Peter Eppich

 
Jakob Lorber
   Im Breyel 21  
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Bischof Martin, 4. - 7. Kapitel

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4. Kapitel – Bischof Martins Ärgernis an dem lutherischen Tempel und des Engels Entgegnung. Martins Bereitschaft zum Dienst als Schafhirte.

[BM.01_004,01] Sie gehen nun weiter, mehr gegen Mittag gewendet, und kommen zu einem ganz gewöhnlichen Bauernhof, vor dem ein leicht erkennbarer kleiner lutherischer Tempel steht. Als der Bischof dieses größten Dornes in seinen Augen ansichtig wird, bleibt er stehen, um ein Kreuz ums andere über seine stark kahle Stirne zu schlagen und sich an die Brust mit geballter Faust unter steter Begleitung des Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa zu schlagen.
[BM.01_004,02] Der Engel aber fragt ihn: „Bruder, was hast du denn? Stört dich etwas hier? Warum gehst du denn nicht weiter?“
[BM.01_004,03] Der Bischof spricht: „Siehst du denn den lutherischen Tempel nicht, der des leibhaftigen Gottstehunsbei ist? Wie kann da ein Christ sich einem so verfl... – oh, will's nicht sagen – Orte nahen?
[BM.01_004,04] Oder bist du etwa selbst der verkleidete Gottstehunsbei?! – – Oooooh – wenn du das – bist, so ver – laß mich, o du abscheulichster – Gottstehunsbei!“
[BM.01_004,05] Spricht der Engel: „Möchtest du noch einmal die Tour von deinen 5-10 Millionen Jahren auf einem noch finstereren und magereren Orte des Geisterreichs zubringen? So dir solches lieber ist, sage es nur rund heraus; sieh, hier ist dein altes Bischofsgewand schon in Bereitschaft! Diesmal aber wirst du wohl zehnmal so lange zu harren haben, bis dir jemand zu Hilfe kommen wird!
[BM.01_004,06] Siehst du mich denn nicht noch in deinem Bischofsgewande einhergehen? Ihr aber habt ja eine Meinung und sagt: der Teufel könne sich wohl bis zu einem Engel des Lichtes verstellen, aber die vom Heiligen Geiste durchdrungene Gestalt eines Bischofs wäre ihm unmöglich nachzuahmen! Willst du deine Meinung nicht selbst verdammen, wie magst du mich denn für einen Teufel halten? (der Bischof sinkt fast zusammen, schlägt ein großes Kreuz und spricht: ,Gott steh uns bei!‘)
[BM.01_004,07] Verdammst du aber deine dogmatische Meinung, die aus der Unüberwindbarkeit des Felsen Petri durch die Pforten der Hölle herrührt, da hebst du damit ja ganz Rom auf. Und ich begreife dann nicht, wie dich als einen offenbaren Gegner Roms dies Häuschen genieren kann, das du für einen evangelischen Tempel hältst?! Siehst du denn nicht ein, daß da in deinem ganzen nunmaligen Benehmen auch nicht die leiseste Spur einer moralischen und noch weniger religiösen Konsequenz vorhanden ist?“
[BM.01_004,08] Spricht der Bischof: „Du hast freilich verzweifelt stark recht, wenn man die Sache beim Lichte betrachtet. Aber so du wirklich ein Bischof bist, so wird dir ja von Rom aus auch bekannt sein, daß da jeder Rechtgläubige allen seinen Verstand unter den Gehorsam des blinden, unbedingten Glaubens gefangennehmen muß! Wo aber der Verstand mit den schwersten Fesseln belegt ist, wo wohl sollte da bei unsereinem eine Konsequenz im Denken und Handeln herauswachsen?!
