Peter Eppich

 
Jakob Lorber
   Im Breyel 21  
   79292 Pfaffenweiler  
 

Einführung

  Jakob Lorber
  Die Neuoffenbarung
  10 Hauptpunkte
  Stimmen aus
 
  kirchlichen Kreisen
  Die Bücher
  Der Verlag
  

Leseproben

  Haushaltung Gottes
  Der Saturn 
  Der Großglockner
  Die natürliche Sonne
  Die geistige Sonne
  Schrifttexterklärungen
  Die Jugend Jesu
  Der Briefwechsel
  Bischof Martin
  Robert Blum 
  Die 3 Tage im Tempel
  Das große Evan
 
   gelium Johannes
  

Sonstiges

  Gästebuch
  Forum 400+ Beiträge
  Impressum
   

Links

  Lorberverlag
  Urbibel
  Christliche Mystiker
  Bergbilder

 rückwärts

Die geistige Sonne, 4. - 7. Kapitel

 vorwärts  

4. Kapitel – Die natürliche und die geistige Sonne – Unterschied ihrer Erscheinlichkeit.

[GS.01_004,01] Ihr fraget und saget: Es wäre ja gut, die Fackel mit dem Liebesfünklein anzuzünden, aber wo werden wir dieses wohl hernehmen? Ich kann euch darauf wahrlich nichts anderes sagen, als daß wir es gerade daher nehmen werden, woher es eigentlich zu nehmen ist. Wäre es nicht gerade lächerlich zu nennen, wenn wir mit der ganzen, sehr stark feurigen Sonne nicht imstande wären, das bißchen Fackeldocht anzuzünden?! Denn unter dem Liebesfünklein verstehe Ich ja eben die Sonne, die wir nun nach der Länge, Dicke und Breite in unseren Händen haben. Und wenn ihr imstande seid, durch ein talergroßes Brennglas ein Stück Schwamm an den Sonnenstrahlen anzuzünden, während diese in naturmäßiger Hinsicht doch über zweiundzwanzig Millionen Meilen entfernt ist, so wird die nun ganz nahe Sonne wohl auch imstande sein, unseren Fackeldocht brennen zu machen.
[GS.01_004,02] Und so denn wollen wir diesen kinderleichten Versuch wagen, unseren Fackeldocht mit dem Feuer der Sonne in Berührung zu bringen. Seht doch, wie leicht die Sache war!
[GS.01_004,03] Der Fackel Licht brennt nun, und sehet, für den Geist unübersehbare Gefilde erstrahlen vom Lichte einer ewigen Morgenröte, das diesem Fackellichte entstammt.
[GS.01_004,04] Ich Selbst bin die Fackel und leuchte ein gerechtes Licht; wer in diesem Lichte schauet, der sieht allenthalben die Wahrheit und kein Trug darf seinen Augen begegnen!
[GS.01_004,05] Was Wunder, saget ihr; in der naturmäßigen Sonne haben wir Riesen geschaut und große Verschiedenheiten in allen Dingen; hier auf der lichten Sphäre ist alles gleich. Nicht eines sehen wir das andere überragen. Es ist ein Licht, es ist eine Größe, und die Liebe spricht sich allenthalben in unnennbarer Anmut aus. Wir sehen fast lauter ebenes Land; wo sind die naturmäßigen Berge der Sonne?
[GS.01_004,06] Die endlos zufriedenen Geisterengelwesen wandeln auf den Lichtgefilden umher und machen keinen Unterschied, ob da ist ein Land oder ein Wasser. Leicht erheben sie sich in den lichten Äther empor und schweben, wonnetrunken eine Seligkeit um die andere atmend, im selben herum. Wir sehen nur ganz niedliche Bäumchen; wo sind die Riesenbäume des Naturbodens? Auch sehen wir in all den niedlichen Gewächsen eine wunderbare Übereinstimmung. Aus einem jeden haucht ein unaussprechliches Wonnegefühl, hoch entzückend jeden Geist, der sich demselben naht. Ja, aus jedem Bäumchen, aus jeder zarten Grasspitze strömt ein anders geartetes Wonnegefühl; und doch sehen wir in den Bäumchen, in all den anderen Gewächsen wie an dem Grase nur eine Form und eine gänzliche Einheit im Unzähligen.
[GS.01_004,07] Wir wandeln über die endlosen Gefilde. Uns begegnen zahllose Heere von seligsten Engelsgeistern, doch entdecken wir nirgends eine Wohnung. Keiner sagt uns: Dieser Grund ist mein und dieser meines Nachbars, sondern wie überaus fröhlich Reisende auf einer Landstraße ziehen sie allenthalben einher, frohlocken und lobsingen. Wohin wir uns auch nur immer wenden, sehen wir nichts als Leben durch das Leben wallen. Lichte Gestalten begegnen sich, und von allen Seiten her ertönt ein großer Freudenruf!
[GS.01_004,08] Doch wir sind da wie gänzlich Laien und wissen nicht, wo aus und wo ein. Wo ist diese lichte Welt, die wir jetzt schauen? Ist dies die geistige Sonne? Also fragt ihr erstaunten Blickes und erstaunten Herzens.
