werdet ihr aber sagen, „solches kann schon immerhin der Fall sein; aber wir sehen da noch keinen Nutzen ein! Und sollte ihr Leuchten etwa die Nützlichkeit selbst sein, so sehen wir es aber dennoch nicht ein, warum solche großen Erdnachtlichter so sparsam über den Erdboden gestellt sind! Was hat der weit entlegene Flachlandbewohner von dem oft mehrere hundert Meilen weit entfernten Gletscherlicht?“
[Gr.01_004,09] Wenn das Licht die Nützlichkeit wäre, da hättet ihr freilich wohl recht, also zu fragen; allein solches ist mit dem ziemlich sparsamen Gletscherlicht mitnichten der Fall. Das Licht ist hier nur eine Erscheinlichkeit von einer großen Nutzwirkung. Es fragt sich demnach: Worin besteht diese Nutzwirkung?
[Gr.01_004,10] Höret, es soll euch die Sache gleich klargemacht werden!
[Gr.01_004,11] Ihr wißt, daß eine gerechte Verteilung des elektromagnetischen Fluidums eine unerläßlich notwendige Bedingung alles naturmäßigen Lebens ist. Wären nun zu viele solcher Gebirgsspitzen in irgendeinem Lande, so würden dieselben dieses elektromagnetische Fluidum also gänzlich aufspeisen, daß vom selben nicht ein Atom sich in die Tiefe herab verlieren würde; wären sie aber gar nicht da, nämlich diese hohen Gletscherspitzen, da wäre in der Tiefe wohl niemand mit seinem Leben in Sicherheit, sondern stünde bei jedem Schritt in der Gefahr, von einem sich leicht aus der Luft entwickelnden Blitz erschlagen zu werden.
[Gr.01_004,12] Also sehet, das ist eigentlich die Nützlichkeit, von der das Leuchten nur als Erscheinlichkeit auftritt.
[Gr.01_004,13] So aber doch jemand da wäre und folgendes einwendete: „Was hat demnach das weitgedehnte Flachland z.B. Polens oder auch zum Teile Ungarns von der elektromagnetischen Sorgfalt des Großglockners?“
[Gr.01_004,14] Darauf sage Ich aber: Dieser Gletscher liegt so wohlberechnet an seinem Punkt, daß, so er nur eine Stunde von seinem Posten weichen könnte, er nicht mehr ein Gletscher wäre, sondern, wie es dergleichen Berge genug gibt, nur ein kahler Steinberg.
[Gr.01_004,15] Daß er aber ein Gletscher ist, rührt lediglich daher, weil er sich auf dem Punkte befindet, über welchem vom Nordpol aus eine hauptelektromagnetische Strömung sich bis zum Südpol hin erstreckt.
[Gr.01_004,16] Diese Hauptströmung geht zwar über alle Gletscher des Tiroler- und Schweizerlandes, und nur ein östlicher Arm läuft noch da, wo der Großglockner sich befindet; aber von diesem Lebensstrom nimmt er gerade so viel auf, daß er damit alle Ländereien mit Hilfe der noch übrigen Gletscher also genügend beherrscht, daß sich da die wohltätige Wirkung nicht nur über ganz Europa, sondern noch über einen bedeutenden Teil von Afrika erstreckt.
[Gr.01_004,17] Wenn sonach auch die vorbenannten größeren Flachländer Europas keine eigenen Gletscher haben, so geht aber auch über sie keine so bedeutende Strömung; für unbedeutendere Strömungen aber gibt es verhältnismäßig kleinere Berge überall in gerechter Menge, welche gar wohl imstande sind, solche kleineren elektrischen Strömungen zu regulieren.
[Gr.01_004,18] Ihr werdet hier fragen: „Warum geht denn vom Nordpol bis zum Südpol keine allgemeine gleichförmige Strömung?“
[Gr.01_004,19] Wenn ihr so fragt, da müßt ihr schon noch öfter fragen und zwar: „Warum macht denn der Blitz nie einen geraden Zug und nicht auch einen allgemeinen, damit er doch wenigstens auf einen Hieb alles erschlagen könnte?“
[Gr.01_004,20] Wieder müßtet ihr fragen: „Warum fließt nur hie und da ein Bach, Fluß und Strom, und der nicht geradeaus, wo doch alles übrige Flachland so gut des Wassers und der Bewässerung bedarf wie dasjenige, welches den Bach, Fluß und Strom begrenzt?“
[Gr.01_004,21] Und wieder müßtet ihr fragen: „Warum gibt es in manchem Lande so viele und bedeutende Seen, während in einem andern Lande wieder keine Spur davon zu finden ist?“
[Gr.01_004,22] Und so gäbe es noch eine ganze Legion von Fragen. Allein diese drei überflüssigen mögen euch genügen, daß ihr daraus fürs erste einsehet, um wie vieles Ich weiser bin als die Menschen; und fürs zweite, weil Ich eben um vieles weiser bin als die Menschen, so weiß Ich auch am allerbesten, warum Ich die elektromagnetischen Strömungen also vereinzelt angeordnet und ihnen vorgezeichnet habe einen bestimmten Weg, auf welchem Wege unsere Gletscher ganz wohlgeordnete Meilenzeiger sind.
[Gr.01_004,23] Somit hätten wir auch den zweiten Grund des dritten Hauptgrundes, und es bleibt uns demnach noch ein dritter übrig.
[Gr.01_004,24] Hier werdet ihr euch freilich wohl fragen: „Wer da noch einen Grund herausbringt, der muß doch sicher mehr als fünf Einheiten zusammenzählen können!“
[Gr.01_004,25] Und doch sage Ich euch, daß eben dieser dritte Grund der allerwichtigste und tüchtigste ist, und sage euch noch hinzu, daß dieser Grund euch zugleich auch am allernächsten liegt und ihr ihn auch somit zuerst finden solltet, so ihr – naturmäßig genommen – in den Augen eurer Seele kurzsichtiger wäret, als ihr seid. Denn die Kurzsichtigkeit der Seele ist ein gar gut Ding. Je langsichtiger oder mathematisch verständiger nämlich die Seele ist, desto mehr läßt sie ihre Augen unter den fernen Fixsternen umherschweifen; dafür aber gehen ihr die Haare, die um ihr eigenes Auge gestellt sind, so gut wie gänzlich verloren.
[Gr.01_004,26] „Was ist hernach denn dieser dritte Grund des dritten Hauptgrundes?“ werdet ihr fragen.