[BM.01_004,09] Bei uns heißt es: ,Der Mensch hüte sich vor allem, in den Geist der Religion einzudringen; er wisse nichts, sondern glaube alles blind und fest! Es ist dem Menschen heilsamer, als ein Dummkopf in den Himmel, denn als ein Aufgeklärter in die Hölle zu kommen! Man fürchte Gott der Hölle und liebe Ihn des Himmels wegen!‘ Wenn aber das der Grund unserer Lehre ist, wie willst du von mir denn eine Konsequenz haben?“
[BM.01_004,10] Spricht der Engel: „Leider ist mir nur zu bekannt, wie es mit der Lehre Babels steht, und wie sie dem Evangelium schnurstracks entgegen ist, allda es ausdrücklich heißt: ,Verdammet nicht, auf daß ihr nicht verdammet werdet; und richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!‘ Ihr aber verdammet und richtet allzeit jedermann, der sich nicht unter euer Babelszepter schmiegt!
[BM.01_004,11] Sage: Seid ihr da wohl Christi, so ihr doch nicht im geringsten Seiner allersanftesten Lehre seid? Ist in Christi Lehre nicht die größte, allererhabenste Ordnung und Konsequenz wie in der ganzen Schöpfung? Weht nicht die Fülle des Heiligen Geistes aus jeglichem Worte des Evangeliums? Seid ihr aber im Wort und Werk nicht allzeit gegen den Heiligen Geist gewesen, da ihr absichtlich allzeit der reinsten Lehre entgegengehandelt habt, die voll ist des Heiligen Geistes, indem dieser erst die zuvor vom Herrn verkündigte Lehre für ewig bleibend den Aposteln und Jüngern wiedergab?!
[BM.01_004,12] Du siehst daraus, auf welch verdammlichem Grunde du stehst, wie ganz reif für die Hölle! Aber der Herr will dir Gnade für Recht ergehen lassen; darum beschickt Er mich zu dir, auf daß ich dich erretten solle aus deiner alten babylonischen Gefangenschaft!
[BM.01_004,13] Aus dem Grunde will es der Herr, daß du dich vor allem mit deinem stärksten Augendorne vergleichen und aussöhnen sollst, so du je auf den Himmel einen Gnadenanspruch nehmen willst. Möchtest du aber bei deiner Babelslehre verharren, so wirst du dich selbst zur Hölle treiben, aus der dich schwerlich je ein Freund Jesu des Herrn herausholen wird!“
[BM.01_004,14] Spricht der Bischof: „Ja, ja, liebster Freund, es fängt an, zum erstenmal etwas von einer Konsequenz in mir emporzutauchen! Daher habe nur Geduld mit mir; ich will ja in Gottesnamen schon tun, was du willst! Aber nur von der schrecklichsten Hölle rede mir nichts mehr – und führe mich nur weiter!“
[BM.01_004,15] Spricht der Engel: „Wir sind vorderhand schon am Ziel. Siehe, eben hier bei diesem lutherischen Landmann und Bischofe zugleich, der ich selbst es bin, wirst du einen Dienst als Schafhirte bekommen; die treue Verwaltung dieses Amtes wird dir Brot und ein allmähliches Emporkommen bewirken! Wirst du aber dabei mürrisch und richterisch zu Werke gehen, so wirst du dir sehr schaden und wirst dir schmälern Brot und Emporkommen! Willst du aber ein getreuer Diener sein, so denke nicht mehr an dein irdisch Sein zurück, sondern vielmehr, daß du hier wieder von unten an mußt zu dienen anfangen, so du es vorwärtsbringen willst!
[BM.01_004,16] Aber das merke dir übergut: Vorwärtsgehen heißt hier zurück treten und der Letzte und Geringste sein wollen. Denn niemand kommt eher zum Herrn, als bis er sich unter seine kleinste Zehe durch und durch in allem und jedem gedemütigt hat. – Nun weißt du für diese deine Lage alles; darum folge mir in dies Haus guten Herzens! Dein Wille!“
[BM.01_004,17] Der Bischof folgt ihm nun ohne Einrede, denn er sieht, daß sein Führer es mit ihm unmöglich übel meinen kann.

