16. Kapitel – Die riesenhafte, leuchtende Strahlenschnecke. Ihr Auftauchen bei Meeresstürmen.
[Sa.01_016,01] Was die Schnecke Nummer fünf betrifft, so ist das die letzte der Schneckenordnung nach, zugleich auch die größte und in einer Hinsicht die merkwürdigste. Diese Schnecke hat den Namen: die Strahlenschnecke. Sie wird von den Bewohnern dieses Planeten nur vor den größten, euch schon bekanntgegebenen Seestürmen gesehen. Ihre Gestalt ist das Großartigste, was ihr euch denken könnt. Auf eurem Erdkörper gibt es nichts Ähnliches, um damit einen annähernden Vergleich machen zu können.
[Sa.01_016,02] Um euch aber doch einen Begriff davon zu geben, so denket euch einen großen geschliffenen Brillanten; denn so kantig ist diese Schnecke, auf der Oberfläche flacher und an dem untern Teile zugespitzter. Die Kanten, deren die Oberfläche allein mehrere Tausende in der schönsten Ordnung sich in lauter Dreiecken durchziehend besitzt, sehen aus wie halbklafterbreite, polierte, goldene Streifen, welche überall eine vollkommen regelmäßig dreieckige Fläche einschließen oder vielmehr einfassen. Die dreieckige Tafel ist so groß, daß eine jede Seite bei drei Klaftern mißt, und keine ist größer und keine kleiner. Nur zuoberst der Schnecke befindet sich eine größere Fläche, welche aber nicht mehr dreieckig, sondern zweiunddreißigeckig ist (und vollkommen ähnlich sieht einer sogenannten Windrose bei euch), welche in ihren äußeren Enden ebenfalls mit den breiten Goldstreifen umfaßt ist. Diese Tafeln sind so durchsichtig wie ein geschliffener Diamant und auch nicht minder fest. Der Unterschied besteht nur darin, daß alle diese Flächen das Vermögen haben, das Licht der Sonne und der Gestirne einzusaugen und es dann in den verschiedensten Strahlenbrechungen zur dunkler gewordenen Nachtzeit wieder ausstrahlen zu lassen.
[Sa.01_016,03] Wie groß ist denn eigentlich diese Schnecke? – Wenn sie auf dem Meer daherschwimmt, wäre auf ihrer Oberfläche wohl Raum genug, um alle Häuser eurer Hauptstadt auf diese zu setzen, unter dem Beibehalt der Gassen und Plätze. Die Schale ist durchgehend bei zehn Klafter dick und hat von der Oberfläche bis zur untern Spitze einen Durchmesser von dreihundert Klaftern. Was aber den Durchmesser der Breite dieser Schnecke anbelangt, so beträgt derselbe nicht selten über eine deutsche Meile. Die Mündung dieser Schnecke, welche etwas länglich-rund ist, hat einen Durchmesser von siebzig Klaftern. Durch die Öffnung streckt diese Schnecke ihren massiven Kopf, der dem Kopf eines Walrosses nicht unähnlich ist, oft so weit über die Meeresoberfläche heraus, und zwar meistens bei Stürmen schnurgerade in die Höhe, daß sie auf eurer Erde mit großer Leichtigkeit über hohe Berge hinwegsehen könnte.
[Sa.01_016,04] Aber bei aller riesenhaften Größe ist diese Schnecke dessenungeachtet sehr sanfter Natur und tut niemandem etwas zuleide. – Ihre Nahrung besteht in drei verschiedenen Arten von Speisen. Die erste Art sind ebenfalls sehr große und sehr häufig im Meer vorkommende Kräuter. Die zweite Art ihrer Nahrung sind große Seewürmer. Und die dritte Art ihrer Nahrung sind mitunter auch Seevögel, welche zugleich ein Leckerbissen für sie sind. Diese letztere Nahrung nimmt sie jedoch nur bei großen Stürmen zu sich, denn bei ruhigem Wetter befindet sich dieses Riesentier gewöhnlich in der Tiefe des Meeres.
[Sa.01_016,05] In einer dunklen Sturmesnacht verbreitet eine solche auftauchende Schnecke nicht selten ein so starkes Licht, daß davon eine ganze Meeresgegend in einem Bereiche von hundert Quadratmeilen ganz stark erleuchtet wird. Nehmt jetzt bei einem solchen Meeressturm die vielen himmelanragenden Wasserberge und denkt euch von einer Höhe die Aussicht von mehreren tausend Quadratmeilen über die Oberfläche des Meeres, auf welcher hie und da solche Strahlenschnecken auftauchen – so könnet ihr euch einen kleinen Begriff machen, welches Wunderschauspiel das auf diesem Planeten gewährt. Besonders imposant wird es dann, wenn mehrere solcher Schnecken gruppenweise auftauchen, ihre langen Hälse über die Oberfläche des Meeres erheben und mit denselben nach den häufig herumfliegenden Sturmvögeln jagen. Alsdann wird ein solcher Anblick für euch – nach eurer Weise zu reden – grausig, fürchterlich schön.
[Sa.01_016,06] Diese Schnecke wird von den Saturnbewohnern nicht gefangen. Fürs erste, weil sie bei ruhiger Zeit nie an die Oberfläche des Meeres kommt. Fürs zweite aber auch, weil die Schale zu schwer wäre, sie irgendwohin zu einem Zweck aufs Land bringen zu können. Diese Schnecke erlangt auch gewöhnlich ein hohes Alter und lebt nicht selten dreißig Jahre, d. h. Saturnjahre. Wenn sie stirbt, geht bald auch ihr ganzes Gehäuse aus den Fugen und zerfällt und verwest mit der Zeit alles zusammen. Das Fleisch verzehren gewöhnlich eine Art Fische, die den Haifischen in euren Meeren nicht unähnlich sind, aber noch größere Ähnlichkeit haben mit euren Krokodilen.
[Sa.01_016,07] Das ist nun alles von dieser Schnecke. – Erweckt auch hier wieder ein wenig eure innere Phantasie, und ihr werdet mit Hilfe dieser getreuen Bekanntgebung euch in eine ziemlich lebhafte Anschauung versetzen können.
[Sa.01_016,08] Für ein nächstes Mal wollen wir dann zu der dritten Gruppe der Schaltiere übergehen, und zunächst zu den Schildkröten, wobei ihr euch noch viel mehr verwundern werdet als bei der Darstellung und Beschreibung der Muscheln und Schnecken. Und darum für diesmal Amen.
17. Kapitel – Weiteres von den Wassertieren. Der walfischartige Saturnfisch Bisorhiohiohio – ein Umgestalter des Geistig-Seelischen der Wassertiere in das der Lufttiere.
[Sa.01_017,01] Da in der bisherigen Mitteilung über diesen Planeten schon so manches, was seine planetarische Beschaffenheit betrifft, sowie über dessen Ländereien und Pflanzen und so manche Tiere kundgegeben worden ist und bei den Tieren dort eine Unterbrechung geschah, als im kurzen Durchlauf die vorzüglichste Gattung der Schnecken geschildert wurde – so wollen wir nun so kurz und faßlich wie möglich von diesem Standpunkt aus unsere Erläuterung fortsetzen. Wir werden uns hier bei den einzelnen Geschöpfgattungen nicht so lange aufhalten, sondern überall nur das Vorzüglichste herausheben, alles andere aber nur einem allgemeinen Überblick überlassen.
[Sa.01_017,02] Demzufolge wollen wir die Tiere, die im Wasser leben, nur vorübergehend im allgemeinen berühren und uns dann zu den Bewohnern der Luft wenden, bei denen wir uns ebenfalls nicht lange aufhalten werden; ebenso auch bei den Landtieren, um dadurch desto eher zu den Menschen dieses Weltkörpers zu gelangen. – Und sonach wenden wir uns zurück zu unseren Wassertieren.
[Sa.01_017,03] Ihr hörtet, wie große Gewässer und Meere dieser Planet innehat und wisset auch, daß auf Erden die größten und mächtigsten Tiere sich in den Gewässern aufhalten. Derselbe Umstand findet sich auch auf dem Saturn vor; nur sind natürlicherweise die Arten und Klassen sehr verschieden und haben da entweder gar keine oder nur eine sehr geringe Ähnlichkeit mit denen auf eurem Erdkörper. Wir wollen nur einige erwähnen, und zwar zuerst diejenigen, die ins ungeheuer zahlreiche Artenreich der Fische gehören.
[Sa.01_017,04] Der größte aller Fische dieses Weltkörpers ist der sogenannte Bisorhiohiohio. – Dieser Fisch befindet sich ungefähr auf derselben Stufe wie euer Erd-Walfisch, ist aber, was seine Form betrifft, außerordentlich verschieden von eurem Walfisch. Er hat einen bei hundert Klafter hohen, vollkommen runden Kopf, und sieht somit einer Kugel gleich, welche hundert Klafter im Durchmesser hat und sich in der Mitte bis ganz nach rückwärts öffnen läßt. Dieser Kopf hat weder Zähne noch Finnen, sondern sowohl der untere als der obere Teil dieses großen Rundrachens ist eine vollkommen flache und harte Scheibe. An deren hinterstem Teile oder an der Vormündung des weiten Schlundes befindet sich eine lange, dehnbare Doppelzunge, welche dieser Fisch gebraucht, um die zwischen den zwei Rachenscheiben zerquetschte Nahrung in den Schlund zu ziehen. – An den Kopf schließt sich der eigentliche Mittel- oder Hauptleib des Fisches. Dieser ist bei einem gut ausgewachsenen Fisch nicht selten nahe dreitausend Klafter lang und bei eintausendfünfhundert Klafter vom Bauche bis auf den Rücken hoch. Da, wo er am dicksten ist, hat er nicht selten einen Durchmesser von nahezu tausend Klafter. An dem Leib ist ein etwa tausend Klafter langer Schweif, welchen dieser Fisch vorzugsweise zu seinen Bewegungen und Wendungen im Wasser benützt. Auf dem Rücken dieses Fisches sind äußerst starke und nicht selten über hundert Klafter im Durchmesser habende Flossen angebracht. Am Bauch hat er zwei förmliche Schwimmarme, ungefähr wie bei euch die Seehunde oder Walrosse sie haben.
[Sa.01_017,05] Wenn ihr den Bisorhiohiohio ein wenig vor die Augen eurer Gefühlsphantasie führt, dürfte es euch wohl klar werden, daß dieser Fisch, wenn er auf irgendeinem Land eurer Erde zu liegen käme und noch dazu seine Rückenflossen ausspannen möchte, da mit den höchsten Bergen der Erde wetteifern dürfte. Er wird aber selbst von den Saturnbewohnern bald ein schwimmender Berg, bald eine schwimmende Insel, bald auch ein schwimmendes Land genannt; einige nennen ihn auch den Wasserplaneten.
[Sa.01_017,06] Wird der Bisorhiohiohio auf diesem Planeten auch gefangen? – Nein, vor diesem Fisch hat ein jeder Saturnbewohner einen außerordentlich großen Respekt. Denn wenn sich irgend etwas auf der Oberfläche des Wassers ihm naht, macht er alsbald seinen großen Kugelkopf auf, schießt mit großer Schnelligkeit auf den im Wasser schwimmenden Gegenstand zu und zerquetscht durch die große Schwere und Kraft des Kopfes denselben, sobald er in seinen Rachen geraten ist, und verzehrt ihn. – Zum größten Glück aber bewohnt dieser Fisch zumeist nur die Polargegenden unseres Planeten, welche vermöge ihres immerwährenden Schnees und Eises für die Saturnbewohner noch viel unzugänglicher sind als für die Bewohner der Erde die Polargebiete. Daher geschieht es auch äußerst selten, daß irgendwo ein solcher Fisch von den Bewohnern des Saturn gesehen wird. Wenn er aber in den nördlicheren Teilen der Saturnländereien, wo er sich zumeist aufhält, von einem oder dem andern Saturnbewohner gesehen wird, so gilt das allezeit für eine schlimme Vorbedeutung. Diese Menschen flüchten da auch alsbald in die innersten Teile der Länder; denn sie sind der Meinung, dieser Fisch sei von den schlimmen Geistern des Eises zu ihrem Untergang dahingesandt worden. An eine Stelle, wo ein solcher Fisch gesehen wurde, getraut sich dann lange Zeit kein Saturnmensch mehr seinen Fuß zu setzen. Aus diesem Grund geschieht es auch, daß die nördlichen Teile des Saturn, das heißt seine dortigen Ländereien, entweder gar selten oder zumeist gar nicht bewohnt werden.
[Sa.01_017,07] Ihr werdet hier nun fragen: Was hat denn eigentlich dieser Fisch für eine Bestimmung? – Dieser Fisch ist das letzte Aufnahmeorgan alles Geistig-Seelischen des Wassergetiers, und aus ihm verteilt es sich dann wieder in allerlei Getier der Luft. Denn in diesem Organ bildet sich dem geistig-substantiellen Teile nach nicht nur eine künftige Lufttierart aus, sondern die gesamte Lufttiergattung dieses Weltkörpers geht aus ihm hervor, ohne daß er darum zu sterben braucht. In dieser Hinsicht ist er, mehr als einem Tier einem kleinen Planeten ähnlich, welcher auch ein bleibendes Organ ist, durch welches zahllose geistige Gattungen, sich wohl unterscheidbar ausbildend, hindurchgehen können. Es ist zwar mit eurem Walfisch beinahe derselbe Fall; doch was die Allgemeinwirkung betrifft, so steht er dem Bisorhiohiohio bedeutend nach. Denn der Walfisch der Erde progeneriert nur die Gefiedertiergattungen der Polarländer, während unser Saturnwalfisch den ganzen Planeten mit den gefiederten Einwohnern der Luft versieht, das heißt, es werden in ihm die Seelen aus den Wassertieren in die verschiedensten Seelenarten der gefiederten Bewohner der Luft übertragen.
[Sa.01_017,08] Dieser Fisch ist demnach der größte und zugleich auch allerbeachtenswerteste dieses ganzen Planeten. Ihm zur Seite steht aber noch eine zahllose Klasse von Fischen und Amphibien aller erdenklichen Art, welche sich wohl unterscheiden in der Größe, Form und Tauglichkeit. So gibt es neben diesem Riesenfisch noch etwa hundert weitere Arten, welche sich, was die Größe betrifft, mit eurem Walfisch gar wohl messen könnten. Sie aber alle besonders aufzuführen und näher zu beschreiben, wäre für den Zweck, um deswillen Ich euch diesen Planeten enthülle, viel zu weitläufig und eben darum auch gar nicht dienlich. Wenn ihr aber selbst geweckteren Geistes werdet, dann wird es euch ohnedies ein leichtes sein, euch selbst in die kleinste Einzelheit nicht nur auf diesem, sondern auch auf anderen Planeten umzusehen.
[Sa.01_017,09] Und somit lassen wir die Tiere der Gewässer dieses Planeten ruhen und gehen über auf die Bewohner der Saturnluft, welche euch schon bedeutend mehr interessieren werden als alle Wassertiergattungen, die wir bisher kennengelernt haben.
18. Kapitel – Die kleinen Flügeltiere. Die Saturnfliege. Der Fliegende Stern. Der Riesenschmetterling Com und die Verwendung seines Federschmucks.
[Sa.01_018,01] Wenn ihr euch auf eurer Erde ein wenig umseht, werdet ihr neben den vielen Gattungen der Vögel noch eine bei weitem größere Wesen- und Gattungszahl jener kleinen beflügelten Tierchen finden, welche euch unter dem allgemeinen Namen der fliegenden Insekten bekannt sind. Solcher Wesen gibt es auch auf dem Saturn die verschiedensten Gattungen und Arten in großer Menge. Unter ihnen spielt, ebensogut wie auf der Erde, die Fliege eine Hauptrolle. Diese ist auch das einzige Tierchen auf dem Saturn, welches der Fliege auf der Erde in allem vollkommen gleich ist. Nur an den Seen und Flüssen hält sich hie und da eine größere Gattung oft zahlreich auf. – Diese Fliege ist am Tage von bläulichweißer Farbe. Nach dem Untergang der Sonne, da die Fliege gewöhnlich am tätigsten wird, leuchtet sie wie ein heller Stern, ungefähr auf die Weise (nur viel stärker) wie bei euch die sogenannte Sumpfastel oder das Sonnwendkäferchen oder wie in Amerika und auch in anderen südlichen Tropenländern der sogenannte Laternenträger. Unsere Saturnfliege würde aber dennoch diese alle an Helle ihres Lichtes übertreffen, weil ihr Licht vollkommen weiß ist und sie auch größer ist als jedes fliegende Insekt auf der Erde. Die Saturnbewohner ergötzen sich gar oft zur Nachtzeit an dem munteren Fluge dieser Tierchen, wenn sie so zu Tausenden die Luft kreuz und quer durchzucken.
[Sa.01_018,02] Das wäre ein bemerkenswertes Tierchen, welches zu den Luftbewohnern gezählt werden kann. – Eine andere Insektenart, welche hier und auf keinem andern Planeten wieder vorkommt, ist der sogenannte Fliegende Stern. Dieses Tierchen hat seine besondere Lebenstätigkeit auch nur zur Nachtzeit. Seine Wohnung während der Tageszeit ist der euch schon bekannte Pyramidenbaum. Zur Nachtzeit, und zwar schon bald nach dem Untergang der Sonne, bildet es für die Saturnbewohner ein erhebendes Schauspiel, wenn in der Abenddämmerung Tausende solcher leuchtender Sterne dem Pyramidenbaum entfliegen.
[Sa.01_018,03] Warum wird denn dieses Tier ein „Fliegender Stern“ genannt? – Dieser Name wird ihm darum beigelegt, weil es auf jeder Seite seines länglichrunden Körpers drei pyramidenförmig zugespitzte, ziemlich stark leuchtende Flügel besitzt, welche bei ihrer Ausbreitung diesem Tierchen die Gestalt eines sechsstrahligen Sternes geben. Wenn das Tierchen vollkommen ausgewachsen ist, hat es etwa eine Spanne im Durchmesser, und seine Flügel leuchten im Fluge besonders stark. Da dieses Tierchen sich dabei nicht gar zu weit von seiner Wohnung begibt, bekommen diese riesigen Bäume für den Saturnbewohner nicht selten ein sehr erhebendes Aussehen, wenn sie die Nacht hindurch von vielen Tausenden solcher Sterne nach allen Richtungen umschwirrt werden.
[Sa.01_018,04] Neben diesem leuchtenden Insekt gibt es aber noch eine Menge, die ebenfalls in den verschiedensten Farben zur Nachtzeit leuchten; aber ihr Licht ist nicht so stark, und die Tierchen sind bei weitem kleiner. So werden sie von den Saturnbewohnern auch gar wenig beachtet, da es mehrere große Vogelgattungen gibt, deren Gefieder bei Nacht ein sehr helles Licht von sich wirft, besonders wenn sie fliegen.
[Sa.01_018,05] Da demnach im Reich der Insekten nicht so viel Erhebliches mehr zu finden ist, wollen wir sogleich einen Übergang zu dem Reich der Vögel machen. Und auf dieser Übergangsbrücke wollen wir noch einigen Schmetterlingen unsere Aufmerksamkeit widmen.
[Sa.01_018,06] Wie die Schmetterlinge auf der Erde auf ihren Flügeln die schönsten Farben und Zeichnungen tragen, so ist es auf diesem Planeten noch um so mehr der Fall. – Ein Schmetterling, unter dem Namen Com bekannt, ist der größte und prachtvollste aller Schmetterlinge dieses Weltkörpers. Wenn er seine Flügel ausgespannt hat, dürfte er auf der Erde so ziemlich ein Vierteljoch Grundes bedecken. Sein Leib ist nicht selten bei zwanzig Klafter lang und hat nahe eine Klafter im Durchmesser. Seine Füße sind stärker als auf der Erde die eines Elefanten. Ein jeder Fuß hat sechs Glieder und ist so eingerichtet, daß er im Falle der Not bedeutend verlängert werden kann. Seine Fühlhörner sehen fast aus, als stünden an seinem Kopf zwei hohe Pappelbäume; nur sind die Zweige links und rechts ganz gerade regelmäßig eingeteilt, ungefähr so wie die Nadeln an einem Tannenzweig. Sein Saugrüssel ist länger und stärker als der eines Elefanten auf der Erde. Und so sieht dieser Schmetterling seinem Körper nach einem äußerst robusten Tiere ähnlich, was er aber dessenungeachtet nicht im geringsten ist. Dieses Tier ist außerordentlich menschenscheu und es gehört sehr viel dazu, irgendwo eines zu fangen. Diese Schwierigkeit wird durch seinen schnellen Flug noch ums Bedeutende vermehrt.
[Sa.01_018,07] Junge Mädchen sind dort zumeist am geschicktesten, dieses Tier zu fangen, weil sie sich leichter in der freien Luft erhalten können als das männliche Geschlecht. Zu diesem Zweck bedienen sich solche Mädchen nicht selten eines künstlichen Flügelpaares und fliegen unserem Schmetterling oft mit großer Eile nach. Wenn sie ihn dann in der Luft fangen, gilt das als ein förmliches Jubelfest unter ihnen; denn alles von diesem Schmetterling wird zur Ausschmückung ihrer Kleider verwendet, weil fast auf keinem Planeten das weibliche Geschlecht, besonders in den jungen Jahren, so viel auf ein zierliches Gewand hält wie auf diesem. Damit ihr aber seht, warum dieser Schmetterling einen so großen Wert hat, wird es wohl nötig sein, seine Pracht euch ein wenig zu zeigen. Es wird aber zugleich auch ziemlich schwer halten, euch von der beinahe übersinnlichen Schönheit dieses Tieres einen richtigen Begriff zu machen. Seine Flügel sind vollkommen viereckig und haben nur beiderseits an den Enden gegen den Kopf zu eine auslaufende Spitze, die ungefähr anderthalb Klafter lang ist und eine ziemliche Ähnlichkeit hat mit einem sehr breiten Schwert.
[Sa.01_018,08] Die Farbe des oberen Teiles der Flügel sieht aus als wäre die Fläche von poliertem, hochrosenfarbenem Gold. Auf dieser Goldfläche hängen oder stecken vielmehr eine große Menge der allerschönsten Federn, alle möglichen Farben in sich enthaltend. Diese Farben spielen in poliert-metallischem Glanz und verändern sich bei der geringsten Wendung so, daß man auf einem Punkt bei den verschiedenen Wendungen alle erdenklichen Farben zu Gesicht bekommen kann. Diese Federn sind in solcher Ordnung auf der Oberfläche des Flügels angebracht, daß dadurch die schönsten Zeichnungen und Formen herauskommen. Die Zeichnungen und Formen sind aber nicht so beständig wie auf den Flügeln eurer Schmetterlinge; sondern die Anordnung ist so, daß bei den verschiedenen Wendungen, durch welche die Farben verändert werden, auch allzeit ganz andere, wunderbare Formen zum Vorschein kommen. Die Ränder der Flügel sind ungefähr mit solchen Federn geziert, wie sie bei euch die Pfauen an ihrem Schweif haben; nur sind sie größer und viel lebhafter glänzend in ihrer Farbenpracht. – Die untere Fläche der Flügel ist ähnlich einer polierten Goldfläche, so sie mit einer feinen, grünen Farbe überzogen werden möchte. – Die Füße dieses Tieres sind ebenfalls mit den herrlichsten Federn bekleidet; wie auch der ganze übrige Leib. Die Fühlhörner sind aber doch das Allerprächtigste bei diesem Tiere. Ihr Hauptstamm ist äußerst leicht und vollkommen aussehend wie durchsichtiges Gold. Er spielt, wenn ihr euch solches vorstellen könnet, ebenfalls bei jeder Wendung in den verschiedensten Farben, ungefähr so, als wäre er eine geschliffene Diamantstange, an welcher zu beiden Seiten ebensolche Federn angebracht wären, mit denen die Ränder der Flügel geziert sind. Der Saugrüssel ist von blendend weißer Farbe und sparsam unterwunden mit Bändern, die einen Regenbogen an Farbenpracht übertreffen.