[Gr.01_004,27] Und Ich sage: Geduldet euch nur ein wenig! Ich will euch darauf hinleiten und will sehen, ob ihr ihn nicht mit den Händen greifen werdet; und so habt denn acht!
[Gr.01_004,28] Habt ihr euch noch nie gedacht, warum ihr nur zwei Arme und an jedem Arm oder an jeder Hand nur fünf Finger habt? Warum sind selbst diese Arme nicht wenigstens noch einmal so lang, als sie sind, und mit viel mehr Fingern versehen?
[Gr.01_004,29] Oder habt ihr euch noch nie gefragt, warum ihr nicht mit mehr denn zwei Augen und zwei Ohren versehen seid, und diese nur auf einer Seite des Leibes stehend, namentlich was die Augen betrifft? Es dürfte ja ein Auge, am Rücken angebracht, und allenfalls noch ein Ohr an einer Hand nicht unzweckdienlich sein!
[Gr.01_004,30] Oder habt ihr noch nie darüber nachgedacht, warum bei den Bäumen nur gewöhnlich ein Ast am höchsten emporragt, die andern dann natürlicherweise tiefer zu stehen kommen? Kurz, es sind der anzuführenden Fragen hier zur Genüge gegeben, und wir wollen sehen, ob wir durch sie nicht auf den dritten Grund kommen!
[Gr.01_004,31] Wozu habt ihr die Augen? – Diese Frage wird wohl jedes Kind beantworten, nämlich: Um damit zu sehen, oder – verständiger gesprochen – um die erleuchtete Form der Außendinge wahrzunehmen.
[Gr.01_004,32] Diese schwere Frage hätten wir ohne Anstand beantwortet und sehen dabei auch ein, daß uns zu diesem Zweck zwei Augen vollkommen genügen.
[Gr.01_004,33] Jetzt kommt die andere schwere Frage: Wozu dienen uns die Ohren? – Auch mit dieser Frage werden die Kinder bald fertig sein und sagen: „Damit wir hören, oder – verständiger gesprochen – damit wir die Bewegungen und die Begegnungen der Dinge außer uns in uns selbst wahrnehmen!“
[Gr.01_004,34] Also wären wir auch mit dieser schweren Beantwortung fertig, – und die Erfahrung lehrt, daß auch zu dem Zweck zwei Ohren hinreichend genügen, und man könnte eher sagen, daß so mancher oft an den zwei Ohren, wie an den zwei Augen schon zuviel hat.
[Gr.01_004,35] Aber jetzt kommen die Hände! Wozu sind denn die Hände?
[Gr.01_004,36] Ich meine, auf diese Frage können wir uns füglich die Antwort ersparen.
[Gr.01_004,37] Daß übrigens die zwei Hände zu jeder Verrichtung genügen, hat seit Adams Zeiten die Erfahrung aller Zeiten mehr als hinreichend bestätigt, nachdem die Menschen mit diesen zwei Händen nur viel zuviel gerichtet und angerichtet haben.
[Gr.01_004,38] Fällt euch nun der dritte Grund noch nicht ein?
[Gr.01_004,39] So höret denn! So gut wie jeder Leib eines Menschen, eines Tieres, ja sogar eines Baumes, Gesträuches und einer Pflanze gewisse Extremitäten haben muß, um sich mit Hilfe derselben in die Korrespondenz mit der Außenwelt zu setzen, also muß es auch die Erde haben. Und sonach sind unsere Gletscher Augen, Ohren und Hände der Erde, mittels welcher sie sich bei ihrer weiten Reise um die Sonne und mit der Sonne durch das weite Sonnengebiet in allerlei Korrespondenzen zu setzen hat, und zwar zuerst in die wichtige Korrespondenz des Schauens – denn ihr dürft es glauben, daß die Planeten durchaus nicht blind ihre Bahnen durchziehen –, und fürs zweite hat die Erde sich dadurch in die Korrespondenz zu setzen, um aufzunehmen die harmonischen Früchte der großen Bewegungen anderer Weltkörper und der Bewegungen des Äthers und des Lichtes und allerartigen Strömungen auf ihr selbst, – und fürs dritte hat sie dann mit diesen Extremitäten auch die gehörige Aktion auszuüben, welche sie nötig hat, um fürs erste ihre Bewegung selbst zu regulieren und fürs zweite dadurch auch zu der regelmäßigen Bewegung anderer Weltkörper beizutragen und fürs dritte alle die euch schon bekanntgegebenen nützlichen Verrichtungen zu bewerkstelligen.
[Gr.01_004,40] Sehet, das ist somit der dritte und, wenn ihr ein wenig nur nachdenkt, auch sicher der wichtigste Grund – fürs erste des Daseins solcher Gletscher, und fürs zweite auch für ihre bei weitem geringere Anzahl gegen die andern Berge, und fürs dritte auch für den Ort und die Stelle, wo sie sich befinden.
[Gr.01_004,41] Und somit hätten wir auch, soviel es für euch notwendig zu wissen ist, die naturmäßige Nützlichkeit dieser Berge dargestellt; denket aber dabei ja nicht, als sei das schon ein geschlossener Kreis, sondern da hat jeder hier aufgestellte Punkt noch seine endlos vielen nützlichen Ausläufer und ein jedes Atom seine entschiedene ganz eigentümliche Nutzwirkung.
[Gr.01_004,42] Wie vielfach demnach die Nutzwirkungen eines solchen Gebirgslandesvaters sind, wahrlich, da hätte ein allervollkommenster Engelsgeist mit der geläufigsten Zunge und der allereinfachsten Sprache für eine ganze Ewigkeit genug zu reden!
[Gr.01_004,43] Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen. Jedoch, wieviel auch immerhin die naturmäßigen Nutzwirkungen eines solchen Berges in sich enthalten, so wiegt aber eine einzige geistige, die ihr später vernehmen werdet, schon alle samt und sämtlich auf.
[Gr.01_004,44] Die Folge jedoch wird euch alles dieses in zweckmäßiger Kürze vollkommen klarmachen, was ihr jetzt kaum dunkel ahnt.
[Gr.01_004,45] Und somit lassen wir es für heute wieder gut sein!

5. Kapitel – Geistiges und Materielles.

[Gr.01_005,01] Ihr werdet euch schon aus den früheren Mitteilungen mit so viel Licht versehen haben, daß es euch nun schon klar sein darf, daß alle Materie an und für sich nichts anderes ist als ein durch Meinen Willen gefesteter Gedanke aus Mir.
[Gr.01_005,02] Diesem Grundsatze gemäß wird demnach wohl auch unser Großglockner nichts mehr und nichts weniger sein, als was da alle andere Materie ist.