[GS.01_004,09] Allein Ich sagte euch ja, daß die geistige Sonne an und für sich betrachtet dem Zifferblatte einer Uhr vollkommen gleicht, allda sich der ganze Zweck des kunstvollen mechanischen Werkes ausspricht. Ihr saget etwas verdutzt: Ist das alles von der geistigen Sonne? Es ist wohl sehr wunderbar erhaben schön, überaus lebendig, aber dabei dennoch sehr einfach. Auf der eigentlichen Sonne haben wir so unnennbar verschiedenartiges Große, ja Wunderbare geschaut. Hier aber kommt es uns vor, als wäre diese ganze unendlich scheinende Fläche eine ebensogroße Landstraße für Geister, auf welcher zwar kein Staub zu entdecken ist. Aber in allem Ernste gesprochen, was die Einförmigkeit, das gewisserart ewig scheinende Einerlei dieser überaus lichten Welt betrifft, in diesem Punkte hätten wir im voraus zufolge der großartigen Vorerscheinungen auf der naturgemäßen Sonne etwas ganz Außerordentliches erwartet.
[GS.01_004,10] Ihr habt ja die Uhr zum Muster. Wenn ihr in dem ineinandergreifenden Räderwerk herumwandelt, was müßtet ihr euch denken, welche Effekte dieser Verwunderung erregende Mechanismus bewirken wird, so ihr noch nie ein Zifferblatt einer Uhr gesehen hättet! Werdet ihr da nicht sagen, so ihr das Räderwerk besehet: Wenn das Mittel schon so wunderbar aussieht, von welch unbeschreiblich wunderbarer Art muß da erst der Zweck sein! Und ihr werdet zum Meister des Uhrwerkes sagen: Herr! Unnennbar kunstvoll und überaus wohlberechnet ist dieses Räderwerk; wie groß und überaus kunstvoll muß da erst der Zweck dieses wunderbaren Mechanismus sein! Laß uns daher doch auch dahin sehen, wo sich der sicher große Zweck dieses wunderbaren Mechanismus ausspricht. Und der Uhrmacher vergehäuset das Werk und zeigt euch nun – das Zifferblatt!
[GS.01_004,11] Ihr machet schon wieder große und verdutzte Augen und saget: Was?! Ist dies das Ganze, wofür das innere Kunstwerk geschaffen ist? Nichts als ein weißlackiertes rundes Blatt mit zwölf Ziffern; und ein Paar zugespitzte Zeiger schleichen in unmerklicher Bewegung immerwährend auf dieselbe Art die zwölf Ziffern durch. Nein, da hätten wir uns ganz etwas anderes vorgestellt! Ich sage: Etwa ein künstliches Marionettentheater oder etwa sonst eine großartige Kinderspielerei?
[GS.01_004,12] O Meine Lieben! Da sind eure Vorstellungen von aller geistigen Welt noch sehr mager. Habt ihr denn aus den gegebenen Beispielen nicht ersehen, wie das ganze Äußere in all seiner Zerstreutheit sich endlich in der Einung aussprechen muß? Ihr habt solches bei der Darstellung eines Baumes gesehen, bei der Polierung einer edlen Metallstange, bei der Verfertigung des Glases, bei der Erbauung eines Hauses und endlich handgreiflich bei der Betrachtung einer Uhr.
[GS.01_004,13] Wenn es sich, in das Geistige übergehend, darum handeln würde, dasselbe noch mehr zu zerstreuen, als es zerstreut ist in der äußeren Naturmäßigkeit, wie ließe sich da wohl eine ewige Dauer und ein ewiges Leben denken?! So aber muß ja der wahren innern lebendigen Ordnung gemäß in dem Geistigen sich alles einen, um dadurch kräftig, mächtig und lebendig dauerhaft zu werden für ewig. Ihr saget hier: Solches ist ersichtlich, vollkommen richtig und wahr, dessen ungeachtet aber haben wir bei so manchen Gelegenheiten von den großen Herrlichkeiten der himmlischen Geisterwelt gehört; darum wissen wir nun nicht, wie wir so ganz eigentlich daran sind. Wir können zwar gegen die einfach geschaute Herrlichkeit der geistigen Sonne im Grunde nichts einwenden, aber sie kommt uns auf unsere früheren Begriffe von einer himmlischen Welt gerade so vor wie ein schöner Sommertag, an dem wir in der Luft eine zahllose Menge von den sogenannten Ephemeriden in den Sonnenstrahlen bunt durcheinanderschwärmen sehen, und keine kann uns Bescheid geben, woher sie kam, wohin sie geht und warum sie so ganz eigentlich die strahlenerfüllte Luft in allen erdenklichen Richtungen durchkreist.
[GS.01_004,14] Euer Einwurf ist zwar in einer Hinsicht richtig; allein wie diese Einfachheit der von euch geschauten geistigen Sonne mit den von euch schon zu öfteren Malen vernommenen wundervollsten Herrlichkeiten des Himmels zusammenhängt, solches kundzutun ist noch nicht an der Zeit, da wir erst die Grundlage kennen lernen müssen. Wenn ihr bisher nur Ephemeriden geschaut habet, so tut das der Hauptsache keinen Eintrag, denn der Erfolg wird es schon zeigen, was es mit der Einfachheit dieser von uns nun geschauten geistigen Sonne für eine Bewandtnis hat. Solches also beachtet und denket bei euch selbst ein wenig nach. In der nächsten Fortsetzung wollen wir diese Einfachheit mit ganz anderen Augen betrachten und somit gut für heute!