[Sa.01_018,09] Das allerwunderbarste aber sind die Augen des Tieres. Diese möchtet ihr vor lauter Spiegelglanz so wenig anzuschauen imstande sein wie die Sonne bei ihrem Aufgang oder Untergang. Wenn aber das Tier getötet wird, vergeht diese Augenpracht. Daher werden dessen Augen eben nicht in großem Wert gehalten, dessenungeachtet aber sorgfältig ausgelöst und von ihrer Feuchtigkeit entleert. Durch geschickte Verwendung machen dann die Frauen daraus eine Art Hausbeutel oder Taschen, welche wegen ihrer ziemlichen Durchsichtigkeit und ihrer Dauerhaftigkeit bei den eleganten Frauen dieses Planeten ungefähr die Stelle der sogenannten „Ridiküls“ vertreten. Weggeworfen wird von diesem Tiere nichts als allein der nackte innere Leib; alles andere wird zum Schmuck der außerordentlichsten Art verwendet.
[Sa.01_018,10] Warum hat denn aber dieser Schmuck einen so außerordentlichen Wert? – Das hat drei Ursachen. Die erste ist, weil dieses Tier selten und bei seiner Seltenheit äußerst schwer zu bekommen ist; zweitens, weil alle diese Federn sehr dauerhaft sind, ja die Saturnweiber halten sie für unzerstörbar; und fürs dritte, weil eben diese Federn von der größten Leichtigkeit und von fortwährend gleichmäßig anhaltender Pracht sind.
[Sa.01_018,11] Es gibt hier auch eine Vogelgattung, deren Federn diesen Schmetterlingsfedern ähnlich sind. Diese Vogelfedern werden nicht selten von so manchen Saturnspekulanten als echte Ware zum Verkauf ausgeboten. Allein da gibt es dann ganz wohlausgebildete Schmuckfedernkenner, welche die echten von den falschen ungefähr so unterscheiden, wie bei euch die Juweliere falsche Edelsteine von den echten. Wehe aber dort einem solchen Schmuggler, wenn er in die Hände solcher mit falschen Federn betrogener Weiber gerät. Da wird er mit eben diesen falschen Federn, welche sie zuvor an den sehr dichten Kielen abspitzen, so kreuz und quer zerkratzt, daß ihm für die Zukunft alle Lust vergeht, mit falscher Ware irgend jemand wieder zu hintergehen; auch kauft einem also zugerichteten Handelsmann niemand mehr etwas ab.
[Sa.01_018,12] Seht, das ist nun unser berühmter Schmetterling; und ihr hörtet, wie er gefangen und benutzt wird. Es ist fast unnötig, noch zu erwähnen, wie sich die Saturnfrauen dieses Schmuckes bedienen. Aber im Vorübergehen kann ja wohl bemerkt werden, daß sich manche sehr eitle fast den ganzen Leib mit diesen Schmetterlingsflügeln so überziehen, daß man sie am Ende schon nahe für solche Schmetterlinge selbst halten könnte. Das ist genug, denn ein mehreres ist nicht nötig von dem zu erfahren, was Mir im Saturn so wenig gefällt wie auf der Erde.
[Sa.01_018,13] Daß es aber außer diesem Schmetterling noch eine fast zahllose Menge solcher Tiere in allen Farben, Arten, Gattungen und Größen gibt, könnt ihr daraus schon sehr leicht entnehmen, wenn ihr euch dieses Planeten Mannigfaltigkeit in all dem, was auf ihm ist, vor Augen stellt.
19. Kapitel – Fledermausarten. Die fliegende Kuh. Das fliegende Band. Schmuckhandel auf dem Saturn.
[Sa.01_019,01] Bevor wir nun zu den eigentlichen Vögeln übergehen, wollen wir noch diejenige Gattung geflügelter Tiere ein wenig zu Gesicht nehmen, welche auf der Erde in den Bereich der sogenannten Flattermäuse und noch anderer dergleichen, mit ähnlichen Spannflügeln versehener Tiere gehören. – Gibt es auf unserem Planeten solche Tiere? – Allerdings, und dazu bei weitem mehr als auf eurem Erdkörper. Es gibt zwar durchaus keine Fledermäuse im eigentlichen Sinne; aber es gibt andere Tiere in großer Menge, welche mit ähnlichen Spannflügeln versehen sind. Wenn wir jedes dieser Tiere sonderheitlich betrachten wollten, würdet ihr dazu mehr als zehntausend Bogen Papier brauchen. Dieses wäre aber doch sicher etwas Unnützes. Daher wollen wir von dieser Gattung der Tiere dieses Planeten ebenfalls nur ein paar herausheben, auf die anderen aber dann nur einen allgemeinen Blick werfen.
[Sa.01_019,02] Ein besonders merkwürdiges Exemplar dieser Tiere wird von den Saturnbewohnern die Fliegende Kuh genannt. Dieses Tier ist von ausnehmender Schönheit und dürfte ungefähr so groß sein wie bei euch ein wohlausgewachsener Ochse, nur ist es ungefähr um eine halbe Klafter länger gegen den Schweif zu als ein Ochse bei euch. Dieses Tier hat auch vier Füße, die mit schönen, blendendweißen Klauen versehen sind. Auf dem Rücken ist es rot und am Bauche lichtgrün. Die Haut aber sieht so klein-wollicht glänzend aus wie bei euch der allerfeinste Seidensamt. Der Kopf dieses Tieres hat ziemliche Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Windhundes, nur die Farbe ist ganz anders. Vom Halse angefangen ist der Kopf lichtblau und vom Rücken angefangen bis an die Nasenschnauze mit einem roten Streifen versehen. Der untere Teil des Kopfes aber geht nach und nach ins Dunkelblaue über.
[Sa.01_019,03] In der Gegend der Vorderfüße laufen links und rechts zwei lange Arme aus, welche, wenn sie ausgespannt sind, ungefähr sechs Klafter im Durchmesser haben. Von diesen Armen aus spannt sich in Verbindung mit den hinteren Füßen eine starke Haut aus, versteht sich von selbst, nur dann, wenn das Tier fliegen will; denn fliegt das Tier nicht, so legt es die Arme zusammen, und zwar jeden in drei Glieder. Diese Arme schmiegen sich so geschickt an den übrigen Leib an, daß man in einer geringen Entfernung ihrer kaum gewahr wird. Wenn aber dieses Tier die Arme zum Fliegen ausspannt, sieht es am schönsten aus; denn die Haut dieser Arme ist ebenfalls blendendweiß. Und ein jeder Arm ist am Ende mit vier wohlgestalteten Fingern versehen, die zum Festhalten zugleich noch mit starken Spitznägeln versehen sind. Die Flügelhaut aber sieht aus wie ein allerfeinst poliertes Gold, welches mit regelmäßig ineinanderlaufenden Punkten und Streifen von hellroter Farbe geziert wäre. Die Ränder dieser Flügelhaut sind verbrämt wie mit einem leuchtenden Regenbogen und laufen überall in mehr als eine Elle lange, ganz blendend weiße Fäden aus, welche ungefähr glänzen wie Glasfäden, die mehr Glanz als die allerfeinste Seide haben.
[Sa.01_019,04] Die Augen der Fliegenden Kuh sind äußerst scharf und lebhaft und funkeln bei Abenddämmerung wie Diamanten. Die Schnauze dieses Tieres ist dunkelrot, und sein Mund hat eine frische, rote Farbe wie Rosen. Seine zahlreichen Zähne sehen aus wie ein reiner Kristall. Die Zunge ist ebenfalls hochrot und verhältnismäßig lang, so daß sich dieses Tier derselben zu allerlei bedienen kann, so zum Waschen seines Gesichtes und zum Reinigen seines ganzen übrigen Leibes; denn dieses Tier hat einen äußerst biegsamen Leib. Es kann sich seiner langen Zunge ähnlich wie bei euch ein Hund zum Trinken bedienen. Und wenn dieses Tier die Zunge zusammenrollt, und zwar der Länge nach, so bringt es durch diese Zungenröhre einen äußerst starken Pfiff zuwege, welcher weit und breit gehört wird; solches tut dieses Tier allezeit, wenn es auffliegen will.
[Sa.01_019,05] Warum aber wird denn dieses Tier dort die Fliegende Kuh genannt? – Dieses Tier besitzt zwischen den beiden Hinterbeinen ein ganz vollkommenes, mit vier Zitzen versehenes Euter, welches zur Zeit, wenn es Junge zur Welt gebracht hat, mit einer überaus wohlschmeckenden Milch vollgefüllt ist. Es wird daher auch von den Saturnbewohnern häufig gefangen, ja an manchen Orten sogar als ein nützliches Haustier gezähmt; und solches um so leichter, weil es überdies ein äußerst sanftmütiges Tier ist. Wenn ein solches Tier Junge wirft, ist bei sechs geborenen Kälbern nur ein männliches darunter, welches, wenn es vollkommen ausgewachsen ist, sich von den weiblichen dadurch unterscheidet, daß es an der Stelle des weiblichen Euters, wie ungefähr bei euch die Schafe, den sogenannten Geschlechtsbeutel hat und am Kopf zwischen den beiden herabhängenden weißen Ohren ein ebenfalls ganz weißes, kleines, etwas nach rückwärts gebogenes Hörnchen.
[Sa.01_019,06] Wenn ihr eure Gefühlsphantasie nur einigermaßen handhaben könnt, wird es nicht schwer werden, euch die Schönheit dieses Tieres vorzustellen. Freilich werdet ihr denken und sagen: Ja warum ist denn dieses Tier dort gar so schön, und welcher Zweck ist denn damit verbunden? – Ich aber sage euch: Richtet nur einen Blick auf so manche Schönheit eurer Blumen und auf deren mannigfache schöne Form – könntet ihr hier nicht auch fragen: „Warum muß denn die Blüte gar so schön sein? Wäre zur Hervorbringung eines höchst einfachen Samenkörnchens nicht eine bedeutend weniger ansehnliche Blüte tauglich?“ – Seht, für solche Fragen sind die Antworten noch nicht reif; denn was die Schönheit solcher Wesen betrifft, so könnt ihr den Grund noch unmöglich erfassen, da er im Bereich Meines Lichtes oder Meiner Weisheit liegt. – Daher begnügen wir uns nur mit der alleinigen Anschauung und nehmen als den allgemein gültigen Grund aller solcher Erscheinungen an, daß Ich, der übergute und höchst weise Schöpfer aller Dinge, schon gar wohl wissen werde, wozu Ich die Dinge und Wesen so gestaltet habe.
[Sa.01_019,07] Nachdem wir also dieses Tier beschaut haben, wollen wir noch den Blick auf ein anderes solches fliegendes Tier werfen. – Dieses nennen die Saturnbewohner das Fliegende Band oder manchmal auch den Fliegenden Strick. – Auf welche Weise kommt denn dieses Tier zu diesem Namen? – Wenn wir es erst ein wenig beschaut haben werden, wird die Erklärung von selbst folgen. Seht, dieses Tier hat seinem Leibe nach eine ziemliche Ähnlichkeit mit einem wohlgebildeten Affen der Erde. Wenn es auf der Erde umhergeht, bedient es sich der Hinterbeine gleich einem Menschen. Der vorderen Pfoten, welche sehr lang und gegen den Leib zu bis zur Hälfte der Hinterbeine mit einer Flughaut versehen sind, bedient sich dieses Tier ebenso wie sich der Affe seiner Vorderpfoten bedient. Wenn es aufrecht steht, hat es eine Länge von drei Klaftern; wenn es sich aber zusammenkauert, dann ist es mehr als um die Hälfte kürzer. Der Leib dieses Tieres hat an und für sich gar nichts Ausgezeichnetes, außer daß er am Bauch sehr lichtbläulich aussieht und zu Ende des Rückens dunkelrote Wolle hat.
[Sa.01_019,08] Was ist demnach aber das eigentliche Auszeichnende dieses Tieres? – Solches ist sein Schweif, den es nur dann ausrollt oder vielmehr ausbreitet, wenn es fliegt. Wenn es auf der Erde umhergeht, rollt es den Schweif so geschickt zusammen, daß derselbe ihm über dem Steiß zu liegen kommt, als hätte ihm jemand eine runde Rolle irgendeines Überzeuges angebunden. Dieser Schweif hat bei einem ausgewachsenen Tier nicht selten eine Länge von neunzig bis einhundert Klaftern eures Erdmaßes und ungefähr eine Breite von einer Elle und ist bei alldem so fein, daß er im zusammengerollten Zustand kaum eine Rolle von zwei Spannen Durchmesser bildet. – Das Aufrollen geschieht durch innere, durch den ganzen Schweif gezogene Gefühlsfäden; denn der Schweif hat keine Glieder, sondern ist nur eine Hautverlängerung des Rückens. Er zeigt die Farbe eines allerhellsten Regenbogens und ist oben und unten mit kleiner und äußerst kurzer Wolle also versehen, wie ein unaufgeschnittener Seidensamt, so daß diese Wolle lauter kleine, sehr hellschimmernde Wollwärzchen bildet. Nun könnt ihr euch schon von selbst die Frage beantworten, warum dieses Tier das „Fliegende Band“ genannt wird.
[Sa.01_019,09] Nur sehr selten findet man aber, besonders in den volkreicheren Ländern, dieses Tierchen noch im Besitz seines Schweifes; denn die Saturnbewohner gehen sehr häufig auf die Jagd dieses Tieres aus, welches sich am Tage sehr leicht fangen läßt, da es zu dieser Zeit niemals auffliegt. Sobald ein solches nun gefangen wird, geschieht ihm sonst zwar nichts, aber mit dem Schweif kommt es auf keinen Fall mehr davon; denn dieser wird ihm alsbald knapp am Rücken abgeschnitten und von den Saturnbewohnern, besonders den Vornehmsten des Landes, als Kleiderschmuck benützt. Hauptsächlich sind wieder die Weiber große Freundinnen dieses Schmuckes, nachdem sie ihn zuvor mit einem wohlriechenden Blumenöle vollkommen biegsam und gleich eurem Leder zäh und haltbar gemacht haben. Gewöhnlich wird dann dieser Schweif entweder als ein Stirnband getragen; von manchen aber wird er auch um die Lenden geschlungen. Dieses Tier ist demnach den Saturnbewohnern ein stets willkommener Gast. Und weil dem Tiere nach und nach der abgeschnittene Schweif wieder nachwächst, wird auch dieses Tier in einigen Ländern gezähmt und gleichsam im Hause aufgezogen.
[Sa.01_019,10] Mit dieser Zucht geben sich vorzugsweise die euch schon etwas bekannten Saturnjuwelenhändler ab. Und da der Preis des Schweifes vornehmlich nach der Länge bestimmt wird, so geschieht es nicht selten, daß sie zwei, manchmal auch drei kürzere Schweife zusammenheften und sie dann als einen ganzen verkaufen. Wenn dieser Betrug aber entdeckt wird, wird ein solcher Saturnkaufmann von den Weibern ebenfalls sehr empfindlich gezüchtigt.
[Sa.01_019,11] Auf diesem Planeten ist es nämlich sehr häufig der Fall, daß die Weiber über das männliche Geschlecht sozusagen die Jurisdiktion ausüben; denn das männliche Geschlecht im Saturn ist gewöhnlich, wie bei euch zulande, äußerst verliebt. Aus diesem Grunde ist es dann auch zu nachgiebig und läßt sich nicht selten aus lauter Liebe zu den Weibern an der Nase herumführen, wie es den Weibern nur immer beliebt. Jedoch sind anderseits die Weiber im Verhältnis zu denen der Erde ums Unvergleichliche züchtiger und häuslicher; was dann auch sehr bedeutend dazu beiträgt, daß ihnen die Männer höchst geneigt sind und ihnen auch gerne so manche auszeichnende Vorrechte einräumen. Jedoch in der Folge, wenn wir zu den Saturnbewohnern kommen, wird davon ohnehin alles gehörig beleuchtet werden. Und so wenden wir uns wieder zu unserem Tierreich.
20. Kapitel – Unzahl fliegender Tiere ohne Gefieder. Vom Reich der Vögel. Die Wasserhenne. Der Behor, eine große Reiherart. Der Himmelsbote, ein guter Sänger. Der Flugtonakkord dieser Vögel. Gesang und Musik der Saturnmenschen.
[Sa.01_020,01] Wie schon anfangs bei der Kundgabe der fliegenden Tiere erwähnt wurde, so ist deren Menge nach der Zahl der Gattungen und Arten für diesen Planeten so übergroß, daß ihr, wie gesagt, kaum auf zehntausend Bogen ihre Namen unterbringen würdet. Aber dennoch ist ihre verschiedenartige Gestaltung bewunderungswürdiger als ihre große Anzahl selbst. Denn fast alle vierfüßigen Tiere dieses Planeten wie auch sehr viele Fischarten finden in diesen fliegenden Wesen auch eine Abartung. Und es verhält sich die Sache geradeso, als wenn ihr auf eurer Erde sämtliche zahmen und wilden Tiere nebst allen Amphibien und den meisten Fischgattungen möchtet wie eine Flattermaus beflügelt haben und hättet dadurch beflügelte Elefanten, Pferde, Ochsen, Löwen, Tiger, Hyänen und so fort die ganze Tierreihe hindurch. Was hier für die Erde nur beispielsweise angeführt ist, das findet sich im Saturn buchstäblich vor – nur sind die fliegenden Tiere viel kleiner als diejenigen, denen sie in der Form entsprechen, und die unbeflügelten, die den festen Boden oder die Gewässer dieses Planeten bewohnen, sind bei weitem größer, stärker und mächtiger.
[Sa.01_020,02] Nun könnt ihr euch schon einen Begriff machen, wie lebhaft es hier aussehen muß. Und ihr könnt euch noch dazu das Angenehme denken, daß diese Wesen zumeist gutmütiger Art sind und daß die Saturnmenschen durch die Stärke ihres Willens fortwährende Meister sowohl der Elemente wie auch der allermeisten Tiere sind (mit Ausnahme nur sehr weniger, welche ungefähr in dem Ansehen unseres schon bekannten Fisches stehen).
[Sa.01_020,03] Nachdem wir nun unsere fliegenden Tiere im Saturn betrachtet haben, und zwar diejenige Klasse, welche sich ohne Gefieder in die Luft erheben und in derselben umherfliegen können, und dabei gesehen haben, wie groß ihre Zahl und Mannigfaltigkeit ist, so dürfte sich euch wohl sicher der Gedanke in einer bescheidenen Frage aufwerfen: „Wenn es so viel solcher fliegender Gäste in diesem Planeten gibt, wer mag da noch bestehen? Da muß ja die Luft ganz voll von ihnen sein, wenn alle Tiere auffliegen.“ Doch diese Sorge von eurer Seite ist für diesen großen Planeten so gut wie vollkommen eitel. Denn bedenket nur, daß dieser Planet über tausendmal so groß ist wie die Erde und daß er, wie ihr schon wißt, über siebzig große Kontinente besitzt, von denen einige so viel Flächenraum haben wie die ganze Erdoberfläche, wenn das Meer und die anderen Gewässer festes Land wären. Es kann aber jedermann auf der Erde noch gar wohl umhergehen, obwohl in der Luft, auf der Erde, in der Erde und im Wasser Millionen Wesen aller Art leben. Wie aber der Mensch auf der Erde von den Tieren nicht zu sehr belästigt wird, ebenso werden auch die Bewohner des Saturn von den Tieren nicht bedrängt. Und ungeachtet dessen, daß es so viele und seltsame Tiergattungen auf diesem Planeten gibt, werden diese im freien Zustand doch viel weniger gesehen als so manche Tiere bei euch auf eurem Planeten, auf welchem sich überhaupt alles in engeren Kreisen bewegt als auf dem Saturn.
[Sa.01_020,04] Damit ihr euch von der weiteren Ausdehnung in allem einen kleinen Begriff machen könnt, mache Ich euch auf das aufmerksam, was Ich schon bei einer früheren Gelegenheit erwähnt habe, und zwar gleich anfangs der Eröffnungen über diesen Weltkörper, daß die Wohnungen der Saturnmenschen, für eure Füße berechnet, weit voneinander entfernt liegen. Wie es aber mit den Behausungen der Saturnbewohner steht, ebenso ist es auch mit allen andern Verhältnissen, da alles seinen vollkommen hinreichenden Platz hat; aus welchem Grunde auf diesem Weltkörper die Grenzstreitigkeiten so gut wie ganz unbekannt sind.
[Sa.01_020,05] Solches mußte hier vorangeschickt werden, damit ihr bei der noch folgenden Aufzählung der gefiederten Luftbewohner und dann der Tiere des festen Bodens nicht von einem schwindelnden Unglauben befallen werdet, so ihr die folgende Unzahl der Tiere noch werdet kennenlernen.
[Sa.01_020,06] Und somit wenden wir uns nun zu unsern Vögeln! – Ihr wißt, wie mannigfaltig diese Tiergattung schon auf eurem kleinen Planeten ist, wenn ihr dieselbe vom riesigen Strauß bis zum kleinen Kolibri zu zählen anfangt. Was aber ist diese Kleinigkeit gegen die Ausdehnung in unserem Planeten. Denn daselbst gibt es noch ums Tausendfache mehr Gattungen dieses Getiers als auf eurer Erde. Wenn ihr die Zahl der Gattungen bestimmt wissen wollt, so sage Ich euch, wenn im Saturn von jeder Gattung nur ein Männlein und ein Weiblein vorhanden wären, so gäbe das schon zweihundertundvierzig Millionen Vögel. Freilich wohl leben nicht alle Gattungen in einem und demselben Land, sondern in einem jeden Land kommen auch wieder andere Gattungen vor. So sehen diejenigen Gattungen, welche den südlichen Teil eines Landes bewohnen, denen, welche den nördlichen Teil bewohnen, durchaus nicht ähnlich, wenn sie auch einer und derselben Art sind. Zum Beispiel eine Wasserhenne, welcher Vogel auf diesem Planeten sehr berühmt ist, sieht in den südlichen Gewässern bei weitem anders aus als in den nördlichen. Und so sind alle Vogelgattungen, sowohl zahme als nicht zahme, in ihrer Gestalt und Farbe und auch in ihrer Tauglichkeit verschieden – vom Süd bis zum Nord und vom Ost bis zum West eines und desselben Landes.
[Sa.01_020,07] Da ihr aus dem bereits Gesagten sicher entnehmen könnt, daß es eine reine Unmöglichkeit für euch wäre, euer ganzes Leben hindurch nur mit der Niederschreibung der Namen dieser Tiere fertig zu werden, so wird es euch auch ersichtlich sein, daß es noch unmöglicher wäre, euch jeden einzelnen Vogel der Gattung nach zu beschreiben nach allen seinen Verrichtungen, nach seiner Form und nach seiner Bestimmung. Und so wollen wir aus dem befiederten Reich der Tiere nur einige der merkwürdigsten kurz darstellend herausheben und nehmen sogleich den ersten und größten Vogel dieses Planeten vor und werden ihn mit einigen flüchtigen Blicken beschauen.