5. Kapitel – In der Hütte des Engels Petrus. Ein Lichtwort des Engels über Luther. Martins Anstellung als Schafhirte im Jenseits.

[BM.01_005,01] Als beide in das Haus kamen, das sehr einfach und fürs Nötigste eingerichtet war, erschaute unser Bischof auf einem kleinen dreieckigen Tisch die lutherische Bibel des Alten und Neuen Testaments und ward darob sichtlich verlegen.
[BM.01_005,02] Solches aber merkte sogleich der Engel Petrus und sprach zu ihm: „Was wohl hat je Luther dir getan, daß du ob der großen Verachtung dieses Mannes auch seine möglichst getreue Bibelübersetzung, in der nichts als das reine Wort Gottes enthalten ist, mit verachtest?
[BM.01_005,03] Siehe, war Luther auch nicht in der Fülle ein Mann, von dem sich mit vollstem Rechte sagen ließe: ,Er war ein Mann nach dem Herzen Gottes!‘, so war er aber dennoch um überaus vieles besser als gar überaus viele aus deiner Kirche, die wollen die allein rechten und allervollkommensten sein, sind im Grunde aber dennoch die unvollkommensten und allerletzten! Er aber allein hatte inmitten der krassesten Babelsnacht den löblichen Mut, der Menschheit das reine Wort Gottes wiederzubringen und diese dadurch auf den rechten Weg des Herrn zu führen!
[BM.01_005,04] Waren auf diesem Wege wohl auch einige Dunkelheiten anzutreffen – was natürliche Folgen des noch zu nahen Babels (Rom) waren –, so war dennoch seine Lehre nach dem reinen Worte des Herrn gegenüber der alten Irrlehre Roms gleich einer Mittagssonne gegen ein allermattestes Sumpflicht in stockfinsterer Nacht!
[BM.01_005,05] Wenn Luther aber solches im Namen des Herrn gewirkt hat, sage, welchen Grund hast du dann wohl, diesen würdigen Mann so zu verschmähen und zu verachten?“
[BM.01_005,06] Spricht der Bischof: „Ich verachte ihn gerade nicht; aber du weißt es, so man lange der Sklave einer Partei war, hat man mit der Zeit einen künstlichen Haß gegen den in sich herangebildet, den seine Partei bei tausend Gelegenheiten verflucht und verdammt hat! Das ist denn auch bei mir der Fall. Ich hoffe aber zu Gott und erwarte von Ihm, daß Er mir helfen wird, alle meine von der Erde hierher gebrachten Torheiten von A bis Z abzulegen. Daher stoße dich nicht an mir, es wird mit mir hoffentlich schon noch besser werden!“
[BM.01_005,07] Spricht der Engel Petrus: „O Bruder, ermahne nicht mich, sondern nur dich zur Geduld! Denn du weißt es noch nicht, was dir alles begegnen wird; ich aber weiß es und muß daher so mit dir handeln, daß du in der Wahrheit gestärkt werdest, jenen Versuchungen kräftig zu begegnen, die dir tausendfach auf dem Wege zum Herrn vorkommen werden.
[BM.01_005,08] Da siehe zum Fenster hinaus! Siehst du dort die vielen tausend Schafe und Lämmer, wie sie mutig durcheinanderrennen und springen?
[BM.01_005,09] Hier aber ist ein Buch, in dem ihre Namen verzeichnet sind; nimm es zu dir und rufe sie alle beim Namen daraus! So sie in deinem Rufe eines rechten Hirten Stimme erkennen werden, werden sie eiligst zu dir kommen. Erkennen sie aber in dir eines Mietlings Stimme, dann werden sie sich zerstreuen und werden dich fliehen. Wenn aber solches geschieht, da murre nicht, sondern erkenne, daß du ein Mietling bist; und es wird dann ein anderer Hirte zu dir kommen und wird dich lehren, wie Schafe und Lämmer zu hüten und wie zu rufen sind!
[BM.01_005,10] Nun aber nimm dies Verzeichnis; gehe hinaus und tue, wie ich dir's nun geraten habe!“

6. Kapitel – Bischof Martins angenehme, aber gefährliche Überraschung im neuen Dienst. Die Schafherde – eine Menge schöner Mädchen!