5. Kapitel – Vom Reiche Gottes im Menschen.

[GS.01_005,01] Wenn ihr je auf einem hohen Berge eine Zeitlang verweilen würdet, und das an einem vollkommen schönen und reinen Tage, was würdet ihr da wohl bemerken? Mancher aus euch würde wohl eine Zeitlang ganz entzückt sein, denn das großartige romantische Naturgemälde würde durch seine vielfach abwechselnden Formen einen hinreichenden Stoff zur erheiternden Betrachtung bieten. Ein anderer würde aber dabei ganz anders denken und würde aus diesen seinen Gedanken sagen: Was, ist denn das so etwas Außerordentliches? Man sieht weit und breit, was denn? Nichts als einen Berg um den anderen; mancher ist höher, mancher wieder niederer; hier und da sind die höchsten Spitzen überschneit, auf einigen anderen Punkten ragen wieder einige plumpe Felsspitzen empor, und diejenigen Berge, die am weitesten davon entfernt sind, nehmen sich darum auch am passabelsten aus, während die näheren nichts als Spuren über Spuren der stetigen Zerstörung aufzuweisen haben. Das ist das immerwährende Einerlei dieser berühmten Gebirgsaussicht. Ein Dritter befindet sich auch in der Gesellschaft auf der hohen Bergesspitze. Dieser, wie ihr zu sagen pfleget, ein Hasenfuß, bereut schon nahe weinend, daß er sich solch eine Mühe genommen hat, die Gebirgshöhe zu besteigen. Fürs erste, sagt er, sieht er hier nichts anderes als auf einem gesunden ebenen Boden in der Niederung, fürs zweite friere es ihn noch obendrauf für solche Strapaze, und fürs dritte möchte er vor Hunger in die Steine beißen, und wenn er gar noch bedenkt, daß er den schauerlichen Rückweg wird machen müssen, so fangen ihm alle Sinne zu schwinden an.
[GS.01_005,02] Hier hätten wir also drei Gebirgsbesteiger. Warum findet der erste für sein Gemüt so viel Erhebendes, der zweite nichts als abstrakte plumpe Formen, und der dritte ärgert sich sogar, für solchen Spottpreis sich eine solche Mühe gemacht zu haben? Der Grund liegt einem jeden sehr nahe, weil er in ihm selbst liegt. Wie denn also? Der erste ist mehr lebendigen und geweckten Geistes; nicht die Formen und der Berge hohe Zinnen sind es, die ihn selig stimmen, sondern diese Stimmung ist ein Rapport des höheren Lebens in entsprechender Form über solchen hohen Bergen. Denn wir haben schon bei anderen Gelegenheiten zur Genüge vernommen, welch ein Leben sich auf den Bergen kündet. Und eben von diesem Leben hängt ja das Wonnegefühl desjenigen Besuchers der Höhen ab, welcher selbst mit geweckterem und lebendigerem Geiste dieselben betritt. Der Geist des anderen ist noch in tiefem Schlafe, darum gewahrt er auch nichts anderes, als was seine fleischlichen Augen sehen und sonach sein irdisch trockener Verstand bemißt. Wenn ihr ihn zahlet und gebet ihm dann seinen Kenntnissen als Geometer angemessen mathematische Meßwerkzeuge in die Hand, so wird er euch auf alle Gebirgsspitzen hinaufklettern und ihre Höhen recht wohlgemut bemessen. Ohne diesen Hebel aber dürfte es euch kaum gelingen, ihn wieder auf eine Gebirgsspitze hinaufzubringen. Was den Geist des dritten betrifft, so läßt sich davon nahe gar nichts reden, denn bei ihm lebt nur der Tiermensch, der alle seine Seligkeit im Bauche findet. Wollet ihr ihn wieder einmal auf eine Gebirgshöhe bringen, müßt ihr fürs erste dafür sorgen, daß er ohne alle Beschwerde hinaufkommt, und fürs zweite, daß er in der Höhe etwas Gutes zu essen und zu trinken bekommt. So wird er auch noch einmal eine Gebirgshöhe besteigen, wenn schon nicht mit eigenen, so doch mit den Füßen eines wohlabgerichteten Saumtieres. Da wird er sagen: Bei solchen Gelegenheiten bin ich schon dabei, denn die Gebirgsluft ist vermöge ihrer Reinheit der Verdauung ja viel günstiger als die dumpfe Luft der Täler.