[Sa.01_020,08] Behor oder das Luftschiff heißt unser Vogel. Ihr könnt es glauben, daß er, so er sich auf der Erde befinden würde, mehr Raum einnehmen möchte als das allergrößte Linienschiff, ohne daß er dabei nötig hätte, seine Flügel auszuspannen. Wenn dieser Vogel fliegt oder wenn er seine Flügel ausspannt, so sind nach eurem Maß die Spitzen der beiden äußersten Flügelfedern eine gute Stunde Weges voneinander entfernt. Die Kiele der Flügelfedern haben einen größeren Durchmesser als die dicksten Eichbäume auf eurer Erde. Und eine jede Feder am Flügel ist vom Kiele bis zur äußersten Spitze nicht selten bei achthundert Klafter lang. Dieser Vogel hat ebenfalls sehr lange und starke Füße, so zwar, daß wenn er auf seinen Füßen steht, dieselben für ihn fast ebenso etwas zu lang herauskommen wie bei einem Fischreiher auf eurer Erde. Warum hat denn aber dieser Vogel so unverhältnismäßig lange Beine? – Weil er ein Wasservogel ist und sich somit beständig in den Meeresgegenden aufhält, wo er sich von den Fischen nährt. Am Lande wird er niemals gesehen, sondern stets nur auf dem Wasser schwimmend oder nicht gar zu hoch über der Meeresfläche dahinfliegend, aus welchem Grunde er auch das „Fliegende Schiff“ genannt wird.
[Sa.01_020,09] Ist dieser Vogel etwa schön? – Nein, dieses Tier plagt die Schönheit nicht. Wenn ihr in eurer Phantasie euch einen Fischreiher vergrößern wollt, dann dürftet ihr so ziemlich die Gestalt unseres Fliegenden Schiffes euch vor Augen gestellt haben. Er ist durchgehend von aschgrauer und mitunter dunkelbrauner Farbe, hat einen Schnabel wie ungefähr eine Gans bei euch und so ziemlich auch einen ihr ähnlichen Kopf, nur natürlich verhältnismäßig größer. Denn einen Fisch, der in den Gewässern des Saturn so groß ist wie ein ausgewachsener Haifisch in einem eurer Meere, verschlingt dieser Vogel mit derselben Leichtigkeit wie ihr eine Erdbeere. Sonach hättet ihr die Gestalt dieses Vogels so kurz und so gut wie möglich dargestellt.
[Sa.01_020,10] Nur dürfte vielleicht hier und da einer fragen, ob dieser riesige Vogel den Saturnbewohnern etwa ein gefährlicher Gast ist? – Nein, das ist er durchaus nicht, da er von sehr furchtsamer Natur ist und jede Annäherung des Menschen, sogar die eines Kindes, flieht. Seine Größe ist mehr eine Scheingröße als eine wirkliche Kraftgröße; denn nur seine reichlichen und viele Klafter langen Federn machen ihn so groß aussehend. Wäre er dieser beraubt, so dürfte er bei weitem nicht so viel wiegen wie die schwächste Frau dieses Planeten.
[Sa.01_020,11] Somit hätten wir nun einen, und zwar den größten Vogel dieses Planeten, schon kennengelernt. – Auch dieser Vogel ist in den einzelnen Meeren sehr verschieden an Größe wie auch an Farbe und Gestalt.
[Sa.01_020,12] Nach diesem Großvogel kommt als merkwürdigster Vogel des Saturn einer unter dem Namen der Himmelsbote. Dieser Vogel hat die Gestalt und Farbe einer weißen Taube bei euch; nur ist er natürlicherweise um nahe fünfhundertmal so groß. Von diesem Vogel glauben die Saturnbewohner, daß er sich beständig in der Luft herumfliegend aufhalte, da ihn noch nie jemand irgendwo hat aufsitzen gesehen. In einer Hinsicht haben die Saturnbewohner wohl recht. Denn auf dem Lande sitzt der „Himmelsbote“ auch wirklich nirgends auf, sondern fliegt bald hoch bald nieder ganz gemächlich in der Luft umher. Aber wenn er also des Fliegens müde geworden ist, fliegt er mit großer Schnelligkeit den Meeresgegenden zu, wo er sich dann in den allerabseitigsten Winkeln der Meeresufer verbirgt und daselbst seine Nahrung sucht, welche in einer Art fetten, weißen Klippenmooses besteht.
[Sa.01_020,13] Hat er sich nach kurzer Zeit gesättigt und gestärkt, dann fliegt er wieder auf, und zwar zu einer außerordentlichen Höhe, von wo aus er wieder seine Luftpromenade landeinwärts macht. Besonders pflegt er solches gerne am Morgen vor dem Aufgang der Sonne zu tun, aus welchem Grunde er auch in manchen Gegenden den Namen der Sonnenbote führt.
[Sa.01_020,14] Dieser Vogel singt bei seinem Fluge allerlei Vogellieder, und das in viel vollkommenerer Weise als bei euch eine Nachtigall. Daher wird er auch nicht selten, besonders von den Weibern, der muntere Morgensänger genannt.
[Sa.01_020,15] Obschon dieser weiße Vogel besonders in den dem Meere näher gelegenen Länderteilen sehr häufig gesehen und gehört wird, so bleibt dennoch ein jeder Saturnbewohner gern stehen und sieht diesem Vogel so lange nach, bis er ihn der Ferne halber verloren hat. Denn die Saturnbewohner sind manchmal so erbaut vom Anblick dieses Vogels, daß sie sehr geneigt wären, ihm eine göttlich Verehrung zu erweisen, wenn das von den Geisterengeln dieses Planeten zugelassen würde.
[Sa.01_020,16] Damit solches nicht geschieht, haben diese Vögel den angeborenen Instinkt, daß sie nichts so sehr meiden wie die Blicke der Menschen. Es darf daher ein Saturnmensch einen solchen Vogel nur ins Auge fassen, so kann er auch fest darauf rechnen, daß dieser Vogel sich bald seiner Schaulust entziehen wird. Aus eben diesem Grunde bewohnt dieser Vogel auch allezeit solche Stellen, die den Blicken der Saturnmenschen unzugänglich sind.
[Sa.01_020,17] Das Beachtenswerteste dieses Vogels ist sein zuweilen außerordentlich schneller Flug, von dem ihr euch nicht mühelos einen Begriff machen könnt. Denn wenn er so recht im Zuge ist, da ist es ihm ein leichtes, in einer Stunde tausend eurer Erdmeilen zurückzulegen. – Wenn dieser Vogel bei der Nacht fliegt, ist er durchaus weißglänzend zu sehen, so zwar, daß er in seinem Schnellfluge fast dieselbe Erscheinung darbietet, wie bei euch auf der Erde ein sogenannter fliegender Drache. Über das Land fliegt er besonders gerne bei Nachtzeit, wo es dann für die Bewohner des Saturn ein Hauptschauspiel gibt. Ja manche Saturnmenschen sind so eingenommen für diese Lichterscheinungen, daß sie sich an jenen Orten, wo dieser Vogel häufig zu Hause ist, auf irgendeinem baumfreien Hügel mit dem Rücken niederlegen, um sich nur desto ungehinderter am Fluge solcher Vögel so recht sattgaffen zu können.
[Sa.01_020,18] Noch eine Merkwürdigkeit dieses Vogels besteht darin, daß, wenn zwei, drei oder mehrere Vögel in gerader Linie ihren Schnellflug ausführen, durch die schnelle Durchschneidung der Saturnluft ein ziemlich reiner Ton erzeugt wird. Wenn dann mehrere Vögel dieser Art nach einer und derselben Richtung hinschießen, bildet fast ein jeder Vogel einen anderen Ton. Und diese Töne bilden zusammen dann nicht selten (nach eurer Kunstsprache) einen Akkord, welcher vom pianissimo bis zum fortissimo und von da wieder ins pianissimo verschwindet, wie ein angeschlagener Ton oder Akkord auf einem Klavier.
[Sa.01_020,19] Sehet, so hat dieser Vogel für die Saturnbewohner außerordentlich viel Anziehendes, da sie große Freunde des Gesanges und ganz besonders von harmonischen Tönen sind, aber dessenungeachtet sind sie eben nicht zu sehr musikalisch. Sie haben auch nur höchst elende und dürftige Musik-Instrumente, aber desto reinere Kehlen zum Gesang, wobei dann die Weiber gewöhnlich die Melodien, die Männer aber nur Akkorde dazu singen. Die Sänger können sich mit einem glücklich erfundenen Akkord oft tagelang unterhalten. Denn sie haben nach einer Unterbrechung manchmal sehr viel Mühe, wieder einen guten Akkord zu finden. – Doch was dergleichen fernere saturnmenschliche Verhältnisse betrifft, wird alles am rechten Ort zudem noch deutlicher dargeboten werden. Da wir somit von unserem Himmelsboten, Sonnenvogel und Morgensänger nichts Erhebliches mehr berichten können, so wollen wir uns wieder zu einem anderen gefiederten Luftbewohner wenden.
21. Kapitel – Die „Sänger über den Flüssen und Seen” Meister des Fugensatzes. Die nördlichen Luftsänger. – Über die wirksamste Musik.
[Sa.01_021,01] Sänger über den Flüssen und Seen heißt die Gattung der Vögel, die wir jetzt näher betrachten wollen. – Es ist dieser Vögel schon einmal Erwähnung geschehen, ihres reizenden Gesanges wegen. Dessenungeachtet wollen wir ihnen hier noch eine kleine Aufmerksamkeit widmen und vorerst sehen, welche Gestalt ihnen eigen ist. Diese Vögel sehen so ziemlich euren Schwänen ähnlich; nur sind sie gut ums Zwanzig- bis Dreißigfache größer als diese und ist im Verhältnis ihr Hals nicht so lang, aber dafür viel dicker. Und was den Kopf betrifft, so ist dieser ebenfalls im Verhältnis größer als bei euren Schwänen.
[Sa.01_021,02] Diese Vögel haben einen recht biegsamen Kehlkopf, mit welchem eine sehr bewegliche Zunge in Verbindung steht, und haben auch im Verhältnis zu ihrem übrigen Körpermaß eine große, sehr elastische und viel Luft fassende Lunge. Sie sind die eigentlichen Musiker auf diesem Planeten und sind in musikalischer Hinsicht Variationskünstler. Denn ein solcher Vogel hat das Eigentümliche, daß er sich in seiner Gesangsweise nie wiederholt. Und so er jahrelang singt, kommt dennoch nie wieder irgendeine schon gesungene Melodie zum Vorschein.
[Sa.01_021,03] Das aber ist nicht das eigentlich Überraschende der Tonkunst dieser Wassersänger; sondern daß, wenn mehrere Vögel, was gewöhnlich zu geschehen pflegt, in Gesellschaft ihre Lieder singen, nie ein disharmonischer Akkord zum Vorschein kommt. Denn wenn da ein Vogel zu singen anfängt, so singt auch alsbald ein zweiter, dritter und vierter usw. mit, jedoch niemals eine und dieselbe Melodie. Es wird aber dennoch ein jeder Vogel durch sein sehr zartes Gefühl von dem Gesang eines andern Kameraden so gehalten, daß er seine ganz eigentümliche Melodie stets also führt, daß sie mit der seines Vorsängers niemals in einen unharmonischen Kontrast gerät. Solches ist auch der Fall, wenn dreißig oder noch mehr solcher Vögel beteiligt sind.
[Sa.01_021,04] Wer ein Freund des strengsten und gelungensten sogenannten Fugensatzes ist, dessen Ohren hätten da jahraus jahrein keine Rast. Denn nicht allein daß hier stets neue Ideen sich begegnen, sondern diese Ideen werden da also moduliert und wechseln die Grundtonarten so überraschend, daß sich davon der größte Tondichter auf der Erde nicht den leisesten Begriff machen kann. Denkt euch noch dazu die allerreinsten Stimmen, gegen die der Ton eines der besten Sänger auf eurem Erdkörper ein barstes Gekreisch ist, so könnt ihr euch schon eine kleine Vorstellung machen, welchen fröhlichen Genuß dies für einen Saturnbewohner abgibt, der schon von seiner Geburt aus ein so großer Tonfreund ist. Ich sage euch, wenn es euch möglich wäre, nur drei Töne aus der Kehle eines solchen Wassersängers aus dem Saturn zu hören, alle eure Musik auf der Erde würde euch bald für alle Zeiten unerträglich werden.
[Sa.01_021,05] Diese Wassersänger aber sind auch zugleich Schuld daran, daß die Saturnbewohner, obschon sie so große Freunde der Musik sind, sich dennoch äußerst wenig auf dieselbe verlegen. Sie sagen: „Unsere Kehlen sind gegen diese Sänger nur aus plumpem Holze. Und die Töne, die wir jemals erfinden, sind dagegen nicht anzuhören. Solange uns der große Geist der Geister diese Sänger läßt, haben wir der herrlichsten Musik in großer Fülle“. – Und so wird auch besonders von jenen Saturnbewohnern, die an den Ufern solcher Seen leben, die Musik gar nicht betrieben, wohl aber von denjenigen, welche entfernter von solchen Gewässern leben, darunter zumeist die Gebirgsbewohner.
[Sa.01_021,06] Können diese Vögel nicht gefangen und zahm gemacht werden? O ja, das können sie recht wohl; aber wenn ein solcher Vogel gefangen ist, dann singt er nicht mehr, und wenn da auch eine ganze Gesellschaft beisammen wäre. Sobald er aber wieder freigegeben wird und auf dem Wasserspiegel herumschwimmt, da ist auch der Virtuose schon wieder bei seiner Kunst.
[Sa.01_021,07] Seht, das sind demnach diese singenden Vögel, deren schon früher einmal erwähnt wurde. – Es dürfte auch hier mit der Zeit sich die Frage aufwerfen, ob diese Sänger in allen den vielen und großen Ländern dieses Planeten zu Hause sind und wo sie sich in einem Lande vornehmlich aufhalten, ob mehr im südlichen, nördlichen, östlichen oder westlichen Teile? – Da sage Ich euch, daß diese Vogelgattung in den meisten großen Festländern dieses Planeten zu Hause ist. Aber in den Ländern selbst hält sie sich dennoch zumeist in den südlichen Regionen auf.
[Sa.01_021,08] Die nördlichen Teile sind nur sehr dürftig damit versehen, dafür besitzen sie aber dann eine andere Vogelgattung, die ihnen diese allerausgezeichnetste Sängergesellschaft entbehrlich macht. Jedoch sind diese nördlichen Luftsänger keine Melodiensänger, sondern da singen mehrere so zusammen, wie ein Wind durch die Saiten einer Harfe, Töne herauslockend, bläst. Hier kommt's freilich nur selten vor, daß diese viel schwächeren Tonkünstler auf einen wohlklingenden Akkord treffen. Aber für den Saturnbewohner, der nie Gelegenheit hatte, die besseren Sänger zu hören, ist das dennoch etwas sehr Erhebendes. Wenn diese Vögel auch nicht so wohlkonditionierte Wundersänger sind, so sind sie aber anderseits desto heimischer. Und was ihre Gestalt betrifft, da sind sie die bei weitem allerschönste und herrlichste Vogelgattung dieses Planeten. Was aber diese betrifft, davon wollen wir in der nächsten Mitteilung etwas Näheres kennenlernen. Und somit sei für heute mit unseren berühmten Sängern die Mitteilung beschlossen!
[Sa.01_021,09] Wie sehen denn diese nördlichen Luftsänger aus? – Hier wird es ein wenig schwer halten, eine gelungene Beschreibung zu geben, da auf der Erde überhaupt kein ähnlicher Vogel anzutreffen ist. Dessenungeachtet wollen wir ihn dennoch so darstellen, daß ihr euch zum wenigsten einen kleinen Begriff machen könnt, wie derselbe gestaltet ist. Und so höret denn:
[Sa.01_021,10] Dieser Vogel ist so groß wie ein wohlausgewachsener Ochse bei euch. Auf dem Leibe hat er durchweg grünlichgoldne Federn, welche mehr wollig als glatt sind. Die kleineren Federn am oberen Flügelrand, vom Leibe angefangen bis zum Ende des Flügels, sehen aus wie poliertes Gold, über welche man eine hochrote Karminfarbe aufgetragen hätte. Die Schwungfedern der Flügel selbst sind hellblau; die Ränder derselben aber sehen aus wie mattes Gold. Die Kiele der Federn sind blendendweiß und schillern in verschiedenen Farben wie eine Goldperlmuschel bei euch. Der Schweif besteht aus sehr langen Federn, die in zwei Teile abgeteilt sind, wie ungefähr bei einer Schwalbe; nur sind diese Federn nicht mit steifen, sondern mit weichen, langen und fliehenden Flaumen bekleidet. Diese fliehenden Flaume haben ungefähr die Farben wie die Flaume an der Schweiffeder eines Pfaues. An den äußersten Rändern oder Spitzen hängt ein richtiger Mähnenbusch von solchen fliehenden Flaumen, welcher manchesmal bei drei Ellen lang von den Federn herabhängt, aber bei allem so leicht ist, daß sein ganzes Gewicht nach eurer Waage berechnet kaum ein halbes Quintel wiegen dürfte. Diese Flaum-Mähnen sind mit allen Farben so gefärbt, daß sie bei jeder Wendung in eine andere Farbe spielen.
[Sa.01_021,11] Die Füße dieses Vogels sind vollkommen weiß und wohl gebildet, das heißt, nicht etwa nach der Art der Füße eurer Vögel. Der Unterschied besteht darin, daß die Füße eurer Vögel gewöhnlich nackt und höchst mager sind, während die Füße der Vögel im Saturn viel fleischiger und bis zur Kralle noch bekleidet sind mit dem schönsten Gefieder, welches genau so aussieht wie das Gefieder des Bauches, nur gewöhnlich etwas heller in der Farbe. Die sogenannten Vogelkrallen oder, verständlicher gesprochen, die Finger oder Zehen am Fuße, sind bei den Vögeln des Saturn zumeist gestaltet wie auf der Erde die Pfoten eines wohlgebildeten Affen. Bei diesem unserem Vogel aber haben sie die Gestalt einer richtigen Menschenhand, nur daß da auch die Finger bis an die Spitznägel mit schönen leichten Federchen versehen sind.
[Sa.01_021,12] Also sähe dieser Vogel dem Leibe nach aus bis zum Kopfe. Allein der Kopf ist zugleich auch das Merkwürdigste an diesem Vogel. Warum denn? Seht, dieser Vogel hat im Ernst zwei Köpfe, aber nicht etwa so, wie ihr euch einen Adler mit zwei Köpfen vorstellt, sondern diese zwei Köpfe stehen übereinander, ungefähr wie wenn irgendein Frauenzimmer vom Scheitel ihres Hauptes aufsteigend noch einen Aufsatz von einem Schwanenhalse hätte samt dessen Kopfe.
[Sa.01_021,13] Der untere Kopf ist ziemlich rund und hat der Länge nach von unten nach oben einen Durchmesser von nahe zwei Fuß eures Maßes, der Breite nach aber anderthalb Fuß. Dieser Kopf hat ein richtiges weibliches Menschengesicht, nahezu wie bei euch auf der Erde die etwas seltenen sogenannten Meerjungfern, und ist mit den reichsten, ins Dunkelblaue übergehenden langen Haaren versehen. Über den Haaren befindet sich dann noch ein drei Ellen langer Hals mit einem euren Schwänen nicht unähnlichen zweiten Kopfe, welcher diesem Vogel dieselben Dienste tut, wie der Rüssel einem Elefanten.
[Sa.01_021,14] Durch diesen zweiten Kopf nimmt dieser Vogel keine Nahrung und kann er auch keine nehmen, da dessen Hals mit keinem Schlund versehen ist. Dessenungeachtet hat auch dieser Kopf seine zwei Augen, und da er sehr beweglich ist, kann sich dieser Vogel mit den Augen dieses oberen Kopfes überall umschauen, wohin er mit den Augen des untern Kopfes nicht hingelangen kann. Mit den Augen des untern Kopfes, welche sehr scharf sind, kann er aber wieder über weiteste Entfernungen alles sehr genau ausnehmen. Das Gesicht des untern Kopfes ist aber nicht etwa nackt, sondern ebenfalls mit sehr kleinen, blaßroten Federchen besetzt; nur die Lippen sind frei, ebenso die Mündungen der etwas plattgedrückten Nase. Alles andere aber ist befiedert. Die Augen des untern Kopfes sind groß und hellblau, und die Stirne geht gegen den oberen Hals ins Blendendweiße über. Der Hals des oberen Kopfes aber ist hellviolett und der Kopf ganz feuerrot. Der Schnabel ist bläulichweiß und sehr fest zum Halten ergriffener Gegenstände.
[Sa.01_021,15] Wie nimmt dieser Vogel eigentlich seine Nahrung zu sich? Und wie trinkt er? – Dieses geschieht auf eine sehr einfache Art. Er löst mit dem oberen Kopf die Früchte vom Baume ab und hält sie vor den Mund des untern Kopfes, welcher dann natürlicherweise mit seinen scharfen Zähnen, gleich den Affen bei euch, sehr hurtig und munter hineinbeißt und dieselben auch bald verzehrt. Will nun der Vogel trinken, so bedient er sich des oberen Kopfes statt eines Trinkglases. Er schöpft nämlich in den ziemlich großen hohlen Raum des oberen Kopfes das Wasser, führt es dann an den untern Mund und trinkt das Wasser aus dem oberen Kopfe heraus.
[Sa.01_021,16] Das ist also unser zweiter, freilich wohl etwas unvollkommener Sänger, indem er nur einen Ton singen kann. Aber dieser Ton ist dennoch so schön und wohlklingend, daß er auf eure Ohren noch immer eindrucksvoller wirken dürfte als ein vollkommenes irdisches Konzert.
[Sa.01_021,17] Denn ihr könnt es sicher glauben, daß selbst die Musik der Himmel, wenn sie am reizendsten ist, nicht in einem Konflikt von vielen Tönen besteht, sondern in einem ganz einfachen Ton. Diese Musik ist die ergreifendste und die wirksamste. Denn prüfet es nur bei euch, was euch im Grunde lieber ist: ein allerschönster Ton eines Sängers oder einer Sängerin – oder ein greller Instrumentalakkord? Wenn aber jemand eine überaus reine und höchst wohlklingende Stimme hat, ist's da nicht schade um jeden Ton, der verdeckt wird durch die anderen überlagernden Töne? Es liegt also nicht in der Vielheit der Töne, sondern in der Qualität des einzelnen Tones die ergreifende Wirkung der Musik. Denn ein vollkommener Ton ist ja in sich selbst schon die allerreinste Harmonie, da er nicht einzeln für sich zur vernehmbaren Erscheinung gelangt; sondern, wenn er als Grundton auftritt, sind in ihm schon die ihm entsprechenden und von ihm abgeleiteten Töne in gerechtem Klangverhältnis da, wie ungefähr bei einer reinen Glocke.