[BM.01_006,01] Unser Mann geht in seiner Bauernkleidung mit einem ziemlich dicken Buche unter dem Arm hinaus, wo ihm die Herde gezeigt wurde, die sich in der (geistigen) Entfernung der Erscheinlichkeit nach wirklich als Schafe und Lämmer ausnahm. In der geistigen Nähe aber bestand sie aus lauter frommen und sanftmütigen Menschen, zumeist aus weiblichen Seelen, die auf der Welt so recht kreuzfromm gelebt hatten, aber dabei auf die römische Geistlichkeit doch bei weitem größere Stücke hielten denn auf Mich, den Herrn, da sie Mich nicht kannten und jetzt auch noch nicht erkennen – daher sie denn in einiger geistigen Ferne sich noch jetzt als Tiere sanftester Art ausnehmen.
[BM.01_006,02] Als nun unser Mann hinauskam, so recht wohlgemut wie einer, der nach langer Praxis zum erstenmal in ein besoldetes Amt eingesetzt wird, ließ er sich auf einen bemoosten Stein nieder und sah umher, wo die Schafe und die Lämmer wären. Aber er entdeckte nun nichts mehr von diesen nützlichen Haustieren, sondern eine große Menge allerschönster und zartester Mädchen, die auf einem weitgedehnten Wiesenteppiche munter umherhüpfend Blumen sammelten und daraus die schönsten Kränze und Kränzchen flochten.
[BM.01_006,03] Als unser Mann solches merkte, da sagte er zu sich selbst: „Hm, das ist sonderbar! Es ist doch derselbe Platz, dieselbe Wiese, auf der ich ehedem eine beinahe zahllose Menge von Schafen und Lämmern entdeckte. Nun ist die Herde wie weggeblasen und an ihrer Statt tausend der allerliebsten Mädchen, von denen die eine schöner ist als die andere! Aufrichtig gesagt, wenn diese ganze Geschichte nicht irgendeine verfängliche Lumperei ist, so wäre mir diese Herde freilich wohl unglaublich lieber; aber man darf hier im Ernste seinen Sinnen nicht trauen, denn – kehr' die Hand um, und es ist alles ganz anders!
[BM.01_006,04] O weh, o weh, jetzt kommen sie alle auf mich zu, ohne daß ich sie verlesen habe! Na, ist auch recht; da werde ich diese lieben Kinder doch in der Nähe so recht nach Herzenslust betrachten können, und – oh, oh! – vielleicht kann ich hier etwa gar eine oder die andere umarmen? Da wäre es wahrlich gar nicht so übel, in alle Ewigkeit hier ein Hirte einer so herrlich verwandelten Schafherde zu sein! Wirklich nicht übel, nicht übel! –
[BM.01_006,05] Sie kommen näher; und je näher, desto herrlicher sehen sie aus! Die eine dort in der Mitte voran – oh, oh, ist die aber schön! – O Kraft meiner Moral, jetzt verlaß mich nicht, sonst bin ich verlesen! Es ist nur gut, daß hier das dumme Zölibat keine Geltung mehr hat, sonst könnte unsereiner hier auf die leichteste Art zu einem Todsünder werden!
[BM.01_006,06] Ich soll sie wohl aus dem Buche beim Namen rufen, aber das werde ich nun fein bleiben lassen; denn dann würden sie offenbar davonrennen und sich nimmer blicken lassen! Daher nur schön ruhig, du mein dickes Namensbüchlein; vor dieser Herde sollst du so hübsch verschlossen bleiben!
[BM.01_006,07] Sie kommen näher und näher, und – nur stille jetzt, noch zehn Schritte und sie sind da; ja, da ganz bei mir werden die lieben Engerln sein! – O ihr lieben, lieblichen Engerln!“
[BM.01_006,08] Seht, nun sind die „lieben Engerln“ schon bei unserem Mann, umringen ihn und fragen ihn, was er hier zu machen habe?