[GS.01_005,03] Sehet, aus diesem Beispiel können wir die große und wichtige Lehre ziehen, welche genau auf unsere einfache geistige Sonne paßt. Und diese Lehre stimmt auf ein Haar genau mit dem Text des Evangeliums überein, welcher also lautet: wer da hat, dem wird es gegeben, daß er in der Fülle besitze, wer aber nicht hat, der wird noch das verlieren, was er hat. (Matth.13,5.) In diesem Schrifttext steckt noch ein anderer, der mit dem obigen Beispiele noch mehr übereinstimmt, und dieser Text lautet also: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Schaugepränge; denn siehe, es ist in euch! (Luk.17,21.) Merket ihr jetzt, was es mit der einstweiligen Einfachheit der geistigen Sonne für eine Bewandtnis hat? Ihr saget: Wir merken zwar etwas, aber noch nicht völlig klar, was damit gesagt und angezeigt sein soll. Ich aber sage euch: Nur eine kleine Geduld, und die Sache wird sogleich mit wenig Worten so klar wie die Sonne am hellen Mittage leuchtend auftreten. Warum sahet ihr die geistige Sonne also einfach? Weil ihr nur die eigentliche Außenseite gesehen habet. Ich aber sage euch: Es gibt auf derselben eine unendlich großartige und wunderbare Mannigfaltigkeit, von der ihr euch bis jetzt durchaus noch keinen Begriff machen könnet. Diese Mannigfaltigkeit liegt aber nicht auf der geistigen Sonne, sondern sie liegt im Inwendigen der Geister. Wenn ihr somit dieselben erblicken wollet, da müsset ihr mit reingeistigen Augen in die Sphäre eines oder des andern seligen Geistes blicken, und ihr werdet die sonst einförmige geistige Sonnenwelt alsbald in zahllose Wunder übergehen sehen. Denn solches müßt ihr wissen, daß wohl jedem Geiste eine und dieselbe Unterlage gegeben wird, welche da ist pur Meine Gnade und Erbarmung, und diese spricht sich gleichmäßig in der von euch geschauten geistigen Sonne aus. Was aber dann die Ausstaffierung dieser gegebenen Unterlage betrifft oder die eigentliche bewohnbare Welt für den Geist, so hängt diese lediglich von dem Inwendigen eines Geistes ab, welches da ist die Liebe zu Mir und die aus dieser Liebe hervorgehende Weisheit. Damit ihr solches noch klarer ersehen möget, will Ich euch noch ein recht anschauliches Beispiel hinzufügen. Einer oder der andere aus euch befände sich auf irgendeinem weiten ebenen Felde; auf diesem Felde trifft er nichts als in der Mitte einen Baum, unter dessen Schatten ein üppiges Gras wächst. Auf dieses Gras legt sich der Wanderer nieder, schläft ruhig ein und stärkt sich dadurch. Aber in diesem süßen und stärkenden Ruhezustande hat sich ein wunderbarer Traum seiner bemächtigt. In diesem Traume ist der einsame und einfache Wanderer in den herrlichsten Palästen mit lauter Fürsten beschäftigt, verkehrt mit ihnen und genießt dadurch eine überaus große Seligkeit. Ich frage euch nun: Wie kommt denn dieser Mensch auf diesem öden leeren Felde zu solch einer innern Gesellschaft?
[GS.01_005,04] Sehet, alles dieses ist ein Angehör seines Geistes und ist im Geiste selbst vorhanden. Es ist eine Schöpfung durch die Kraft der Liebe seines Geistes und ist geordnet nach der Weisheit, die hervorgeht aus solcher Liebe. Wenn ihr nun dieses Beispiel ein wenig durchdenket, so wird es euch sicher klar, wie dereinst im Geiste ein jeder nach seiner Liebe und der daraus hervorgehenden Weisheit der Schöpfer seiner eigenen für ihn bewohnbaren Welt sein wird und diese Welt ist das eigentliche Reich Gottes im Menschen. –
[GS.01_005,05] Wer daher die Liebe Gottes in sich hat, dem wird auch die Weisheit in demselben Grade zukommen, in welchem er die Liebe hat. Und also wird es dem gegeben, der da hat, nämlich die Liebe. Wer aber diese nicht hat, sondern allein seinen trockenen Weltverstand, den er als die Weisheit ansieht, dem wird alsdann auch dieser benommen werden, und das zwar auf die allernatürlichste Weise von der Welt, wenn ihm das Weltliche oder sein Leibesleben genommen wird.
[GS.01_005,06] Sehet, also verhalten sich die Sachen. Der eine Gebirgsbesteiger geht mit Liebe auf die Berge, und die Liebe ist auf den Höhen die Schöpferin seiner Seligkeit. Wer aber mit seinem Verstande nur auf die Berge geht, der wird sicher keine beseligende Zahlung finden, sondern er wird durch seine Mühe noch in seinem Verstande gewaltig beeinträchtigt werden, indem ihm dieser da oben spottwenig oder gar nichts abwerfen wird. Und der dritte, der gar nichts hat, der wird in der Höhe von allem ledig werden, denn der Tote kann am Leben doch kein Vergnügen finden, indem er stumm für dasselbe ist. Also ist auch ein Stein schwer auf eine Höhe zu bringen; aber wenn er in der Höhe losgemacht wird, stürzt er mit desto größerer Heftigkeit in die Tiefe des Todes hinab. Wenn ihr alles dieses nun genau zusammenhaltet, so wird euch die geistige Sonne sicher nicht mehr so einfach vorkommen wie ehedem. Was alles aber auf derselben sich noch kündet, werden wir durch die nächsten Fortsetzungen klärlichst erfahren. Daher gut für heute.