[Gr.01_005,03] Was ist demnach für ein Unterschied zwischen dem eigentlichen Geistigen und dem diesem entgegengesetzten Materiellen, nachdem das eine wie das andere ein Produkt Meines Willens ist?
[Gr.01_005,04] In der produktiven Hinsicht waltet da kein Unterschied ob, – aber ein desto größerer in der Wesenheit.
[Gr.01_005,05] Dieses wird euch zwar ein wenig befremden; allein seht nur einen Künstler unter euch an!
[Gr.01_005,06] Was ist bei ihm der Grund aller seiner Produktionen? Ihr könnt da unmöglich einen andern finden und angeben als allein den seines Willens, welches mit andern Worten ebensoviel heißt als: Alles, was er nur immer hervorbringt, muß er zuvor wollen; denn ohne diesen Grund wird er wohl schwerlich je etwas hervorbringen.
[Gr.01_005,07] Ist aber das nun eine notwendige Folge, daß da ein und derselbe Wille immerwährend auch ein und dasselbe produzieren muß?
[Gr.01_005,08] Nein, sondern die Liebe zeichnet die Modifizierung der Produkte, und der Wille spricht nur das einfache „Es werde!“ hinzu, und so wird es auch, was die Liebe zuvor gezeichnet hat.
[Gr.01_005,09] Nun sehet, geradeso geht es auch bei Mir zu: Meine unendliche Liebe bildet die Formen, und die Kraft der Liebe, welche da heißt der Wille, läßt sie hervortreten! Einen Teil dieser Formen hält der Wille zufolge des Begehrens der Liebe gefestet; einem andern aber wieder gibt eben dieser Wille nach dem Verlangen der Liebe die stets lebendiger werdende Freiheit.
[Gr.01_005,10] Und so entspricht die Materie, Meinem Willen nach, der Liebe dadurch, daß sie ist ein gefesteter Grund als letzte Unterlage alles Geistigen, und sie ist somit im Vergleich der Liebe das, was da Meine „Erbarmung“ genannt wird.
[Gr.01_005,11] Das Geistige aber entspricht dann der lebendigen Freiheit Meiner eigenen Liebe selbst und ist das, was da genannt wird die „Gnade“ oder das eigentliche „Sichselbstbewußtsein“ jeder freien Wesenheit, die da dem freien Leben Meiner Liebe entstammt und geistig vollkommen ebenbildlich mit ihr ist.
[Gr.01_005,12] Aus dieser kurzen einleitenden Vorangabe könnt ihr nun schon sehr leicht entnehmen, daß, wo sich nur immer Materie wie immer gestaltet vorfindet, auch notwendig Geistiges vorhanden sein muß; denn wenn die Materie eine Erbarmung ist, so kann diese Erbarmung als ein Lösemittel ja doch nicht für sich selbst dasein, sondern sicher für eine höhere Potenz, an welche eben diese Erbarmung gerichtet ist. Oder habt ihr euch jemals schon der Erbarmung selbst erbarmt?!
[Gr.01_005,13] So ihr euch aber schon jemandes andern erbarmt, so wird wohl auch sicher Meine Erbarmung für jemand anders dasein und nicht um ihrer selbst willen!
[Gr.01_005,14] Somit haben wir alsdann auch die gewisse Notwendigkeit der Materie für eine höhere Potenz dargetan. Wo muß denn aber die höhere Potenz sich aufhalten? Das ist eine sehr wichtige Frage.
[Gr.01_005,15] Wenn zum Beispiel irgendein dürftiger Mensch sich in einer abendlichen Gegend befinden möchte, saget Mir, so ihr euch dieses Menschen erbarmen würdet, um ihm aus seiner Not zu helfen, würdet ihr da mit eurer Erbarmung nach Morgen ziehen, – oder würdet ihr euch nicht vielmehr mit eurer Erbarmung dahin wenden müssen, wo sich der Hilfsbedürftige befindet? Und so ihr ihn da finden würdet, würdet ihr mit eurer Erbarmung nicht bei ihm verbleiben?!
[Gr.01_005,16] Wenn ihr diese Fragesätze nur mit einiger Aufmerksamkeit durchgehet, so muß es euch ja auf der Stelle einleuchten, daß ein Armenspital und die Armen doch sicher stets beisammen sind. Und also wird es auch mit der Materie und mit den geistigen Potenzen sein, daß sie sich erfassen und eins das andere enthalten.
[Gr.01_005,17] So ihr aber auf der Erde ein mehr und mehr ausgezeichnetes und somit auch größeres und größeres Armenhaus antrefft, da werdet ihr wohl auch den ganz natürlichen Schluß ziehen, daß ein ausgezeichneteres und größeres Armenhaus mehr Arme fassen wird denn ein kleineres und weniger ausgezeichnetes.
[Gr.01_005,18] Ebenso verhält es sich auch mit der Großartigkeit und Auszeichnung der Materie: je großartiger und ausgezeichneter ihr sie irgendwo antrefft, für desto mehr geistige Potenzen ist sie auch da.
[Gr.01_005,19] Sonach wollen wir denn wieder einen Blick auf unseren Großglockner werfen!
[Gr.01_005,20] Sehet ihn an, wie großartig und ausgezeichnet er dasteht, wie ein König unter den Bergen; denn wo sich anderer Berge Spitzen in kahle Felsen verlieren, eben da fängt unser Großglockner erst mächtig an, sich über alle seine kahlen Nachbarn zu erheben. Und sehet an seine mehrere Stunden weite Ausdehnung nach allen Seiten; sehet an, wie er mit ewigem Schnee und Eis bedeckt ist; sehet an die vielen Bäche, die von seinen Zinnen herabstürzen, und sehet an seine steilen Scheitel, wie sie beinahe beständig mit weißlichen Wolken umlagert sind! Ja, ihr werdet diesen Berg schon aus weiter Ferne erkennen und mit Sicherheit sagen: „Das ist ganz bestimmt unser Großglockner; denn sein Schneeglanz, seine Höhe und seine Umlagerung mit beständigem Gewölk ist ein sicherer Bürge für unsere Annahme!“
[Gr.01_005,21] Sehet, also werdet ihr ihn ausgezeichnet finden! Da er aber also ausgezeichnet ist, so wird er auch sicher eine ausgezeichnete Anstalt sein, oder er ist da gewisserart ein großer Brocken Meiner Erbarmung.
