Die Jugend Jesu, 4. - 7. Kapitel

Quellentext (unbearbeitet) – Leseprobe bzw. historischer Einführungstext.

4. Kapitel – Marias kindlich-unschuldiges Gespräch mit Gott und die Antwort von oben.
1. August 1843

[JJ.01_004,01] Als aber darauf der Engel sobald wieder verschwand, da lobte und pries Maria Gott den Herrn und sprach also bei sich in ihrem Herzen:
[JJ.01_004,02] „O was bin ich denn doch vor Dir, o Herr, daß Du mir solche Gnade erweisen magst? –
[JJ.01_004,03] Ich solle schwanger werden, ohne je einen Mann erkannt zu haben; denn ich weiß ja nicht, was Unterschiedes da ist zwischen mir und einem Manne.
[JJ.01_004,04] Weiß ich denn, was das so in der Wahrheit ist: schwanger sein? O Herr! siehe, ich weiß es ja nicht!
[JJ.01_004,05] Weiß ich wohl, was das ist, wie man sagt: ,Siehe, ein Weib gebäret‘? – O Herr! siehe mich gnädig an; ich bin ja nur eine Magd von vierzehn Jahren und habe davon nur reden gehört – und weiß aber darum doch in der Tat nichts!
[JJ.01_004,06] Ach, wie wird es mir Armseligen ergehen, so ich werde schwanger sein – und weiß nicht, wie da ist solch ein Zustand!
[JJ.01_004,07] Was wird dazu der Vater Joseph sagen, so ich ihm sagen werde, oder er es etwa also merken wird, daß ich schwanger sei?!
[JJ.01_004,08] Etwas Schlimmes kann das Schwangersein ja doch nicht sein, besonders wenn eine Magd, wie einst die Sara, vom Herrn Selbst dazu erwählet wird?
[JJ.01_004,09] Denn ich habe es ja schon öfter im Tempel gehört, welch eine große Freude die Weiber haben, wenn sie schwanger sind!
[JJ.01_004,10] Also muß das Schwangersein wohl etwas recht Gutes und überaus Beseligendes sein, und ich werde mich sicher auch freuen, wann mir das von Gott gegeben wird, daß ich schwanger werde!
[JJ.01_004,11] Aber wann, wann wird das geschehen, und wie? – oder ist es schon geschehen? Bin ich schon schwanger, oder werde ich es erst werden?
[JJ.01_004,12] O Herr! Du ewig Heiliger Israels, gebe mir, Deiner armen Magd, doch ein Zeichen, wann solches geschehen wird, auf daß ich Dich darob loben und preisen möchte!“
[JJ.01_004,13] Bei diesen Worten ward Maria von einem lichten Ätherhauche angeweht, und eine gar sanfte Stimme sprach zu ihr:
[JJ.01_004,14] „Maria! sorge dich nicht vergeblich; du hast empfangen, und der Herr ist mit dir! – Mache dich an deine Arbeit, und bringe sie zu Ende, denn fürder wird für den Tempel keine mehr gemacht werden von dieser Art!“
[JJ.01_004,15] Hier fiel Maria nieder, betete zu Gott und lobte und pries Ihn für solche Gnade. – Nachdem sie aber dem Herrn ihr Lob dargebracht hatte, erhob sie sich und nahm ihre Arbeit zur Hand.

5. Kapitel – Die Übergabe der beendeten Tempelarbeit Mariens. Maria und der Hohepriester. Maria besucht ihre Muhme Elisabeth.
2. August 1843