6. Kapitel – Das geistige Kosmo-Diorama – die Sphäre des ersten Geistes.

[GS.01_006,01] Wie werden wir es denn anstellen, damit wir auf unserer bisher noch immer einfachen geistigen Sonne etwas mehr zu sehen bekommen? Werden wir uns daselbst bequemen, etwa große und weitgedehnte Untersuchungsreisen anzustellen, oder werden wir uns auf irgendeinem Punkte aufstellen, den Mund und die Augen recht weit aufsperren, damit wir sehen, wie uns etwa die gebratenen Vögel in den Mund fliegen werden? Ich sage: Wir werden weder das eine noch das andere tun, sondern wir werden uns in ein geistiges Kosmorama und Diorama begeben und wollen uns daselbst, so gut es nur immer sein kann, an den wunderbaren Anschauungen im Herzen vergnügen. Damit ihr euch aber davon eine etwas bessere Vorstellung machen könnet, so will Ich euch wieder durch ein sehr anschauliches Beispiel der Sache näherführen. Ihr habt doch sicher schon ein sogenanntes „optisches Diorama“ gesehen, welches darin besteht, daß mittels eines etwa einen halben Schuh im Durchmesser habenden Vergrößerungsglases gut gemalte Bilder, die hinter einer schwarzen Wand aufgestellt sind, angeschaut werden. Wenn ihr so ein recht gutes Stück ansehet, könnet ihr tun, was ihr wollet, eure Phantasie und Einbildung mäßigen und modulieren nach Möglichkeit, und ihr werdet es mit aller Anstrengung nicht dahin bringen, daß ihr das gemalte Bild als ein bloß gemaltes ansehet, sondern immer wird es vollkommen plastisch erscheinen und die Gegenstände so darstellen, daß ihr sie wie in der Natur selbst erblicket, vorausgesetzt, daß das Bild und das Glas selbst vollkommen tadellos sind.
[GS.01_006,02] Wenn ihr euch nun in einer solchen Hütte befindet, wo etwa einige zwanzig solcher Vergrößerungsfensterchen angebracht sind, so werdet ihr dem Außen nach ein jedes Fensterchen doch sicher völlig gleich finden. Wenn ihr aber hinzutretet, so werdet ihr in dem kleinen Raume über die zwanzig Fensterchen hin in wenig Schritten eine Reise machen, die ihr sonst vielleicht in einigen Jahren nicht gemacht hättet. Ähnlich ist zwar jedes Fensterchen dem andern; aber durch das Fensterchen geschaut, repräsentiert sich eine ganze Weltgegend. Ihr gehet zum zweiten Fensterchen und sehet da hinein: wie himmelhoch verschieden von dem vorigen und so fort bis zum letzten Fensterchen. Hat euch nicht ein jeder neue Durchblick auf das Außerordentlichste ergötzt? Ihr müßt solches offenbar bejahen, denn in einem Fensterchen sahet ihr eine vortrefflich dargestellte große Stadt nebst einem weiten Landbezirk ihrer Umgebung und in dem nächsten Fensterchen eine überaus romantische Gebirgsgegend so vortrefflich dargestellt, daß ihr glaubtet, ihr brauchtet nur die schwarze Wand zu durchbrechen, um euch in dieser Gegend ganz natürlich zu befinden. Ihr mochtet euch nicht trennen, aber der Führer sagte euch: Beim nächsten Fensterchen werden Sie noch etwas Großartigeres sehen, und ihr begebt euch zum dritten Fensterchen. Der erste Anblick schlägt euch schon völlig nieder, denn ihr erblicket eine endlos weitgedehnte Meeresfläche. Längs dem Meere eine sich in bläulichen Dunst verlierende Ufergegend mit all ihren Seeherrlichkeiten. Auf der weitgedehnten Meeresfläche erblickt ihr hier und da Inseln und eine zahllose Menge von großen und besonders von kleinen Seefahrzeugen. Dieses alles ist so vortrefflich dargestellt, daß ihr nicht umhin könnet auszurufen und zu sagen: Da hört die Kunst auf Kunst zu sein und tritt völlig in das Gebiet der reinsten, natürlichen Wirklichkeit! Und so geleitet euch der Führer zu einem nächsten Fensterchen; da werdet ihr wieder noch mehr überrascht und so fort bis zum letzten.