[Gr.01_005,22] Wir haben schon aus dem naturmäßigen Teil dieses Berges eine weitgedehnte Großartigkeit seiner Nutzwirkungen vernommen. Fragt euch aber selbst dabei: „Wären solche Verrichtungen wohl nur denkbar möglich, so da nicht geistig-intellektuelle Potenzen zu Hause wären, welche alles dieses leiteten; oder wäre eine Wirkung ohne die zusagende Kraft oder Kräfte möglich?“
[Gr.01_005,23] Sehet, die Kräfte, welche hier solches wirken, sind ja eben die geistigen Potenzen, durch welche alles dieses verrichtet wird!
[Gr.01_005,24] Es ist jetzt nur die Frage: Sind diese naturmäßig nutzwirkenden Erscheinungen von seiten dieses Berges der Hauptzweck der ihn umgebenden und ihm innewohnenden geistigen Potenzen, oder sind sie nur ein Nebenzweck, durch welchen alle diese geistigen Potenzen für einen anderen Zweck heranreifen sollen?
[Gr.01_005,25] Diese Frage kann ein kurzes Beispiel hinreichend beantworten, und zwar wieder durch eine Frage: Was ist denn beim Aussäen der Samenkörner in die Erde der Zweck dieser Arbeit? Ist es die Aussaat an und für sich, oder hat die Aussaat noch einen höheren Zweck vor sich?
[Gr.01_005,26] Es wird zwar durch das Verwesen der Samenkörner die Erde gedüngt und somit nach und nach fetter gemacht; aber ihr werdet doch sicher diese Nutzwirkung der Aussaat nicht als den Hauptzweck solcher Handlung betrachten, sondern werdet sagen: „Wir säen das Korn nur darum in die Erde, damit daraus ein neuer Fruchthalm entstehe, der uns vielfach wiedergebe das, was wir zuvor einfach in die Erde gelegt haben.“
[Gr.01_005,27] Sehet, also verhält sich die vorerwähnte naturmäßige Nutzwirkung dieses Berges geradeso zu dem höheren Zweck seines Daseins, wie sich da verhält die Düngung des Erdreiches durch das Verwesen des Körnchens in der Erde zu seiner entstandenen vielfach lebendigen Frucht!
[Gr.01_005,28] Aus diesem werdet ihr nun schon ein wenig die Richtigkeit dessen zu erkennen imstande sein, was Ich am Schlusse der Darstellung der naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges erwähnt habe, wo gesagt ist, wie hoch ein geistiges Pünktlein oder Atom über allen den bis jetzt erwähnten naturmäßigen Nutzwirkungen dieses Berges steht.
[Gr.01_005,29] Dieses bisher Gesagte betrachtet daher nur als eine notwendige Vor- und Einleitung, ohne welche ihr das Folgende schwerlich verstehen würdet!
[Gr.01_005,30] Was aber da speziell folgen wird, wollen wir auf eine nächste Mitteilung aufbewahren; und somit lassen wir es für heute wieder gut sein!

6. Kapitel – Geisterkampf in der Natur.

[Gr.01_006,01] Wenn ihr euch zurückerinnern wollt an manche andere Meiner euch gegebenen Enthüllungen aus der Natur, allwo namentlich dargetan wurde, wo die Tierwelt ihren Ursprung nimmt, so wird euch alsbald klar werden, warum in der Einleitung unser vorliegender Berg ein ausgezeichnetes und großes Armenhaus genannt wurde.
[Gr.01_006,02] Sehet, vorzugsweise halten sich auch gewöhnlich noch sehr irdisch gesinnte Seelen und Geister in der Region ihres vormals im Leibe bewohnten Planeten auf. Diese Geister sind nicht selten voll Ärger, Bosheit und Ingrimm darum, weil sie so bald ihr zeitlich gutes Leben haben verlassen müssen, und wollen sich nun dafür auf jede mögliche Weise rächen. Obschon sie zwar die Erde nicht sehen können – wie überhaupt kein Geist etwas zu sehen vermag, was außer ihm ist, sondern nur, was in ihm ist –, so wissen sie aber auf dem Wege innerer Entsprechung doch ganz genau, wo oder in welcher Gegend der Erde sie sich befinden; und weil sie als Geister mit den naturgeistigen Potenzen in sichtbarem Konflikt stehen, so vereinigen sie sich auch bald mit ihnen, um dadurch, wo nur immer möglich, der sie so frühzeitig im Stiche lassenden Erde zu schaden.
[Gr.01_006,03] Da sie im geistigen Zustand auf dem Wege der Entsprechung auch wohl wissen, daß so ein Gebirgsriese der Erde ein naturmäßiger Nutzwirker ist für viele Ländereien um ihn, so halten sie sich auch besonders gern in seiner Nachbarschaft auf. Besehet nur das Bild – so euch schon die Gelegenheit mangelt, diesen Berg in der Wirklichkeit in Augenschein zu nehmen –, und ihr werdet euch alsbald überzeugen, wie da rings um ihn herum Felsenmassen über Felsenmassen sich auftürmen, in deren Schluchten, Krümmungen und Windungen nicht selten auf ja und nein plötzlich dunkelgraue Wolken aufsteigen, die, wenn sie über die Scheitel der höchsten Felsspitzen sich erhoben haben und gewisserart unsern Großglockner erblicken, sich dann alsogleich wieder zurückziehen und oft trotz eines noch so heftigen Windes nicht aus ihren Schlupfwinkeln zu bringen sind.
[Gr.01_006,04] Sehet, diese Erscheinlichkeit ist schon ein sehr sicheres Zeichen vom Dasein solcher mißmutigen und böswilligen Geister, und zwar schon in der Verbindung mit den naturgeistigen Potenzen!
[Gr.01_006,05] Erhebet ihr aber eure Blicke höher hinauf zu den weißen Flächen unseres Gletschers, so werdet ihr da ebenfalls fast beständig Wolken und Nebel entdecken, welche aber von einer nahezu blendend weißen Farbe sind. Diese Wolken und Nebel sind ebenfalls Geister, aber Geister guter Art; von ihnen sind die zuallerhöchst schwebenden dazu bestimmte schützende Engelsgeister, während die mehr in der Tiefe des Gletschers schwebenden Nebel, welche gewöhnlich linealförmige Streifwolken bilden, zwar ebenfalls Geister guter Art, aber noch nicht völlig reif für die Höhe sind und sich erst durch getreue Wachsamkeit und mannigfaltige Kämpfe gegen die argen Geister für die Höhe geeignet, reif und tüchtig machen müssen.