[JJ.01_005,01] In wenigen Tagen ward Maria auch mit dem Purpur fertig, ordnete ihn dann und nahm den Scharlach und legte ihn zum Purpur.
[JJ.01_005,02] Darauf dankte sie Gott für die Gnade, daß Er ihr hatte lassen ihre Arbeit so wohl vollenden, wickelte dann das Gespinst in reine Linnen und machte sich damit nach Jerusalem auf den Weg.
[JJ.01_005,03] Bis zum Hausbau, da Joseph arbeitete, ging sie allein; aber von da an begleitete sie wieder Joseph nach Jerusalem und daselbst in den Tempel.
[JJ.01_005,04] Da angelangt, übergab sie sobald die Arbeit dem Hohenpriester.
[JJ.01_005,05] Dieser besah wohl den Scharlach und den Purpur, fand die Arbeit allerausgezeichnetst gut und belobte und begrüßte darum Mariam mit folgenden Worten:
[JJ.01_005,06] „Maria, solche Geschicklichkeit wohnet nicht natürlich in dir, sondern der Herr hat mit deiner Hand gewirket!
[JJ.01_005,07] Groß hat dich darum Gott gemacht; gebenedeiet wirst du sein unter allen Weibern der Erde von Gott dem Herrn, da du die erste warst, die da ihre Arbeit dem Herrn in den Tempel überbracht hat.“
[JJ.01_005,08] Maria aber, voll Demut und Freude in ihrem Herzen, sprach zum Hohenpriester:
[JJ.01_005,09] „Würdiger Diener des Herrn in Seinem Heiligtume! O lobe mich nicht zu sehr, und erhebe mich nicht über die andern; denn diese Arbeit ist ja nicht mein Verdienst, sondern allein des Herrn, der da meine Hand leitete!
[JJ.01_005,10] Darum sei Ihm allein ewig alles Lob, aller Ruhm, aller Preis und alle meine Liebe und alle meine Anbetung ohne Unterlaß!“
[JJ.01_005,11] Und der Hohepriester sprach: „Amen, Maria! du reine Jungfrau des Herrn, du hast wohl geredet vor dem Herrn! – So denn ziehe nun wieder hin im Frieden; der Herr sei mit dir!“
[JJ.01_005,12] Darauf erhob sich Maria und ging mit Joseph wieder bis zur Baustelle hin, allda sie eine kleine Stärkung, bestehend aus Brot und Milch und Wasser, zu sich nahm.
[JJ.01_005,13] Es wohnte aber bei einer halben Tagereise weit vom Bauplatze über einem kleinen Gebirge eine Muhme Mariens, namens Elisabeth; diese möchte sie besuchen und bat den Joseph darum um die Erlaubnis.
[JJ.01_005,14] Joseph aber gestattete ihr gar bald, solches zu tun, und gab ihr zu dem Behufe auch den ältesten Sohn zum Führer mit, der sie so weit begleiten mußte, bis sie das Haus Elisabeths erschaute.

6. Kapitel – Der wunderbare Empfang Mariens bei Elisabeth. Demut und Weisheit der Maria. Marias Heimkehr zu Joseph.
3. August 1843