[GS.01_006,03] Wenn ihr also alles genau durchgeschaut habt, so möchtet ihr dann wohl gehen; aber der Führer hält euch auf und sagt: Meine lieben Freunde! Wollen Sie denn nicht noch einmal zum ersten Fensterchen hingehen? Ihr sagt ihm: Das haben wir ja ohnedies schon betrachtet. Doch der Führer sagt zu euch: Das Fensterchen ist wohl dasselbe, aber die Ansichten sind ganz verändert. Ihr geht darauf hin und seht zu eurem größten Erstaunen wieder ganz Neues und völlig Unerwartetes und so durch die ganze Reihe der etlichen zwanzig Fensterchen hindurch. Hoch erstaunt verlasset ihr wieder das letzte, und der Führer sagt wieder zu euch: Meine Freunde! Die Fensterchen sind zwar noch dieselben, aber es ist schon wieder überall eine neue Welt dahinter zu sehen. Und ihr gehet, von hohem Interesse ergriffen, wieder an die Betrachtung und rufet schon beim ersten Fensterchen: Wunder, Wunder, Wunder!!! Sie, schätzbarer Freund, sind ja unerschöpflich in Ihrem Kunstgebiete! Und er spricht zu euch: Ja, meine lieben Freunde, also könnte ich euch wohl noch tagelang mit stets neuen und großartigeren Abwechslungen unterhalten.
[GS.01_006,04] Sehet, in diesem einförmigen, ganz kleinen Raume habt ihr eine Weltanschauung genossen, wie sie manche große Erdumsegler in der Natürlichkeit nicht genossen haben. Eure Augen haben Entfernungen von hundert Meilen und darüber geschaut, und das alles auf einem Raume von wenigen Klaftern und Schuhen.
[GS.01_006,05] Nun sehet, dieses anschauliche Beispiel gibt uns einen recht guten Vorgeschmack zu der wundervollsten geistigen Anschauung auf unserer geistigen Sonne. Es sagt uns, wie wir allda auf einem kleinen Raume so überschwenglich vieles können zu Gesichte unseres Geistes bekommen, wie wir eben in unserem optischen Kämmerchen mit der leichtesten Mühe zum wenigsten die halbe Oberfläche der Erde geschaut haben. Wie aber werden wir solches anstellen? Davon ist schon ein kleiner Wink gegeben worden, und diesem Winke zufolge wollen wir denn auch einen kleinen anfänglichen Versuch machen.
[GS.01_006,06] Sehet, wir befinden uns noch immer auf unserer einfachen geistigen Sonne, sehen noch immer nichts als selige Geister in vollkommener Menschengestalt durcheinander, miteinander und übereinander wandeln und auf dem Boden unsere Bäumchen, edle Gesträuche und das schöne Gras. Aber sehet, da kommt soeben ein Geistmann auf uns zu. Mich sieht er nicht, daher redet ihr ihn nur an, damit er vor euch stehenbleibe. Wenn er stehenbleiben wird, sodann tretet näher zu ihm, daß ihr seine Sphäre erreichet, und ihr werdet sogleich die geistige Sonne in einem andern Kleide erblicken.
[GS.01_006,07] Nun, ihr seid in seiner Sphäre und schlaget eure Hände über dem Kopfe zusammen. Was aber seht ihr denn? Ihr könnet ja vor lauter Verwunderung nahe zu keinem Worte kommen! Es hat auch nicht Not, denn mit Mir ist in dieser Hinsicht leicht reden, weil Ich dasselbe, was ihr schauet, eben also wie ihr und daneben aber auch noch ums Unendliche vollkommener schaue.
[GS.01_006,08] Ihr seht die wunderherrlichsten Gegenden, hohe glänzende Berge, weite fruchtbarste Ebenen, wie Diamanten in der Sonne schimmernde Flüsse, Bäche und Meere. Das hellichtblaue Firmament erblicket ihr übersät mit den herrlichsten und allerreinst glänzenden Sterngruppen. Eine herrliche Sonne schaut ihr im Aufgange. Sie leuchtet überhell, mild und sanft, und dennoch mag sie mit ihrem Lichte die schönen Sterne des Himmels nicht ermatten. Ihr sehet große glänzende Tempel und Paläste in einer Unzahl, große Städte, an den weiten Ufern großer Meere erbaut. Zahllose seligste Wesen wandeln über die herrlichen, alle Seligkeit atmenden Gefilde. Ihr höret sogar ihre Sprache, und ihre himmlischen Lobgesänge dringen an euer Ohr. Ihr sehet euch nach allen Seiten in der früher einfachen geistigen Sonne um; aber nirgends zeigt sich mehr etwas von ihrer früheren Einfachheit, sondern alles ist in zahllose Wunder aufgelöst!
[GS.01_006,09] Aber tretet jetzt wieder aus der Sphäre unseres Geistmannes! Sehet, nun ist alles wieder verschwunden, wir befinden uns wieder auf unserer einfachen Sonne. Ihr saget nun: Ja, was war denn das? Wie ist solches möglich? Trägt ein solcher Geist denn alles dieses in solchem engen Zirkel, eine unendliche Welt voll der wunderbarsten Herrlichkeiten, in solch engem Kreise ein so weitgedehntes vielfaches Leben? Ist das Wirklichkeit oder ist es nur eine leere Erscheinlichkeit?
[GS.01_006,10] Meine lieben Freunde! Ich sage euch jetzt noch garnichts darüber, sondern wir wollen noch eher von mehreren Fensterchen unseres geistigen Dioramas profitieren und sodann erst uns auf ein inwendigstes Beleuchten einlassen. Denn solches ist nur ein leiser Anfang von dem, was sich noch alles unseren Blicken darstellen wird.