[Gr.01_006,06] So ihr in dieser Gegend wäret und möchtet da oft tagelang dieser Nebelspielerei zusehen, da würde es euch auch nicht im Traume einfallen, daß es zwischen diesen luftigen Potenzen je zu einem ernsten Kampf kommen könnte; jedoch wer da Zeit hätte abzuwarten, bis es unter diesen leichten Potenzen wirklich zu einem Kampf kommt, der dürfte auch sicher darauf rechnen, daß ihm während dieses Kampfes das Hören und Sehen vergehen möchte vor tobender Angst.
[Gr.01_006,07] Wie kommt es aber da zu einem Kampf? Was ist die gewöhnliche Veranlassung dazu? Wissen wir einmal die Veranlassung, so wird uns auch die Ursache nicht unbekannt bleiben.
[Gr.01_006,08] Sehet, die bösen Geister, deren schon früher erwähnt wurde, gehen immer mit dem Rachegedanken um, sich einmal dieses Länderwohltätigkeitsthrones zu bemächtigen, um dann vom selben aus nach allen Seiten gehörig Unheil ausstreuen zu können! Aus diesem Grunde rotten sie sich in den unteren Schlupfwinkeln zusammen und machen kleine Ausflüge, um zu rekognoszieren, wie es mit der Wache und der Besatzung des Thrones steht. Bemerken sie, daß es ziemlich blank um ihn aussieht, so geht diese Nachricht mit aller Gedankenschnelligkeit weit und breit hin, und wo da nur immer eine so recht zerklüftete Gebirgsspitze sich befindet, da werden sich auch sogleich überall große Massen von gleich dunkelgrauen Wolken herauszuziehen und in die Höhe zu erheben anfangen, und wenn ehedem der Himmel ganz rein war, so ist er nicht selten in wenigen Minuten schon ganz dicht umhüllt von solchen oft ganz schwarzen Wolkenmassen, welche da kreuz und quer ziehen und sich, wie ihr zu sagen pflegt, per ambages dem Throne nähern, damit die Thronwachen durch diese Bewegung in die Irre geführt werden möchten.
[Gr.01_006,09] Bei solcher Gelegenheit ist der Großglockner dann auf eine kurze Zeit auch gewöhnlich ganz wolken- und nebelfrei; denn sobald die Wächter solche Schelmerei der argen Geister sehen, da ziehen sie sich alsbald zusammen und verbergen sich sorgfältig in den inneren, großen Kristalltempeln dieses Berges.
[Gr.01_006,10] Wenn nun die Hauptanführer der weitgedehnten argen Rotten sehen, daß der Thron unbesetzt ist, so kommandieren sie alsbald ihren losen Truppen, sich so hoch als möglich zu erheben und dann behende über den Thron herzufallen und alles, was da in den inneren Gemächern angetroffen wird, für immer gefangenzunehmen und zu erdrücken.
[Gr.01_006,11] Auf dieses Kommando stürzt nun das graue Gesindel mit für euch, die ihr eine solche Naturszene noch nicht gesehen habt, unglaublicher Hast auf unsern Großglockner hin, bei welcher Gelegenheit es dann in seiner Nachbarschaft selbst um die Mitte des Tages also finster wird, daß die Menschen in seinen nahe gelegenen Tälern nicht selten zu Kerzen- und Lampenlicht ihre Zuflucht nehmen müssen. Bei dieser Gelegenheit wird's dann gewöhnlich ganz still, was den Grund hat, weil die argen Geister nun der Meinung sind, daß sie endlich einmal gesiegt haben. Allein solche ruhige Szene dauert zuallerlängst höchstens siebenundsiebzig Minuten. Nach dieser Zeit werdet ihr bemerken, daß sich sehr dichte weiße Wolken aus den Eisklüften zu ziehen anfangen. Diese breiten sich dann in kurzer Zeit unter den schwarzen Wolken aus, und wenn sie sich gehörig weit und dicht ausgebreitet haben, so fangen sie dann an, sich unvermerkt zu erheben und tragen dann das schwarze Gesindel gewisserart auf ihrem Rücken immer höher und höher.
[Gr.01_006,12] Wenn nun das schwarze Gesindel solche List merkt, dann macht es bald irgendwo Luft und läßt das weiße Gewölk hindurchpassieren. Solches wissen die Geister des weißen Gewölks gar wohl und auch, daß sich die argen Geister dabei denken: „Ziehet ihr nur hinaus; wenn ihr einmal vollends draußen seid, dann werden wir ja wohl sehen, wer den Thron in Besitz nehmen wird!“
[Gr.01_006,13] Wenn demnach die weißen Wolken sich samt und sämtlich über die schwarzen hinausgezogen haben, so breiten sie sich in der Höhe nicht selten gleich einem Netze viele Meilen weit nach allen Seiten mit Blitzesschnelligkeit aus und nehmen das gesamte arge Gesindel, wie ihr zu sagen pflegt, solo gefangen.
[Gr.01_006,14] Wenn aber nun das arge Gesindel durch allerlei geistig-telegraphische Depeschen die Nachricht bis zum Throne hin empfängt, daß die weißen Geister es allenthalben umzingelt und gefangen haben, so werden die Helden, welche sich schon über den Thron hergemacht haben, überaus ergrimmt über die List der weißen Geister. Sie fangen da an, alle ihre Truppen zu konzentrieren, um dadurch mit Gewalt wieder durch die weißen Massen zu brechen. Dieser Moment ist dann auch der Anfang des eigentlichen Kampfes.
[Gr.01_006,15] Hier würdet ihr zuerst ein ungeheures Toben und Tosen in dieser schwarzen Wolkenmasse gewahren. Dieses Toben und Tosen rührt her von dem Sichaneinander-Drängen dieser Geister und von dem immer mehr und mehr Ergrimmtwerden; je mehr aber diese argen Geister sich abmühen, die oberen vernichtend zu durchbrechen, desto mehr auch werden sie von den oberen gedrückt.
[Gr.01_006,16] Bei dieser Gelegenheit fangen dann die unteren Geister in ihrem Grimme sich zu entzünden an, und alsbald gibt's da eine so feurige Szene, daß nicht selten in einer Sekunde mehr denn tausend der heftigsten Blitze mit großem erderschütterndem Gekrach nach allen Seiten, wie auch nach oben und nach unten stürzen, und zwar nach allen Seiten, um die herabbohrenden weißen Massen zu töten, in die Höhe, um die Hauptanführer der weißen zu verderben, und in die Tiefe oder auf die Erde, um den Thron zu vernichten.