[JJ.01_006,01] Bei der Elisabeth angelangt, d.h. bei ihrem Hause, pochte sie gar bald schüchternen Gemütes an die Türe nach dem Gebrauche der Juden.
[JJ.01_006,02] Als aber Elisabeth vernommen hatte das schüchterne Pochen, gedachte sie bei sich: „Wer pochet denn da so ungewöhnlich leise?
[JJ.01_006,03] Es wird ein Kind meines Nachbars sein; denn mein Mann, der da stumm noch ist im Tempel und harret der Erlösung, kann es nicht sein!
[JJ.01_006,04] Meine Arbeit aber ist wichtig; solle ich sie wohl weglegen des unartigen Kindes meines Nachbars wegen?
[JJ.01_006,05] Nein, das will ich nicht tun, denn es ist eine Arbeit für den Tempel, und diese steht höher denn die Unart eines Kindes, das da sicher wieder nichts anderes will, als mich bekanntermaßen necken und ausspötteln.
[JJ.01_006,06] Daher werde ich fein bei der Arbeit sitzen bleiben und das Kind lange gut pochen lassen.“
[JJ.01_006,07] Maria aber pochte noch einmal, und das Kind im Leibe der Elisabeth fing an vor Freude zu hüpfen, und die Mutter vernahm eine leise Stimme aus der Gegend des in ihr hüpfenden Kindes, und die Stimme lautete:
[JJ.01_006,08] „Mutter, gehe, gehe eiligst; denn die Mutter meines und deines Herrn, meines und deines Gottes ist es, die da pochet an die Türe und besucht dich im Frieden!“ –
[JJ.01_006,09] Elisabeth aber, als sie das gehört hatte, warf sogleich alles von sich, was sie in den Händen hatte, und lief und öffnete der Maria die Türe,
[JJ.01_006,10] gab ihr dann nach der Sitte sogleich ihren Segen, umfing sie dann mit offenen Armen und sagte zu ihr:
[JJ.01_006,11] „O Maria, du Gebenedeite unter den Weibern! Du bist gebenedeit unter allen Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes!
[JJ.01_006,12] O Maria, du reinste Jungfrau Gottes! – Woher wohl kommt mir die hohe Gnade, daß mich die Mutter meines Herrn, meines Gottes besucht?!“
[JJ.01_006,13] Maria aber, die nichts von all den Geheimnissen verstand, sagte zu Elisabeth:
[JJ.01_006,14] „Ach liebe Muhme! – ich kam ja nur auf einen freundlichen Besuch zu dir; was sprichst du denn da für Dinge über mich, die ich nicht verstehe? – Bin ich denn schon im Ernste schwanger, daß du mich eine Mutter nennst?“
[JJ.01_006,15] Elisabeth aber erwiderte der Maria: „Siehe, als du zum zweiten Male pochtest an die Türe, da hüpfte sobald das Kindlein, das ich unter meinem Herzen trage, vor Freude und gab mir solches kund und grüßte dich in mir schon zum voraus!“
[JJ.01_006,16] Da blickte Maria auf zum Himmel und gedachte, was da der Erzengel Gabriel zu ihr geredet hatte, obwohl sie von all dem noch nichts verstand, und sprach:
[JJ.01_006,17] „O Du großer Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, was hast Du wohl aus mir gemacht? Was bin ich denn, daß mich alle Geschlechter der Erde selig preisen sollen?“
[JJ.01_006,18] Elisabeth aber sprach: „O Maria, du Erwählte Gottes, trete in mein Haus und stärke dich; da wollen wir uns besprechen und gemeinschaftlich Gott loben und preisen aus allen unseren Kräften!“
4. August 1843
[JJ.01_006,19] Und die Maria folgte sobald der Elisabeth in ihr Haus und aß und trank und stärkte sich und ward voll heiteren Mutes.
[JJ.01_006,20] Elisabeth aber fragte die Maria um vieles, was alles sie im Tempel während ihres Dortseins als Zuchtkind des Herrn erfahren habe, und wie ihr alles das vorgekommen sei.
[JJ.01_006,21] Maria aber sagte: „Teure, vom Herrn auch gar wohl gesegnete Muhme! – Ich meine, diese Dinge stehen für uns zu hoch, und wir Weiber tun unklug, so wir uns über Dinge beraten, darüber der Herr die Söhne Aarons gesetzt hat.
[JJ.01_006,22] Daher bin ich der Meinung, wir Weiber sollen die göttlichen Dinge Gott überlassen und denen, die Er darüber gestellt hat, und sollen nicht darüber grübeln.
[JJ.01_006,23] So wir nur Gott lieben über alles und Seine heiligen Gebote halten, da leben wir ganz unserem Stande gemäß; was darüber ist, gebühret den Männern, die der Herr beruft und erwählt.
[JJ.01_006,24] Ich meine, liebe Muhme, das ist recht, darum erlasse mir die Ausschwätzerei aus dem Tempel; denn er wird darum nicht besser und nicht schlechter. Wann es aber dem Herrn recht sein wird, dann wird Er schon den Tempel züchtigen und umstalten zur rechten Zeit.“
[JJ.01_006,25] Elisabeth aber erkannte in diesen Worten die hohe Demut und Bescheidenheit Mariens und sagte zu ihr:
[JJ.01_006,26] „Ja, du gnaderfüllte Jungfrau Gottes! Mit solchen Gesinnungen muß man ja auch die höchste Gnade vor Gott finden!