[Sa.01_021,18] Also müßt ihr euch auch den Ton dieses unseres nun bekannten Sängers im Saturn vorstellen; aber nur in einer ziemlich tiefen Oktave, so wie z.B. das g, a und h in der großen Oktave bei euch. So könnt ihr euch eine ungefähre Vorstellung vom Gesang dieses Vogels machen. Wenn er singt, so fängt er höchst pianissimo an, steigert dann den Ton, ohne nur im geringsten höher oder tiefer zu werden, bis zu einer solchen Stärke, als wäret ihr mit euren Ohren knapp an einer Glocke, wenn sie geläutet wird. In dieser Kraft hält er den Ton einige Sekunden lang. Dann läßt er ihn wieder schwächer und schwächer werden bis zum gänzlichen Verschwinden. Wenn dann zwei, drei oder vier solcher Vögel beisammen sind, und haben, wie ihr zu sagen pflegt, zufällig gutgestimmte Kehlen, so gibt das einen überraschend wundervoll klingenden Akkord, welcher die Saturnbewohner allezeit ergötzt.
[Sa.01_021,19] Freilich bleibt es dann nur immer bei einem und demselben Akkord und steht diese Art Musik auch bei weitem der unserer bekannten Hauptsänger nach; aber dennoch verfehlt diese einfache Musik nie ihren Zweck. Es möchten zwei Saturnbewohner noch so erbittert gegeneinander rücken, was auf diesem Planeten hier und da der Fall ist, so braucht's dann nichts mehr als eines solchen einfachen Gesanges und die zwei Feinde werden im Augenblick zu den innigsten Freunden. Aus diesem Grunde werden auch diese Vögel sehr häufig „Ruhestifter“ genannt.
[Sa.01_021,20] Sie lassen sich auch zähmen und vertreten dann die Stelle eurer Pfauen und werden als Ziervögel angesehen. Die gezähmten haben einen stärkeren, aber dafür gewöhnlich etwas rauheren Ton in ihrer Kehle, während die ungezähmten höchst reine Töne von sich hören lassen. Die gezähmten werden manchesmal auch als Seltenheit in die südlichen Gegenden gebracht. Dort verlieren sie aber bald ihre Stimme, zufolge anderer Kost, werden traurig und krank und gehen dann gewöhnlich bald zugrunde, weshalb die nördlichen Bewohner, welche diesen Vögeln sehr zugetan sind, nicht leicht zu bewegen sind, einen oder den andern Vogel dorthin zu geben.
[Sa.01_021,21] Was die Geburt dieser Vögel betrifft, so bringt das Weibchen lebendige Junge zur Welt und säugt sie mit einer sehr vollen Brust unter dem Halse des untern Kopfes, fast wie bei einem Weibe; nur ist die Brust nicht nackt, sondern mit leichten Federchen bekleidet.
[Sa.01_021,22] Jetzt kennt ihr alles von diesem Vogel. Nach ihm wollen wir nun noch einiges Hausgeflügel betrachten und uns dann sogleich zu den Landtieren und danach zum Menschen selbst wenden.
22. Kapitel – Die Haushenne, die Goldene Kugel und die Riesengans. Beschaffenheit und Nutzen dieser Hausvögel.
[Sa.01_022,01] Wie bei euch auf der Erde, so spielt auch auf diesem Planeten die Haushenne die vorzüglichste Rolle der Hausvögel. Nur sieht diese Henne im Saturn bei weitem anders aus als die bei euch. Es gibt ja aber schon auf eurer Erde in den verschiedenen Ländern und Weltgegenden auch verschiedene Arten und Gattungen dieses Geflügels. Solches ist auch im Saturn der Fall. Doch es gibt dort dennoch einen Vogel, der als die fast überall gleichartig vorkommende Henne bekannt ist.
[Sa.01_022,02] Wie seht denn diese Henne aus? – Sie ist wenigstens um hundert Mal größer als die auf eurer Erde. Dann ist eine jede Henne gleichfarbig. Die Flügel sind hochblau; der Rücken ganz weiß; der Schweif geht ins hochrote über; der Bauch der Henne ist gefärbt wie eine Muschel, welche euch unter dem Namen „Perlmutter“ bekannt ist; die Füße sind lichtrot; der Hals, vom Kopf angefangen, ist lichtgrün bis in die Gegend der Füße, welche bei dieser Henne nahe an dem Kopfe sich befinden, so daß der bei weitem größere Teil des Leibes sich hinter den Füßen erstreckt.
[Sa.01_022,03] Wie sieht er denn bezüglich der Form aus? – Hier wird es wieder ein wenig schwer halten, euch ein richtges Bild zu geben, da auf der Erdoberfläche fast kein Vogel existiert, der dieser Henne im Saturn gliche. – Sonach müssen wir uns schon mehr ins Sonderheitliche einlassen. Kennt ihr dann solches, so wird es euch nicht zu schwer werden, den ganzen Vogel euch vorzustellen.
[Sa.01_022,04] Der Kopf ist sehr groß, im Verhältnis noch größer als der einer großen Nachteule bei euch zu ihrem sonstigen Leibe. Zu beiden Seiten des Kopfes stehen zwei weiße Ohren in der Gestalt, wie sie ein Elefant bei euch auf der Erde hat, aber nicht so herabhängend. Vor den Ohren sind zwei verhältnismäßig große und sehr scharfe Augen, welche durch einen dunkelgrünen Federkamm geschieden sind. Ein wenig unter den Augen sitzt ein starker, etwas stumpfer, grauer Schnabel, auf welchen zwischen den Nasenlöchern, wie bei euch bei den indianischen Hühnern, eine Art Rüssel herabhängt, welcher jedoch von diesem Vogel mehr in eigenwilliger Gewalt gehalten wird als der bei den indianischen Hühnern. Seine Farbe ist blutrot. Dieser also gestaltete Kopf ist mittelst eines ziemlich langen, aber verhältnismäßig dicken Halses mit dem übrigen Leibe verbunden.
[Sa.01_022,05] Der Leib der Henne aber hat an und für sich ohne die Flügel und Füße eine vollkommen eiförmige Gestalt. Die Flügel sind verhältnismäßig kurz und haben statt der festen Schwungfedern nur lange und mit weichen Flaumen versehene Stiele. Derjenige Teil der Flügel aber, welcher dem Kopfe zugewendet ist, oder wenn ihr es leichter versteht, der obere Flügelrand, ist durchweg mit solchen Federn besetzt, wie sie auf der Erde die Strauße haben.
[Sa.01_022,06] Vermöge dieser etwas stiefmütterlichen Behandlung der Flügel sind diese Vögel auch nicht geschickt zu einem Fluge. Da sie aber sehr lange und feste Beine haben, können sie am Boden so schnell laufen, daß sie allein mit natürlicher Laufkraft von den Saturnbewohnern nicht leichtlich eingeholt werden können. Wenn daher die Saturnbewohner sich eine solche Henne fangen wollen, tun sie dieses allzeit durch die Kraft ihres festen Willens, wovon zu seiner Zeit schon noch mehr erzählt werden wird. Der Schweif dieses Vogels ist ein Radschweif, aber nicht etwa auf die Art wie bei den indianischen Hühnern, sondern so wie bei den Pfauen; nur ist er im Verhältnis größer und viel dichter.
[Sa.01_022,07] Nun setzt euch den Vogel zusammen, wie euch dessen Einzelteile gezeigt worden sind, so könnt ihr euch einen ziemlich guten Begriff von seinem Aussehen machen. Nur müßt ihr den angegebenen Federfarben einen schönen metallischen Glanz hinzufügen, dann habt ihr das richtige Bild vor euch.
[Sa.01_022,08] Das Männchen unterscheidet sich nur durch die Größe von dem Weibchen und durch seinen oft lästig gellenden Gesang, während die Henne nur kurz abgebrochene Töne von sich stößt, welche eben auch nichts Angenehmes an sich haben – darum auch bei den Saturnbewohnern, wenn sie einen recht schlechten Gesang bezeichnen wollen, ein allgemeines Sprichwort lautet: „Höre auf mit Singen, denn deine Stimme ist schlechter als die einer Henne!“
[Sa.01_022,09] Welchen Nutzen gewährt aber den Saturnbewohnern dieses Tier? – Fast denselben, welchen euch eure Haushühner gewähren. Diese Hühner legen nämlich sehr viele und sehr große Eier, welche von den Saturnbewohnern sogleich, also roh, ausgetrunken werden, weil sie so auch am allerbesten schmecken; denn die Substanz dieser Eier schmeckt so süß wie bei euch eine recht gute Kuhmilch und ist auch viel schmackhafter als die Milch der großen Hauskühe im Saturn. Die Schale des Eies, da sie sehr fest ist, wird beim schmäleren Teil glatt abgenommen und sodann als besseres Trinkgefäß gebraucht, gewöhnlich für edle Säfte, von denen der Saturnbewohner nur, wie er zu sagen pflegt, tropfenweise Kost nimmt, obschon ein so ausgehöhltes Ei ganz gut fünf Eimer nach eurem Maße faßt.
[Sa.01_022,10] Für dieses Hausgeflügel bauen die Saturnbewohner gewöhnlich einen lebendigen Stall, das heißt sie pflanzen für sie den euch schon bekannten Wandbaum an und machen dadurch einen länglichrunden Garten, der nicht selten eine halbe Quadratmeile Raum faßt. In diesem ziemlich großen Stall werden dann allerlei Grasarten und andere Pflanzen angesät und mitunter auch einige euch schon bekannte Regenbäume gesetzt. Darin halten sich bei einem vermögenderen Saturnbewohner manchmal einige tausend solcher Vögel auf, welche dann auch einen bedeutenden Reichtum des sie besitzenden Saturnbewohners ausmachen. Da aber diese Vögel nur unter sich verträglich sind und keinen fremden Gast in ihrer Nähe dulden, so ist ein solcher Stall gewöhnlich allein für diese Vogelgattung errichtet. Dieser Stall wird aber stets ziemlich entfernt von der Hauptwohnung der Menschen erbaut. Warum, könnt ihr euch leicht vorstellen, so ihr euch an den eben nicht sehr angenehmen Gesang dieses Vogels erinnert.
[Sa.01_022,11] Es gibt neben diesem Vogel noch mehrere Gattungen anderer Hausvögel, welche weniger nützlich sind als dieser. Denn von diesem wird alles gar wohl und nützlich verwendet auch sein Fleisch wird gegessen, und aus seinen Federn werden, so wie bei euch, nicht selten weiche Lager bereitet. – Von den anderen Hausvögeln dagegen wird sehr wenig gebraucht; daher sie auch mehr der Unterhaltung und der Zierde wegen gehalten werden. Mancher wohlhabende Saturnbewohner hat nicht selten alle möglichen Gattungen solcher zahmer Vögel bei seiner Haushaltung. Mancher beschränkt sich aber nur allein auf die Haushühner. – Von den übrigen zahmen Vögeln wollen wir aber nur noch ein paar flüchtig betrachten.
[Sa.01_022,12] Einer, die sogenannte Goldene Kugel, wird von den Saturnbewohnern wegen des großen Glanzes seiner Federn als eine Hauptpracht ihres Geflügels gerne gehalten. Dieser Vogel sieht geradeso aus, als wenn ihr eine Kugel nehmen würdet, welche wenigstens zwölf Klafter im Durchmesser hat. Unter dieser Kugel aber denkt euch zwei starke Säulenfüße, mit strahlenartig ausgehenden Zehen versehen. Diese Darstellung beschreibt schon die ganze Form dieses Vogels (es versteht sich von selbst, wenn er seine Flügel geschlossen hat).
[Sa.01_022,13] Er hat beinahe gar keinen Kopf, sondern auf der vorderen Seite nur einen breiten, aber sehr kurzen Schnabel, welcher nach eurem Maß kaum eine halbe Elle lang, aber wohl bei vier Ellen breit und dunkelrot ist. Über dem Schnabel hat er zwei ovale Augen, wovon ein jedes über eine Klafter lang und dreiviertel Klafter breit ist. Die Farbe des Gefieders dieses Vogels ist ganz vollkommen goldgelb, die Füße aber gehen anfangs ins Grüne und verlieren sich endlich ins Rote. Das ganze Gefieder des Leibes wie auch der Flügel ist vollkommen gleich groß und ganz flach, ohne weichen Nebenflaum, und glänzt wie eine allerfeinst polierte Goldfläche. Am Tage sind diese Vögel für den Saturnbewohner oft kaum anzuschauen und nehmen sich da aus, als wenn ihr eine Menge vergoldeter Turmknöpfe auf eurer Erde herumwandeln sähet.
[Sa.01_022,14] Von diesem Vogel wird, wenn er stirbt, nichts benutzt als seine Haut, welche ihm die Saturnbewohner ganz geschickt abziehen können. – Diese Häute samt den Federn dienen bei feierlichen Gelegenheiten den Weibern als Schulterschmuck, welcher sich auf ihren vollen und runden Armen sehr gut und reich ausnimmt. Die Eier dieses Vogels werden aufbewahrt für die Nachbrut, bei welcher Gelegenheit aber gewöhnlich unter zwanzig Eiern kaum eines eine lebendige Frucht gibt.
[Sa.01_022,15] Das ist das Wesentliche von diesem beliebten Prachtvogel in der Haushaltung der Saturnbewohner. Dann aber haben sie noch einen Vogel, der ziemlich häufig angetroffen wird. Dieser kommt dem Leibe nach, was die Form betrifft, einer Riesengans gleich. Das ist aber eben seine Auszeichnung nicht, sondern diese besteht in seinem ungewöhnlich langen Halse, welcher vom Leib aus nicht selten eine Länge von dreißig oder vierzig Klaftern hat. – Die sonstige Leibfarbe ist bläulichgrau; die Füße aber sind, was auf diesem Planeten zu einer großen Seltenheit gehört, ganz kohlschwarz. Die Farbe des Halses ist zinnoberrot, aber dabei nicht matt, sondern sehr stark metallisch glänzend. Der Kopf ist ebenfalls dem Kopf einer Gans bei euch ähnlich, nur natürlich im Verhältnis zur übrigen Größe des Vogels, dessen Leib ungefähr die dreimalige Größe eines Elefanten hat. Der Schweif dieses Vogels gleicht durchaus keinem Vogelschweif, sondern vom Hinterteil seines Leibes hängt eine Art Pferdeschweif, dessen Haare nicht selten bei fünf Klafter lang sind. Was die Füße betrifft, so sind diese ebenfalls im Verhältnis mehr lang als kurz und sind, wie ihr zu sagen pfleget, baumstark.
[Sa.01_022,16] Das ist nun die ganze Eigenart dieses Vogels. – Warum wird er denn gehalten? – Wie schon früher erwähnt wurde, gewöhnlich nur aus Prachtliebe. Sonst hat dieser Vogel gar nichts, was der Saturnbewohner gebrauchen möchte. Hie und da werden wohl die Haare des Schweifes gesammelt und werden daraus Schnüre und Stricke geflochten, welche aber eben nicht gar zu fest sind. Das übrige Gefieder wird nicht benutzt.
[Sa.01_022,17] Dieser Vogel wird jedoch nur von den Bewohnern gehalten, welche an den Seen oder Flüssen wohnen; denn er ist ein Wasservogel und nährt sich zumeist vom Gewürme der Gewässer, darum er auch einen so langen Hals hat, mit welchem er sehr leicht bis zum Boden reicht, da seine ihm zusagende Nahrung sucht und sie auch alsbald verzehrt. Das Männchen zeichnet sich nur durch eine reichhaltigere Schweifmähne vor dem Weibchen aus.
[Sa.01_022,18] Dieser Vogel legt seine Eier ins Wasser und läßt sie dann eine Zeitlang umherschwimmen, bis ihm sein Instinkt sagt, daß sie vollkommen abgekühlt sind. Dann breitet er seine Flügel über ein oder mehrere gelegte Eier aus und rudert mit denselben einer ruhigen Wasserstelle zu, bei welcher Gelegenheit sie dann unter seiner Beobachtung bald und sicher von selbst ausgebrütet werden.
[Sa.01_022,19] Wenn dieser Vogel seine Eier bewacht, dann ist es nicht ratsam, sich einer solchen Stelle zu nähern; denn da schwingt er alsbald seinen langen Hals pfeilschnell gegen einen solchen Frevler und versetzt ihm mit seinem festen Schnabel einen so derben Hieb, daß sich jeder für allezeit den Appetit vergehen läßt, diesen Wasservogel noch einmal bei seinem allerwichtigsten Geschäft zu stören.
[Sa.01_022,20] Das ist nun das Wichtigste und Denkwürdigste aus dem Geschlecht der gefiederten Bewohner dieses Planeten! – Daß aber alle diese jetzt vorgeführten Gattungen und noch tausend andere in den verschiedenen Ländern und Saturnweltteilen auch in der mannigfaltigsten Abartung vorhanden sind, könnt ihr euch sehr leicht vorstellen. – Und so wollen wir uns zu den Landtieren wilder und zahmer Art wenden.
23. Kapitel – Die wichtigsten Landtiere. – Deren größtes, das Mud. Lehren der Weisen über das Mud. Sein Schöpfungszweck.
[Sa.01_023,01] Auch bei den Landtieren wollen wir ihrer gattungsmäßigen und artenmäßigen Vielheit wegen nur diejenigen betrachten, welche besonders bemerkenswert sind und nirgend anders als nur auf diesem Planeten vorkommen.
[Sa.01_023,02] Das größte lebende Landtier dieses Planeten heißt Mud. Es findet sich jedoch nur in wenigen Saturnweltteilen vor, und da nicht häufig, so daß zusammengenommen auf dem ganzen großen Planeten kaum zehntausend solcher Tiere vorhanden sein dürften. Die Länder, wo dieses Tier zu Hause ist, sind sehr wenig bevölkert. Denn wegen der Größe und starken Gefräßigkeit des Mud haben nicht viele andere Wesen neben demselben Platz. Und um mit diesem Riesentier zu kämpfen – dazu besitzt kein Saturnbewohner den Mut. Daher überlassen sie das Land, welches von solchen Tieren bewohnt wird, auch ohne weiteres Bedenken denselben ganz und nennen es ein unbewohnbares „Mudland“. Auf den Hauptkontinenten kommt es zwar nicht vor; aber es gibt sowohl südlich wie nördlich von diesen Hauptkontinentländern noch andere große Eilande, und diese Länder sind zumeist allerlei Gattungen solcher und anderer Tiere überlassen. Jedoch keines wird von den Saturnbewohnern so sorgfältig gemieden wie eben ein solches „Mudland“.
[Sa.01_023,03] Wie sieht denn dieses Tier aus? – Gibt es etwas ähnliches auf dieser Erde? – Ja, es gibt auch hier ein ähnliches Tier; jedoch auf der Erde spielt dieses Tier eine sehr untergeordnete Rolle, während es auf diesem Planeten den ersten und fürchterlichsten Rang in jeder Hinsicht einnimmt, sowohl was seine Riesengröße wie auch seine Wildheit und Gefräßigkeit betrifft.
[Sa.01_023,04] Welchem Tier auf eurer Erde sieht denn dieses große Tier ähnlich? – Einem euch sehr wohlbekannten, nämlich einem Schwein. Aber was die Größe betrifft, so wäre euer Erdschwein kaum groß genug, um auf dieses Saturnschweines Leib ein Schmarotzertier zu machen. Ja selbst die großen Saturnmenschen kommen sich beim Anblick dieses Riesentieres wie kleinwinzige Zwerglein vor. Ich sage euch, wenn das Mud auf der Erde hinter einer hohen Alpe stünde, zum Beispiel hinter der euch schon bekannten Choralpe, so müßtet ihr eure Blicke noch ziemlich aufwärts richten, um den Scheitel des Rückens dieses Tieres zu erschauen.
[Sa.01_023,05] Dieses für eure Begriffe ungeheuer große Tier ist ebenso gefräßig wie euer kleines Schwein und hält durchaus nichts auf Leckereien, sondern was ihm zunächst unterkommt, sei es Gras oder auch so manche Bäume oder Tiere anderer Art oder auch Menschen wie auch Wassertiere, verzehrt es alsogleich mit demselben Appetit.
[Sa.01_023,06] Weil aber dieses Tier mit seiner Größe auch eine verhältnismäßige Kraft besitzt, so ist vergeblich, sich mit demselben in irgendeinen Kampf einzulassen. Es haben schon wirklich einmal einige kühne Saturnbewohner einen Versuch gemacht, mittels sehr langer, scharfer Spitzen, die sie auf über hundert Klafter langen Stangen befestigt hatten, eines oder das andere solcher Tiere zu bemeistern und strengten dabei ihre volle Willenskraft an. Allein sie sind ganz übel zugerichtet worden. Das Mud war zwar an manchen Stellen verwundet, da aber diese Verwundungen ihm nicht das Leben nehmen konnte, so wurde es durch den Schmerz der Wunden wild und wütend und stürzte alsbald in einen sehr breiten Fluß, um daselbst seine Wunden zu kühlen. Als sein Schmerz dort etwas gelindert war, stand das Tier in dem Flusse wieder auf, schöpfte in seinen weiten Rachen eine übergroße Menge Wassers und mitunter auch riesig große Steine aus dem Grunde des Flusses und überspie mit diesem Inhalt seines großen Rachens seine schon siegesfrohen Verfolger so, daß diese übel zugerichtet wurden und nur wenige wieder in ihre Heimat zurückgelangen konnten. Einige Getötete aber wurden von dem Tier, welches dann bald wieder ans Land stieg, mit wenigen Bissen aufgezehrt.
[Sa.01_023,07] Damit ihr euch aber einen kleinen Begriff machen könnt, wieviel ein solcher Rachen faßt, so sage Ich euch: Wenn es daselbst Nüsse gäbe, die noch etwas größer wären als euer Schloßberg, so wäre eine solche Nuß eben für einen Zahn dieses Tieres nicht zu groß, um mit derselben mit einem Druck fertig zu werden. Wenn das Mud demnach einen vollen Rachen Wasser und Steine nimmt und speite den Inhalt auf der Erde in eures Vaterlandes oberem Teil aus, so würde ein solcher einmaliger Ausspeier für den unteren Teil eures Vaterlandes eine Überschwemmung verursachen, die ihre Wellen über die höchsten Türme eurer Stadt treiben würde.
[Sa.01_023,08] Wenn ihr das ein wenig beachtet, wird euch die Antwort auf die Frage, ob die Saturnbewohner einen solchen Kampf wiederholen, von selbst klar werden. Ja, aus diesem Grunde sind von den Saturnbewohnern seit allen Zeiten nur drei solche verunglückte Versuche gemacht worden. Für jetzt aber ist ihnen alle Unternehmungslust vergangen. Und ihre Weisen sagen auch:
[Sa.01_023,09] „Der Mensch kann mit seiner Kraft sehr viel vermögen, allein die Monde, den großen lichten Ring, die Ströme, die Stürme des Meeres, den großen Fisch und das Mud kann der Mensch mit seiner Kraft nicht bändigen. Darum wolle er seine Kraft da anwenden, wozu sie angemessen ist. Übermächtiges aber soll der Mensch nicht versuchen mit seiner begrenzten Kraft.“
[Sa.01_023,10] Und noch eine andere Lehre der Weisen dieses Planeten lautet also: „Höret, ihr Menschen! Der Große Geist hat uns eine große Welt zu bewohnen gegeben, und wir wissen nicht, wo sie anfängt und wo sie endet. In dem Lande aber, wo wir geboren sind, kennen wir die Dinge, wie sie sind im Wasser, auf dem Lande und in der Luft, und wir wissen und haben es allezeit erfahren, daß sie unserer Kraft untertan sind. Hätte der Große Geist das Mud für uns bestimmt, so müßte es auch unserer Kraft gehorchen. Wir wissen aber, daß es derselben mit großer Leichtigkeit gespottet hat, da wir dasselbe uns untertänig machen wollten. Also ist es ja so hell und klar wie die Sonne, die uns scheint den Tag hindurch, daß der Große Geist außer uns noch andere Kräfte gesetzt hat, die unserer Kraft nicht dienen sollen. Und wir sollen sie uns nicht dienstbar machen. Daher bleiben wir in den gewiesenen Grenzen unserer Kraft und lassen andere große Kräfte walten daselbst, wo sie der Große Geist hingesetzt hat. Ferne sei daher von uns, wissen zu wollen, was der große lichte Kreis über uns ist und was die Monde sind. Und ein Mudland bleibe von uns für alle Zeiten der Zeiten unbetreten!“
[Sa.01_023,11] Wenn ihr diesen Weisheitsspruch ein wenig beachtet, wird es euch sicher noch einleuchtender werden, welch eine Bewandtnis es mit der riesigen Größe und großen Kraft dieses Tieres hat. Es wäre unnötig, euch weiter die Gestalt desselben zu beschreiben, sondern eines jedweden eigener Phantasie und Einbildung sei es überlassen, sich dieses besagte Tier, so gut es nur immer geht, vorzustellen.