[Gr.01_006,17] Sehet, das ist nun das erste Manöver! Aber wenn die Geister der weißen Wolken gewahren, daß den unteren feindlichen Rotten gewisserart die Munition ausgegangen ist, dann erfassen die weißen Geister plötzlich in allen Teilen die schwarzen und drängen sie so fest aneinander, wie fest da ist ein wirklicher Stein, und schleudern sie dann mit der größten Heftigkeit hinab auf die Erde, und natürlicherweise zum größten Teile auf die weitgedehnten Eisflächen des Thrones selbst, wie auch in weiteren Umkreisen, jedoch in kleineren Knoten, als Hagel in die Tiefen. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr auch die Ursache dessen sehr leicht begreifen, warum – namentlich über die Eisfelder des Großglockners – nicht selten zentnerschwere Eismassen den Wolken entstürzen, und oft in solcher Dichtigkeit, daß da gewisserart ein Eisblock den andern vor sich hertreibt.
[Gr.01_006,18] Wenn auf diese Weise dann das schwarze Gesindel samt und sämtlich besiegt am Boden liegt, so lassen die weißen Geister noch einen Regen, welcher da schon aus den Friedensgeistern besteht, über diese Besiegten herabstürzen, lösen sich endlich selbst in einen schneidend kalten Wind auf und binden dadurch die Besiegten auf sehr lange Zeit an das frühere Eis des Thrones. Dadurch verschaffen sie diesen argen Wesen wieder eine Ruhe, in welcher diese sich dann gewöhnlich mit der Länge der Zeit eines Besseren besinnen. Und ist solches eingetroffen, dann löst sich das eisige Band oder die naturmäßig-geistige Potenz wieder zu fließendem Wasser auf, und dem also gedemütigten Geiste wird der Gebrauch seiner Freiheit wieder anheimgestellt.
[Gr.01_006,19] Bessert er sich, so wird er bald in die unteren Reihen der Friedensgeister aufgenommen; bessert er sich aber nicht und wiederholt bei einer andern Gelegenheit solchen Angriff – was leider am öftesten der Fall ist –, so wird er dann wieder auf die ganz gewöhnliche und einfache Weise gefangengenommen, aber allzeit ein bißchen länger in der Gefangenschaft gehalten.
[Gr.01_006,20] Sehet, das ist die erste Geisterszene, die sich vorzugsweise da ereignet, wo es sich natürlicherweise um einen wenigstens vermeintlichen Thron handelt. Aber diese Szene ist nicht die einzige, die da vor sich geht, sondern es gibt dann auch noch gar viele, welche aber nicht so wie diese in die naturmäßige Erscheinlichkeit mehr herüberragen, sondern sie offenbaren sich auf mannigfache Weise mehr dem Gefühl derjenigen, welche je Gelegenheit haben, wenigstens einen unteren Teil eines solchen Berges zu besteigen.
[Gr.01_006,21] Um jedoch bei unserer Darstellung dieses Berges nicht in eine zu lange Ausdehnung zu geraten, wollen wir bei der nächsten Gelegenheit nur noch zwei Punkten eine kurze Aufmerksamkeit widmen und uns dann schnell dem evangelischen Teil, welcher für euch der bei weitem wichtigste ist, zuwenden.
[Gr.01_006,22] Und so lassen wir es für heute wieder bei dem bewendet sein!

7. Kapitel – Wege zur Demütigung und Erziehung der Naturgeister.

[Gr.01_007,01] Ihr habt in der gestrigen Mitteilung vernommen, daß nach der endlichen Gefangenschaft wieder die Befreiung eintritt, und daß die also zur Besinnung und Ruhe gebrachten Geister, so sie sich vollends gebessert haben, entweder zu den Friedensgeistern der unteren Stufe aufgenommen werden, oder daß ihnen eine neue Freiheitsfrist eingeräumt wird. Sehet, da ist auf etwas ein achtsames Auge zu haben: wohin dann solche der eigenen Freiheit überlassenen Geister geschickt werden!
[Gr.01_007,02] Sehet, wenn die naturmäßigen Geisterpotenzen sich wieder zu fließendem Wasser auflösen, so werden eben solche frei gewordenen Geister mit dem Wasser gewisserart freiwillig gebunden und müssen dann die Reise bis in das Meer machen.
[Gr.01_007,03] Ihr werdet euch denken: „Warum denn solches?“
[Gr.01_007,04] Sehet, gerade aus demselben Grunde, aus dem auf der Erde die Obrigkeit jemandem, der da einen Schaden angerichtet hat oder im Augenblick, als er den Schaden verüben wollte, gefangen wird, eine solche Besserungsstrafe auferlegt, daß er den Schaden gutzumachen und nebstbei für den bösen Willen noch ein Reue- oder Strafgeld zu entrichten hat.
[Gr.01_007,05] Sehet, gerade aus eben dem Grunde müssen solche Geister in jenem Staate, wo es viel genauer zugeht als auf der materiellen Welt, jeden verübten Schaden – wie auch jenen, den sie haben verüben wollen, – bis auf den letzten Heller gutmachen und zudem noch für ihren bösen Willen eine vollkommen angemessene Buße leisten, und erst dann, wenn solches alles genau befolgt worden ist, können sie in die erste Stufe der geistigen Vollendung aufgenommen werden.
[Gr.01_007,06] Ihr werdet wieder fragen: „Ja, wie können denn diese Geister im Meere das wieder gutmachen, was sie der Erde in einem dem Meere weit entlegenen Lande entweder schon geschadet haben oder doch wenigstens haben schaden wollen?“
[Gr.01_007,07] Natürlicherweise können sie das im Weltmeere wohl schwerlich gutmachen; aber da im Geiste niemand etwas Gutes wirken kann, wenn er nicht selbst gut ist, so bezeugt diese Erscheinlichkeit das, daß die Geister in diesem Zustande sich vollends demütigen müssen, bevor sie fähig werden, für den Schaden Gutes zu üben; und weil demnach das Meer und dessen Grund der Erde immerwährend tiefste Teile sind, so müssen demnach solche hochtrabenden Heldengeister diese Demütigungsreise machen, um dadurch mit der Zeit aus dieser ihrer Demütigung als neu- und wiedergeboren aufzusteigen in die Sphären der Nutzwirkungen.
[Gr.01_007,08] Es fragt sich jetzt: Werden solche Geister auch wirklich nach vollbrachter Reise gebessert?