[JJ.01_006,27] Denn also, wie du sprichst, kann nur die höchst reinste Unschuld sprechen; – und wer darnach lebt, der lebt sicher gerecht vor Gott und aller Welt.“
[JJ.01_006,28] Maria aber sagte: „Das gerechte Leben ist nicht unser, sondern des Herrn, und ist eine Gnade!
[JJ.01_006,29] Wer da aus sich gerecht zu leben glaubt, der lebt vor Gott sicher am wenigsten gerecht; wer aber stets seine Schuld vor Gott bekennt, der ist es, der da gerecht lebt vor Gott.
[JJ.01_006,30] Ich aber weiß nicht, wie ich lebe, mein Leben ist eine pure Gnade des Herrn; daher kann ich auch nichts anderes tun, als Ihn allzeit lieben, loben und preisen aus allen meinen Kräften! – Ist dein Leben wie das meinige, da tue desgleichen, und der Herr wird daran mehr Wohlgefallen haben, als möchten wir noch soviel über die Verhältnisse des Tempels miteinander verplaudern.“
[JJ.01_006,31] Elisabeth aber erkannte gar wohl, daß aus der Maria ein göttlicher Geist wehe, stellte daher ihre Tempelfragen ein und ergab sich, Gott lobend und preisend, in Seinen Willen. –
5. August 1843
[JJ.01_006,32] Also verbrachte aber Maria noch volle drei Monate bei der Elisabeth und half ihr wie eine Magd alle Hausarbeit verrichten.
[JJ.01_006,33] Mittlerweile hatte aber auch unser Joseph seinen Bau beendet und befand sich mit seinen Söhnen wieder zu Hause und besorgte da seinen kleinen, freilich nur gemieteten Grund.
[JJ.01_006,34] Eines Abends aber sagte er zum ältesten Sohne: „Joel, gehe und rüste mir für morgen früh mein Lasttier; denn ich muß Mariam holen gehen!
[JJ.01_006,35] Das Mädchen ist nun schon bei drei Monate aus meinem Hause, und ich weiß nicht, was da mit ihr geschieht.
[JJ.01_006,36] Ist sie auch beim Weibe des stumm gewordenen Hohenpriesters, so kann man aber doch nicht wissen, ob dieses Haus von allen Versuchen dessen, der Eva verlocket hatte, frei ist!
[JJ.01_006,37] Also will ich denn morgen hinziehen und mir das Mädchen wieder holen, auf daß mir nicht etwa mit der Zeit Israels Söhne übel nachreden sollen und der Herr mich züchtige ob meiner Sorglauheit des Mädchens willen.“
[JJ.01_006,38] Und Joel ging und tat nach den Worten des Joseph; aber der Joel war kaum fertig mit seiner Arbeit, so stand auch schon Maria vor der Hausflur und grüßte den Joseph und bat ihn um die Wiederaufnahme in sein Haus.
[JJ.01_006,39] Joseph, ganz überrascht von dieser Erscheinung Mariens, fragte sie sogleich: „Bist du es wohl, du Ungetreue meines Hauses?“
[JJ.01_006,40] Und Maria sprach: „Ja, ich bin es, aber nicht ungetreu deinem Hause; denn ich wäre lange schon wieder gerne dagewesen, aber ich habe mich nicht getraut, allein über das waldige Gebirge zu ziehen, – und du sandtest auch keinen Boten um mich! Also mußte ich ja wohl so lange ausbleiben!
[JJ.01_006,41] Nun aber besuchten drei Leviten das Weib Zacharias', und da sie wieder heimkehrten nach Jerusalem, so nahmen sie mich mit, brachten mich an die Grenze deines Grundes, segneten mich dann und dein Haus und zogen dann ihres Weges weiter, und ich eilte hierher zu dir wieder, mein lieber Vater Joseph!“
[JJ.01_006,42] Obschon der Joseph gerne die Maria ein wenig ausgezankt hätte ob ihres langen Ausbleibens, so konnte er aber solches doch nicht über sein Herz bringen; denn fürs erste hatte die Stimme Mariens sein edelstes Herz zu sehr gerührt, und fürs zweite sah er sich selbst als Schuldigen, da er Mariam so lange nicht durch einen Boten hatte holen lassen.
[JJ.01_006,43] Er ließ daher das Mädchen zu sich kommen, um es zu segnen, und das Mädchen sprang zu Joseph hin und kosete ihn, wie da die unschuldigsten Kinder ihre Eltern und sonstigen Wohltäter zu kosen pflegen.
[JJ.01_006,44] Joseph aber ward darüber ganz gerührt und ward voll hoher Freude und sprach: „Siehe, ich bin ein armer Mann und bin schon bejahrt, aber deine kindliche Liebe macht mich vergessen meine Armut und mein Alter! Der Herr hat dich mir gegeben zu einer großen Freude, darum will ich ja auch ziehen und arbeiten mit Freuden, um dir, mein Kindlein, ein gutes Stückchen Brot zu verschaffen!“
[JJ.01_006,45] Bei diesen Worten fielen dem alten Manne Tränen aus seinen Augen. Maria aber trocknete behende dessen feuchte Wangen und dankte Gott, daß Er ihr einen so guten Nährvater gegeben hatte.
[JJ.01_006,46] In der Zeit aber vernahm Joseph plötzlich, als würden Psalmen gesungen vor seinem Hause. – –