[Sa.01_023,12] Wird das Mud von den Saturnbewohnern zu öfteren Malen beobachtet? O nein, solches geschieht äußerst selten. Und wenn je, dann nur so, daß es entweder bei der Gelegenheit einer weiten Schiffahrt oder von irgendeinem, solchem Mudlande nicht gar zu ferne gelegenen Vorgebirge eines Hauptkontinentlandes aus gesehen wird. Denn gar zu sehr dem Ufer eines solchen Mudlandes nahezukommen, ist nicht ratsam. Wenn dieses Tier eben nicht zu ferne von seinem Land etwas auf dem Wasserspiegel Schwimmendes ersieht, macht es einige Riesenschritte in das Meer hinein, und wenn dasselbe nicht gar zu tief ist, gelingt es ihm auch, mit wenigen Schritten so etwas auf dem Meere Schwimmendes einzuholen und es mit seinem ungeheuren Rachen zu begrüßen.
[Sa.01_023,13] Etwas für den Saturnbewohner ganz eigentümlich Abschreckendes und Schauerliches ist das Gegrunze dieses Tieres; davon könnet ihr euch wahrlich keinen Begriff machen. Ich kann euch davon nur so viel sagen, daß, so sich dieses Tier z.B. im tiefen Ungarland befinden würde, richtete da seinen Rachen gegen euer Land herauf und möchte einige Male grunzen, so würde dadurch die Erde bis zu euch und noch ziemlich weiter in eine Mitbebung versetzt werden. Vor lauter Erdbeben möchte nicht nur kein Gebäude eurer Stadt stehen bleiben, sondern es würden auch einige benachbarte Alpen ihre nur einigermaßen lockeren Felsenspitzen einbüßen. Aus dieser kleinen Schilderung kann auch schon ein wenig klar sein, warum die Saturnbewohner eben nicht die größten Freunde dieses sehr stark „bewegenden“ Gesanges von seiten des besagten Tieres sind.
[Sa.01_023,14] Übrigens hat dieses Tier trotz seiner ungeheuren Größe sehr scharfe Sinne. Vorzugsweise ist sein Geruch- und Gehörsinn scharf, daher es auch schon von weiter Ferne empfindet, ob sich auf dem Wasserspiegel etwas für seinen Rachen Taugliches nähert. – Im übrigen aber ist es bei weitem nicht so unreinlich wie das Erdschwein. Besonders was das Unrat-von-sich-Lassen betrifft, da übertrifft das Mud an Reinlichkeit fast jedes euch bekannte Tier der Erde. Bevor es seinen Unrat von sich läßt, wühlt es in das Erdreich ein sehr tiefes Loch oder, nach euren Begriffen, einen Krater ungefähr im Umfang von einer kleinen Stunde und nicht selten mehrere hundert Klafter tief. Ist ein solches Loch gegraben, kehrt es sich an dieses Loch, läßt seinen Unrat hinein, und scharrt dann sogleich wieder die vorher aufgegrabene Erde über denselben. Dadurch hält dieses Tier sein von ihm bewohntes Land rein und düngt es auch ganz zweckmäßig für einen folgenden Graswuchs, welcher gewöhnlich in diesen Mudländern weit dichter und größer ist als die dichtesten Urwälder auf eurer Erde.
[Sa.01_023,15] Nun bleibt uns nur noch eine kleine Frage übrig, nämlich: wozu ist ein so kolossales Tier auf diesem oder auch auf einem andern Planeten wohl nütze? – Die Antwort auf diese Frage werdet ihr schon bei der Erklärung des großen Fisches finden. Wie jener einen allgemeinen Übergang des Wassertiers zum Luftgetier bildet, so bildet auch das Mud einen ähnlichen allgemeinen Übergang aus allen Tier- und Pflanzenstufen in eine edlere, dem Menschen näherstehende Tiergattung. – Nun wißt ihr alles, was dieses Tier betrifft. Nächstens wollen wir in kürzerem Durchflug unsere Betrachtungen über die Landtiere weiter ausdehnen.
24. Kapitel – Der Saturn-Elefant Sisterkihi. Seine Beschaffenheit und Lebensweise. Jagd auf dieses Tier. Schöpfungszweck desselben.
[Sa.01_024,01] Sisterkihi heißt das Tier, welches wir nun nächst dem Mud betrachten wollen. – In welcher Rangordnung steht denn dieses Tier auf unserem Planeten? – Dieses Tier ist der eigentliche Elefant dieses Weltkörpers, steht aber dennoch in allem dem Mud bei weitem nach. Seine Größe beträgt kaum den hundertsten Teil des euch schon bekannten großen Landtieres. Was aber seine Gestalt betrifft, so ist es dem Mud völlig unähnlich. Der Sisterkihi hat eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem Elefanten eurer Erde; aber dennoch nicht ganz so wie manche andere Tiere, von denen ihr noch hören werdet.
[Sa.01_024,02] Wie sieht er denn demnach aus? – Dieses Tier hat vier überaus feste Füße, nahezu wie ein Elefant bei euch, nur natürlich im Verhältnis zu seiner Größe. Aber es hat die Beine nicht gestaltet wie der Elefant, sondern ungefähr wie ein Bär, mit starken Krallen versehen. Sein Leib ist außerordentlich umfangreich, so zwar, daß ein solches Tier, wenn es ausgewachsen ist, von der unteren Bauchgegend bis zu seinem Rückgrat siebzig bis achtzig Klafter mißt. Sein Schweif ist, im Verhältnis zu diesem Tier, so lang wie der Schweif eines Löwen. An seinem Ende hat der Schweif einen überaus starken Mähnenbusch, wovon die Haare nicht selten sechs bis zehn Klafter lang sind. Der Kopf dieses Tieres sitzt auf einem langen, aber im Verhältnis dennoch ziemlich massiven Hals, dessen Kamm bis in die Gegend der Vorderfüße mit sehr starken Mähnen versehen ist.
[Sa.01_024,03] Der Kopf gleicht einem Pferdekopf; nur ist im Verhältnis die Stirne viel breiter. Über der Stirne zwischen den zwei Ohren sitzt ein langer, beweglicher Rüssel, welcher bis zu einer Länge von vierzig Klaftern ausgedehnt, im Gegenteil aber wieder bis zu einem Drittel seiner Länge zusammengezogen werden kann. In diesem Rüssel besitzt dieses Tier eine außerordentliche Hebekraft, so daß es mit diesem seinem dehnbaren Arme Bäume von bedeutender Größe zu entwurzeln vermag.
[Sa.01_024,04] Mittels dieses Rüssels reißt das Tier auch Äste von den Bäumen und verzehrt dieselben oft samt den Früchten, besonders wenn es so recht heißhungrig ist. Seine Farbe ist lichtgrau, sein Rüssel aber dunkelgrau. Seine Halsmähnen spielen ins Blaue und sein Schweifbusch ins Lichtgraue. Die Augen sind düster und von sehr dunkelbrauner Farbe. Auch dieses Tier hat einen sehr großen Rachen, welcher mit überaus starken, weißen Hauzähnen versehen ist. Im Hintergrund des Rachens aber besitzt es überaus starke Quetschknochen, welche nicht als Zähne, sondern als wirkliche, sowohl vom Ober- als Unterkiefer weit hervorstehende und zusammenhängende Knochen dastehen. Mit diesen hervorstehenden Quetschknochen kann das Tier selbst bedeutend harte Steine mit Leichtigkeit zermalmen, dicke Äste also zerquetschen, daß sie in seinem Munde zu einem Brei werden.
[Sa.01_024,05] Dieses Tier ist zwar ein Pflanzenfresser, wenn es aber vom Hunger zu sehr geplagt wird, schont es auch andere Tiere und im höchsten Notfalle selbst den Menschen nicht; aus welchem Grunde die Saturnbewohner auch von diesem Tiere nicht eben die größten Freunde sind. Allein dieses Tieres können sich die Saturnbewohner, wo es sich vorfindet, wohl bemächtigen, obschon mit sehr großen und gefährlichen Schwierigkeiten.
[Sa.01_024,06] Auf welche Weise aber geschieht solches, und wie machen die Menschen Jagd auf den Sisterkihi? – Mit der bloßen Kraft geht es durchaus nicht. Denn auch dieses Tier hat in seinem Rüssel allein so viel Kraft wie tausend der stärksten Saturnmenschen zusammengenommen. Daher nehmen diese Menschen zur List ihre Zuflucht. Zuvor aber müßt ihr wissen, daß sich dieses Tier vorzugsweise da aufhält, wo sich große Wälder des euch schon bekannten Pyramidenbaumes befinden, welchem Baume dieses Tier nicht geringen Schaden zufügt, indem es demselben so weit die Äste wegreißt, als es nur immer dieselben mit seinem Rüssel erlangen kann.
[Sa.01_024,07] Wenn nun die Saturnbewohner in irgendeinem Land bemerken, daß dieser fast in allen Saturnländern vorkommende Riesenbaum nacktstämmig dasteht, so gilt ihnen das für ein sicheres Zeichen, daß sich in einem solchen Wald ein oder mehrere dieser Tiere aufhalten. Was tun nun die Saturnbewohner? Sie umzingeln den Wald von allen Seiten, versehen sich mit Feuerbränden und zünden den Wald ringsherum an. Da das Tier nichts so sehr scheut wie das Feuer und den Rauch, so flüchtet es sich alsbald aus diesem Wald oder vielmehr es sucht ringsherum einen feuerlosen Ausweg, welcher aber gewöhnlich nur auf einer solchen Seite offensteht, an welche irgendein breiter Strom, ein See oder wohl gar das Meer selbst stößt. Findet der Sisterkihi eine solche Stelle, so geht er alsbald ins Wasser.
[Sa.01_024,08] Sobald aber dieses Tier ins Wasser kommt, wird es außerordentlich unbehilflich und plump und hält seinen sonst geschäftigen Rüssel kerzengerade in die Höhe. Die Saturnbewohner lassen es nun tiefer und tiefer ins Wasser steigen, indem sie es auf Kähnen mit auf langen Stangen befestigten Feuerbränden verfolgen. Hat dieses Tier einmal im Wasser die Tiefe erreicht, daß es sich nur noch mit seinem Kopf über der Oberfläche des Wassers befindet, so eilen sie mit großer Schnelligkeit dahin und hacken dem Tier mit ihren riesigen und scharfen Beilen den fürchterlichen Rüssel ab. Wenn es aber diesen seinen Arm verloren hat, dann ist es auch um sein Leben geschehen. Bei dieser Gelegenheit sinkt es dann im Wasser alsbald zusammen und verwest im selben, und sein Fleisch wird zur Speise sehr vieler im Wasser vorhandener hungriger Tiere.
[Sa.01_024,09] Was geschieht aber dann, wenn unglücklicherweise ein solcher Wald auf kein bedeutendes Gewässer stößt? Da ist diese Operation freilich wohl etwas gefährlicher und bedenklicher. Greift das Feuer von allen Seiten gut zusammen, so daß das Tier oder auch mehrere seinesgleichen in der Mitte eines solchen zusammenbrennenden Waldes überrascht werden, und sehen die Tiere auf keiner Seite einen feuerlosen Ausweg, so werden sie hier unter großem Toben und Wüten erstickt, und wenn das Feuer sehr heftig ist, auch zum größten Teil verbrannt. Hat aber das Feuer nicht gut zusammengegriffen, so rennen sie der weniger befeuerten Stelle zu und brechen daselbst mit großer Heftigkeit ins Freie hinaus.
[Sa.01_024,10] Dann wehe denen, die diesem Tier irgendwo begegnen. Da nimmt es mit seinem Rüssel Menschen oder Tiere und schleudert sie mit einer solchen Heftigkeit in die Höhe oder auf den Boden der Erde, daß von dem also Geschleuderten kaum eine Spur seines Daseins übrigbleibt. Denn die Heftigkeit des Wurfes, welches dieses Tier in seiner Wut mittels seines Rüssels ausführt, übertrifft die Heftigkeit einer aus dem Rohr einer Kanone geschossenen Kugel. Würde dies Tier auf eurer Erde einen solchen Wurf ausführen, so wäre es ihm ein leichtes, einen hundert Zentner schweren Stein über zwanzig Meilen weit zu schleudern, und zwar mit solcher Heftigkeit, daß der Stein diesen Weg in wenigen Sekunden zurücklegen müßte. Möchte es ihn aber zur Erde niederschleudern, dann dürftet ihr versichert sein, daß es denselben über hundert Klafter tief in das Erdreich treiben würde.
[Sa.01_024,11] Aus dieser kurzen Schilderung könnt ihr leicht entnehmen, welchen Respekt daher die Saturnbewohner vor diesem Tier haben und welche Sensation es nicht selten auf einem ganzen, großen Kontinente macht, wenn ein oder gar mehrere solcher Tiere einer Feuerjagd entronnen sind. Daher wird ein solcher Wald allzeit gehörig überschaut, ob er allein dasteht oder ob er an irgendein bedeutendes Wasser stößt. Steht er allein da, so werden sehr viele Beratungen gemacht, ob und wann es zu wagen wäre, den Wald anzuzünden.
[Sa.01_024,12] Ist der Wald in einem gut brennbaren Zustand und ist er zugleich von bedeutender Ausdehnung, so wird das Feuer gelegt. Wenn aber solches nicht der Fall ist, überläßt man dem Tier lieber den Wald, trägt aber sorgfältig von allen Seiten her dürres Holz und macht damit einen förmlichen Wall um den Wald, welcher erst dann angezündet wird, wenn die Bäume des Waldes selbst brennbarer werden. Dies pflegt gewöhnlich zu geschehen, wenn eine Gegend unter den ziemlich lang anhaltenden Schatten des Ringes zu stehen kommt, was nach eurer Zeitrechnung stets mehrere Jahre dauert. Zu dieser Zeit stehen die Bäume zumeist, so wie die eurigen des Winters, ohne Saft. Alsdann wird dieser Wall von allen Seiten zu gleicher Zeit angezündet, danach aber von den Menschen so schnell wie möglich verlassen.
[Sa.01_024,13] Seht, das ist alles, was dieses denkwürdige Tier dieses Planeten betrifft. Es dürften aber im Saturn kaum zehn Kontinente von dem Sisterkihi sehr sparsam bewohnt sein.
[Sa.01_024,14] Was die Nützlichkeit dieses Tieres betrifft, so ist sie in psychischer Hinsicht dieselbe, nur in geringerem Umfang, wie die des Mud und des euch bekannten großen Fisches. Es hat aber dieses Tier, wie alle anderen Tiere, auch noch einen anderen natürlichen Zweck. Und es ist keines solcher Tiere als unumgängliche Bedingung der Erhaltung anderer Wesenheiten auf einen Planeten gesetzt, sondern die Übergänge können auch ebensogut durch andere Stufen gehen. Aus diesem Grunde verliert auch kein Land etwas, wenn in demselben solche große, starke und dem Menschen gefährliche Gäste aussterben.
25. Kapitel – Der Blaue Bär Ihur. Dessen Beschaffenheit, Charakter und Nahrung. Seine Nützlichkeit als Ackerer des Erdreiches
[Sa.01_025,01] Nachdem wir sonach diese zwei Riesentiere unseres großen Planeten kennengelernt haben, wollen wir uns noch zu einigen anderen Tieren wenden, welche, wenn auch nicht mehr so großartig, doch aber von bedeutender Denkwürdigkeit sind.
[Sa.01_025,02] Auf der Stufe dieser Tiere nimmt der sogenannte Ihur oder nach eurer Sprache der „Blaue Bär“ den ersten Rang ein. Wenn dieses Tier vollkommen ausgewachsen ist, ist es beinahe so groß wie ein Saturnmensch, d.h. wenn es sich, was es meistens zu tun pflegt, auf seine Hinterbeine stellt und gleich einem Menschen aufrecht einhergeht. Der Name dieses Tieres sagt schon, wie es gefärbt ist, nämlich ganz durchgehend hellblau.
[Sa.01_025,03] Wie sieht er denn sonst aus? – Er ist im allgemeinen so ziemlich einem Goldbären bei euch ähnlich; nur der Kopf ist bei diesem Tier ganz anders gestaltet.
[Sa.01_025,04] Wie sieht denn demnach sein Kopf aus? – Das wird wieder ein wenig schwer halten, euch davon eine rechte bildhafte Vorstellung zu geben, weil ihr die Tiere der Erde nicht kennt, die einen ähnlichen Kopf haben wie unser Saturnbär. Dessenungeachtet wollen wir eine Form entwerfen, in welcher ihr den Kopf dieses Tieres beschauen sollt.
[Sa.01_025,05] Denkt euch einen ziemlich runden, bei anderthalb Klafter im Durchmesser habenden Knaul, von dem zu beiden Seiten ziemlich in der Mitte zwei sehr lange Ohrlöffel hintanstehen, von denen ein jeder eine Länge von dritthalb und einer Breite von einer guten Klafter mißt. Dann denkt euch ferner am obersten Teil dieses Knauls zwei ungefähr eine halbe Klafter voneinander entfernte, bei drei Klafter lange, gewundene, wie mattpoliertes Gold aussehende Hörner; ungefähr 5/6 Klafter unter den Hörnern zwei verhältnismäßig große, ganz nach menschlicher Art gebildete Augen. Unter diesen aber denkt euch ein verhältnismäßig großes Löwengebiß oder, wie ihr sagt, eine Löwenschnauze. Und denkt euch ferner noch, daß dieser Kopf mittels eines verhältnismäßig dicken, langen und starken Halses mit dem übrigen Leib verbunden ist.
[Sa.01_025,06] Denkt euch dann schließlich noch hinzu, daß hinter den Hörnern zu beiden Seiten des Halses zwei bis drei Klafter lange, mehr dunkelblaue Mähnen hinabfallen, so habt ihr die ganze Gestalt dieses Tieres. – Schweif aber hat der Ihur gar keinen, sondern an dessen Stelle nur ein etwas längeres und dunkleres Haar.
[Sa.01_025,07] Wenn ihr nun das alles zusammennehmet und euch noch dazu die Vorstellung macht, daß dieses Tier von den Hörnern angefangen bis zum Schluß der Hinterbeine nicht selten einige fünfzig Klafter euren Maßes lang ist; wenn es aber auf allen Vieren steht, bis zum obersten Rückenscheitel nahe zwanzig Klafter mißt und ein jeder seiner Füße für sich bei sechs Klaftern und ihre Dicke ein Zehneimerfaß übertrifft, so habt ihr das Tier ganz vollkommen vor euch. Was die Tatzen dieses Tieres betrifft, so seht nur die eines Bären an, dann habt ihr die gleiche Form bis auf die Größe und Farbe, welche natürlich mit der übrigen Größe und Farbe des Tieres im genauen Verhältnis steht.
[Sa.01_025,08] Näher wird es hoffentlich nicht nötig sein, dieses Tier darzustellen. Und so wollen wir sogleich den Charakter und die Lebensweise sowie seine Tauglichkeit noch ein wenig durchgehen.
[Sa.01_025,09] Dieses Tier ist gewöhnlich gutmütiger Art; nur darf es nicht gereizt und verfolgt werden. Wenn es gereizt wird, läßt es bald seinen gutmütigen Charakter fahren und wird sehr grausam und wütend, in welchem Zustand dann nichts von ihm geschont wird. Was ihm da unterkommt, wird sogleich angefallen und gänzlich zugrunde gerichtet. Dieses Tier hat, obschon es eben nicht größer ist als ein Saturnmensch, dennoch eine Kraft von zehn Menschen in seinem festen Körper; aus welchem Grunde es einem mutwilligen Saturnbewohner allezeit ganz übel ergeht, wenn er allein mit einem solchen Tier, so es sich in einem gereizten Zustand befindet, in einen Konflikt gerät.
[Sa.01_025,10] Da die Saturnbewohner das Tier bei aller seiner sonstigen Gutmütigkeit dennoch scheuen, so suchen sie dasselbe durch allerlei Mittel auch gar emsig zu verscheuchen und aus den von Menschen bewohnten Gegenden zu vertreiben. Aus diesem Grunde kommt das Tier auch äußerst selten vor das Angesicht unserer Saturnmenschen.
[Sa.01_025,11] Wovon nährt sich dieses Tier? – Es nährt sich von Gras, Wurzeln und jungen Ästen der Bäume und Gesträuche. Fleisch verzehrt es nicht, auch nicht einmal im äußersten Notfall. Wenn es aber gereizt ist, zerreißt es Menschen und Tiere, läßt die so zugrunde Gerichteten unverzehrt liegen und begibt sich alsbald von seinem Kampfplatz.
[Sa.01_025,12] Das Merkwürdige dieses Saturnbären ist, daß er eine ganz eigentümliche Furcht vor seinem eigenen Zorn hat. Aus diesem Grunde vermeidet er auch soviel nur immer möglich, durch seinen eigenen Instinkt geleitet, jede Gelegenheit sorgfältig, bei welcher er in einen gereizten Zustand geraten könnte. Ein solcher Instinkt wäre auch so manchen Menschen auf eurer Erde nicht überflüssig; besonders für jene ehrsüchtigen Zänker und kriegslustigen Patrone, welche jede Gelegenheit aufsuchen, bei der es etwas zu kämpfen gibt. Jedoch wollen wir uns nicht länger hier verweilen, sondern noch einen Blick auf unser Tier werfen und sehen, wozu es denn taugt.
[Sa.01_025,13] Dieses Tier kann mit allem Recht der Urbarmacher wilder Gegenden genannt werden; denn es lockert in kurzer Zeit mit seinen außerordentlich starken Krallen eine weite Strecke des Saturnerdreichs so gut auf, daß die Saturnmenschen solches mit allen ihren guten Werkzeugen kaum zu bewirken imstande sind. Was tut das Tier aber danach, wenn es das Erdreich so aufgelockert hat? – Da geht es auf fruchtbare Stellen, sucht dort allerlei ihm genießbare Wurzelgewächse und bringt dieselben in die aufgelockerten Furchen. Geschieht solches von dem Tier auch nicht in der Absicht, als wolle es einen Acker bestellen, sondern nur, um sich auf einer solchen Stelle einen Nahrungsvorrat zu sammeln, so bleiben aber dennoch oft die hineingelegten Wurzeln liegen, treiben dann aus und wachsen sehr üppig fort. Und so wird dadurch fast allzeit ein ganz wüster, unfruchtbarer Ort fruchtbar gemacht, und das um so mehr, weil dieses Tier, wenn es seine Vorratskammer gehörig angefüllt hat, nicht leichtlich eher eine solche Stelle verläßt als bis es gewahrt, daß sein Vorrat nahezu aufgezehrt sein dürfte.