7. Kapitel – Bischof Martins Versuchung und seine Belehrung durch den Engel Petrus.

[BM.01_007,01] Unser Mann, ganz weg vor lauter Anmut und Liebe, antwortet mit bebender Stimme: „O ihr – himm–lischen Engerln, oh, oh, oh, ihr lieben, lieben Engerln! – Oh, ohooooh, ihr allerliebsten Engerlein Gottes! – Ich – soll – euer – Hirte sein; aber ihr aller-, allerliebsten Engerlein, ihr seht es ja, daß ich dazu viel zu dumm bin!“
[BM.01_007,02] Die Schönste dieser Herde setzt sich recht kindlich zutraulich knapp neben unserem Mann zuerst nieder und die andern folgen ihrem Beispiele. Eben diese Allerschönste sagt darauf zu unserm Hirten: „O du lieber Mann, du bist zu bescheiden; denn ich finde dich sehr schön, und wärst du zu bewegen, so wäre ich überglücklich, ewig die Deine zu sein! Sieh mich an; gefalle ich dir denn nicht?“
[BM.01_007,03] Unser Mann bringt aus lauter Verliebtheit nichts als sein nun stark zitterndes und nimmer endenwollendes Ooooooooh heraus; denn der überschöne, goldblond gelockte Kopf, die freundlichsten großen, blauen Augen, der Rosenmund, der ätherisch wallende volle Busen, die schönsten, runden Hände, wie die noch ätherischeren Füße bringen unsern Mann beinahe von Sinnen.
[BM.01_007,04] Das Engerl sieht des Hirten große Liebesaufregung, beugt sich über ihn und gibt ihm einen Kuß auf die Stirne.
[BM.01_007,05] Bis dahin hatte sich unser Mann noch so ziemlich tapfer gehalten; nun aber war es rein aus! Er wurde durch und durch erregt; umschlang diese Schönste nach Kräften und brach endlich in einen Strom von Liebesbeteuerungen aus.
[BM.01_007,06] Als er aber so in sein Dulcissimum kam, verwandelte sich plötzlich die ganze Szene. Die lieben Engerln verschwanden und der Engel Petrus stand bei unserm Manne und sprach:
[BM.01_007,07] „Aber Bruder, wie weidest denn du deine Schafe? Habe ich dir solchen Rat erteilt? Ja, wenn du so mit den dir anvertrauten Schafen und Lämmern umgehst, dann wirst du wohl überlange nicht zum ewigen Lebensziele gelangen! Warum hast du denn das Buch nicht gebraucht?“
[BM.01_007,08] Spricht der Bischof: „Warum aber hast du mir auch nicht gesagt, daß diese von deinem Hause aus gesehenen Schafe und Lämmer eigentlich nur die allerschönsten und reizendsten Mädchen sind, bei denen nur ein Stein gleichgültig bleiben könnte?! Du siehst, daß ich da eigentlich nur gefoppt war, und so wirst du aus solcher Fopperei ja doch kein schrecklich Wesen machen?“
[BM.01_007,09] Spricht der Engel: „Wie sieht es denn nun mit deinem Zölibat aus? Hast du nun dieses nicht gebrochen und das Gelübde der ewigen Keuschheit?“
[BM.01_007,10] Spricht der Bischof: „Ach, was Zölibat, was Gelübde! Bin ich doch jetzt ganz mit Haut und Haar auf lutherischem Boden; der hebt beides auf! Und überhaupt: einem solchen Engel, wie dies Mädchen da war, hätte ich auch auf der Welt mit dem ganzen Zölibate ein Opfer gebracht und wäre ihr zuliebe augenblicklich ein Lutheraner geworden! Aber wohin sind denn nun diese herrlichen Mädchen verschwunden, besonders die eine? Oh, wenn ich nur diese noch einmal sehen könnte!“
[BM.01_007,11] Spricht der Engel: „Freund, du wirst sie nun recht bald wiedersehen, samt ihrer Begleitung; aber dann darfst du sie nicht sprechen und noch weniger dich ihr nahen! Wenn sie dir aber nachsetzen will, dann hebe deine Hand auf und sage: ,Kehre im Namen des Herrn zurück zur rechten Ordnung und versuche mich nicht, sondern folge der Stimme der Ordnung!‘
[BM.01_007,12] Sollte sich die Herde nicht daran kehren, da schlage das Buch auf und lies die Namen, die darinnen stehen, so wird die Herde sich entweder plötzlich zerstreuen oder – so sie in dir einen Ton gewahren wird, der aus des Herrn Kraft in dir entstammt – so wird sie dir folgen. Du aber wirst sie dann führen auf jenen Berg dort gegen Mittag, wo ich dir schon wieder entgegenkommen werde!
[BM.01_007,13] Was aber jetzt geschah, das opfere in deinem Herzen dem Herrn Jesus auf; denn Er ließ es zu, daß du fielst und im Falle dein hartnäckiges Zölibat von dir warfst!
[BM.01_007,14] Nun aber falle nicht mehr; denn ein wiederholter ähnlicher Fall würde dich in einen solchen Schaden versetzen, daran du im Ernste Hunderte von Erdenjahren zu nagen hättest, bis du ihn von dir brächtest! Daher sei nun vorsichtig und klug! Denn wirst du einmal lauter sein, dann werden zahllose und noch endlos größere Schönheiten im Reiche Gottes dir entgegenkommen; aber vorher mußt du alle deine irdischen Torheiten ablegen aus der Wurzel!
[BM.01_007,15] Nun verharre hier und tue nach diesem meinem Rate, so wirst du für die Folge einen angenehmen Weg haben im Namen des Herrn!“
[BM.01_007,16] Nach diesen Worten verschwindet der Engel Petrus plötzlich, damit der Bischof nun keine Gelegenheit haben solle, noch irgend einige burleske Bemerkungen zu machen und in manchem dem Engel zu widersprechen!

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