[Gr.01_007,09] Da gibt's verschiedene Abstufungen: Einige bessern sich schon auf dem Wege und können sich dann aus dieser feuchten Landstraße entfernen und zurückkehren, allwo sie dann erforscht und, so in ihnen nichts Arges mehr gefunden wird, aufgenommen werden. Solchen Austritt könnt ihr daran merken, daß am Morgen den Bächen, Flüssen und Strömen weiße Nebel entsteigen, die dann von der Sonne mit Hilfe der naturmäßigen Potenzen aufgezogen werden, in der Höhenregion aber dann bald aus diesen naturmäßigen Potenzen treten und dem naturmäßigen Auge unsichtbar werden.
[Gr.01_007,10] Eine andere Art dieser Geister aber ist diejenige, welche sich aus einem geheim wieder erwachten Ärger bei Nachtzeit sozusagen aus dem Staube macht und sich in anfangs sichtbarer Gestalt von grauen Nebeln in den Gräben, Schluchten und Klüften der Berge verbirgt, um bei einem nächsten Angriff wieder tätigst mitzuwirken.
[Gr.01_007,11] Eine dritte Art solcher Geister macht zwar den Weg wirklich bis ins Meer; wenn sie aber da angelangt sind, so rotten sie sich nach den verschiedenen Arten ihrer Bosheit zusammen und machen sich dann über das Meer her, und wehe dann dem Schiffahrer, der da in ihre luftigen Hände gerät! Wenn er noch mit dem naturmäßigen Leben davonkommt, so wird er Wunderdinge von der verheerendsten Art der Meeresstürme erzählen können. Wenn aber diese argen Patrone eine solche Bosheit ausüben wollen, dann senden sie zuvor ein oder zwei ganz locker gestaltete Wölkchen gewisserart zur Spionierung über die Meeresfläche empor – welche Wölkchen der erfahrene Schiffer gar wohl kennt –, um zu erkunden, ob sich von nirgends woher etwa von den Friedensgeistern etwas sehen läßt; sind da noch irgendwo solche Friedensgeister zu erschauen, so verschwinden diese Wölkchen plötzlich, – bei welcher Gelegenheit dann auch äußerst selten an einen bedeutenden Sturm zu denken ist.
[Gr.01_007,12] Erschauen aber diese böswilligen Spione keine feindlichen Truppen irgendwo, dann erheben sie sich höher und höher, und in wenigen Minuten ist der freie Raum über dem Meere in allerdichteste Sturmwolken gehüllt, aus welchen gar bald die allerheftigsten Windstöße das Meer aufzuwühlen anfangen, und tausend und tausend Blitze werden da auf diejenigen Geister hinabgeschleudert, welche den ernsten Weg der Besserung eingeschlagen haben. Allein, wie solche rebellischen Geister schon überall schlecht zuteil kommen, so nimmt auch diese Unternehmung allzeit ein schlechtes Ende für sie; denn da werden alsbald in Gedankenschnelle von unseren Hauptlandeswächtern friedliche Heere von Geistern abgesandt. Diese werfen sich dann über jene tobenden Scharen, schleudern dieselben gewöhnlich im Hagel oder heftigen Regen ins Meer und entbinden bei dieser Gelegenheit die demütigen Geister ihrer freiwilligen Haft. Jene Patrone der Bosheit aber werden dann ebenso schnell, wenn sie nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, dem Nordpol zu befördert; die Helden aber müssen sich schon bequemen, auf eine sehr lange Zeit in das harte Eis des Südpols zu beißen.
[Gr.01_007,13] Sehet, also endet die Szene dieser Geister; die argen werden an ihren Ort befördert, die guten aber werden aufgenommen zur vielfachen Nutzwirkung.
[Gr.01_007,14] Worin besteht denn diese?
[Gr.01_007,15] Die erste Arbeit ist diese, daß solche Geister auf die verschiedenen Alpen geschickt werden, und zwar an jene Stellen, welche sich in kahle Felsspitzen verlieren. Sie müssen daselbst für die Erhaltung derselben, wie auch für die bedingte Auflösung derselben unablässig Sorge tragen, aus welchem Grunde sie da alle Feuchtigkeit in die Poren des Gesteins so verteilen müssen, daß das Gestein dadurch von innen aus immerwährend seine gleiche Festigkeit und Eigenschaft behält; anderseits aber müssen sie das abgelöste Gestein also weiter in die Tiefe befördern, daß es nach und nach der erlösenden Bestimmung immer näher kommt.
[Gr.01_007,16] Wenn sie irgendeine solche Sorge verabsäumen, so geschieht es dann öfter, daß ihnen arge Geister hinter dem Rücken dadurch einen Possen spielen, daß von ihnen ein ganzer Felsblock losgemacht und in die Tiefe geschleudert wird, was jedoch zumeist nur bei großen Aufständen geschieht. Bei solch gelegentlicher Unvorsichtigkeit müssen sie dann einen solchen abgelösten Teil wohl versorgen, daß er entweder irgendwo einen sicheren Ruhepunkt findet, oder sie müssen ihn bis zu einem Bache oder Flusse bringen, damit dadurch die in ihm verschlossenen, noch nicht geborenen Geister zu keinem vorzeitigen Ausbruche kommen; denn geschähe solches, so wäre es nahezu um die ganze Erde geschehen. Daher werdet ihr einen solchen abgelösten Stein gewöhnlich in einem Graben, in dem eine Quelle sich befindet, antreffen, oder ihr werdet ihn bis über die Hälfte in der Erde sitzend und da mit allerlei Moos umgeben antreffen, oder ihr werdet ihn auch antreffen – entweder zerstückelt oder ganz – in irgendeinem bedeutenden Bache oder Flusse.
[Gr.01_007,17] Und das ist demnach auch die Ursache, warum nicht selten mehrere hundert und tausend Zentner schwere Steinblöcke allda in den Flüssen und Bächen angetroffen werden, wo es weit und breit fürs erste keine solchen Felsgebirge und fürs zweite auch keine ähnliche Steingattung gibt.
[Gr.01_007,18] Die Naturforscher werden hier freilich sagen: „Was ist das für lächerliches Zeug! Solches übt ja nur das Wasser aus durch seine Schwere, welche zunimmt, je schneller und heftiger der Fall wird.“
[Gr.01_007,19] In naturmäßiger Hinsicht haben sie freilich wohl auch recht – so wie derjenige, der da sagt, daß zwei mal zwei vier ist; weiß aber der Mathematiker auch, was alles seinem Produkte zugrunde liegt? Kennt er die Einheiten, aus welchen er sein Produkt gebildet hat? Er kennt wohl die Zahl der seinem Auge und seinem Verstande gleichartigen Dinge; kennt er aber auch das Wesen der Dinge, die er gezählt hat, in ihrem Grunde? Kann er die unendliche Vielheit und Verschiedenheit der Teile und Kräfte berechnen, welche zur Bildung eines Dinges notwendig sind?