[Sa.01_025,14] Weil es aber immer auf dieser Stelle, solange da noch etwas Genießbares vorhanden ist, herumwandelt, so läßt es auch kreuz und quer seinen Unrat und düngt somit unbeabsichtigt diese Stelle auf mehrere Jahre.
[Sa.01_025,15] Wenn dann Menschen bei ihren häufigen Wanderungen in so manchen großen Ländern auf solche Stellen treffen, wissen sie, daß sie sich in der Nachbarschaft eines solchen Tieres befinden. Sie warten dann längere Zeit ab und sehen, ob ein solcher Einwohner etwa nicht mehr Gebrauch von seinem Acker macht. Entdecken sie nichts, so gilt das für einen Beweis, daß das Tier den Ort verlassen hat; und alsbald wird dann eine solche Stelle von ihnen in Besitz genommen.
[Sa.01_025,16] Geschieht es dann und wann aber dennoch, daß ein solcher Saturnbär von irgendwoher der Wurzeln wegen einen solchen Platz wieder aufsucht, so müssen die Saturnbewohner entweder ruhig zusehen, wie dieser Ackersmann ihren Grund von neuem auffurcht und bei solcher Gelegenheit nicht selten ihre eigenen Anpflanzungen verdirbt – oder sie müssen diesen ungebetenen Gast mit Gewalt angreifen, wobei es dann immer zu einem bedenklichen Gefecht kommt. Denn das Tier will hier seine angewohnten Vorrechte geltend machen und sich nicht gerne abweisen lassen. Und den Menschen kommt es ebenfalls nicht gar zu leicht vor, ein neues fruchtbares Land so bald wieder räumen zu müssen.
[Sa.01_025,17] Ist aber ein solches Tier dennoch besiegt worden, so sind die Einwohner vor jedem künftigen Besuch sicher. Können sie auch das Tier nicht völlig töten, so bringen sie es durch ihre Verfolgung dennoch dahin, daß es sich merkt, wo es gejagt worden ist. Da aber dieses Tier in seinem ruhigen Zustand seinen eigenen Zorn fürchtet, kehrt es zu dieser Stelle nicht wieder zurück, wo es gereizt wurde.
[Sa.01_025,18] Das ist alles, was bei diesem Tier als denkwürdig zu beachten ist, und so wollen wir wieder auf ein anderes übergehen.
26. Kapitel – Der Saturn-Löwe Horud – dient zur Jagd und zum Holzfällen. Fang der Jungen.
[Sa.01_026,01] Horud heißt dasjenige Tier, welches wir nunmehr flüchtig betrachten wollen. – Welchen Rang nimmt dieser Horud im Saturn ein? Blicket auf euren Löwen; was dieser auf der Erde ist, dasselbe ist auch der Horud im Saturn. Sieht er aber auch so aus wie euer Erd-Löwe? Auf diese Frage kann weder eine gänzlich bejahende noch eine verneinende Antwort gegeben werden. Dieses Tier hat so manches Ähnliche mit dem Löwen der Erde, so manches aber auch wieder gar nicht. Die nähere Darstellung wird es schon ohnehin zeigen, inwieweit er bezüglich seiner Gestalt von der des Erd-Löwen verschieden ist.
[Sa.01_026,02] Wie sieht dieses Tier demnach aus? – Was seine Größe betrifft, so ist es ebensogroß wie der euch schon bekannte Blaue Bär. Was aber die Farbe betrifft, so ist diese mehrfacher Art, je nach der Verschiedenheit seiner Leibesteile. So ist sein Rücken hochrot bis nahe in die Mitte des Bauches. Die Schulterblätter und die Füße, sowohl die vordern als hintern, sind blaßgrün. Der Bauch aber ist mehr dunkelgrün oder, wie ihr zu sagen pflegt, üppig grasgrün. Sein Schweif ist weiß, zu Ende desselben aber prangt ein hellroter Mähnenbusch. Die weiße Farbe des Schwanzes ist auf der oberen Seite durch regelmäßige rote Flecken verziert. Die Krallen an seinen Füßen sind ebenfalls weiß, an ihrem Rücken aber mit einem roten Streifchen verbrämt.
[Sa.01_026,03] Abgesehen von der Farbe, die wir jetzt beschrieben haben, sieht der Horud der übrigen Form nach völlig einem Löwen eurer Erde gleich. Aber was den Hals und den Kopf des Tieres betrifft, so sind sie der Form nach von eurem Löwen sehr verschieden. Es gibt auf der Erde schon wieder kein Tier, das einen ähnlichen Kopf hat. – Dieses Tier hat einen nahe viereckigen Kopf, ungefähr so wie ein an den Kanten etwas abgerundeter Würfel. Dieser Kopfwürfel sitzt mit der einen Fläche am Halse, so zwar, daß der Hals die hintere Fläche aufnimmt, aber nicht die vordere, welche gleich einer Kinnlade über den Hals um ein Drittel ihres Durchmessers hervorragt. An den beiden Seitenflächen dieses Kopfwürfels sind zwei halbkreisförmige Ohrtrichter angebracht, welche von der Fläche aus auf jeder Seite des Kopfes über eine Klafter hintanstehen und so gefärbt sind wie ein Regenbogen in sehr hellen Farben.
[Sa.01_026,04] Auf der oberen Fläche dieses Kopfwürfels befindet sich ein nahe eine halbe Klafter langes, kegelartiges, ganz schwarzes Horn. Das heißt, in der Grundfarbe ist dieses Horn ganz vollkommen schwarz; auf seiner schwarzen Fläche aber befinden sich in einer schneckenartigen Windung regelmäßig runde, rötliche Scheibchen, welche einen sehr starken metallischen Glanz haben. Um den Fuß dieses Horns ist ein längerer Haar- oder Mähnenkranz von hellblauer Farbe so angebracht, daß das Horn gleichsam wie in einem Becken zu sitzen scheint. Gegen das Hinterhaupt und den hinteren Teil, der sich an den Hals anschließt, werden diese Haare stets länger und dichter, vorwärts gegen die Stirne aber werden sie kürzer und gekrauster.
[Sa.01_026,05] An der Vorderfläche des Kopfes sitzen in einer Vertiefung zwei im Verhältnis zum Tier sehr große Augen, wovon jedes einen Durchmesser von einer halben Klafter nach eurem Maße hat, das heißt, nur das eigentliche Auge gerechnet; denn mit der Höhlung und den Augenwinkeln dürfte jedes Auge wohl nahe eine ganze Klafter im Durchmesser haben. Die Augendeckel sind von sehr dunkelroter Farbe, darüber sind, wie bei einem Menschen, verhältnismäßig große und starke Brauen angebracht, die ebenfalls so gekraust sind wie die Haare um das schon beschriebene Horn, namentlich auf der vorderen Stirnseite.
[Sa.01_026,06] Jetzt aber kommt das eigentlich Merkwürdigste von diesem Tier, und das ist sein Mund. – Ihr werdet schon sicher öfter von einem sogenannten Vogel „Greif“ gehört haben. Seht, das ist unser Tier (bis auf das Fehlen der Flügel) so ziemlich. Denn statt eines gewöhnlichen Rachens hat es einen ungemein starken Habichtschnabel, welcher von ähnlicher Farbe ist wie das Horn auf dem Haupte; nur sind die runden Flecken nicht schneckenartig, sondern reihenförmig von der Wurzel bis zur Spitze des Schnabels in abnehmender Größe angebracht. Der obere Teil des Schnabels ist so wie bei jedem Vogel, den ihr auf eurer Erde kennt, unbeweglich. Der untere Teil des Schnabels aber ist samt der unteren Würfelfläche bis über die Gegend des Halses beweglich. Da, wo der Schnabel aufhört, hat dieses Tier sehr mächtige Quetschzähne in seinem Rachen. Statt der Hau- und Schneidezähne aber bedient es sich überaus vorteilhaft seines mächtig starken Schnabels, welcher nahe anderthalb Klafter über die vordere Hauptfläche hervorragt, an der Wurzel aber nahe so breit ist wie die Hauptfläche selbst.
[Sa.01_026,07] Der Horud hat auch eine in die Länge überaus dehnbare Zunge, welche ungefähr die Eigenschaft eines Rüssels hat. Und daher kann das Tier mit dieser seiner Zunge verschiedene Sachen machtvoll ergreifen und in seinen Rachen hineinziehen. Die Wurzel des Schnabels ist ebenfalls mit gekrausten lichtblauen Haaren versehen, welche gegen den Hals zu mehr ins Grünliche übergehen.
[Sa.01_026,08] Was ist aber die gewöhnliche Farbe des Kopfes? – Der Kopf ist licht-aschfarben und unter den Augen wie auch auf der Stirne mit drei übereinanderstehenden Kreisen von hochroter Farbe geziert. Was die andern Teile betrifft, so sind nur die beiden mit den Ohren versehenen Seitenflächen sichtbar und ebenfalls von aschgrauer Farbe, aber ohne weitere Verzierung. Die hintere Fläche aber ist, wie ihr schon wißt, von der oberen Fläche angefangen, mit langen Haaren geschmückt, deren blaue Farbe immer lebhafter wird, je mehr sie sich dem Halse nähert. – Der Hals ist verhältnismäßig stark und bis zum Kopf gerade so lang wie der hintere Leib (d.h. von den Schultern der Vorderfüße angefangen bis zum Schweife hin) und ist durchaus mit reichlichen Mähnen von leuchtendblauer Farbe bedeckt. – So sieht unser Tier also aus.
[Sa.01_026,09] Was ist denn seine Tauglichkeit? Und was hat es für einen Charakter? Wo ist es zu Hause? Und in welchem Verhältnis steht es zu den Saturnbewohnern? – Diese viergliedrige Frage wollen wir ganz kurz beantworten. Da der Horud gewöhnlich ganz sanfter Natur ist, wird er von den Saturnbewohnern häufig zahm gehalten und dient ihnen durch seine Pracht sowie durch seine Arbeitsamkeit, wenn er dazu gehörig abgerichtet worden ist.
[Sa.01_026,10] Zu welchen Arbeiten wird er denn verwendet? – Gewöhnlich zur Jagd auf verschiedene andere Tiere, welche kleiner und manchmal sehr schädlicher Art sind. Auch wird dieses Tier zur Schattenzeit zum Holzfällen verwendet; denn mit seinem Schnabel beißt es dicke Äste, namentlich vom Pyramidenbaum, den es mit großer Leichtigkeit bis zum Gipfel erklettert, mit einem Bisse ab, und ihr müßt euch die Äste nicht selten in einer Dicke vorstellen, daß sie bei euch fünf Männer kaum umfassen dürften. Ein solcher Ast ist diesem Tiere geradeso, wie wenn ihr in einen mürben Apfel beißen würdet.
[Sa.01_026,11] Wenn es von einem Baum in hinreichender Menge Äste herabgebissen hat, dann zieht es auf ein gegebenes Zeichen, dieselben mit seinem Schnabel erfassend, auch zu den Wohnungen der Menschen und zerbeißt sie da in angegebener Stücke, welche dann unsere Saturnbewohner alsbald zur Feuerung benützen können. Und so wird dieses Tier noch zu allerlei andern Arbeiten des Zerbeißens und Tragens verwendet.
[Sa.01_026,12] Nur muß dieses Tier jung gefangen werden, wenn es so abgerichtet werden soll. Denn wenn die Alte sich fangen ließe, würde es sich nicht an solche Arbeiten gewöhnen. Allein es ist da mit dem Fangen eines alten Tieres überhaupt so viel wie nichts zu machen; denn in ungereiztem Zustand flieht es jede menschliche Annäherung, wird es aber umzingelt, so ist ihm für die Länge der Zeit nicht zu trauen. Denn sobald es einmal anfängt mit seinen starken Krallen in den Boden zu graben, ist das ein Zeichen, daß für die Jäger höchste Zeit ist, sich zu entfernen. Tun sie solches nicht, so macht das Tier gar bald einen mächtigen Sprung um den andern, brüllt dabei, und auf wen es da stößt, den läßt es die Kraft seines Schnabels fühlen wie sonst einen Baumast. Daher ziehen sich die Jäger auch alsbald zurück, wenn sie das Tier in einem solch bedenklichen Zustand erblicken.
[Sa.01_026,13] Wie werden aber bei dieser Gefährlichkeit des Horud seine Jungen gefangen? – Das geschieht durch eine List. Denn die Saturnbewohner derjenigen Gegenden, wo dieses Tier zu Hause ist, wissen gar wohl, daß dasselbe ein großer Freund von berauschenden geistigen Getränken ist. Dies aber nur zu der Zeit, wenn es Junge hat, und zwar sowohl das Männlein als auch das Weiblein, die sich nur durch die Geschlechtermerkmale unterscheiden. Bei der Gelegenheit bringen die Saturnjäger in ziemlich geräumigen Gefäßen solche Getränke in die Nähe, wo sich ein solches Tier aufhält. Da braucht man dann nicht lange zu warten und das Tier ist schon mit vollem Appetit bei dem Köder. Wenn es die Gefäße geleert hat, kehrt es ganz sanft wieder um und geht zur Stelle, wo seine Jungen sind, deren dieses Tier gewöhnlich zwei, drei bis vier zur Welt bringt. Hat es diese Stelle erreicht, legt es sich alsbald nieder und schläft so fest ein, daß es vom Raube seiner Kinder nichts merkt. Die Jungen werden dann in die Wohnungen der Menschen gebracht und zu ihrer Verwendbarkeit abgerichtet. Die alten aber werden zur ferneren Fortpflanzung am Leben gelassen.
[Sa.01_026,14] Seht, das ist das Ganze unseres nun bekanntgemachten Tieres, nur wißt ihr noch nicht, wo es zu Hause ist. – Es wohnt allein in den südlichen Gegenden des Saturn und daselbst nur in denjenigen Kontinentländern, welche sich nicht über den 45. Grad der südlichen Breite ausdehnen. Da dieses Tier die Meeresgegenden liebt, ist es auch nur da zu Hause, wo das Land den besagten Grad nicht übersteigt, wo es die diesem Tiere zusagende hinreichende Wärme gibt. Überragt das Land bedeutend den genannten Grad, so wird es natürlich auch kälter, besonders wo es mit dem Meer zusammenstößt, aus welchem Grunde es dann für dieses Tier durchaus nicht mehr taugt.
[Sa.01_026,15] Unser Tier hat den besonderen Instinkt, daß es weder den Westen noch den Osten eines Landes bewohnen will, sondern nur allein die südliche Mitte. Befindet sich diese in ausreichender Größe, so lebt es auch in einem solchen Land. Ist aber dieses Verhältnis nicht da, so kommt es in einem solchen Land nicht fort und läßt sich dort auch nicht erhalten. Daher wird dieses Tier auch nie im Innern eines Landes gesehen. Und wird es manchmal als Seltenheit dahin gebracht, so geht es in kurzer Zeit sicher zugrunde.
[Sa.01_026,16] Nun habt ihr alles Denkwürdige von diesem Tier. Und somit wollen wir uns wieder zu einem anderem, nur diesem Planeten allein eigentümlichen Tier wenden.
27. Kapitel – Die Saturn-Antilope Zigst oder Spitzfuß. Deren Daseinszweck – Schöpfungswinke. Jagd auf das Zigst – wozu? Geheimmittelschwindel.
[Sa.01_027,01] Zigst, oder nach eurer Erdsprache der Spitz- oder Stechfuß, heißt das Tier, das wir nunmehr betrachten wollen und das nur diesem Planeten ganz allein eigentümlich ist. Dieses Tier steht in dem Planeten Saturn ungefähr auf derselben Stufe wie die Antilope auf eurer Erde. Es bewohnt im Saturn nur die höchsten Gebirge.
[Sa.01_027,02] Warum wird es eigentlich der „Spitzfuß“ genannt? – Ihr müßt euch nicht denken, als hätte dieses Tier etwa vier spitzige Spieße an der Stelle der eigentlichen gegliederten Füße. Es wird darum der „Spitzfuß“ genannt, weil die Vorderfüße in der Gegend des gewöhnlichen Gliedes über den Klauen gar kein Glied haben, sondern ein geradeausgehendes Horn, welches nach unten zu ziemlich zugespitzt ist. Dieses geht sogleich als eine ganz feste Klaue von der Kniegegend aus. Die Hinterbeine aber hat das Zigst regelmäßig gleich einem andern Tier; nur sind die Klauen nicht gespalten sondern ebenfalls ziemlich spitzig.
[Sa.01_027,03] Das wäre nun der Grund des Namens dieses Tieres. – Wie sieht es denn sonst aus? – Auf eurer Erde gibt es unter den größeren Tieren durchaus kein ähnliches Exemplar, wohl aber unter den kleineren. So ist der Mittelleib vollkommen dem Leibe einer euch wohlbekannten Fischotter ähnlich; der Schweif dieses Tieres aber dem Schweif eines Ochsen. Der Hals und der Kopf haben eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem eines Tigers; nur ist das Gebiß nicht dem Gebiß eines Tigers, sondern dem der grasfressenden Tiere ähnlich.
[Sa.01_027,04] Auf dem Scheitel des Kopfes hat es ein einzelnes, etwas nach rückwärts gebogenes Horn. – Und so wäre die Gestalt dieses Tieres bis auf seine Größe und Farbe beschrieben.
[Sa.01_027,05] Wie groß ist aber dieses Tier? – Wenn ihr dessen Größe nach irdischem Maßstab bemessen würdet, dann hätte die Erde wirklich kein Beispiel eines Tieres aufzuweisen, das diesem Spitzfuß gleich käme. Aber auf unserem Saturn, wo alle Verhältnisse ums Hundertfache und manchmal um sehr vieles darüber gesteigert sind, gehört unser Spitzfuß nur zu den kleineren Tieren dieses Planeten; denn es hat in allem kaum ein Drittel der Größe des vorhergehenden Tieres, das wir als den Löwen dieses Planeten kennengelernt haben. Aus diesem Grunde ist es auch jedem Saturnbewohner ein leichtes, ein solches Tier, wenn er es gefangen hat, auf seinem Rücken nach Hause zu tragen.
[Sa.01_027,06] Was hat es denn für eine Farbe? – Die Hauptfarbe ist blendend weiß, aber vom Kopf angefangen bis zum Schweif hin zieht sich ein hellblauer, verhältnismäßig breiter Streifen. Gegen den Bauch hin ist dieses Tier goldgelb, die Füße gehen nahe ins Rötliche über – bis auf die Spitzklauen, welche ganz vollkommen schwarz sind, so wie auch das Horn auf dem Kopf. Der Hals, das heißt der untere Teil desselben, ist vom Unterkiefer angefangen bis zur Brust hin gestreift, und zwar mit Streifen von dunkelroter Farbe.
[Sa.01_027,07] Jetzt habt ihr die ganze Gestalt dieses Tieres, welches in dieser Art und Form auf keinem Planeten wieder vorkommt. – Was ist aber die Tauglichkeit dieses Tieres? Was ist dessen Nahrung? Und wird es auch häufig gefangen von den Saturnbewohnern?
[Sa.01_027,08] Was die Tauglichkeit betrifft, so ist diese für den Saturnbewohner ebensowenig von Belang wie die einer Gemse oder einer Antilope bei euch Erdbewohnern. Dessenungeachtet aber hat es dennoch in der Ordnung der Dinge seinen gehörigen Platz, den es unbewußt nutzwirkend ausfüllt. Wer sieht die Tauglichkeit einer Gemse bei euch ein; wer kann einen Grund aufzeigen, warum dieses Tier auf den Felsenspitzen herumsteigt? Wer es aber glauben will, dem will Ich den Grund kundgeben.
[Sa.01_027,09] Ihr wisset, daß auf den hohen Gebirgen eurer Erde zur Auflösung des Gesteins allerlei Moos und Pflanzen wachsen. Ihr wisset auch, daß sowohl die Moos- als die Pflanzengattungen nichts als Produkte geistiger Potenzen und geistiger Intelligenzen sind. Wenn sie aber solche Produkte sind, so ist es ja auch ersichtlich klar, daß sich in ihnen irgendein intelligentes Leben zu äußern angefangen hat. Wenn sich aber ein Leben einmal äußert, so äußert es sich nicht, um wieder in den Tod zurückzusinken, sondern nur darum, daß es sich in einer Form ausbildend kräftige, um dann die Form zu verlassen und in eine höhere überzugehen.
[Sa.01_027,10] Welche lebenäußernde Form aber steht da auf einer Alpe über den kleinbelebten Formen des Mooses, des Grases und der sonstigen Alpenpflanzen? – Hier seht unsere Alpentiere an! Das sind die höheren lebendigen Formen, in welche das Pflanzenleben solcher Hochgebirge übergeht.
[Sa.01_027,11] Daß dieses seine vollkommene Richtigkeit hat, könnt ihr ja daraus leicht ersehen, daß das Leben dieser Tiere eben dadurch erhalten wird, daß sie das Leben der Pflanzen in sich aufnehmen. Und demnach heißt: Sich nähren von einer dem Wesen des Tieres zusagenden Kost nichts anderes, als das zerstreute Leben der kleineren, unteren Potenzen in sich aufnehmen und es vereinigen zu einem vollkommeneren Leben. Oder für euch noch verständlicher gesprochen:
[Sa.01_027,12] Sich nähren heißt, das von Mir immerwährend ausgehende Leben in ein Gefäß ansammeln und aufnehmen, damit es von Stufe zu Stufe kräftiger und vollkommener werde auf dem Rückweg zur Urquelle, von da es dereinst ausgegangen ist.
[Sa.01_027,13] Wenn ihr nun dieses Gesagte nur einigermaßen begreifet, so geht mit diesem Begriff auch ganz ungehindert auf unser Saturntier über! Übertraget auf diesen „Spitzfuß“ dieselbe Tauglichkeit und ihr habt dann alles, was ihr über diesen Punkt zu wissen braucht.
[Sa.01_027,14] Nun hätten wir noch eine Frage zu beantworten, nämlich ob dieses Tier von den Saturnbewohnern auch gefangen wird? – Darauf sage Ich, daß sehr kühne Saturnbewohner wohl des öfteren auf die Jagd dieses Tieres ausgehen, aber nur höchst selten eines fangen. Denn dieses Tier ist so geschickt in der Erklimmung der höchsten Felsenspitzen dieses Planeten, daß kein Saturnbewohner einem solchen Tier nachzukommen imstande ist. Vermöge seiner zugespitzten Klauen kann es auf einer handgroßen Fläche vollkommen stehen. Wo aber einmal die Felsen in solche zu schroffe Spitzen zusammenlaufen, da hört für unsere großen Saturnmenschen auch alle Möglichkeit auf, ihre Jagd auf ein solches Tier weiter fortzusetzen.
[Sa.01_027,15] Wenn ein solches Tier, was höchst selten der Fall ist, von einer hohen und steilen Felsenspitze herabstürzt und einen unglücklichen Fall macht auf einen Platz, den noch ein Saturnbewohner erreichen kann, so ist der Fang eines solchen Tieres, aber natürlicherweise nur im toten Zustand, möglich. Lebend aber hat noch nie ein Saturnbewohner einen solchen „Spitzfuß“ gefangen.