7. Kapitel – Josephs Ahnungen und Prophezeiung. Marias Trost. Das gesegnete Abendbrot. Das Sichtbarwerden von Mariens Schwangerschaft.
7. August 1843

[JJ.01_007,01] Joseph aber ward von hohen Ahnungen erfüllt und sprach zur Maria: „Kind des Herrn! Viel Freude ist meinem Hause in dir gegeben, meine Seele ist von hohen Ahnungen erfüllt!
[JJ.01_007,02] Aber ich weiß es auch, daß der Herr diejenigen, die Er liebhat, allzeit schmerzlich heimsucht; daher wollen wir Ihn allzeit bitten, daß Er uns allen allzeit gnädig und barmherzig sein möchte!
[JJ.01_007,03] Es ist sogar möglich, daß der Herr durch dich und mich die alte, schon morsch gewordene Bundeslade wird erneuert haben wollen?!
[JJ.01_007,04] Sollte so etwas aber im Zuge sein, da wehe mir und dir; wir werden da eine gar harte Arbeit zu überstehen haben! – Doch nun nichts mehr davon!
[JJ.01_007,05] Was da kommen muß, das wird auch sicher kommen, und wir werden es nicht zu verhindern vermögen; aber so es kommen wird, dann wird es uns ergreifen mit allmächtiger Hand, und wir werden zittern vor dem Willen Dessen, der die Festen der Erde gestellet hat!“
[JJ.01_007,06] Maria aber verstand von all diesem nichts und tröstete daher den sehr bekümmert aussehenden Joseph mit solchen Worten:
[JJ.01_007,07] „Lieber Vater Joseph! Werde nicht betrübt ob des Willens des Herrn; denn wir wissen es ja, daß Er mit Seinen Kindern ja allzeit nur das Beste will! – Ist der Herr mit uns, wie Er es war mit Abraham, Isaak und Jakob, und wie Er noch allzeit war mit denen, die Ihn liebten, was Leids und Arges sollte uns da wohl begegnen?“
[JJ.01_007,08] Joseph aber war mit dieser Tröstung zufrieden und dankte dem Herrn in seinem Herzen aus allen seinen Kräften, darum Er ihm in der Maria einen solchen Trostengel hatte gegeben, und sagte darauf:
[JJ.01_007,09] „Kinder, es ist schon spät des Abends geworden; darum stimmen wir den Lobgesang an, verzehren dann unser gesegnetes Abendbrot und begeben uns dann zur Ruhe!“
[JJ.01_007,10] Solches geschah, und Maria eilte dann und brachte das Brot her, und Joseph teilte es aus; es nahm aber alle wunder, daß das Brot diesmal von einem gar so guten Geschmacke war.
[JJ.01_007,11] Joseph aber sagte: „Dem Herrn alles Lob! Was Er segnet, das schmecket allzeit wohl und ist vom besten Geschmacke!“
[JJ.01_007,12] Und die Maria aber bemerkte dann dem Joseph gar liebreichst weise: „Siehe, lieber Vater, also sollst du dich ja auch nicht fürchten vor den Heimsuchungen des Herrn; denn sie sind ja eben auch Seine gar köstlichen Segnungen!“
[JJ.01_007,13] Und der Joseph sprach: „Ja, ja, du reine Tochter des Herrn, du hast recht! Ich will ja in aller Geduld tragen, was immer der Herr mir aufbürden wird; denn zu schwer wird Er mir Seine Bürde und zu hart Sein Joch ja nicht machen, denn Er ist ja ein Vater voll Güte und Erbarmung – auch in Seinem Eifer! Und so geschehe denn allzeit Sein heiliger Wille!“
[JJ.01_007,14] Darauf begab sich die fromme Familie zur Ruhe und arbeitete zu Hause die folgenden Tage. –
[JJ.01_007,15] Tag für Tag aber ward der Leib Marias voller; da sie solches wohl merkte, so suchte sie ihre Schwangerschaft vor den Augen Josephs und seiner Söhne so gut als nur immer möglich zu verbergen.
[JJ.01_007,16] Aber nach einer Zeit von zwei Monaten half ihr ihr Verbergen nichts mehr, und Joseph fing an Argwohn zu schöpfen und beriet sich insgeheim mit einem seiner Freunde in Nazareth über den sonderbaren Zustand Mariens.