[Gr.01_007,20] Wahrlich, wenn er das völlig erkennte, da würde es ihm auch ganz klar werden, wie seicht seine Berechnung der Dinge war, da er vermöge ihrer Gleichartigkeit vier Stücke zusammengezählt hat.
[Gr.01_007,21] Wie also bemerkt, geht es auch unserm Naturforscher bei seiner Darstellung nicht nur um nichts besser denn unserm Mathematiker, sondern noch um vieles schlechter! Denn er sieht wohl das Wasser fließen; aber was dazu erforderlich ist, um eben das Wasser fließen zu machen und demselben den gerechten Grad der Schwere zu geben und dabei aber wohl zu wissen, worin an und für sich die Schwere besteht, – sehet, das möchte unserm scharfsinnigen Naturforscher wohl etwas zu unsichtbar sein! Denn daß das Wasser nach irgendeinem geneigten Bette sich fortbewegt, das merkt auch derjenige, der gerade kein Naturforscher ist. Wer trägt denn aber das Wasser auf die Höhe der Berge, sammelt es daselbst und befördert es nutzwirkend in die Tiefe? – Sehet, das wäre schon wieder eine andere Frage! Man wird auch hier mit dem innern Druck und mit dem Gesetz der wechselseitigen Anziehung zum Vorschein kommen; wenn Ich aber dann frage: Wer übt denn den Druck und die wechselseitige Anziehung aus?, da wird es auch sicher aus sein mit der Antwort.
[Gr.01_007,22] Solches setze Ich aber darum hierher, damit euch das vorerwähnte erste Geschäft der Geister nicht so sehr befremden soll; und daher glaubet es, daß auf der ganzen Erde ganz bestimmt nichts ist und geschieht, was da nicht ausginge von den Geistern aller Art, entweder guten oder argen!
[Gr.01_007,23] Wenn ihr denn alsonach auf irgendeine Alpe geht – was euch allzeit sehr vorteilhaft ist –, so werdet ihr hier und da an Stellen kommen, wo es so recht zerstört aussieht, darob euch dann auch ganz unheimlich zumute wird und ihr glaubet, da sei alles im starrsten Tod begraben; aber gerade da geht es um so lebendiger zu, denn da haben solch nutzwirkende Geister vorerwähnter Art am meisten zu tun, zu sorgen und zu wachen, damit allmählich das alles wieder in die schönste Ordnung gebracht wird. Wo es euch aber auf einer solchen Alpe ganz wohl und hehr erbaulich zumute wird, wie zum Beispiel an solchen Stellen, wo die Alpe mit allerlei wohlriechenden Kräutern bewachsen ist, da hausen auch schon seligere und friedsame Geister, deren Geschäft ein ruhigeres, aber zugleich auch – geistig genommen – ein viel großartigeres ist denn das der früheren.
[Gr.01_007,24] Wenn ihr aber auf jene Höhen gelanget, die schon mit immerwährendem Schnee und Eise bedeckt sind, und die reine und frische Luft euch für die Länge der Zeit unerträglich wird, da fängt auch schon der vollendeten Geister erste selige Region an, oder, so ihr es annehmen wollet, da greifen oder reichen der Himmel und die Erde sichtbar zusammen; denn die irdische Kälte bedeutet eben den gänzlichen Mangel der Eigenliebe und somit den höchsten Grad der Nutzwirkung – naturmäßig genommen, das heißt: vom Geistigen aus ins Naturmäßige übergehend betrachtet.
[Gr.01_007,25] Wer von euch somit je eine solche Gebirgshöhe geschaut hat, der hat auch die unterste Region des Himmels mit seines Leibes Augen geschaut.
[Gr.01_007,26] Ihr werdet hier freilich fragen und sagen: „Wieso denn? Wie ist solches zu verstehen?“
[Gr.01_007,27] Und Ich sage euch darauf: Wer solches versteht, dem wird auch das „Wieso“ gar bald einleuchtend werden. Es wird doch sicher diejenige Stelle der Erde dem Himmel am nächsten zu stehen kommen, an der die menschliche Habsucht und Eigenliebe keine Grenzsteine mehr setzt und keine verheerenden Prozesse wegen Mein und Dein mehr führt. Ihr dürftet nur einen Versuch machen und ein tausend Joch großes Eisfeld irgendeines Gletschers zu eigen verlangen, ja ihr könnt euch sogar ohne irgendeine Anfrage auf irgendeinem Eisboden ansässig machen, und seid versichert, es wird euch solchen Grund niemand streitig machen, sowenig als ihr es einem andern streitig machen möchtet, wenn es ihn gerade gelüsten sollte, sich ein Stück eines solchen stark abkühlenden Grundes zuzueignen.
[Gr.01_007,28] Nun sehet, aus dieser kurzen Darstellung werdet ihr nun das „Wieso“ auch leicht begreifen; denn wenn der Himmel auch gewisserart naturmäßig die Erde berührte, so wäre es wohl mit dem Leben wie mit dem Dasein des ganzen Planeten auf einmal zu Ende.
[Gr.01_007,29] Kann aber der Himmel die Erde irgend berühren, wo sie so vielfach durch die schnöde Habsucht entheiligt ist? Aus diesem Grunde sind solche Berührungspunkte nur da möglich, wo die Erde von aller Scheelsucht der Menschen ganz und gar frei ist.
[Gr.01_007,30] Aus diesem Grunde ist dann auch unser Großglockner vorzugsweise ein solcher Berührungspunkt! Und so auch irgendein Mensch auf seinen höchsten Zinnen etwas errichten möchte, wonach die Habsucht auch nur eines Menschen lüstern werden könnte, so würde da von den reinen Geistern auch schon sogleich gehörig dafür gesorgt, daß ähnliche Einrichtungen binnen kurzer Zeit wie aus dem Dasein verschwinden; und so wird ein solcher Platz durch seine eigene Reinheit und durch die Reinheit seiner Geister gehörig gereinigt.
[Gr.01_007,31] Das wäre somit eine Art geistiger Eigenschaft, welche über die naturmäßigen Geister hinausragt und dann und wann noch naturmäßige Erscheinlichkeiten zuläßt; und demnach bleibt uns nur noch eine Art übrig, die nur sehr wenigen Menschen dann und wann sichtbar wird. Diese Art werden wir das nächste Mal betrachten und mit ihr auch sogleich auf das Evangelische übergehen. – Und so lassen wir es für diesmal wieder bei dem bewendet sein!