[Sa.01_027,16] Ihr werdet da wohl fragen: Ja, wenn dieses Tier so schwer zu fangen ist, warum geben sich denn die Saturnbewohner so viele Mühe, eines solchen habhaft zu werden? – Seht, dazu treibt die Saturnbewohner eine Art Aberglaube. Aber dieser Aberglaube gehört nach euren Begriffen in das sogenannte quacksalberische medizinische Fach. Die Saturnbewohner sind der Meinung: Weil dieses Tier die allerkräftigsten und wohlriechendsten Kräuter genießt, so ist dessen Fleisch etwas so Gesundes, daß derjenige, der davon nur etwas weniges genossen hat, nimmermehr zu sterben vermöchte. Das also ist der Grund, warum dieses Tier so fleißig gejagt, aber nur höchst selten gefangen wird.
[Sa.01_027,17] Es geht aber den Saturnbewohnern mit diesem medizinischen Glauben nicht viel besser als so manchen Menschen auf dieser Erde, welche auch allerlei Mittel kennen, wodurch sie das Leben des Leibes zu verewigen glauben; die Erfahrung aber belehrt sie doch tagtäglich, daß der Tod des Körpers durchaus nicht aufgehalten werden kann.
[Sa.01_027,18] Was tun aber solche Menschen trotz der täglichen Erfahrung, die ihre Mittel fortwährend zuschanden macht? Sie tun ein solches Mittel in ein außerordentlich geheimnisvolles Fach ihrer belebenden Wissenschaft und sagen: Dieses Mittel muß genau um Mitternacht eingenommen werden, und zwar in der höchst genau vorgeschriebenen Portion. Ein tausendstel Gran darunter oder darüber macht das Mittel unwirksam.
[Sa.01_027,19] Reicht dieser pfiffige medizinische Weisheitskniff nicht aus, so wird, um die Sache noch verwickelter zu machen, zum Einfluß der Gestirne die Zuflucht genommen. Da tut dann ein solcher mystischer Lebensmediziner mit großer, höchst unverständlicher Beredsamkeit dar, wie dabei der Mond stehen, in welchem Viertel, in welches Zeichen die Sonne übergehen muß, und das zwar gerade um die Mitternacht. Wenn z.B. die Sonne gerade um Mitternacht nicht in das Zeichen des Löwen und der Mond nicht in das Zeichen des Steinbocks, ein anderer Planet nicht in dieses oder wieder ein anderer Planet nicht in ein anderes Zeichen zur nämlichen Zeit übergeht, so ist das „Ewige Lebens-Mittel“ ohne Kraft und Wirkung.
[Sa.01_027,20] Leichtgläubige Menschen glauben dann solchen mystischen Weisheitspredigern und kaufen sich stets zu einem hohen Preis ein solches ewiges Lebensmittel. Im Besitz dieses Mittels schauen sie sich hernach in den Kalendern fast zu Tode, wann der Mond, die Sonne und alle übrigen Planeten gerade um die Mitternacht in die vorbestimmten Zeichen übergehen würden. Da aber, was ihr auch ohne tiefe mathematische Kenntnisse leicht einsehet, diese astronomischen und astrologischen Zeichenstands- und Übergangsverhältnisse wohl entweder gar nie oder vielleicht höchstens nur in einer oder mehreren Millionen von Jahren einmal annähernd eintreffen können, so hebt sich nach der mystisch-klugen Spekulation eines solchen ewigen Lebensbringers die Wirkung solcher außerordentlicher Mittel so gut wie von selbst auf. Der Verkäufer aber bleibt unverantwortlich, weil er immer sagen kann, es sind ja nicht alle Umstände eingetroffen.
[Sa.01_027,21] Gerade also wird in unserem Saturn das Fleisch dieses Tieres benützt. Nur sagen da die Saturn-Lebensärzte, wenn ein solches Mittel nicht die bedungene Wirkung hervorgebracht hat, daß von dem Menschen, der ein solches Mittel gebraucht hat, eine große Unvorsichtigkeit dadurch begangen worden sei, daß er das Mittel etwa nicht in der Schattenzeit des Ringes, sondern im Sonnenlichte eingenommen habe, bei welchem Umstand es ohne Wirkung sein müsse.
[Sa.01_027,22] Sagt aber ein Verwandter des Verstorbenen einem solchen Lebensbringer, daß der Verstorbene das Mittel wohl unter dem Schatten des Ringes eingenommen habe, so fragt ihn der Mediziner gleich, wie bei dieser Gelegenheit die Monde gestanden sind? Kann der Befragte darüber die Auskunft erteilen, so wird natürlich der Stand der Monde vom Lebensbringer allzeit als seinem Mittel höchst nachteilig mit großer Beredsamkeit erklärt. Weiß aber der Befragte darüber keinen Bescheid zu geben, so ist das ohnehin das beste Wasser auf die Mühle unseres „Ewiges Lebens“ Bringers.
[Sa.01_027,23] Manchmal geschieht es aber auch, daß ein Verwandter eines solchen an einem ewigen Lebensmittel verstorbenen Menschen zu einem andern ewigen Lebensbringer fragen geht, warum dieses Mittel schon wieder fehlgeschlagen habe? Da könnt ihr euch schon von selbst denken, welche Auskunft ihm dieser andere Lebensbringer über das untaugliche Heilmittel seines Kollegen erteilen wird; nämlich keine andere, als daß er sagt: „Warum seid ihr nicht zu mir gekommen? Denn es ist ja bekannt, daß sich dieser Mensch mit falschen Mitteln abgibt!“ Und um den andern zu überzeugen, daß das Mittel sicher falsch gewesen sein muß, zeigt er ihm sogleich ein anders gefärbtes Mittel, und das ist für den Fragesteller genug, um einzusehen, warum das Mittel des andern nichts gefruchtet habe.
[Sa.01_027,24] Bei diesen Gelegenheiten geht dann ein solcher Verwandter des Verstorbenen nicht selten auch wieder zu demjenigen Lebensbringer zurück, den er nun als einen Betrüger ansieht. Wie zieht sich aber dann dieser aus der Schlinge? Der führt unseren Rechenschaftsforderer sogleich zu einem gleichgesinnten und gleichunterrichteten Nachbarn und sagt zu dem Rechenschaftsforderer: „Siehe, dieser und dieser haben mein Mittel gerecht gebraucht, frage sie, wie alt sie schon sind!“ Wenn nun der also Aufgeforderte einen oder den andern um sein Alter fragt, so bekommt er gewöhnlich eine so „hochalterliche“ Antwort, daß ihm darob das Hören und Sehen vergeht. Gewöhnlich aber sagen solche nach dem Alter Gefragte nie die Zahl der Jahre, sondern sie führen außerordentliche Fakta, die sie alle schon erlebt haben, als Beweis ihres Alters an. So sagt z.B. einer, er wisse noch gar gut, daß dieser oder jener hohe Berg noch gar nicht bestanden habe. Ein anderer zeigt wieder auf den lichten weißen Streifen über dem Himmel und sagt, er habe gesehen, wie dieser Ring von dem Großen Geist über das Firmament gespannt worden sei. Ein Dritter weiß noch die Zeit gar gut, wo noch kein Mond sich am Firmament befand. Und so weiß einer um den andern einen bessern Grund seines Alters als sein Vorgänger anzugeben. Wenn dann unser Rechenschaftsforderer mehrere solche Aussagen vernommen hat, dann gibt er sich gewöhnlich zufrieden und kauft noch obendrauf vom Doktor, der nicht jünger ist als seine Nachbarn, ein solches Mittel und geht damit vergnügt nach Hause.
[Sa.01_027,25] Sehet, das ist nun alles, was sich bei Gelegenheit der Betrachtung dieses Tieres kundgeben läßt. Daher wollen wir uns auch von diesem Tier noch zu einem andern nicht-zahmen Tier dieses Weltkörpers wenden und sodann auf einige zahme Haustiere übergehen.
28. Kapitel – Bauor, das Einauge, mit Schweifarm und Waffenauge. Jagd auf dieses Tier. Seine Haut als Patriarchenmantel.
[Sa.01_028,01] Das Tier, welches wir noch betrachten wollen, kommt nur äußerst selten vor. Auf den Kontinent-Ländern ist es ein vollkommener Fremdling. Nur auf einigen bedeutenden südlichen Inseln ist es zu Hause. Wo aber dieses Tier haust, dorthin machen die Saturnbewohner ebenso selten Besuche wie auf die Inseln, da das Mud zu Hause ist. Warum – solches wird die Folge zeigen.
[Sa.01_028,02] Bauor heißt dieses Tier; nach eurer Sprache würde das ungefähr so viel heißen wie das „Einauge“. – Zuerst wollen wir darauf einen Blick tun, warum dieses Tier das Einauge heißt. Hat es denn wirklich nur ein Auge? Nein, es hat ebenso zwei Augen zum Schauen wie jedes andere Tier. Aber auf der breiten Stirne über den zwei Augen, gerade in der Mitte, besitzt es noch ein Waffenauge. Und von diesem sehr gefährlichen Auge hat dieses Tier auch seinen Namen.
[Sa.01_028,03] Bevor wir jedoch dieses Auge näher betrachten wollen, werden wir das ganze Tier seiner Gestalt nach beschauen und sodann erst auf das sonderbare Auge übergehen.
[Sa.01_028,04] Wie sieht also das Bauor aus? Wie groß ist es und wie gefärbt? – Bis auf den Hals und den Schweif sieht dieses Tier einem Pferd bei euch sehr ähnlich. Nur müßt ihr euch den Leib des Pferdes ums Hundertfache größer denken.
[Sa.01_028,05] Was aber den Schweif anbelangt, so sieht dieser einer Schlange ähnlich, wenn ihr der Kopf abgeschlagen wäre, und hat nicht selten eine Länge von 120-130 Klaftern, und in der Gegend des Afters, da er anfängt, einen Dicke-Durchmesser von anderthalb Klaftern eures Maßes. Am Ende des Schweifes sind, wie bei einem Schiffsanker, drei starke Widerhaken. In dem Schweife hat dieses Tier die meiste Kraft. Es sucht sich mittelst desselben die Nahrung im Wasser, darum es sich auch beständig an den Meeresufern aufhält und da seinen langen Schweif fast ununterbrochen im Wasser herumschwärmen läßt, um sich irgendeinen tüchtigen Fisch oder ein anderes bedeutendes Wassertier mit den Schweifangeln zur wohlschmeckenden Nahrung zu fangen, wozu dieses Tier auch eine große Fertigkeit besitzt. Denn sowie es nur in irgendeinem Wasserwinkel etwas ihm zusagendes Lebendiges wittert, fährt es mit seinem Schweife unter dem Wasser pfeilschnell dahin und macht diesen seinen Schweifwurf so sicher, daß es seine Beute nie verfehlt. – Das wäre somit sein Schweif.
[Sa.01_028,06] Wie aber sieht denn der Kopf des Bauor aus? – Der Kopf dieses Tieres ist äußerst merkwürdig. Er sitzt auf einem langen und starken Halse und hat fast ganz die Gestalt eines Seekalbkopfes auf eurer Erde. Nur ist auch der Kopf in eben dem Verhältnis größer als der Kopf eines Erd-Seekalbs, wie sein Leib größer ist als der eines Erd-Pferdes. Also bis auf das Waffenauge sieht sein Kopf dem Kopfe eines Seekalbes gleich!
[Sa.01_028,07] Was hat es denn hernach mit dem sogenannten Waffenauge für eine Bewandtnis? – Seht, dieses Auge ist an und für sich kein Auge zum Schauen; aber es ist ein Auge zum Fühlen und zum Festhalten. Dieses Auge ist gewöhnlich geschlossen; wenn sich aber dem Tier irgend etwas Feindseliges naht, öffnet es dieses Auge. Sobald es geöffnet wird, bricht ein so intensiv roter Lichtstrahl aus ihm hervor, daß es ein leichteres ist, frei in die Mittagssonne zu schauen als in dieses Auge.
[Sa.01_028,08] Wenn dieser Strahl auf irgendein lebendes Wesen gerichtet ist, wird dieses alsbald von einer Art Unbehilflichkeit so gefangengenommen, daß es sich wie gebannt empfindet und die Stelle nicht verlassen kann, auf welcher es von diesem Blendlicht unseres Tieres getroffen wurde. Wenn das Tier dann sieht, daß der also beleuchtete Feind gehörig gefestet oder gebannt ist, nähert es sich demselben langsamen Schrittes so weit als sein mächtiger Schweif reicht, in welcher Entfernungsberechnung sich dieses Tier nie verrechnet. Sodann wirft das Bauor mit Blitzesschnelle seinen Schweif auf den Feind hin, angelt ihn und trägt ihn mit dem Schweife, der diesem Tier auch als ein Arm dient, sogleich in seinen überaus weiten Rachen, zermalmt ihn mit seinen starken Zähnen und verschlingt ihn zu seiner Sättigung. Es macht da gar keinen Unterschied, ob es ein Tier oder Mensch ist; denn seiner großen Gefräßigkeit zufolge schont es kein einziges lebendes Wesen, sei es ein Bewohner der Luft oder ein Bewohner der Erde oder des Wassers.
[Sa.01_028,09] Das wäre somit bis auf die Farbe alles Denkwürdige dieses Tieres!
[Sa.01_028,10] Was hat es denn für eine Farbe? – Am Bauch ist es hellblau; durch die Mitte des Bauches aber zieht sich der Länge nach ein dunkler, ziemlich breiter Streifen. Der Rücken ist von hellroter Farbe mit kleinen zebraartigen, gelben Streifen durchzogen. Die Füße sind pomeranzengelb von da angefangen, wo sie den Leib verlassen. Die Hufe aber sind vollkommen schwarz. Die Haare des Leibes sind im Verhältnis durchaus sehr kurz, darum auch schon einige Saturnbewohner der Meinung waren, als sei dieses Tier ganz nackt. Nur durch einige gefangene Exemplare wurden sie eines andern belehrt.
[Sa.01_028,11] Aber dieser Fang kam und kommt den Saturnbewohnern allezeit ziemlich teuer zu stehen. Denn wenn sie es fangen wollen, müssen sie demselben zuvor bedeutende Opfer bringen, als da sind eine ziemliche Menge großer Haustiere. Erst wenn sich das Bauor durch den Genuß vieler solcher Haustiere übersättigt hat, wird es schläfrig und matt, legt sich irgend auf einem Platze neben dem Wasser nieder, ringelt seinen Schweif zusammen und verdaut seine reichlich zu sich genommene Kost. Wenn die Saturnbewohner sehen, daß sich dieses Tier zur Ruhe begeben hat, dann müssen sie auch so schnell nur immer möglich eilen, damit sie Meister des Schweifes werden, welchen sie gewöhnlich mit einem Hiebe vom Leibe trennen. Wenn diese Operation vollbracht ist, müssen sie ebenso geschwinde die Stelle wieder verlassen. Denn da der Schweif, auch getrennt von seinem Tiere, noch lange fortlebt und sich mit den schauerlichsten Krümmungen hin- und herwirft, das Tier aber vor Schmerz ebenfalls wütend wird und mit seinen Hufen umherschlägt, so ist es durchaus nicht ratsam, sich nach der Operation in der Nähe dieses Tieres aufzuhalten. Solches wissen die Saturnbewohner, daher entfernen sie sich sogleich und warten auf ihren Schiffen auf der Oberfläche des Wassers die Zeit ab, wann dieses Tier regungslos zusammenstürzt und der Schweif sich krampfhaft ausgestreckt hat.
[Sa.01_028,12] Ist solches einmal vor sich gegangen, dann nähern sich unsre Schiffer wieder dem Ufer, hauen den Schweif noch auf mehrere Stücke entzwei, bei welcher Gelegenheit die zerhauenen Stücke eine ziemliche Zeitlang hin und her springen, nähern sich dann dem Tiere selbst und versuchen durch Stiche an der Rückengegend, ob im selben sich noch irgendein verborgenes Leben vorfindet. Macht das Tier bei solchen Stichen keine Bewegung mehr, so wird demselben alsbald die schöne Haut abgezogen, der Kopf aber wird ihm zuvor abgehauen und sehr schnell ins Wasser geworfen. Denn diese Jäger sind der Meinung, es möchte das Tier während der Hautabziehung das schreckliche Auge zufällig öffnen, und dann würden sie alle vergiftet; was aber natürlich nie der Fall sein könnte – weil dieses Auge durchaus kein Gift enthält und weil das heftige rote Licht des Auges vollkommen erlischt, sobald das Tier alle Lebenskräfte verloren hat.
[Sa.01_028,13] Ist die Haut von dem Tiere abgezogen und auf die Fahrzeuge gebracht, dann lassen die Jäger alles andere liegen und verwesen. Damit aber diese Verwesung desto schneller vor sich gehe, so gibt es da an einer solchen Ufergegend auch schon sehr bald allerlei hungrige Gäste, welche sich da ihren Hunger stillen, manche aber auch an ihrem wohlbekannten Feinde ihre Rache kühlen.
[Sa.01_028,14] Wozu aber benutzen dann die Saturnbewohner eine solche mühsam erlangte Haut? – Sie wird mit Öl gut eingerieben, daß sie nimmermehr steif werden kann. Ist solche Bearbeitung gut genug zu Ende gebracht, so wird die Haut zubereitet oder vielmehr gut beschnitten und danach zu einem Halbmantel verwendet. Ein solcher Mantel gilt auf dem Rücken eines Mannes mehr als bei euch ein ganzes Kaisertum. Denn da heißt es dann sprichwörtlich: Das Bauor macht den Fürsten oder den vorzüglichsten Patriarchen des Landes erst vollkommen ansehnlich als das, was er sein soll.
[Sa.01_028,15] Es gehört für die Saturnbewohner aber auch im Ernst die Bezwingung des Bauor zu einer der größten Wagetaten, die sie ausführen. Wer demnach sich einem solchen Mantel gefangen hat, der zeigt allen seinen Mitmenschen, von welch großem Mut er beseelt ist. Dieses Zeugnis aber gilt bei dem Saturnbewohner am meisten. Denn mit einem mutlosen Anführer und Leiter ist ihnen nicht gedient. Dann aber bezeugt ein solcher Mantel auch noch die großen Opfer, die der Erringer eines solchen Mantels gebracht hat. Daraus schließen dann die Saturnbewohner, daß ein solcher Bauor-Mantelinhaber auch bei seiner großen Tapferkeit ein sehr freigebiger Mensch ist, da er zum Wohle seiner Brüder solch große Unkosten nicht gescheut hat. Und endlich schließen sie aus dem Besitz eines solchen Mantels noch auf die große Klugheit eines solchen Menschen, da er es so weise angestellt hat, Meister dieses Ungeheuers zu werden, welches bei den Saturnbewohner in einem noch viel entsetzlicheren Ansehen steht als bei euch der sogenannte Drache oder Lindwurm.
[Sa.01_028,16] Wenn demnach ein Mensch ein solches Tier besiegt hat, so wird er auch bei jeder anderen Gelegenheit jedes Unternehmen mit großer Klugheit zu leiten imstande sein. Daher macht dieser Bauor-Mantel einen Saturnmenschen unfehlbar allezeit zu einem Großpatriarchen, wenn er auch sonst noch ums Drei- bis Vierfache jünger wäre als irgendein anderer Kleinpatriarch. Solange aber hernach dieser Mantel sich erhält, so lange auch dauert das Großpatriarchentum.
[Sa.01_028,17] Da dieser Mantel sonach stets die Großpatriarchenwürde verbürgt, wird auch mit nichts so sparend und schonend umgegangen, wie mit einem solchen Mantel; aus welchem Grunde ein solcher Mantel von einem Großpatriarchen nur bei höchst außerordentlichen Gelegenheiten umgehängt wird. Wie es aber überall auf unserem Planeten kleine Betrügereien gibt, so gibt es solche auch namentlich mit der dort fast allgemein für ewig gehaltenen Dauer eines solchen Mantels. Denn wenn er auch schon lange morsch geworden ist, wird er dennoch zuweilen durch einen falschen Mantel von anderen Tierhäuten als ein echter Bauor-Mantel forterhalten.
[Sa.01_028,18] Ein solches, zufolge dieses Bauor-Mantels errungenes Großpatriarchat vererbt sich so lange auf alle Kinder und Kindeskinder des Großpatriarchen, solange der Mantel noch als daseiend vorgewiesen werden kann. Nur so jemand zufolge einer frischen Unternehmung sich zum Besitze eines neuen Mantels verhilft und weiset solchen im ganzen Lande auf, dann ist es mit dem alten Patriarchat zu Ende. Jedoch bleibt der alte Patriarch dessenungeachtet noch immer ein angesehener Mann im Volke. In diesem Falle gilt selbst noch der letzte Fleck eines solchen Bauor-Mantels als ein vollkommen gültiges Adelsdiplom, durch welches der Inhaber so lange Bauormantel-Vorrechte genießt, als er nur noch ein Stückchen von einem solchen Mantel als Diplom aufzuweisen hat. Haben aber einmal einige gutgesinnte Motten das letzte Fleckchen zernagt, so haben sie auch die Würde eines solchen Urpatriarchen also zerstört, daß ihm am Ende nichts mehr davon übrigbleibt als allein die leere Erinnerung.
[Sa.01_028,19] Jedoch wir wollen diese saturnpolitischen Verhältnisse vorderhand nicht weiter verfolgen, da wir noch nicht beim Menschen sind – sondern werden uns dafür wieder sogleich zu den Tieren wenden. Bevor wir jedoch die Haustiere vornehmen wollen, werden wir einen allgemeinen Überblick über das gesamte nicht-zahme Saturn-Tiervolk werfen.
29. Kapitel – Harmonie der Weltkörper. Beispiele der Tonkunst. Geheimnisse der Tonlehre und der Schöpfung. Übereinstimmung der wilden Tierwelt von Saturn und Erde.
[Sa.01_029,01] Da wir, wie ihr wißt, nur die außerordentlichen Tiere jeder Gattung sonderheitlich betrachten, so ist es euch aus dem bereits Enthüllten schon bekannt, welche eigenartigen Tiere alle diesem Planeten eigen sind. Bei der Darstellung dieser Tiere werdet ihr bemerkt haben, daß sie zuallermeist von solcher Art sind, daß ihnen im ganzen kein Tier sowohl eurer Erde als irgendeines andern Planeten völlig ähnlich ist.
[Sa.01_029,02] Es besteht aber zwischen einem und dem andern Planeten eine immerwährende Harmonie in allem, ohne welche zwei Weltkörper, in einer noch so unendlichen Entfernung voneinander befindlich, nicht bestehen könnten. – Damit ihr dieses so viel als möglich richtig auffasset, muß Ich euch vorerst darauf aufmerksam machen, daß Harmonie nur da ist und sein kann, wo eine und dieselbe Ursache die Wirkung hervorbringt.
[Sa.01_029,03] Wenn ihr z.B. über ein flach gehobeltes Brett eine Saite spannt und schlagt dieselbe an, so wird die Saite allzeit einen Ton von bestimmbarer Höhe oder Tiefe geben. Spannt ihr die Saite mehr und mehr, so wird der Ton intensiver oder, wie ihr zu sagen pflegt, höher. Je weniger aber die Saite gespannt wird, desto tiefer wird auch der Ton. Was ist da wohl die Ursache der tönenden Wirkung? Ihr könnt durchaus keine andere finden und angeben, als das Brett und die über demselben gespannte Saite. So oft ihr nun diese Ursache erneuert, so oft auch werdet ihr immer dieselbe Wirkung haben. Die Änderungen in der Höhe und der Tiefe machen hier durchaus keinen Unterschied. Denn Ton bleibt Ton, ob er ein hoher oder ein tiefer ist. Ihr werdet hier freilich wohl fragen, was da eigentlich den Ton bewirkt – ob das glattgehobelte Brett oder ob die Saite? – Und Ich sage euch, weder das Brett allein für sich, noch die Saite allein für sich, sondern beide also gemeinschaftlich, daß das gehobelte Brett als ein zusammenhängendes Ganzes alle nur denkbaren Formen zur Bildung des Tones in der allzeitigen Bereitschaft hat. Die über demselben sich schwingende Saite aber ruft diese Formen voneinander wohl unterscheidbar hervor. Und so ist das gehobelte Brett der Inhalt aller denkbaren Tonformen. Die darüber gespannte Saite aber ist da, um dieselben zu wecken und sie dann in die vernehmbare Erscheinlichkeit überzuführen. Damit aber solches möglich ist, muß zwischen dem gehobelten Brett und der Saite eine unleugbare Harmonie obwalten.