7. Kapitel – Die Sphäre des zweiten Geistes. – Der Grund des Lebens ist die Liebe des Vaters.

[GS.01_007,01] Sehet, da naht sich uns schon wieder ein anderer Geist. Auch dieser soll hier verweilen, auf daß ihr in seine Sphäre treten könnet. Nun blicket hin, er harret eurer schon und weiß durch einen innern Wink, was ihr wollet. Also nähert euch ihm und tretet in seine Sphäre! Ihr befindet euch nun schon in derselben. Saget Mir, was sehet ihr da? – Ich sehe aber schon wieder, ihr vermöget ob der Größe des Geschauten nichts hervorzubringen; darum werde schon Ich wieder müssen den guten Dolmetsch machen. – Ihr stehet vor lauter Verwunderung und Erstaunen wie völlig starr in der Sphäre dieses Geistes.
[GS.01_007,02] Ja, ein solcher Anblick mag euch wohl die Sinne ein wenig schwinden machen, denn ihr sehet Wundergegenden über Wundergegenden; weltenweit gestreckte herrlichste Flurenreihen sind vor euren Blicken ausgebreitet. Allenthalben sehet ihr liebreichste Menschen glänzende friedliche Hütten bewohnen. Ihre unaussprechlich schönen und liebfreundlichen Gestalten hemmen eure Blicke, so daß es euch kaum möglich ist, ein ins Auge gefaßtes Wesen zu verlassen und auf ein anderes überzugehen.
[GS.01_007,03] Ihr befasset euch mit einem allerliebreichsten Antlitze wie ganz in dasselbe verloren, und Tausende und Tausende ziehen an euch vorüber, und ihr merket sie kaum ob des Einen!
[GS.01_007,04] Auf den sanften, lichtgrünen Erhöhungen bemerket ihr überaus stark leuchtende Tempel, in den Tempeln selbst, daß sie von seligst lebenden Geistern besucht und durchwandert werden. Ihr erhebet eure Blicke zum Firmamente empor, und ihr erschauet wieder ganz neue und noch viel herrlichere Sterngruppen; ja durch die reinen Lüfte sehet ihr mit großer Leichtigkeit und Schnelligkeit stark leuchtende Scharen seliger Geister ziehen, welche zum Teil frei schweben, zum Teil wie auf leuchtenden Wölkchen einherziehen. Ihr blicket hin gegen den Aufgang, und eine große Sonne steht hoch über demselben. Ihr Licht ist gleich dem einer herrlichsten Morgenröte, und alles, was ihr anblicket, widerstrahlt aus dem Lichte dieser Sonne!
[GS.01_007,05] Unweit vor euch erschauet ihr einen ziemlich hohen, aber sanft abgerundeten Berg, auf diesem steht ein großartiger Tempel. Die Säulen glänzen wie Diamanten in der Sonne, und anstatt des Daches sehet ihr ein leuchtend Gewölk, über welchem wieder selige Geister schweben.
[GS.01_007,06] Ihr saget nun: Endlos wunderbar und unbeschreiblich herrlich ist alles, was wir sehen, nur ist uns dieses alles noch etwas ferne gestellt, und wir mögen in dieser geschauten herrlichen Welt keinen Schritt vorwärts tun; denn tun wir das, so treten wir offenbar aus der Sphäre unseres Geistes, und mit unserer Anschauung hat es dann ein Ende! – Ich aber sage euch: Mitnichten; gehen wir nur auf eben diesen Berg und beschauen da die Dinge näher. Sehet, wir sind schon auf dem Berge; was sehet ihr hier?
[GS.01_007,07] Ihr werdet noch mehr stumm und könnet euch vor lauter Verwunderung nicht helfen, denn ihr waret der Meinung, ihr werdet in dem Tempel also herumgehen können wie etwa in einem großen Gebäude auf eurer Erde. Allein, als ihr in den Tempel eingetreten seid, hat sich das Inwendige des Tempels zu einer neuen, noch viel herrlicheren unübersehbaren Himmelswelt gestaltet, darob ihr nun nicht wisset, wie ihr daran seid! Jedoch solches tut einstweilen nichts zur Sache. Das rechte Licht wird alles ins klare bringen. Ihr fraget mich zwar, ob ihr auch in der Sphäre der Geister dieser zweiten Art andere Dinge erschauen würdet.
[GS.01_007,08] O ja, sage Ich euch. Die Veränderung dieses Tempels in eine neue wunderbare Himmelswelt ist eben eine Folge dessen, daß ihr in die Sphäre der Geister getreten seid, die sich in diesem Tempel vorgefunden haben. Aber ihr saget und fraget: Warum sehen wir denn diese Geister nun nicht, in deren Sphäre wir uns befinden? Weil ihr aus ihrem Zentrum durch Meine Vermittlung heraus schauet. Rücken wir aber etwas zurück; und sehet nun, da steht schon wieder unser voriger Tempel, und wir sehen ihn erfüllt von überseligen Geistern, welche sich untereinander über allerlei auf Mich Beziehung habende Dinge besprechen.
[GS.01_007,09] Nun habt ihr euch überzeugt, daß man auch in einer solchen Geistersphärenwelt wie auf der Erde freien Fußes nach Belieben umher wandeln kann. – Und so denn können wir uns wieder auf unseren früheren Standpunkt zurückziehen. Sehet, wir sind schon da.