[Sa.01_029,04] Wenn etwa jemand auch die Luft als ein Mittel zur Bildung des Tones betrachten wollte, dann muß gezeigt werden, daß bei der Hervorbringung irgendeiner Wirkung nie und unmöglich mehr denn zwei polarische Ursachen in einen gegenseitig produzierenden Konflikt treten können. Das Mittel aber kann nie als eine Ursache angesehen werden, sondern nur als ein Weg, auf welchem die von den zwei Polaritäten hervorgebrachte Wirkung zur Erscheinung kommt.
[Sa.01_029,05] Nehmet z.B. das magnetische Fluidum! Kann sich dieses denn nur, wenn es von irgendeiner Eisenstange aufgenommen wurde, polarisch vorfinden, oder ist es nicht vielmehr in sich selbst polarisch freiwirkend durch die ganze Unendlichkeit da? Seht, somit ist eine Eisenstange nur ein Weg, auf welchem dieses Fluidum sich euren Sinnen fühlbar äußern kann. Die Stange an und für sich aber kann doch unmöglich als das angesehen werden, welches das magnetische Fluidum selbst hervorbringt.
[Sa.01_029,06] Oder sind die Luft und der Äther zwischen der Sonne und einem Planeten dasjenige, was das Licht bewirkt? Sind sie nicht vielmehr nur der Weg, durch welchen das Licht, von einer Sonne ausgehend, zu einem Planeten gelangt, wenn der Planet so gestaltet ist, daß er fähig ist, das auf ihn überkommende Licht aufzunehmen?
[Sa.01_029,07] Sonach wollen wir auf diese Weise auch die Luft bei unserer Tonbildung nicht als ein tonbewirkendes Mittel ansehen, sondern nur als den Weg, auf welchem die Tonformen, wie sie zwischen der Saite und dem gehobelten Brett gebildet werden, von dem Ohre wahrgenommen werden können.
[Sa.01_029,08] Ihr müßt euch unter „Ton“ überhaupt nicht den Klang denken, sondern nur eine Form, welche durch einen gewissen Grad von Schwingungen irgendeiner glatten und elastischen Fläche entlockt wird. Der Klang an und für sich ist nur ein Zeuge, daß da durch regelmäßige Schwingungen irgendeines schwingbaren Körpers die Formen eines andern ihm zugrundeliegenden Körpers entwickelt worden sind. Ich sage: Obschon ihr euch in der Tonkunst bewandert glaubt, so seid ihr aber nahe in keinem Fache so schlecht bewandert als eben in der Tonkunst. Denn da versteht ihr nichts mehr, als was die Würmer verstehen, die an der toten Rinde eines Baumes nagen. Demnach stellt ihr zwar wohl einzelne verschiedene hohe oder tiefe Töne zusammen und ergötzt euch an dieser Musik also, wie sich die Würmer ergötzen, wenn sie die tote Rinde eines Baumes benagen. Welcher von euch aber hat es sich noch je beifallen lassen, daß der Ton eine der allerwunderbarsten Formen ist?
[Sa.01_029,09] Seht, so ihr irgendeinen Ton singt oder mit einem Klanginstrument hervorbringt, so wißt ihr dabei nichts mehr zu sagen als: Dieser Ton heißt entweder c oder a und ist entweder in einer oder der andern Oktave, und daß ihr dabei auch noch bestimmt, durch welches Klanginstrument irgendein solcher Ton bewirkt worden ist. Gestehet, ob ihr von dem Ton viel mehr wisset – außer daß ihr noch die Qualität des Tones bewertet und seine Verhältnisse gegenseitig mit eurem Ohr bemesset, so seid ihr auch mit dem Ton vollkommen fertig.
[Sa.01_029,10] Damit ihr aber desto gründlicher einsehet, wie wenig ihr in der Tonkunst bewandert seid, so will Ich euch nur im Vorübergehen etwas Weniges über den Ton selbst sagen.
[Sa.01_029,11] Ihr wisset, daß über ein und dasselbe Brett eine Menge Saiten gespannt werden können, und eine jede Saite wird nach dem Grad der Spannung einen verschieden hohen oder tiefen Ton von sich geben, und das alles auf einem und demselben Brett. Wenn aber auf einem und demselben Brett alle nur denkbaren Unterschiede der Töne hervorgebracht werden können, so müssen ja auch in eben und demselben Brett unendlich viele Formen vorhanden sein, damit sie durch jeden möglichen Grad der Spannung einer Saite vollkommen vernehmbar in die Erscheinlichkeit treten können.
[Sa.01_029,12] Wenn ihr nun das Brett an und für sich betrachtet, was findet ihr daran? Nichts als ein leeres, gehobeltes Brett! Und wenn ihr darauf die eine oder andere Saite betrachtet, was findet ihr an ihr? Nichts als einen gleichförmig elastischen Faden, entweder aus Metall oder aus den Gedärmen der Tiere. Und so habt ihr nichts als zwei platte Einförmigkeiten, aus denen sich nichts herabphilosophieren läßt vor euch. Und dennoch liegt in diesen zwei platten Einförmigkeiten eine solche Mannigfaltigkeit, daß davon alle Tondichter von Davids Zeiten her noch nicht den milliardsten Teil in allen ihren Kompositionen aufgegriffen haben – da doch diese äußeren Töne in Hinsicht des eigentlichen wahren Tones an und für sich nichts anderes sind, als was da ist die tote Rinde eines Baumes gegen dessen inneres, unsichtbares geistiges Leben.
[Sa.01_029,13] Was ist also demnach der Ton? – Der Ton ist nichts anderes als ein Sichkundgeben der endlos vielen harmonischen geistigen Formen, wie dieselben der Materie innewohnen oder wenigstens in diese hineinragen. Und demnach ist das mitschwingende Brett eines Klanginstrumentes eine unendliche Welt voll geistiger Formen. Und wenn ihr z.B. einen Ton unter dem Namen c oder a angeschlagen habt, so hat sich durch den einfachen Klang nichts mehr oder weniger als eine ganze Schöpfung mit einer ewig unzählbaren Zahl der Wesen aller Art für euer Ohr einförmig vernehmbar gemeldet.
[Sa.01_029,14] Ihr klebt dann nur an dem, was ihr vernehmt. Was aber hinter dem Vernommenen steckt, das beachtet ihr nicht. Und wenn euch bei mehreren nacheinander folgenden harmonischen Klängen auch eine große Ahnung ergreift und euch die geistig lebendigen Formen förmlich am Genick packen, so seid ihr doch blind und naget an der Rinde, ohne bei jedem einfachen Ton zu bedenken, daß eben durch den vernehmbaren Ton eines alleinigen Wortes alle Dinge, welche die ganze Unendlichkeit erfüllen, hervorgegangen sind. – Nun könnt ihr euch wohl einen kleinen Begriff machen, was ein Ton ist und wie unterschieden seine große Bedeutung ist vom einförmigen Klang, den ihr Ton nennt.
[Sa.01_029,15] Da wir aber zuvor von den harmonischen Verhältnissen ausgegangen sind und dargetan haben, wie zwischen einem glatten Brett und einer darüber gespannten Saite eine stetige Harmonie obwaltet und daß eben aus dieser Harmonie dem Äußern nach dieselben Wirkungen entstammen, so können wir auch unserem ersten Satz volle Geltung verschaffen, in welchem gesagt wird, daß zwischen zwei noch so entfernten Weltkörpern eine stetige Harmonie sich vorfinden muß.
[Sa.01_029,16] Warum denn? – Denkt euch die Sonne als das mitschwingende Brett, die Planeten aber als Saiten über das Brett gespannt. Wenn nun diese um das mitschwingende Brett der Sonne schwebenden Planetensaiten durch das ausgehende Licht von der Sonne angeschlagen werden, so nehmen sie auf diese Weise alle die in der Sonne schon zugrunde liegenden Formen auf, nachdem sie dieselben auf dem Weg des Lichtes überkommen haben, und setzen sie dann in die äußere Erscheinlichkeit.
[Sa.01_029,17] Wenn ihr nun darauf einen Blick richtet, daß die Saite des Saturnplaneten über dieselbe Sonne gespannt ist, wie die Saite der Erde, die ihr bewohnt, so muß es euch ja auch einleuchtend sein, daß dieselbe Ursache, welche auf eurer Erde wirkt und ihre Formen auf derselben in die Erscheinlichkeit treten läßt, auch auf dem Saturn dasselbe bewirken wird.
[Sa.01_029,18] Wenn ihr z.B. ein siebenoktaviges und zugleich ein fünfoktaviges Klavier nehmen möchtet, so wird da niemand in Abrede stellen, daß das mehroktavige Klavier noch tiefere und höhere Töne haben wird als das fünfoktavige. Wenn aber das mehroktavige Klavier mit seiner Skala da eintritt, wo des fünfoktavigen Instrumentes tiefster oder höchster Ton liegt, so wird es hernach mit demselben gleichtönend die Skala so lange harmonisch fortsteigen oder fallen lassen, wie das fünfoktavige; nur werden natürlich die Töne des größeren Instruments sicher stärker, größer und ausgebildeter klingen als die auf dem kleineren Instrument.
[Sa.01_029,19] Nun seht, jetzt haben wir eigentlich schon alles. – Ich sagte gleich anfangs, daß wir zuvor noch einen allgemeinen Überblick über das sämtliche unzahme Saturntiervolk werfen wollen, bevor wir zur sonderheitlichen Darstellung des zahmen Getiers übergehen werden. Und Ich sage euch, einen solchen allgemeinen Überblick haben wir nun schon gemacht. Denn diese Darstellung der produktiven Kraft der Sonne war zuvor notwendig, damit das noch zu Sagende nicht als eine Faselei oder als eine nötigende Darstellung der Dinge auf diesem Planeten so erscheint, als wäre demjenigen, der solches kundgibt, der Phantasiefaden ausgegangen und er demzufolge zu dem die Zuflucht nehmen müßte, was die Erde als Planet an formellen Erscheinlichkeiten bietet. Daß er sagen müßte: Alles Getier der Erde findet sich auch auf diesem Planeten mit wenigen Abweichungen vor; nur daß es im Verhältnis größer und stärker ist und zufolge des schon mehr geteilten Lichtes der Sonne auch buntfarbiger.
[Sa.01_029,20] Da aber solche anatomisch zergliederte Darstellung der harmonischen Verhältnisse vorangegangen ist, so wird niemand, der gläubigen Herzens ist, dagegen etwas einzuwenden haben, so Ich nun sage: Von eurem größten Urelefanten angefangen bis zur allerkleinsten Maus hat auch der Saturn alle diese Tiere der Erde vollständig auf seiner Oberfläche, nur sind sie im Verhältnis größer und stärker und wechseln ihre Farben zwischen blau, grün, rot, weiß und schwarz, während die Farben der Tiere eures Erdkörpers darum nur selten vollkommen ausgebildet sind, weil die Strahlen der Sonne noch zu intensiv und daher wenig gesondert auf den Boden fallen Die Färbung ist ja allezeit eine Folge des Lichts. Eure Blumen sind zwar ebenfalls mit allerlei vollkommenen Farben gefärbt, aber es geht der Farbe dennoch der gewisse lebendige Glanz ab, durch welchen alle Blumen unseres Saturn so lebendig werden, und auch alle anderen Färbungen sowohl der Tiere als auch der Menschen dieses Planeten.
[Sa.01_029,21] Dieses genügt somit für den allgemeinen Überblick der vierfüßigen und auch der anderen Tierwelt dieses Planeten. Demnach werden wir auch von den zahmen Tieren nur diejenigen wenigen einer kurzen näheren Betrachtung unterziehen, welche das fünfoktavige Erdklavier nicht enthält.
30. Kapitel – Die zahmen Tiere des Saturn. Die Kuh Buka, das nützlichste Saturntier.
[Sa.01_030,01] Das erste zahme Tier, das wir betrachten wollen, ist die große, zahme Kuh der Saturnbewohner, von ihnen „Buka“ genannt. – Ihr werdet euch vielleicht denken: Warum muß denn gerade von der Kuh zuerst die Rede sein und warum nicht zuerst vom Stier? Es ist aber hier nicht eine zoologische Aufzählung des Tierreiches, wo nach der gelehrten Ordnung der sogenannten Zoologen nahe allezeit das Männlein vor dem Weiblein einhergehen muß, sondern hier ist eine Aufzählung der Tiere des Planeten nach dem Range ihrer Tauglichkeit und sonach auch ihrer Denkwürdigkeit. Da aber die Kuh auf diesem Planeten ein viel tauglicheres Tier ist und also auch viel denkwürdiger, so lassen wir es auch wohlgeordnetermaßen vor dem Männlein, das heißt vor dem Stiere einhergehen.
[Sa.01_030,02] Was ist also unsere Buka für ein Tier? Wie sieht sie aus, wie groß ist sie und wo ist sie zu Hause?
[Sa.01_030,03] Die Buka oder Saturn-Kuh ist ein riesenhaft großes Tier, aber dennoch ungemein zahm. Und im Verhältnis zu seiner riesenhaften Größe verzehrt es sehr wenig Futter, trinkt aber desto mehr Wasser.
[Sa.01_030,04] Dieses Tier ist unter den Geschöpfen dieses Planeten das allernützlichste und macht mit seiner sehr reichlichen und überaus wohlschmeckenden, etwas gelblich aussehenden Milch den vorzüglichsten Nahrungsquell der Saturnbewohner aus. Ihr möchtet wissen, wieviel nach eurem Maß eine solche Kuh in einem Saturntage (Milch) gibt. Da der Saturntag ohnehin nicht viel unterschieden ist von einem Erdtage, so muß es euch nicht gar zu übermäßig wundernehmen, wenn Ich euch sage, daß diese Kuh bei regelmäßig guter Melke des Tages nicht selten eintausend Eimer Milch nach eurem Maße gibt.
[Sa.01_030,05] (NB! Eine solche Kuh dürfte hier auf eurem Erdkörper manchen wirtschaftlichen Industrierittern nicht unerwünscht sein, vorausgesetzt, daß sie eben nicht viel mehr des Futters bedürfe als eine gewöhnliche Erdkuh, des Wassers aber dazu trinken könnte, so viel sie nur wollte und möchte. Allein da sich solche sehr ökonomische Menschen bei einer solchen Kuh im Geiste allzusehr verwirtschaften möchten, so lassen wir sie nur im Saturn – ungeachtet dessen es uns nicht gerade unmöglich wäre, auch auf der Erde eine Saturnkuh zu erschaffen.)
[Sa.01_030,06] Wie sieht denn eigentlich im Saturn eine solche Kuh aus? – Was die Form betrifft, so hat sie eine ziemliche Ähnlichkeit mit der sogenannten Auerkuh. Was aber dann deren Größe betrifft, da ist der Unterschied freilich wohl unvergleichbar; ja so groß ist er, daß eine gewöhnliche Kuh eurer Erde auf dem Rücken einer Saturnkuh sich kaum größer ausnehmen dürfte als eine Fliege auf dem Rücken einer eurer Kühe. Das Männlein oder der Stier ist nach dem Mud beinahe das größte Tier dieses Planeten. Die Kuh jedoch ist bedeutend kleiner als das Männlein. Wenn eine solche Saturnkuh hier auf eurer Erde stünde, so würdet ihr von ihrem Rücken aus eine bei weitem größere Aussicht haben, als so ihr euch auf eurem Plabutschberge befindet, obschon die Größe der Kühe auf diesem Planeten selbst sehr verschieden ist.
[Sa.01_030,07] Die größere Gattung dieser Kühe befindet sich vor allem in jenem großen Kontinentland, welches gleich anfangs der Enthüllung dieses Planeten gezeigt wurde. In diesem Kontinentland ist eine solche Kuh nicht selten bei vierhundert Klafter hoch und vom Kopf bis zum Schweif doppelt so lang. Ihr Leib befindet sich auf vier verhältnismäßig festen Füßen, welche jedoch, verglichen mit dem übrigen Leib, kürzer sind als die Füße einer Erd-Kuh im Verhältnis zu ihrem Leib. Zwischen den beiden Hinterfüßen hängt ein außerordentlich großes Euter, welches mit acht verhältnismäßig langen Zitzen versehen ist. Die Zitzen hängen aber, wenn eine solche Kuh steht, dennoch über vierzig Klafter hoch über dem Boden.
[Sa.01_030,08] Wie wird denn dann eine solche Kuh gemolken? – Nicht so wie bei euch; sondern eine solche Kuh gibt die Milch von selbst. Vermöge ihres Organismus steht das Geben oder das Verhalten der Milch bei dem Instinktwillen dieses Tieres. – Wie merken aber die Saturnbewohner, wenn die Kuh die Milch geben will? – Solches merken sie fürs erste aus der aufgedunsenen Völle des Euters und fürs zweite wenn das Tier sich selbst zur Ruhe stellt, nachdem es zuvor gewöhnlich ein großes Quantum Wasser getrunken hat.
[Sa.01_030,09] Wenn eine solche Kuh sich sonach ruhig gestellt hat, da eilen die Saturnbewohner alsbald mit ihren großen, euch schon bekannten Kürbisgewächsen her, halten deren weite Öffnungen unter die Zitzen der Kuh und fangen dann sorgsam in denselben die Milch auf, welche die Kuh freiwillig von sich gibt. Hat sich die Kuh ihrer Milch entledigt, so gibt sie das allezeit durch einen donnerartigen Murrer zu verstehen.
[Sa.01_030,10] Nach einem solchen Murrer eilen die Milchsammler mit ihren vollen Gefäßen sogleich unter dem Bauch der Kuh hinweg, damit, wenn die Kuh sich wieder zu bewegen anfängt, niemand zertreten werden möchte durch den überaus riesigen und schweren Fuß unserer Buka. Bei einer mehrere Jahre alten Kuh ist zwar dergleichen nie zu befürchten; diese setzt so lange keinen Fuß von der Stelle, als sich ein Mensch noch unter ihrem Bauche befindet. Aber bei einer jungen Kuh, die natürlicherweise viel lebhafter ist, muß da viel vorsichtiger zu Werke gegangen werden.
[Sa.01_030,11] Sonst aber machen die Saturnbewohner ebenfalls viel Butter, Schmalz und Käse aus dieser Milch, welches alles sie vorzugsweise gerne genießen, besonders den Käse mit Butter und mit Honig bestrichen. Der Honig rührt aber auf diesem Planeten nicht von den Bienen her, sondern von einer Art großkelchiger, überaus wohlriechender Blumen, deren ziemlich weite Kelche nahe über die Hälfte mit Honig gefüllt sind.
[Sa.01_030,12] Wie genießen denn die Saturnbewohner die äußerst wohlschmeckende Milch dieser Kuh? – Nahe gerade also, wie ihr die Milch eurer Kühe genießt. Nur zu keinem Kaffee gebrauchen sie dieselbe, denn dergleichen extra närrische Speisen kennen die Saturnbewohner nicht. Sie kochen zwar wohl auch einige ihrer Speisen, aber den Saft einer verkohlten Frucht fliehen sie wie die Pest, weil sie es wohl wissen, daß die Speisen samt und sämtlich also am gesündesten und nahrhaftesten sind, wie Ich sie in der Natur zubereitet und am reinen Feuer meiner Sonne gekocht habe.
[Sa.01_030,13] Also wüßten wir auch in aller Kürze, wie die Saturnbewohner ihre Milch genießen. – Demnach bleibt uns nichts mehr übrig, als allein nur noch zu sagen, was diese Kuh für eine Farbe hat. – Der Leib dieser Kuh ist bis zur unteren Bauchgegend, welche vollkommen weiß ist, blaugrau. Die Beine aber, wo sie den Leib verlassen, gehen nach und nach ins Dunkelblaue über, sowohl die vorderen als auch die hinteren. – Der Schweif dieses Tieres ist ebenfalls dunkler als der Leib und ist an seinem Ende mit einem überaus starken, zinnoberroten Mähnenbusch verziert. – Der Hals ist im Verhältnis zu dem Körper mehr schlank als massiv und ist, vom Kopf angefangen bis zu den Vorderfüßen, nach jeder Seite hin mit starken und langen, ebenfalls zinnoberroten Mähnen behangen, wovon ein Haar nicht selten bei fünfhundert Klafter lang ist. Auch der Kopf ist im Verhältnis zu dem übrigen Leib des Tieres mehr klein – und hornlos. Das Männlein aber hat doch zwei aufrechtstehende kleine Hörner, die nach rückwärts gebogen sind wie bei einer Gemse.
[Sa.01_030,14] Etwas Auszeichnendes am Kopf der Kuh sind ihre Ohren, davon ein jedes nicht selten eine Länge von dreißig bis vierzig Klaftern und ungefähr ein Drittel dieses Maßes in der Breite hat. Die Ohren sind von blendendweißer Farbe. Die Stirne dieses Tieres ist lichtblaugrau, um die Gegend der verhältnismäßig großen Augen aber etwas dunkler. Die Schnauze ist geradeso gebaut, wie die einer Kuh bei euch. Sie ist ebenfalls nackt und von dunkelgrauer Farbe. – Alles übrige ist vollkommen ebenmäßig und ähnlich einer schon bekannten Auerkuh auf der Erde.
[Sa.01_030,15] Wird diese Kuh etwa in einem Stall gehalten? – O nein; diese ist zu groß, als daß man über ihr einen zweckmäßigen Stall bauen könnte. Wohl aber wird sie in einem lebenden Garten gehalten. Bei den Saturnbewohnern ist dies nichts anderes als die Umzäunung einer bedeutend großen Wiesenfläche mit dem sogenannten Wandbaum, über welchen unsere Kuh trotz ihrer Größe dennoch nicht kommen kann, da sie, wie ihr schon wißt, im Verhältnis zu ihrem Leib nur kurze Füße hat und diese Füße bei ihrem Fortschreiten nie höher als nur fünf Klafter eures Maßes vom Boden des Saturnerdreichs erheben kann. Das ist somit der Stall für eine solche Kuh! Freilich ist eine solche umzäunte Wiese nicht selten so groß wie der dreifache Flächenraum eures Vaterlandes.
[Sa.01_030,16] Wie viele Kühe hat denn hernach ein Saturnbewohner? – Ich sage euch, der Inhaber von zehn solchen Kühen und zwei Stieren daneben wird schon für den allerreichsten gehalten; sonst aber bleibt es gewöhnlich bei der Einfachheit.
[Sa.01_030,17] Das ist nun alles, was ihr von diesem Tier als denkwürdig zu betrachten habt. Und somit wollen wir uns auch wieder zu einem andern, ebenfalls sehr nützlichen Haustier wenden, und das zur sogenannten Blauen Hausziege, welche wir bei der nächsten Gelegenheit näher betrachten wollen.