[GS.01_007,10] Tretet nun wieder aus der Sphäre unseres gastlichen Geistes, und wir werden uns wieder auf unserer ganz einfachen geistigen Sonne befinden. – Da ihr nun aus der Sphäre seid und unser guter Geist sich auch noch in unserer Gesellschaft befindet, so könnet ihr euch mit ihm sogar besprechen. Er kennt euch recht gut, da er ebenfalls von eurer Erde, und zwar aus eurer Blutsverwandtschaft, abstammt. Ich will ihn euch zwar vorderhand noch nicht näher bezeichnen, denn es werden noch bessere Gelegenheiten kommen, wo wir alle uns bei dieser Gelegenheit dienenden Geister werden näher kennenlernen.
[GS.01_007,11] Höret aber, was der Geist zu euch spricht, indem er sagt: O Freunde, die ihr noch in euren Leibern wandelt auf der harten Erde, fasset, fasset das Leben in seinem Grunde! Es ist unendlich, und seine Fülle ist unermeßlich! Der Grund des Lebens ist die Liebe des Vaters in Christo in uns! Diesen unendlichen Grund fasset allertiefst in euren Herzen, so werdet ihr in euch dasselbe finden, was ihr in meiner Sphäre gefunden habt. Was ihr geschaut habt, war einfach nur; aber in dem Grunde des Lebens liegt Unendliches über Unendliches!
[GS.01_007,12] Es sind noch kaum fünfzig Erdjahre verflossen, da ich gleich euch als ein Bürger des harten Lebens auf der Erde herumwandelte. Oft hat mich der Gedanke an den einstigen Tod des Leibes erschüttert! Doch glaubt es mir, meine Furcht war eitel und leer, denn da der Tod über meinen Leib kam, und ich der Meinung war, für ewig zugrunde zu gehen und zunichte zu werden, da erst erwachte ich wie aus einem tiefen Traume und ging alsogleich erst in dieses wahre und vollkommene Leben über.
[GS.01_007,13] Habe ich bis jetzt auch des eigentlichsten Lebens Vollendung bei weitem noch nicht erreicht, so bin ich aber doch der stets klarer und klarer werdenden Vollendung desselben näher. Wie groß und wie herrlich diese sein muß, kann ich euch noch nicht zeigen; nur kann ich aus der Fülle meiner inneren Anschauung wohl schließen, daß des Lebens Vollendung im Vater durch die reine Liebe zu Ihm etwas sein muß, was kein Geist in dieser meiner Sphäre nur im unendlich kleinsten Teile zu fassen vermag!
[GS.01_007,14] Wohl demjenigen, ja unendlichmal wohl, der auf der Erde sich die Liebe zum Herrn zum einzigen Bedürfnisse gemacht hat; denn der hat zu solcher Vollendung des Lebens den kürzesten Weg eingeschlagen! Denn, glaubet es mir, meine lieben irdischen Brüder und Freunde! Wer in sich auf der Erde die Liebe zum Herrn trägt, der trägt auch die Vollendung des Lebens in sich; denn er hat dasjenige allerheiligste und allerwundergrößt-vollkommenste Ziel in sich und bei sich, zu dem ich erst langen und weiten Weges bin.
[GS.01_007,15] Mein Lebenszustand ist zwar schon mit einer unaussprechlichen Wonne erfüllt; allein alles dieses, was ihr in meiner Sphäre geschaut und noch endlos mehreres, was ihr noch nicht geschaut habt und ich allezeit überseligst durchschauen kann in stets erneuter Wunderfülle, ist nichts gegen einen einzigen Blick nur, der da gerichtet ist auf den Vater! – Darum schauet ihr in eurem irdischen Leben vor allem unverwandt auf Ihn, so werdet ihr dereinst gar leicht und sicher alsbald dahin geführt werden, wo der Vater wohnt unter denjenigen, die Ihn lieben! –
[GS.01_007,16] Wie gefällt euch die Sprache des Geistes? – Wahrlich, sage Ich euch, wenn es diesem Geiste nun gegeben wäre, Mich zu erblicken als Führer unter euch, so würde er von zu großer Wonne wie vernichtet werden! Daher fasset und bedenket doch ihr, in welcher Seligkeit ihr euch unbewußt befindet, indem Ich tagtäglich unter euch Mich befinde, euch ziehe und lehre und euch mit Meinem eigenen Finger zeige den allergeradesten und kürzesten Weg zu Mir!
[GS.01_007,17] Lasset euch darum doch von der Welt nicht berücken, denn diese ist voll Todes, Schlammes und höllischen Feuers! – Wie aber solche nach dem Abfalle des Leibes sich artet, werden wir noch bei so manchem Geiste unserer geistigen Sonne als eine gute Zugabe vorübergehend zu Gesichte bekommen. Ich sage euch: Wehe der Welt ihres Argen willen, denn ihr Gewinn wird heißen: Schrecklich und überaus elend ist es zu sein im Zorne Gottes! – Doch nun nichts mehr weiter von dem. Es naht sich für ein nächstes Mal schon wieder ein anderer geistiger Gastfreund, und wir wollen bei seiner Gegenwart wieder etwas Neues aus seiner Lebenssphäre gewinnen.
[GS.01_007,18] Die zwei früheren Geister aber wollen wir einstweilen in unserer Gesellschaft behalten; denn der Anselm H. W. wird doch die Nähe seines Großvaters ertragen können! Und somit lassen wir die Sache für heute wieder gut sein! –

 rückwärts

Die geistige Sonne, 4. - 7. Kapitel

 vorwärts  

 
    
 
  ©  Peter Eppich, Im Breyel 21, 79292 Pfaffenweiler, eppich@web.de FAX: 01212-5-115-69-389